Baltic Törn 2020!

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Hier mündet die Schlei in die Ostsee. Es liegt grob gesagt zwischen Kiel und Flensburg, gegenüber der wunderschönen Dänischen Insel Aero.
Hinter dem Leuchtturm ist ein Naturschutzgebiet, ein kleiner Hafen und die kultige Kneipe „Giftbude“, sie ist nur mit dem Boot zu erreichen.
Unser Heimathafen liegt gleich dahinter in Maasholm, einem verschlafenen Fischerdorf. Hier läuft die Zeit langsamer – glaubt ihr nicht? Dann einfach mal ausprobieren.

In die falsche Richtung!

Bevor es richtig los geht, wollen wir in der Comfortina Werft in Schleswig noch einige Reparaturen durchführen lassen. Nichts großes, aber alles soll gut funktionieren.

Dafür müssen wir die Schlei raufsegeln. Die Schlei ist kein Fluss sondern ein Fjord. Er hat keine Quelle, sondern endet einfach irgendwo. Die Tour ist immer wieder schön, es gibt viel zu sehen vom Wasser aus. Mehr in dem aktuellen Artikel im Hamburger Abendblatt, siehe Links.

Bei starkem achterlichen Wind kommen wir am Sonntag im Stadthafen Schleswig an. Die Stadt wird immer schöner und die Marina und die Anlagen sind einfach top.

Nach einem Tag ist alles erledigt und Dienstag geht es in dir richtige Richtung – wieder nach Maasholm – von da soll es Mittwoch gen Osten gehen.

Auf in die Große Freiheit

m 17. Juni geht es los: die große Freiheit genießen. Schleimünde liegt achteraus, Großsegel und Code-Zero sind gesetzt; aber der Wind will nicht so richtig. Wir probieren, geben Rasmus und Neptun einen großen Schluck Sherry, um sie gnädig zu stimmen. Aber für den Moment hilft es nicht. Also muss die „Unterwasser-Genua“ her: unter Motor bis Heiligenhafen.

Da heute auch noch geschossen wird, ist das Warngebiet Putlos gesperrt; wir müssen einen kleinen Umweg fahren. Aber endlich nach 46 Seemeilen liegen wir fest in Heilighafen.

Hier treffen wir uns mit Eike, Ute’s Schwester. Anschließend gibt es ein leckeres asiatisches Mahl auf der Promenade. Heiligenhafen hat sich wirklich gemausert in den letzten Jahren.

Für Landratten

Auf dem Wasser ist einiges anders als auf der Straße. Damit alle alles verstehen, hier einige Erläuterungen.

Distanz wird nicht in KM gemessen sondern in Seemeilen = Nautical Mile = NM, 1 NM = ca. 1,8 Kilometer. Nicht zu verwechseln mit der Landmeile in den USA, die ist deutlich kürzer.

Geschwindigkeit wird demzufolge in Seemeilen per Stunde = Knoten = Kn angegeben. Wenn unsere Segelyacht 7 Kn macht, sind as 12-13 KM/h – mit dem Fahrrad ist man schneller. Mit den 7 Kn kann man aber nicht kalkulieren bei der Routenplanung, eher mit durchschnittlichen 6 Kn.

Geschwindigkeiten gibt es zwei: erstens „Speed over Ground“, die misst das GPS und zweitens „Geschwindigkeit durchs Wasser“. Der Unterschied ist die Strömung, die gegen und mit einem sein kann. In Tidengewässern und Meerengen (Oeresund bei Kopenhagen, Ärmelkanal) ist die Strömung sehr stark und muss im Vorwege einkalkuliert werden . Wenn es ganz schlimm kommt, ist die Strömung stärker als die Fahrt durchs Wasser, dann geht es rückwärts.

Windgeschwindigkeit wird gemessen in Beaufort, 1-12, letzteres ist Sturm oder Orkan. Die Einteilung ist sehr grob. Deshalb kalkuliert der Segler meistens mit Knoten oder aber wie Ute und ich mit Meter pro Sekunde. Das haben wir uns einmal angewöhnt und können es jetzt im Alter nicht mehr ändern. Man kauft ja auch immer noch ein Pfund Butter, oder?

Ist der Wind wenig (< 2,5 m/s), kommt man nicht voran, aber es ist ungefährlich und man nutzt die „Unterwasser Genua“. Zu viel Wind kann gefährlich werden, besonders für eine kleine Crew wie uns. Wir bleiben im Hafen, wenn nachhaltig über 12m/s zu erwarten sind.

Anders als eine Jolle kann eine Segelyacht durch den Wind nicht zum Kentern gebracht werden, das ist beruhigend. Aber meistens kommt mit dem Wind die Welle und die kann durchaus gefährlich werden. Aber mehr als 2m hohe Wellen sind in der Ostsee unwahrscheinlich, dafür ist die Welle sehr kurz und kann sehr unangenehm sein für Leute, die es nicht gewohnt sind.

Am wichtigsten ist zu wissen, wo man ist. Klassisch wird das durch Peilung bestimmt, also 2-3 Landmarken peilen und die Kurse auf der Karte mit Bleistift eintragen. Wo die Linien sich überschneiden ist die augenblickliche Position. Das muss man alle Stunde wiederholen.

Macht heute kein Mensch mehr, alle benutzen das GPS, das bestimmt die Position sehr genau und die Daten werden an einen Screen, den nennt man Plotter (warum auch immer) übertragen. Screen-shots sehr ihr unten. Erst die Position und die angelegte Route und darunter die Auswertung des Tages.

Segeltag 2 – es sollte nach Osten gehen

Am nächsten Tag ist es anfangs wie immer: Erst muss Marcus noch in eine Telefonkonferenz; er ist bislang nur im Urlaub und noch nicht in Rente … . Aber um 10.00h geht es los.

Es sind 5Bf vorhergesagt. Also wird gleich das 1. Reff eingebunden und zur Fehmarn-Sund-Brücke gekreuzt. Dann hoch am Wind durch den Tonnenstrich und danach wird Andante losgelassen. Mit 7-8 Kn. über Grund rauscht sie durch dann doch hohe Ostseewellen.

Nach der Hälfte der Strecke entscheiden wir uns für eine Kurskorrektur, denn der Wind nimmt weiter zu und die Wellen werden höher (min. 2 m): nicht mehr Kühlungsborn ist das Ziel sondern Boltenhagen. Wir befürchten, dass der Hafen von Kübo bei den hohen Wellen nur mit Risiko anzulaufen wäre.

Andante schaukelt sich durch die Wellen. Schließlich sind wir nach 48 Seemeilen um 17.00h im Hafen. Müde aber zufrieden gibt es noch ein leckeres Mal: Penne mit Lachs und Spargel.

Es folgen zwei Hafentage in Boltenhagen: Viel Wind aus der falschen Richtung und am möglichen Ziel in Kübo oder Warnemünde regnet es ununterbrochen. Also fast trockener Aufenthalt in Boltenhagen: noch hat der Charme dieses Ortes seine Grenzen, aber das könnte sich in einigen Jahren ändern.

Segeltag 3: Ab nach Warnemünde

Endlich am Sonntag, den 21.06. geht es weiter. Die Sonne scheint, der Wind weht nett und ganz ordentlich. Aber leider von hinten: ordentlich Welle von achtern ab der Hälfte der Strecke. Wir schaukeln uns schnell nach Warnemünde. Jetzt sind wir an dem Ziel, das wir vor 3 Tagen angepeilt hatten. Morgen kommt der lange Schlag um den Darss nach Rügen.

Wo soll es eigentlich hingehen?

Marcus, der alte Controller, braucht immer ein Ziel und einen Plan. Wenn man kein Ziel hat, weiß man ja gar nicht, ob man angekommen ist, oder? Der Plan kann variieren, täglich oder auch stündlich.

Das Ziel ist bisher Stockholm und, wenn es die Zeit zulässt, die Aaland Inseln. Diese Inseln sind eine autonome Region zwischen Stockholm und Turku. Offiziell gehören die Inseln zu Finnland, also zur Zeit gibt es ein Einreiseverbot. Auch Stockholm als Europäische Corona Hauptstadt steht für uns zur Debatte.

Es bleibt aber Schweden als Ziel und dort besonders die Ostschären – das sind Steinhaufen im Wasser zwischen denen man ankern kann. Alle Leute schwärmen davon und besonders schön sollen diese zwischen Kalmar und Stockholm sein.

Wie weit wir gen Norden kommen, wird sich zeigen. Vielleicht müssen wir Plan B aktivieren, den verraten wir noch nicht – etwas Überraschung muss ja sein.

Um’n Darss rum

Das ist für alle Segler immer eine Herausforderung, weil es zwischen Warnemünde und Hiddensee keine Häfen gibt, die man anlaufen darf. Fast 70 Seemeilen liegen vor uns und bei durchschnittlich 6Kn macht das 10-12 Stunden.

Während der ersten 26 NM ist es eine wunderschöne Rauschefahrt, teilweise unter Fock, später kommt der Code-Zero zum Einsatz. Doch ab dem Darsser Ort bleibt der Wind weg. Also wieder die Unterwassergenua einsetzen.

Immer wieder geben wir den Segeln eine Chance, aber mit 3-4 Kn. Geschwindigkeit kämen wir erst nachts in Lohme auf Rügen an.

Endlich ab der Spitze von Hiddensee, den Dornbusch, kommt Wind auf und weht aus guter Richtung. Wieder der Code-Zero und Andante läuft mit ordentlich Speed zum Ziel. Der Wind wird immer stärker, der Code-Zero wird geborgen und die Fock ausgerollt. Mit 7-8 Kn. kommen wir unserem Ziel Lohme schnell näher.

Nach 11 Stunden sind die Leinen fest im Hafen. Aber so schön der Hafen ist: der intensive Geruch nach verfaulenden Wasserpflanzen ist sehr störend. Deshalb erklimmen wir den Hang und genießen den Ausblick auf die Bucht und das Kap Arkona beim Abendessen.

Bis hierher war nur Anreise

Am nächsten Tag weht der Wind frisch mit 8 m/s aus West, das bedeutet eine schnelle Überfahrt nach Roenne auf Bornholm. Wir sind nicht allein, sondern werden begleitet von der Comfortina 35 „Blaufuchs“ aus Strahlsund, die tags zuvor mit uns in Lohme angekommen waren.

Unsere Andante zieht gut, obwohl wir ein Reff eingezogen haben und „Blaufuchs“ kann uns auch mit vollen Segeln nicht einholen. Mit durchschnittlich 7Kn und in der Spitze 9Kn über Grund brausen wir gen Bornholm.

Der direkte Weg ist uns allerdings versagt; ein neuer großer Windpark versperrt den Weg. Aber glücklicherweise ist der Umweg nur kurz und wir sind schon um 17.00h nach 50 NM in Roenne.

Nach dem Klar-Schiff-Machen gibt es einen Anleger-Sherry mit der Crew der „Blaufuchs“.

Bornholm, das erste Ziel: Jetzt ist die Anreise beendet und der Urlaub beginnt.

Der Fahrtwind ist noch kühl, es ist ja auch erst Juni

Roenne – Hammerhavn

Roenne ist gut zum Anlaufen und zum Proviant fassen, beides haben wir hier genutzt. Danach verschwindet man entweder gen Süden oder gen Norden. Wir wollten unbedingt nach Hammerhavn und Gudhjem, also in Richtung Norden.

Segeln war sehr schön, 4 m/s, 12 NM, hoch am Wind, alles gut.

Hammerhavn ist eigentlich der Nothafen für die Versorgungsboote von Gudhjem nach Christiansoe, wenn in Gudhjem der Wind auch dem Osten reindonnert. Auch das Lotsenboot, das große Tanker etc. durch das nördlich gelegene Bornholm-Gatt führt, kann zur Not in Hammerhavn festmachen. Ansonsten ist es ein kleiner und schöner Hafen mitten in der Natur mit Kiosk, kleinem Strand und eben der Burg, siehe Fotos.

Die ex. „Hamershus Slotsruin“ ist für die Kulturbanausen eine Ansammlung vieler Steine, aber lt. Wikipedia etwas mehr:
„Hammershus [hɑməʀsˈhuːʔs] war eine stark befestigte Burg an der Nordwestseite der dänischen Insel Bornholm. Heute ist es einer der größten zusammenhängenden Burgruinen-Komplexe Nordeuropas. Sie liegt auf einer Klippe 74 Meter über dem Meer und ist von einer 750 Meter langen Ringmauer umgeben.“ Jo, so ist es dann woll.

Die Natur ist wunderschön und wir bleiben länger als geplant, siehe auch „Landgang“.

Landgang Bornholm

Ist unsere Lieblingsinsel, neben Hiddensee, Anholt, Aero, Rügen, Lyö … . Hier herrscht ein besonderes Klima, in Gudhjem wachsen sogar Feigen. Hier ist bestimmt das dänische „hygge“/“hyggelig“ (gemütlich, angenehm, niedlich, klein aber fein) entstanden.

Als Segler landet man meistens in Roenne wegen der kürzesten Distanz zu Rügen. Eine Hafenstadt, die anderen Orte sind einfach schöner. Wir fahren schnell weiter nach Hammerhavn, das ist Natur pur, im Norden der Insel.

Sandvig auf Bornholm: klein – abseits – schön – entspannend

Eine kleine Wanderung Hammerhavn – Sandvig – Hammerhavn

Kleine Fahrradtour von Hammerhavn nach Allinge

Eigentlich sind Sandvig und Allinge ein Ort, beide gleich pittoresk. Allinge ist etwas größer, hat einen Supermarkt, der hier meistens Brugsen (das „g“ wird nicht ausgesprochen) heißt. Viel wichtiger: wir haben uns mal wieder getraut Dänisch zu Essen. Man muss wissen, das Kochen hat der Däne nicht erfunden. Aber „Frokost“, ist ein Brot mit Salat und Fleisch, Fisch und/oder Gemüse und ganz lecker.

Das genießen wir in einer kleinen Gastwirtschaft, die „14 verschiedene lokale Kraft Biere“ anbietet. Nachdem Marcus alle Biere 2x probiert hat, konnte er immer noch nicht sagen, welches das leckerste ist. Lokal meint hier, von Bornholm. Das scheint in Dänemark ein großer Trend zu sein, viel mehr als bei uns.

Das ist Kim und die Hälfte seiner Biere

Noch eine kleine Fahrradtour zur einer Rundkirche, gar nicht so selten in Dänemark

Nach Lummerland

Eigentlich wollten wir von Hammerhavn nach Gudhjem segeln, das kennen wir als wunderschönen kleinen Ort. Der Wind kommt aber voll gegenan und der Kreuzschlag hat uns fast bis Christiansoe getrieben, also haben wir uns kurzerhand umentschieden und dort fest gemacht.

Das Segeln, 18 NM bei 4 m/s Wind bezeichnet Marcus als „Kaffeesegeln“, auch mal schön. Nach 4 Stunden gegen Wind und leichte Welle machen wir fest.

Diese sehr kleine Inselgruppe liegt militärstrategisch an einer exponierten Stelle, deshalb wird der Ort auch vom Dänischem Verteidigungsministerium verwaltetet. Alles weitere, siehe Landgang unter Links.

Christiansoe

Lummerland ist groß dagegen, deshalb gibt es auch keine Eisenbahn, aber der König, nee die Königin kommt ab und an vorbei. Hier ist es voll skurril. Es leben 90 Einwohner und bewachen Dänemark vor Engländern, Schweden und anderen finsteren Gesellen.

Es gibt immerhin ein Restaurant, mit Bier von der Insel, welches das Ärzteehepaar nebenbei braucht. Die Inselgruppe gehört keiner Gemeinde von Dänemark an, sie dürfen nur an der Parlaments- und Europawahl teilnehmen. Es gibt eine Zahnarzt-Praxis, der Zahnarzt kommt allerdings nur 3x im Jahr. Alles weitere in dem Link und Links.

Jetzt nach Gudhjem, zurück nach Bornholm

Lummerland ist – wie gesagt – sehr hyggelig, aber leben könnte ich hier nicht. Schon nach einem Tag wird es eng. Obwohl viele Touristen dort mehrere Tag verbringen.

Wir wollen die 10 NM nach Gudhjem segeln, d.h. die ersten 5 sind herrliches Kaffesegeln, danach totale Flaute. Wir warten lange ab, haben ja Zeit, aber als die ETA für die letzten 4 Meilen auf 19.30h springt, schmeißen wir den Motor an und holen die Segel ein. Just in dem Moment, als wir das Groß geborgen haben, brist der Wind wieder auf. Wir sind aber zu faul, alles wieder hoch zu ziehen.

Die Einfahrt in den Hafen Gudhjem ist auch von 100 Meter Entfernung kaum zu sehen, aber wir treffen sie und landen in einer fast leeren Marina. Normalerweise liegen hier die Boote fast übereinander, aber noch ist Vorsaison und wir haben Corona –> keine Schweden.

Das Anlegen machen wir maximal aufwändig. Erst längseits, stellen aber fest, dass dies für den aufkommenden starken Wind aus West ungünstig ist. Also legen wir uns gen Westen an eine der Moorings. Sie besteht aus eine Stahlkette und keiner Leine, das ist nicht schön. Aber irgendwann bekommen wir es hin und haben den schönsten Platz im Hafen.

Es folgt ein kleiner Lunch mit mal wieder lokalem Bier aus Swaneke und kleinen Tapas. Es hat geschmeckt. Später sitzen wir im Cockpit mit Blick auf eben diese Bar und dann spielt dort eine Jazzband. So hören wir Bye Bye Blackbird live im Cockpit. Mehr geht nicht.

Ab übermorgen soll es ordentlich kacheln, so dass wir erst danach Schweden anvisieren. Wir bleiben sicher 2-3 Tage in diesem wunderschönen Ort und werden Bornholm noch etwas erkunden.

Ute mit Ihrem neuen schicken IPhone – aber ich habe nur noch ein Auge 😦

Dass es so etwas noch gibt

Jeden Morgen um 10.00h steht eine kleine Gruppe von Sänger/innen und verabschiedet die Fähre MS Ertholm. Es werden unterschiedliche dänische Volkslieder gesungen, nur das letzte Lied ist immer das selbe, es handelt vom Abschied und Wiederkommen. Aber die Fähre verlässt den Hafen nicht zu einer Atlantiküberquerung oder ähnliches, sondern nach Christiansö (Lummerland), das ist 10 NM entfernt und die Fahrt dauert vielleicht 30 Minuten. Ist das nicht schön!

Es ist übrigens keine Eintagsfliege, sondern das gab es schon vor 5 Jahren, als wir das letzte Mal hier waren. Nach dem Auftritt singen und spielen sie manchmal noch in einer der Hafenkneipen, dann liegt immer etwas Musik in der Luft.

Gudhjem, Bornholm

Bornholm statt Ischgl

Für alle Freunde des Wintersports der ultimative Tipp: Langlauf und Abfahrt auf Bornholm, der Schlepplift hält automatisch 1,5m Abstand und ist deshalb Corona zertifiziert.

Beeindruckend auch die Höhe der Berge und langen Abfahrten

„Schön, dass Ihr hier seid“, eine Schwedin zu Ute

Ute hat ein Machtwort gesprochen, jetzt aber los, sonst bleiben wir hier auf Bornholm hängen. Im Moment ziehen mehrere Tiefdrucksysteme über Nordeuropa hinweg, d.h. der Wind bläst für Anfang Juli sehr stark, in Böen ca. 20 m/s, fast 40 Kn. Heute am Freitag soll der Wind die 10 m/s nur selten überschreiten, unsere Chance.

Eigentlich wären wir von Gudhjem nach Utklippan gesegelt. Aber das sind wirklich nur Steine im Wasser, eher ein Schutzhafen. Da hätte man ca. 500 Meter Ausgang und „0“ Service. Da der Wind über das Wochenende wieder zunehmen soll, wollen wir hier nicht „eingeweht“ sein. Deshalb entscheiden wir uns bis Kristianopel durchzusegeln, das sind fast 75 NM. Also früh raus, 6.20h legen wir ab.

Im Grunde ist es ein Kurs, navigatorisch also keine Herausforderung. Nur bei der Hafeneinfahrt nach Kristianopel müssen einige Steine umrundet werden – also aufpassen. Daran erkennen wir, dass wir in Schweden sind.

Anfangs ist der Wind zu schwach, um uns auf die gewünschte SOG (Speed over Ground) von 6 Kn zu hieven, also Motor. Nach der Hälfte geht es dann mit Windkraft bis zum Ziel. Zum Schluss brausen wir mit 7-8 Kn in den Kalmar-Sund. Um 17.30h haben wir angelegt in einem schönen Hafen mit viel Natur drum rum.

Am nächsten Morgen klönt Ute mit einer Schwedin und die freut sich riesig, dass wir Deutsche den Mut haben; es ist schon komisch für die so weltoffene Bevölkerung. Der Mut fehlt wohl vielen Seglern, deshalb ist es recht leer, sehr angenehm – wie übrigens Bornhom auch.

Der Hafenmeister versorgt uns mit dem Tipp, wo es massenhaft Blaubeeren geben soll. Die werden wir jetzt suchen und damit das Frühstücksmüsli upgraden. Es regnet leider etwas viel (das ist das Tiefdrucksystem!) und so richtig kommen wir nicht vom Boot runter.

Der Plan bisher, am Dienstag soll nach Kalmar gehen, lt. Beschreibung ein tolles kleines Städtchen.

Für gegen die Dänen oder umgekehrt? Wenn wir die Tafel richtig verstanden haben, hat der Schwedische König, Gustav Adolf (war das der mit dem Knäckebrot?), ein Schlacht gegen Dänemark verloren. Dann war das hier Dänemark und etwas nördlich fing Sverige an.

Spazier-Wanderung um Kristianopel

das gehörte einmal zu Dänemark und überall weht auch die Dänische Flagge

Ute hat die Bückbeeren gepflückt, sau lecker.

Schneller Ritt nach Kalmar

Es ist schon verführerisch, wenn man keinen Zeitdruck hat. Man wartet auf besseren Wind und bleibt und bleibt. Das Tief hängt über ganz Nordeuropa und bringt ordentlich Wind. Wir haben unsere persönliche Schmerzgrenze hoch gesetzt und sind los, obwohl 10 – 12 m/s angesagt sind.

Es wird sehr böig, von 6 auf 13 m/s ohne Ansage, da mussten wir die Segelfläche reduzieren. Aber gut, dass Wind und Welle achterlich kommen, gegenan würden wir jetzt nicht wollen. Mit einem Reff im Groß und ohne Genua machen wir immer 7 Kn SOG und in Surf Modus 10 Kn. So erledigen wir die knapp 30 NM in ca. 4 Stunden und sind gegen Mittag in Kalmar.

Von Kalmar haben wir uns etwas mehr versprochen. Nicht hässlich, nicht schön, irgendwo dazwischen. Wir laden Proviant und wollen morgen dann den kleinen Schlag (nur 3 Stunden!) nach Borgholm auf Öland machen. Und außerdem wollen wir besseres Wetter haben; für heute Nacht sind hier 11 Grad angesagt. Aber Ehrenwort: die Heizung läuft (noch) nicht!

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Borgholm auf Öland

Das Segeln war nicht sehr aufregend. Jedenfalls anfangs für Marcus, der eine Stunde an einer TelKo (Telefonkonferenz) teilgenommen hat. Ute musste derweil vor dem Wind kreuzen. Vom vorhergesagten Starkwind ist nur zum Schluss etwas angekommen. Es war ein entspannter Segeltörn.

Die Insel – so sagt Ute -ist für die Schweden etwas Besonderes. Erstens soll es hier einfach nur schön sein, die Insel gilt als die Roseninsel. Wir werden es noch überprüfen. Zweitens macht hier die schwedische Königsfamilie ihren Urlaub. Die jetten nicht in der Welt rum, sondern mischen sich hier unters Volk. Die Kronprinzessin feiert hier traditionell ihren Geburtstag, dann werden auch einige normale Menschen eingeladen. Alles sehr sympatisch.

Die Häfen hier an der Süd-Ostküste sind alle leer. Der schwedische Segelnachbar sagt, es fehlen halt die Dänen und Deutschen, die machen teilweise 50% der Gäste aus. Mal sehen, ob es im Norden, wenn wir näher an Stockholm sind, voller wird.

Wetter ist herrlich, leicht bewölkt, sonnig, ca. 22 Grad.

Erster Eindruck vom Landgang: nicht unbedingt „hyggelig“, aber Restaurants, Shops und Esseneinkauf auf höherem Niveau als in Kalmar. Borgholm hat einen quirligen Charme, was wir manchmal durchaus mögen.

Erst wollten wir Essen gehen, dann haben wir tollen Fischladen gefunden, jetzt gibt es eines unser Lieblingsessen: Lachs, grüner Spargel mit Penne und als Vorspeise Jakobsmuschen. Nicht schlecht, oder?

Einzige Ausländer im Hafen Borgholm- das interessiert das lokale Fernsehen

Morgens kommt ein Mädel und will ein Interview mit uns für das SVT-Fernsehen machen. Wir wissen nicht, um was es bei dem kurzen Beitrag geht.Aber es dreht es sich wohl um Tourismus, Segeln in Zeiten von Corona. Am Samstagmorgen sind wir wirklich die einzigen Ausländer, am Nachmittag sind noch ein deutsches, ein dänisches und ein polnisches Boot dazugekommen.

Der Link zum Beitrag, wird sicher nicht lange stehen bleiben: https://www.svt.se/nyheter/lokalt/smaland

Einige Worte zu Corona und Dänemark und Schweden

Es ist nicht so, dass in Schweden sich keiner um Corona kümmert. Der Staat überlässt es der Eigenverantwortung der Menschen und setzt nicht auf Verbote. Langfristig, vielleicht der bessere Weg, wenn man etwas aus Einsicht und freiwillig tut.

Es wird sehr auf Abstand geachtet, wie bei uns, vielleicht sogar etwas mehr. Aber Masken trägt fast keiner und Veranstaltungen bis 50 Leute sind erlaubt. Also im Restaurant ist es relativ normal.

Übrigens auf Bornholm hatte man den Eindruck, dass Corona dort kein Thema ist. Dort hat sich keiner gekümmert und die Abstandszeichen sind schon verblasst.

Auf einen Besuch bei Victoria und Daniel

Für die Nicht-Gala Leser/innen, das sind die Kronprinzessin und ihr Mann. Ute bekam die exklusive Insiderinformation, dass beide sich jetzt auf dem Familiensitz hier in Borgholm aufhalten. Wir also rauf, das Schloss liegt 30 Meter hoch und 3 Km Laufweg der Marina.

Ein wunderschöner Wanderweg rauf zum „Kungafamiljens sommerparadis“. Ein nettes Treiben mit kleinen Cafe’s, Eisständen und Handwerksläden. In das Sommerparadies selbst wollen wir am Montag, wenn die Sonne scheint und etwas weniger los ist.

Danach geht es zurück, vorbei an der riesigen Schlossruine „Borgholm Sloten“. Es ist mehr als eine Ruine, sehr gut erhalten und mit einem schönen Museum. Das ganze war nötig, um sich gegen Dänemark zu wehren, das schon auf der der anderen Seite des Sunds begann – im Mittelalter.

Zwei Schlösser in zwei Tagen

diesmal ein königlich bewohntes

Schon ungewöhnlich, wie eng wir Normalos der schwedischen Königsfamilie auf die Pelle rücken können; mich würde das nerven. Angeblich ist die Kronprinzessin samt Familie derzeit im Urlaub auf ihrem Sommerschloss. Der wunderschöne Garten von Solliden auf Öland ist einen Besuch wert.

Ein kleiner künstlerischer Wettbewerb hat in diesem Jahr das Thema: „Urlaub auf dem Balkon“. Unten links zwei Vorschläge.

Ute segelt „Einhand *“ nach Byxelkrok

Warum „Einhand“, weil Marcus ein Online-Meeting als Beirat der KAMA hatte, das dauert mit Vorbereitung fast 5h. Also kurz vor dem Anlegen im neuen Hafen, ist er wieder aufgetaucht.

„* „Einhand“ heißt bei Seglern, dass man allein unterwegs ist, auch wenn man zwei Hände hat. Wahrscheinlich kommt es daher, dass man eine Hand an der Pinne/dem Steuer hat.

Borgholm ist nett, v.a. die Umgebung und das recht hohe Niveau der Einkaufsmöglichkeiten und Kneipen überzeugt. Hat ein wenig Flair von Sylt, aber nur ein wenig. Bycelkrok ist 30 SM nödlicher und soll unser letzter Step auf Öland sein, danach soll es zum „Mainland Sverige“ nach Figeholm gehen.

Segeln war sehr schön, sagt Ute, 5-6 m/s Raumschots. Wir sind früh um 9.00h los und 15.00h angekommen.

Byxelkrok ist eine aufblühende kleine Marina, die mit neuem Steg erweitert und gegen Westwind mit einem Wall geschützt wurde. Inzwischen sehr selten, ein umtriebiger, freundlicher Hafenmeister zeigt den freien Platz und hilft beim Anlegen.

Erster Eindruck: Kleine Shops mit Handicraft, nette Pubs, guter Fischladen (sehr wichtig). Morgen wird die Gegend mit dem Fahrrad erkundet.

Byxelkrog – im Norden von Öland

Eine schöne Fahrradtour von Byxelkrog zum nördlichsten Punkt Ölands

Zurück aufs Festland

Wir verlassen Byxelkrok und damit auch Öland. Ganz ehrlich, wir hatten etwas mehr erwartet. Es gibt viel Natur, Steine und sommarstugas (Sommerhäuser), aber wie sagte unser Päckchennachbar treffend „es gibt schönere Inseln“. Aber Schloss Solliden und die Schlossruine Borgholm waren einen Besuch wert. Und die schönen Strände haben wir nicht gesehen; den Trollwald hat Ute verpasst.

Also rüber über den Kalmarsund und nach Figeholm, das soll wunderschön sein. Und … es ist wunderschön.

Über den Sund sind es 15 NM, bei 8 m/s und achterlichen Wind easy und schnell. Anfangs bewölkt, klart es nachher auf und die Sonne bringt es am Nachmittag auf immerhin 24°.

Figeholm liegt versteckt in einer Bucht und wir haben unsere ersten Scheren, nee mit „ä“ Schären. Das sind kleine und große Steine unter und über dem Wasser. Über ist ja ok, unter nicht so. Wir müssen uns jetzt konzentrieren. Aber Tonnen und das GPS helfen natürlich.

Die Schären gibt es in verschiedenen Größen, manchmal ragt nur ein Stein aus dem Wasser, andere sind so groß, dass ein oder gar mehrere Häuser darauf stehen können. Das ist natürlich genial. Meistens gibt es einen Badesteg, ein kleines Boot, Gras und Bäume. Letzteres gibt es nur hier im Osten, im Westen Schwedens ist es viel karger.

150 Wegepunkte für knapp 20 Seemeilen

Wenn man einen Törn plant, trägt man auf der (elektronischen) Seekarte Wegepunkte ein, die man ansteuert und abhakt. Normal sind 10 und wenn es mal knifflig ist 20 Wegepunkte. Aber wir hatten heute 150! Das ist absoluter Rekord und zeigt die komplizierte Navigation um die Steinhaufen herum – unendlich viele Steinhaufen.

Wir hatten keinen Wind, der von vorne kam, also motoren. Durch diese Schären hätten wir uns auch nicht getraut zu segeln. Manchmal war es so eng, dass man gerade durch das Tonnenpaar durchkam, und ab und an hatten wir nur die sprichwörtliche „Handbreit“ Wasser unter dem Kiel.

Ute hat einen genialen kleinen Hafen ausgesucht – Klintemala – da liegen wir jetzt. 10 Gästeboote, mehr gehen nicht und Natur pur um uns herum. An Land ist ein kleiner Laden mit angeschlossenem Cafe und – wie immer – schwedischen Sommerhäusern. Mein Eindruck: jeder Schwede hat so ein Häuschen.


So sieht das aus auf der Seekarte, links (Dreieck) sind wir. Da ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt,
2 SM von rechts nach links.

Tag Schären, diesmal war es sehr schönes Segeln

Klintemala ist wirklich idyllisch – klein, einsam, viel Gegend. Aber nach zwei Tagen geht es wieder los, Regen und gar ein Gewitter droht. Da ist man nicht gern der höchste Mast am Steg und überragt noch die wenigen Häuser.

Auf dem Törn nach Västervik soll die „Fahrbahn“ breiter sein, einige sagen auch Autobahn dazu. Es ist sogar Platz zum Kreuzen, für den Entgegenkommer. Mit guter Windgeschwindigkeit von achtern können wir gemütlich segeln und gucken.

Ein Schäre folgt der anderen, überall kleine Buchten zum Ankern und sommarstuga um sommarstuga und ab und an ein kleines Saunahaus mitten im Nichts. Schon schön.

Nach 20 MN erreichen wir die Einfahrt nach Västervik, hier wollen wir Proviant und Getränke laden und das Boot mal wieder säubern. Das machen wir lieber in größeren Häfen und nicht so gern in der Natur.

Vätervik ist ganz schön, eine mittelalterliche Stadt, gut erhalten mit einer großen Marina. Die wird auch voll, da ja Gewitter angesagt ist. Das kommt auch und fegt mit ordentlichen Böen durch den Hafen. Nach wenigen Minuten ist es wieder ruhig. Das wiederholt sich noch. Schon sehr wechselhaftes Wetter, aber immer ausreichend warm.

Die Fotos geben die Schönheit der Schären leider nicht ganz wieder.

Was ist das denn?

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist p1014824.jpg.

Aufregende 6 SM von Västervik zur Schäre Ido

Wir segeln von Västervik nach Idö, eben nur um die Ecke. Aufregend wird es, weil nach seichtem Segeln genau beim Anlegen starker Wind aufkommt und es erwischt uns eine seitlich Böe. Dazu war es noch sehr eng, kaum eine Schiffslänge zum Manövrieren, denn gleich neben dem Steg ist es steinig.

Mit vereinten Kräften der Nachbarn können wir das Boot aber ohne Beschädigungen festmachen. 5 Minuten später zieht ein Gewitter mit richtig Wind über die Schäre. Wäre die früher gekommen, wäre es nicht so glimpflich ausgegangen.

Das ist der Nachteil der Moorings, bis man die an der Achterklampe fest machen kann – und das passiert als letztes – hat man hinten keine Führung bei Seitenwind. Das Bugstrahlruder hilft da wenig. Da sind die Dalben und sogar die Bojen besser.

Die mittelgroße Schäre „Idö“ wurde uns empfohlen und wir sind froh hier gewesen zu sein. Wirklich unheimlich schön, idyllisch und mit einem Restaurant. Das schließt aber um 17.00h, da hatten wir noch keinen Hunger, also muss der Smutje wieder ran.

Morgen soll es denn endlich weiter nach Norden gehen, wenn der Wind endlich von Nord südlicher drehen soll. Durch die Schären kreuzen haben wir uns nicht getraut, denn wir müssen uns schon so konzentrieren, den richtigen Weg zwischen den Steinen zu finden.

Wir haben uns „verfahren“

Aber dazu später mehr.

Endlich nach tagelangem Nord- Wind, genau die Richtung, in wir weiter wollen, können wir starten. Auch wenn Wolken, Regen und geringe Temperaturen vorhergesagt sind, wollen wir endlich wieder los, denn zumindest der Wind soll gut wehen.

Denk`ste, kaum Wind und der sehr achterlich (150 –180° zum scheinbaren Wind). Wir versuchen alles: Genaker rauf, runter, rauf. Aber er fällt immer wieder ein. Dann doch Code-Zero, hält sich etwas besser. Nach einer Stunde frischt es etwas auf und wir kommen voran.

Durch die Schären, man muss immer aufpassen; aber GPS und gute Betonnung helfen. Anfänglich sind wir fast allein, aber später gesellen sich einige Segler dazu. Die meisten unter Motor und mit aufgebauter „Kuchenbude“, das würde bei uns keiner machen. Stören tun die Motorboote, die rasen mit hohem Tempo vorbei und erzeugen recht viel Wellen. Das ist gerade beim kippeligem Vorwindkurs, bei ständiger Gefahr einer Patenthalse, nervig.

Am Nachmittel reißt es etwas auf, der Nieselregen hört auf und wir segeln ganz entspannt zum vermeintlichem Ziel „Gryts Varf“. Als wir ankommen, sieht alles ganz anders aus als erwartet. Ute spricht einen Schweden an und es stellt sich raus, dass wir uns verfahren haben, wir sind in „Gryts Brygga“ angekommen. Dieser Hafen ist aber nicht auf Gäste eingestellt und bietet keine Liegeplätze an. Auf der Karte war dies schwer zu unterscheiden. Also wieder ablegen und in den Nachbarort Fyrudden. Auch ganz nett hier.

Jetzt sind wir fast 10 Stunden unterwegs und haben 36 SM gemacht. Schnell geht anders. Kaputt und froh gibt es unser Lieblingsessen „Spagetti mit roter Pampe“, das hat dem Tiger auch geholfen seine Streifen zurück zu bekommen.

Mehr Fotos hat die Bewölkung nicht zugelassen, aber so sehr unterscheiden die Schären sich auch nicht – idyllisch sind sie alle.

Planänderung

Eigentlich wollten wir ja Stockholm und die Aaland -Inseln ansteuern. Aber von Stockholm hat man im Moment nicht so viel, denn nicht mal die Schweden fahren dort hin. Also folgen wir einem Tipp von Niels Töbke, dem Boss von Comfortina, und fahren durch den Göta-Kanal. Damit sparen wir uns auch das Gegen-den-vorherrschenden-Westwind-Segeln zurück in die Schlei und können noch einige schöne Tage auf einigen unserer Lieblingsinseln im Kattegat verbringen.

Wir werden also mit dem Segelschiff „treppensteigen“, denn es geht 100 Meter hoch und wieder runter. Eine Treppe = eine Schleuse, davon gibt es im Götakanal 58, dazu kommen noch 4 im Trollhätten Kanal nach Göteborg. Wir sind noch nie richtig geschleust, aber danach werden wir es beherrschen.

Sehr ermutigend sind die Schweden, ausnahmslos jeder erzählt uns: wir nennen es den „Scheidungskanal“. Wohl deshalb, weil beim Schleusen so manches passieren kann. Erst kracht es am Boot und dann in der Ehe. Mal sehen, ob es in zwei Wochen zwei Singles mehr gibt.

Jetzt verstehen wir auch die Empfehlung von Niels; er hofft auf viel Reparaturarbeit im Winterlager.

Noch eine Premiere wird es geben, erstmals segeln wir mit der Andante auf einem Binnensee. Die Karte zeigt, dass wir den Vättern See und den Vänern See durchqueren, letzterer ist etwas 10x so groß wie der Bodensee, es ist der viertgrößte Binnensee Europas – nach 3 Seen in Russland.

Göta-Kanal erinnert an die kultige Krimiserie aus unserer Jugend, von Sjöwall/ Wahlöö. Der erste Krimi hieß doch „Die Tote im Göta Kanal“, seit dem will ich da hin und mir das angucken. Jetzt, mehr als 10 Jahre später (!!! wie schnell die Zeit vergeht!) ist es endlich soweit.

Vorbereitung zum Schleusen

Gestern von Fyrudden nach Stegeborg, davon 1/3 unter Motor. Letzteres hätten wir uns sparen sollen und heute mit dem Südwind segeln. Aber hätte ist um die Ecke.

Nächste Station ist Mem, da geht es mit dem Göta-Kanal und dem Schleusen los. Haben uns nochmal alle Hinweise im Netz angeguckt und das Schiff vom Segel- zum Motorboot umgebaut. Wird eine neue Erfahrung, mal sehen.

Ansonsten Fotos von einem kurzen Landgang hier am Gate zum Kanal. Eine schöne Burgruine und eine Rasen-Landebahn für Sportflugzeuge gibt es auch.

3 von 58 unfallfrei geschafft

Die Anfahrt von Stegeborg zur Einfahrt des Göta Kanals ist landschaftlich sehr schön, vielleicht am schönsten bisher. Auf beiden Seiten jetzt Festland und dies ist etwas „lieblicher“, auch mal eine Wiese und natürlich die sommarstugas.

In Mem geht es los. Wir werden eingewiesen: genügend Fender an Bord (mind. 8), eine Festmacherleine muss mindestens 10 m plus Bootslänge = 22m haben und zu händeln sein. Da reicht unsere längste Leine nicht, also kaufen wir 22 Meter, sogar ganz günstig. Dann erklären uns das Mädel und der Jung, wie man es macht.

Das meiste wussten wir schon aus dem Internet (https://www.gotacanal.se/de/). Gefragt haben wir uns die ganze Zeit, wie kommt die Leine nach oben an den Rand? Antwort: einer steigt vorher aus, nimmt die Vor- und Achterleinen mit und geht parallel zum Boot nach oben auf die Schleuse. Dort werden die Leinen fest gemacht. Der andere hält die Leinen im Boot, bei einem Segelboot über die Winschen. Also für „Einhandsegler“ wird es schwierig, denn die Schleusenwärter helfen nicht, geben nur Hinweise, hat sicher etwas mit Haftung zu tun.

Die erste Schleusung klappt ganz gut, aber einige Optimierungen nehmen wir vor: der große Kugelfender kommt in die Bootsmitte und am Heck braucht man eher Fender als am Bug. Das Schwierigste ist das Wiederanfahren und Loslösen von der Bordwand. Wir hatten kaum Wind, aber wenn man auf die Wand gedrückt wird, kann das Probleme bereiten.

Nach der dritten Schleuse haben wir uns eingespielt und die Schleusenwärterin sagt zu Ute „Bei Euch sieht das ja gut aus, richtig professionell“. Aber sportlich muss die „Landgängerin“ schon sein, Ute muss schon ganz schöne Sprünge von und an Bord machen, dann die Leinen mitnehmen und am Ende noch das Boot abstoßen. Nicht ganz ohne.

Die Schleusungen sind auch Events für die anderen Touristen der Gegend und wir überlegen, mit einem Hut einen Teil der Kanalgebühr wieder hereinzubekommen…

Die Fahrt durch den Kanal ist schön und irgendwie skurril. Der Kanal ist etwas erhoben, 1 – 1,5m; so fährt man quasi über’s Land. Wenn man ein Haus passiert, ist unsere Bordwand auf der Höhe des Balkons. Die Fahrradfahrer und Fußgänger fahren unter uns.

Viel Gegend, viele Kühe und viele Fahrradfahrer, die den parallelen Weg nehmen. Das wäre auch mal ein schönes Urlaubsziel. Der erste Stopp ist nach 3 Schleuesen, alles ist gut gegangen und wir landen in Söderköping. Ein sehr hübscher Ort, der im Mittelalter an der Küste lag und ein wichtiger Handelsplatz war, dazu mehr unter Landgang.

Status Schleusen: 3 von 58

Söderköping

ist eine Reise wert. Das war im Mittelalter eine wichtige Handelsstadt und lag näher an der Ostsee als heute, weil sich das Land in den letzten Jahrhunderten erhoben hat. Tolle Häuser, alles gut gepflegt und überall kleine Kunstwerke, schön und teils witzig. Wer mal nach Schweden kommt, kann hier schön Station machen.

Und es gab einen sehr guten Supermarkt und einen „Douglas für Männer“, so nennen wir einen Baumarkt. Etwas braucht man immer für das Schiff.

12 an einem Tag

Puuh, 12 Schleusen an einem Tag, das war richtig Arbeit, besonders für Ute. Immer runterspringen vom Boot mit den Leinen und wieder rauf. Unsere neues Schiff hat eine recht hohe Bordwand, das ist der Preis für die Stehhöhe im Salon. Normalerweise kein großes Problem, aber beim Schleusen im Göta-Kanal schon.

Wir haben aber weitere Optimierungen vorgenommen. Wir können jetzt flexibel Backbord und Steuerbord anlegen, abhängig vom Wind. Wir wollen immer in Lee zur Schleusenwand anlegen.

Das Kalkül von Nils Toebke ist aufgegangen, wir haben etwas für seinen Umsatz im Winterlager getan. Danach haben wir uns doch noch für das Fenderbrett entschieden, macht das Quasi-Anlegen für das Absetzen von Ute leichter. Es ist aber immer doch eine Herausforderung Ute abzusetzen und dabei die Wände, die auch manchmal Ecken haben, nicht zu berühren.

Brücken gibt es auch noch viele, alle werden mit Kameras überwacht und dann von irgendwo ferngesteuert. Manche rollen zur Seite, manche drehen sich weg und manche öffnen klassisch nach oben. Alle Varianten waren heute dabei. Sobald man sich nähert wird die Öffnung veranlasst, sehr kundenfreundlich.

Nach 4 Stunden und „nur“ 11 SM kommen wir in Norsham an. Für den nächsten Tag ist Regen und starker Westwind vorhergesagt, also bleiben wir hier. Auch weil wir übermorgen etwas mehr Sonne und Nordwind erwarten, dann besteht die Möglichkeit durch die folgenden Binnenseen zu segeln.

Status Schleusen: 15 von 58

Rettungsaktion für Napoleon

Kurz vor der Einfahrt in den Göta-Kanal kommt uns ein schwedisches Motorboot entgegen. Kurz bevor sich unsere Boote sich passieren, hören wir plötzlich lautes Geschreie „Napoleon“, Napoleon“.

Was ist passiert?

Napoleon, der Hund, ist ins Wasser gefallen und schwimmt Richtung Land, was vielleicht 1 SM wäre. Der Hund schwimmt also weg vom Motorboot und parallel zu uns. Wir ändern den Kurs und schneiden Napoleon den Weg ab, so dass er wieder zurück zum Motorboot schwimmen muss.

Der Motorbootfahrer erkennt das und fährt zum Hund. Jetzt erkennt Napoleon auch seine Leute. Da er eine Schwimmwest mit Haltegriff trägt, kann die Frau ihn relativ leicht ins Boot ziehen.

Drei Tage später sehen wir ein gleiches Boot mit Familie und Hund in Norsholm. Wie denken der Hund sieht aus wie Napoleon – kann aber nicht sein, denn die waren in die andere Richtung unterwegs. Aber sie waren es doch. Der Vater erkennt uns wieder, spricht uns an und die ganze Familie kommt und bedankt sich. Sie wohnen in Karlstad am nördlichen Ende des Vänern-Sees und sind wegen des Wetters wieder umgekehrt.

Napoleon ist ein Husky, ein wunderschöner und relaxter Hund, mit 9 Jahren schon etwas älter, aber er macht einen top-fitten Eindruck.

7 auf einen Streich

Wir starten von Norsholm mit einer Brücke-Schleuse-Brücke Kombination. Erst durch eine PKW-Brücke, dann in die Schleuse und dann öffnen sich noch die Gleise samt Oberleitung.

Danach geht es auf den „kleinen“ See Roxen, ich würde mal sagen halber Bodensee. Wir haben ja extra auf Nordwind gewartet, um segeln zu können. Wir können wegen der Tiefe aber nur eng am bewaldeten Ufer fahren und dort wird der Wind abgelenkt. Segel raus, Segel rein, Segeln raus … , beim dritten Versuch klappt es. Wir können 2 Stunden nach Berg segeln.

Dann kommt ganz großes Kino: 7 Schleusen auf ein Mal, eine Schleusentreppe. Dafür brauchen wir 1,5 Stunden und schaffen immerhin 20 Höhenmeter. Zu Fuss hätte es 20 Minuten gebraucht, aber mit unsern 8.5 Tonnen eben etwas mehr.

Hier wird der große Aufwand richtig deutlich. Was war eigentlich der Grund für den Kanal? Die Dänen, sagen die Schweden! Dänemark wollte Zoll im Öre-Sund (Kopenhagen/Helsingoer) erheben – haben wir das mit dem Zoll nicht schon mal gehört? Um das zu umgehen, haben die Schweden für die Handels- und Kriegsschifffahrt diesen Kanal von Ost nach West oder umgekehrt gebaut. Es ist als Jahrtausendbauwerk gewählt – verständlich.

Wir kommen auf dem Berg, in Berg an. Ein schöner kleiner Ort mit viel Leben. Man grillt auf den Wiesen, spielt Fußball und Minigolf. Übrigens fällt auf, dass immer und überall Minigolf gespielt wird, teils mit sehr schönen Parkours. Warum wird es eigentlich bei uns so selten gespielt, war doch immer nett – früher.

Und wir treffen Napeleon und seine Familie wieder. Eine Peer-Group bleibt hier über Tage zusammen, denn alle können nur die gleiche Geschwindigkeit fahren.

Status Schleusen: 23 von 58

Ein ganz entspannter Tag

Der Start ist in Berg. 4 Doppel- und eine Einzelschleuse stehen bevor, nichts Besonderes für so erfahrene Schleusianer wie uns…

Alles geht gut, bis das Bugstrahlruder ausfällt. Eigentlich sind wir keine großen Anhänger des „Bug Propellers“, schließlich sind wir 20 Jahre gut ohne ausgekommen. Aber in der Schleuse ist es sehr angenehm, erst beim Aussteigen, dann in der Schleuse und danach beim Ablegen.

Nach der dritten Doppelschleuse „tillt“ das System, es piepst immer. Was tun? Die Betriebsanleitung legt nahe, dass das System überhitzt ist. In diesem Fall soll es aber dann zurückfahren. Ein Tauchgang zeigt aber, das dem ist nicht so ist. Wir entscheiden uns, mit geringer Geschwindigkeit weiter zu fahren und am Montag in Motala in die Werft zu gehen.

Irgendwann kommt es uns komisch vor, wir halten an und Marcus taucht nochmals. Er stellt fest, dass sich ein Stock in dem Bugstrahlruder verhakt hat. Nach einigem Hin und Her bekommen wir den raus. Alles ist wieder gut; Bugi funktioniert wieder.

Wir fahren die ganze Zeit durch wunderschöne Landschaften, vielleicht der schönste Teil des Kanals – bisher. Es ist Sonntag, überall fröhliches Treiben, Sonnenbaden und Entspannung pur. Es gibt auch Leute, mit denen wir an der Schleuse reden und die wir später auf dem Fahrrad wieder treffen – einfach nur nett. Ach ja, wir überqueren eine Autobahn.

Es gibt noch ein anderes Problem: Im Kanal wuchern Pflanzen, die sich im Kiel und Ruderblatt verfangen und die Geschwindigkeit drastisch reduzieren. Ab und an halten wir an, fahren rückwärts, damit das Gestrüpp runter fällt. Später erfahren wir, dass es allen Seglern so erging und es keine Erklärung für das einmalige Phänomen git. Eine Erklärung ist, dass sich der Wildwuchs wegen der fehlenden Fahrgastschiffe wegen Corona massiv ausbreiten kann. Wir sind uns nicht sicher, ob das richtig ist.

Bei der letzten Schleuse erleben wir noch etwas besonderes. „Kinderarbeit in Schweden“! Die letzte Schleuse wird mit Hand betrieben, also wie früher müssen die Tore händisch auf beiden Seiten geöffnet und geschlossen werden. Auf der einen Seite macht das der junge Schleusenwärter und zwei Kinder wollen gerne für uns arbeiten.

Wir kommen angestrengt aber glücklich in Borensberg an, treffen unsere „Peer Group“ vom Schleusen wieder, tauschen uns über das nervige Gestrüpp aus und gehen früh schlafen. Dass wir das Bergfest erreicht haben, merkt nur Ute’s Tante aus Schweden.

Status Schleusen: 32 von 58

Am Ende des Tages landen wir im Schlossgraben

Wir machen uns auf den Weg nach Motala, dem Eingang zum Vättern See. Die Ausbeute des Tages waren 1x5er Schleusenpack, 1 Einzelschleuse, 6 Brücken und 20 SM und – ganz wichtig – zwei Einheiten Binnenseesegeln.

Nach einem kleinen See (das ist hier Größe Chiemsee), auf dem wir Segel setzten können, kommen 5 Schleusen hintereinander. Das ist eigentlich ganz praktisch, einmal aus- und einsteigen und es geht zügig – normalerweise. Aber diesmal müssen wir 1h warten, ein Passagierschiff kommt von oben, das hat Vorrecht.

Das ist übrigen der Ort Borenshult. Ute sagt, da spielt „Die Tote im Göta-Kanal“ von Sjöwall/Wahlöö. Eigentlich müsste man sich den Krimi nochmal runterladen und lesen, kann mich gar nicht mehr erinnern.

Es gibt nach wie vor das Problem mit den Schlingpflanzen, was das Vorwärtskommen behindert. Aber irgendwann ist auch das geschafft und wir sind in der letzten Schleuse in diesem Abschnitt und kommen mit unserer Peer-Group ins Gespräch. Die empfehlen uns nicht nach Motala sondern Vadstena zu segeln. Das sind zwar 6 SM mehr, aber der kleine Ort ist wunderschön. Voller mittelalterlicher Geschichte und hat mit einem tolles Schloss.

Wir lassen uns überzeugen und kreuzen bei recht kräftigem Wind auf dem Vätternsee dort hin. Der Drang zu segeln nimmt jetzt doch zu.

Wir kommen in der Marina in Vadstena an und fahren ganz bis zum Ende und landen wirklich im Schlossgraben. Als wir angelegt haben, zeigt unser Heck direkt auf das sehr schön erhaltene Schloss. Das ist schon etwas Besonderes, wir können uns nicht vorstellen, dass es so etwas nochmal gibt in der Welt.

Status Schleusen: 38 von 58

Einen Tag ohne Schleusen

Wir trennen uns von dem Schloss, man hätte auch noch einen Tag die Natur dort genießen können; eine wirklich schöne Umgebung! Aber es zieht uns weiter.

Es geht über den Vättern See, das ist ein mittelgroßer See, d.h. hier ca. 5x Bogensee. Der See ist langgezogen, quer rüber sind es „nur“ 14 SM. Von Nord nach Süd sind es 75 SM, also fast von Hamburg bis Hannover.

Das Ufer ist kaum bewohnt, Segler sind nicht viele unterwegs, einige Motoboote mit und ohne Angel. Segeln werden die Schweden eher in der westlichen oder östlichen Ostsee, ist halt abwechslungsreicher.

Wir segeln rüber, hoch am Wind mit 6 – 10 m/s Wind und am Ende müssen wir noch einige Kreuzschläge machen. Freuen uns wieder einmal schön gesegelt zu haben.

Danach machen wir fest in Forsvik, kurz vor der letzten „Aufwärts-Schleuse“. Damit haben wir den höchsten Punkt der Reise erreicht. Danach kommt der Viken See und es geht wieder runter. Das sind deutlich weniger Schleusen, weil am Ende (oder Anfang) – also im Trollhätten Kanal – vier Schleusen mit deutlich größerem Hub kommen, denn dieser Teil wird auch von der gewerblichen Schifffahrt genutzt. Die 4 Schleusen müssen wir noch addieren, also werden es am Ende 62 und nicht 58 sein.

Es ist wieder mal wunderschön, wir sind mitten in der Natur. Auf Fotos ist das kaum festzuhalten. Jedes mal denkt man, hier ist es jetzt aber am schönsten.

Status Schleusen: 32 von 58 (62)

Bergfest

Der höchste Punkt ist erreicht: 9.400cm. Da wird die Luft schon dünn, aber es gibt keine Gletscher und auch keinen Schnee. Jetzt geht es mit uns bergab.

Die Schleuse hier in Forsvik wurde als erste erbaut. Danach geht es vielleicht durch den schönsten Teil des Kanals, oder sagten wir das bereits vorher? Es ist der Bereich um den Vikensee herum. Hier ist der Kanal nicht wie weiter im Osten modernisiert, der ursprüngliche Charakter ist erhalten geblieben. Das hat durchaus Charme.

Am Rand sieht man noch den alten Treidelpfad. Früher mussten die Schiffe, die keinen Motorantrieb hatten, gezogen werden. Hier sieht man die Spuren noch deutlich. Teilweise ist der Kanal ganz eng, so dass wir sagen „Blumen- und Bickbeeren pflücken“ während der Fahrt verboten. Man könnte durchaus mit langem Arm die Büsche am Ufer erreichen.

Die erste Schleuse bei Tatorp hat nur einen Hub von 20cm, sie reguliert im Wesentlichen den Wasserpegel abwärts. Sie muss mit der Hand bedient werden, auf der einen Seite macht es die schwedische Schleusenwärterin und auf der anderen Seite der „Kunde“. Es war gar nicht so leicht; wenn das Mädel es X-Mal am Tag gemacht hat, braucht sie keinen Fitnessclub mehr.

Status Schleusen: 40 von 58 (62)

Neuer Rekord: 18 Schleusen an einem Tag

Bewölkung und Nieselregen, da kann man doch mal eine kleine Gewalttour machen. Eigentlich hatten wir vor die Strecke von Töreboda nach Sjötorp in zwei Steps zu machen, aber wir machen einen draus.

Es sind wirklich 18 Schleusen, alle natürlich bergab. Viele davon sind Doppel- oder auch eine Dreifachschleuse; das ist praktisch und geht ganz fix. Ich glaube, wir sind die schnellsten „Schleuser“. Das Anlegen geht ratz fatz und wir fahren rein und raus, wenn die Tore noch nicht mal ganz offen sind. Aber zweimal müssen wir warten, so brauchen wir doch für 11,2 SM 6,5 Stunden.

Dieser Teil der Fahrt ist ganz hübsch: flacher, weniger Wald, mehr Landwirtschaft, diesmal sagen wir nicht, hier ist es am schönsten.

Manche Stellen sind extrem eng, sicher nicht breiter als 5 Meter. Gut. dass ein Schiff sich nach unten verengt, sonst würden die Fahrgastschiffe nicht durchkommen. Rustikal sind deren Fender, bei uns sind es stabile Plastikballons, bei denen einfach Holzstücke.

Am späten Nachmittag kommen wir in Slötrop an, es ist der Eingang zum Vänern, wie gesagt der viertgrößte See Europas. Sjötrop hat acht Schleusen auf drei Ebenen, liegt also am Hang. Wir bleiben in der Mitte und haben jetzt noch eine Schleuse im Götakanal.

Vor dem Trollhättenkanal mit 4 weiteren Schleusen, kommt der Vänersee. Allein der kleine Teil im Süden bedeutet für uns 65 SM, da wir eine übliche Abkürzung wegen der Masthöhe von Andante nicht nehmen können. Danach kommt Trollhättenkanal, mit weiteren 4 großen Schleusen.

Am Donnerstag passiert aber noch etwas Unvorhergesehenenes, dazu morgen mehr.

Status Schleusen: 57 von 58 (62)

Drei Tage (Un)Ruhe

Angekommen in Sjötorp nach besagten 18 Schleusen stellen wir fest, dass elektrisch fast nichts mehr funktionierte. Wir haben über den Landstrom noch direkte Versorgung, aber leider funktioniert der Kühlschrank, die Toilette, die Wasserpumpe, das Licht und sogar das Gas nicht mehr. Wir versuchen alles mögliche und rufen schließlich die Werft an.

Mit Niels gehen wir am Telefon mit Sprache und Bild alle Varianten durch. Wahrscheinliche Diagnose: es sind die Versorgerbatterien, sie sind am Ende.

Das kann durchaus sein, die Batterien sind so alt wie das Schiff, also 8 Jahre. Wir haben versäumt diese im Winterlager ersetzten zu lassen. Die speziellen AGM Batterien sind aber nicht so einfach so kaufen.

Wir arbeiten mit Niels schon an einem Notfallplan („kauft einfach 2 Autobatterien als Übergangslösung). Aber er kommt mit einer viel besseren Idee. Ein freier Mitarbeiter von Comfortina will an diesem Wochenende zu seinem Schiff nach Stockholm, also fährt er quasi bei uns vorbei. Er könnte die neuen Batterien mitbringen. Diese Idee wird in die Tat umgesetzt. Das ist Service, oder?

Wir nutzen diesen Zwangsaufenthalt in dem recht schönen Ort, um folgende Dinge zu erledigen:

1. Wäsche waschen, das geht immer
2. Boots putzen, das war echt nötig
3. Kühlbox zur Überbrückung kaufen, wollten wir schon immer

Am Freitag gehen wir in das örtliche Top-Hotel-Restaurant (es gibt nur zwei). Da sitzt man draußen, isst Buffet und hört eine Live-Band. Ersteres und letzteres waren echt gut. Gute Stimmung, man kennt sich, jeder begrüßt jeden. Wir haben den Eindruck, alle Bewohner der umliegenden sommarstugas treffen sich hier jedes Wochenende.

Status Schleusen: 57 von 58 (62)

Alles wieder klar!

Fabian, ein freiberuflicher Mitarbeiter von Comfortina, kam am Vormittag. Er ist über Nacht gefahren, um zu seinem Schiff nach Stockholm zu kommen. Er hat einen Umweg zu uns gemacht und die Batterien zusammen mit Marcus eingebaut. Alles klappte wie am Schnürchen und nach etwas mehr als eine Stunde hatten wir wieder Bordstrom.

Großes Dankeschön an Fabian und Niels für diesen outstanding Service.

Nicht zu vergessen, wir haben die 58. Schleuse gemacht, vom mittleren zum unteren Hafen, damit wir morgen früh starten können, denn die Schleusen werden erst ab 9.00h bedient. Wenn wir jetzt aus dem Boot in Wasser springen sind wir gleich im Vättern See, Süßwasser – das ist natürlich schön.

Das Gute dieses Zwangsaufenthaltes: Ohne diesen wären wir weitergefahren und hätten motoren müssen, denn die vergangenen Tage hatten wir quasi keinen Wind und der kam von vorn. Morgen, also am Montag erwarten wir kräftigen Wind von Osten = Raumschots und wollen gen Vänersborg.

Die Fotografin hat vergessen Fotos zu machen, weil sie so aufgeregt war, ob alles auch klappt…

Da der Inhalt des Kühlschranks extrem zusammen geschmolzen ist (wir waren froh, wenn wir Butter, Käse und Wein einigermaßen kühlen konnten), gibt es jetzt Ute’s Notfall-Essen: Die selbstgemachte Pesto kommt zum Einsatz. Wir hätten ja mit allem leben können, aber nicht mit warmen Weißwein.

Status Schleusen: 58 von 58 (62)

Die letzte Schleuse von achtern

Halb motorend, halb segelnd über den riesigen Vänern

Gleich am nächsten Tag sind wir noch nicht los, der Wind wurde einfach zu stark: Ute hat klipp gemacht. Am darauffolgenden Tag hatten wir erst keinen Wind und dann ein bisschen. Damit wir den Wind mit Butterfly nutzen konnten, haben wir das Ziel von Vänersborg auf Dalbergsa geändert. Eine kuschelige Einfahrt und ein kleiner Steg auf einer Schäre. Ganz früher wurde hier Getreide auf die Schiffe verladen.

Wir treffen ein Schiff unser Peer-Group wieder, die haben wir schon in den östlichen Schären mehrmals getroffen. Die Lambo aus Kiel. Sie haben zwei tolle Hunde und können nicht so lange Schläge machen. Sie hatten aufgeholt, als wir in Sjötorp wegen der Batterien gehalten haben.

Der Väner-See ist Natur pur,; Wald, Wald und Schären. Allerdings wird hier kaum gesegelt, wie schon auf den anderen Seen auch. Er ist zwar bewohnt, aber nur wenig. Eine deutsche Familie aus Stuttgart treffen wir, die haben hier ein kleines Sommerhaus und segeln mit ihrem Schiff auf dem See hin und her – das ist natürlich eine Idee.

Mit Butterfly über den Vänern – wenigstens teilweise

Eine Gewalttour durch den Trollhätten-Kanal nach Göteborg

Wir starten in Dalbergsa und wollen eigentlich die restlichen 15 SM vom Vänersee und dann den Trollhätten Kanal vielleicht bis zur Hälfte machen.

Der Kanal ist wider Erwarten doch ganz schön; wie immer viel Natur, aber er ist viel breiter, denn er wird auch von der regulären Schifffahrt genutzt. Wir wundern uns, dass uns mehrere Schiffe mit Holz entgegenkommen, immer von der Faör Inseln, dabei gibt es doch in Schweden wahrlich genug Bäume.

Auf dem Vänern können wir wegen des schwachen Windes nicht segeln, also sind wir schnell in Vänersborg und dann die Überraschung: es sind nicht noch 4 sondern 6 Schleusen. Moderne und sehr hohe Schleusen, die einen Hub bis 10 Meter machen. Eine Schleuse hier schafft also so viel wie drei Schleusen im Götakanal.

Einmal sind es drei Schleusen, hier überwinden wir 20 Meter. Es geht richtig durch Berge und Felswände, sehr imposant.

An einigen Stellen könnte man denken, wir fahren durch Bayern. Manchmal sieht es aus wie im Allgäu. Seichte Hänge, Kühe grasen auf den satten Wiesen, nur die die Holzhäuser sind hier rot.

Wir müssen wir X Brücken durchfahren, bei den meisten müssen wir per Funk um Öffnung bitten. Dann werden Eisenbahn- und Schnellstraßenbrücken mit richtig Verkehr nur für uns geöffnet. Ganz schöner Aufwand. Ab und an müssen wir warten, auch mal auf einen Frachter, der mit uns die Brücke passieren soll. Im Großen und Ganzen kommen wir gut durch. Bis auf die letzte, dazu später mehr.

Als wir am eigentlichen Zielort ankommen, ist es erst früher Nachmittag. Da der Ort nicht zum verweilen einlädt, entscheiden wir uns bis Göteborg weiter zu fahren. Wir haben Glück, denn wir haben Schub von hinten. „Der Strom ist mit uns!“ Wir machen 7+2 = 9 SM Speed over Ground (SOG) und landen um 20.00h in Göteborg.

Jetzt noch zwei letzte Brücken, eine Eisenbahn- und ein Autobrücke, letztere ist regulär 18.3 Meter hoch, das reicht uns aber nicht. Sie muss etwas öffnen, was auch geht, so dass wir durchkommen. Leider weigert sich der unfreundliche Brückenwärter und sagt, wir sollen irgendwo anlegen und morgen wieder kommen. Mist.

Wir finden einen Steg, legen an, essen uns bekanntes Schnellessen und gehen müde zu Bett. Nächsten Morgen wollen wir gleich los – denkste! Der Schleusenwärter will erst um 9.00h öffnen, Sicher weil der den Berufsverkehr wegen eines blöden Segelbootes nicht in der Rushhour stören will; denn alle anderen Schiffe kommen ja durch.

Ankern im richtigen Hafen hat auch was, um uns rum überall Schiffe, Industriehallen und Kräne. Die Kräne sind von Kampnagel, also die haben möglicherweise Marcus Großvater, Onkel oder Vater produziert, alle haben dort in Hamburg Barmbek gearbeitet – allerdings vor dem Krieg und so alt sind die Kräne dann doch nicht.

Kurz nach 9.00h ist es soweit, wir passieren und machen kurzen Halt im Stadthafen von Göteborg. Frühstücken, Duschen und dann geht es weiter. Ziel ist Laesö.

Läsoe: Karibik im Kattegat

Läsoe liegt am oberen Rand des Kattegats und ist die größte Insel hier. Es sind nur 35 SM nach Göteborg, jedes Wochenende fallen die Schweden ein und dann sind mehr Schweden hier als Dänen auf der dänischen Insel.

Wir motoren durch den Hafen von Göteborg und die anschließenden Schären, ist nicht sehr eng, aber es sind eben auch Frachter unterwegs, bisschen aufpassen macht schon Sinn. Viel Wind ist nicht, erst kreuzen wir, dann dreht er etwas und wir können den Code-Zero rausholen. Wir halten wacker bis zum späten Nachmittag mit 3-5 Kn. abzgl. 1 Kn. Strom durch, die letzte Stunde starten wir aber dann den Motor – wir haben Hunger.

Das erste Mal auf dieser Reise haben wir einen vollen Hafen, wir müssen ins „Päckchen“, so nennt man es, wenn Boote nebeneinander liegen. Ein- und Aussteigen ist etwas schwieriger und wenn man nicht am ganz außen liegt, gehen Leute über das Schiff, was recht laut ist. Da wir aber meistens draußen sind, ist es ok. Außerdem kommt man auf diese Weise mit den Leuten ins Gespräch, das ist sehr nett.

Dänemark zeigt sich hier von seiner schönsten Seite; ein Delikatessen Geschäft mit tollem Brot. Tut mir leid, liebe Schweden, euer Brot kann da einfach nicht mithalten. Und dann gibt es endlich mal wieder einen Fischladen mit einer tollen Auswahl. Der Verkäufer versichert uns, alle Fische kommen aus der Umgebung, außer dem Lachs, der ist aus Norwegen von einer Zucht.

Wir kaufen einen Steinbutt und einen Tintenfisch und sind überrascht, dass es sowas hier gibt. Eigentlich sollte es den Pulpo als Vorspeise geben, aber es ist so viel, dass wir uns den Steinbutt für morgen aufbewahren.

Außerdem gibt es ein Craft Beer von Läsoe. Manche dieser Biere sind ja gewöhnungsbedürftig, dies ist sehr lecker. Im Restaurant: zwei Flachen à 0,5l = fast 20€. Die gleiche Summe hat der Fisch gekostet, im Durchschnitt ist es also ok. Läsoe ist bekannt für das Salz, dass hier gewonnen wird. Darum herum werden auch Kosmetikprodukte vermarktet.

Es gibt eine kleine Reparaturwerft, v.a. für die vielen Fischerboote. Ein norwegische Paar macht das Unterschiff selbst, oben auf dem Schiff leben sie. So macht Arbeit sicherlich Spaß.

Die Fotos geben nicht wider wie schön es ist. Der Strand ist traumhaft und es ist ein karibisches Treiben, baden, SUPen, Wasserski u.ä., ankern. Es ist sehr sonnig, knapp 30°, das Wasser ist jetzt mindestens 20° warm, herrlich.

Am nächsten Tag schenken uns die sehr netten schwedischen Nachbarn noch einige Kilo „Crabs“, die gibt es heute wirklich als Vorspeise und morgen vielleicht auch noch mal.

Fazit: Also zwei entspannte Urlaubstage, ohne Schleusen und Brücken, dafür Strand und Baden.

Insel Anholt – hin und weg

Wir sind immer wieder „hin und weg“ von Anholt. Der super-schöne Sandstrand, die ungewöhnliche Natur, der leicht verfallene Charme. Im Sommer ist es hier nicht voll, sondern super-voll, weil es das Lieblingsziel aller Segler ist, v.a. der deutschen.

Segeln ist immer auch etwas Strategie. In den nächsten Tagen ist schlechteres Wetter mit starkem Wind aus West bzw. Südwest angesagt, da ist man nicht so gern auf Anholt, es donnert dann ganz schön rein dort. Das Problem, die nächsten Tage kommt der wenige Wind aus Süden, genau dort wollen wir hin.

Wir haben aber beobachtet, dass der Wind am Nachmittag immer zunimmt (das ist Thermik) und am Sonntag eher aus Süd-West kommt. Bei der Segelei von Laesö nach Anholt ist Ute’s Taktik voll aufgegangen: morgens los, die ersten 20 von 46 SM motoren und dann bei zunehmendem Wind den Code 0 hochziehen und segeln. Um 17:45 sind wir nach 47 SM in Anhalt angekommen, der Hafen max. zu 1/3 gefüllt.

Es naht das Saisonende und Restaurants haben kaum noch geöffnet. So leer ist dann auch irgendwie komisch. Wir genießen einen Tag die tolle Insel, gehen spazieren, gehen baden und machen uns dann auf den Weg nach Samsoe, einer unserer weiteren Lieblingsinseln mit einem unserer Lieblingshäfen, Ballen.

P.S.: Unser schwedischer Nachbar in Laesö erzählte, dass Anholt vor vielen Jahren bei einem Brand völlig verstört wurde. Die Dame, der die Insel gehörte, hat für die Aufforstung für die Gegend ungewöhnlich Pflanzen (z.B. Heide, die jetzt blüht) genommen, daher kommt sicher auch der einzigartige Charme.

In zwei Steps nach Ballen auf Samsoe

Wie geschrieben, wollen wir das schlechtere Wetter in einem geschützten und eher lebhaften Hafen verbringen, sonst wird es schnell langweilig. Direkt nach Samsoe ging bei schwachem Wind von vorn nicht, das hätte viel motoren bedeutet. So sind wir in zwei großen Schlägen hoch am Wind erst nach Grena und von Grena nach Ballen gesegelt. Der erste Törn war herrlich, Sonne, guter Wind und gute Geschwindigkeit. Der zweite leider 2/3 motoren und nur am Ende eine schöne Segelei.

Über Grena gibt es nicht viel zu berichten, es wird von vielen Seglern als Durchgangshafen auf dem Weg in den Norden bzw. Süden genutzt und ist ein wichtiger Fährhafen zu einige dänischen Inseln und nach Schweden.

Auf dem Weg umfahren wir mal wieder ein großes Windkraftfeld. Die Anlagen werden von Grena aus installiert. In Schweden gibt es Atomkraftwerke, obwohl eine Volksabstimmung eigentlich deren Stilllegung beschlossen hat. In Dänemark setzt man auf Erneuerbare Energie und Samsoe ist inzwischen völlig autark von anderen Energieträgern.

Jetzt sind wir in Ballen auf der schönen Insel Samsoe (https://www.visitsamsoe.dk/de/). Hier gibt es richtig Bevölkerung und auch Tourismus. Der Hafen ist super nett, kleine Bars, nette Läden und viele Restaurants; alle auf hohem Niveau. Darunter ein neues, das probieren wir am zweiten Tag mal aus.

Am zweiten Tag regnet es fast nur, aber es eigentlich das erste Mal auf unserer Reise. Da hat es auch schon andere Urlaube hier im Norden gegeben.

Wir haben nette Stegnachbarn. Auf der Steuerbordseite zwei „Regatta-Profis“. Er segelt auf der Outsider von Tilmar Hansen – eine der Top-Boote in Deutschland – und sie ist Skipperin der Tutima. Einer Segelyacht, die der Uhrenmarke aus Glashütte gehört und mit 15 Mädels gesegelt wird. Das Pärchen will ins „Fahrtensegeln einsteigen“ und hat sich dieses Jahr eine gebrauchte X-Yacht mit Kuchenbude gekauft – werden wohl auch älter.

Das ist Formel I auf dem Wasser. Die Boote sind etwa doppelt so schnell wie die Andante

Wo sind wir eigentlich?

Für alle Einwohner südlich von Hamburg, die es nicht so mit dem Norden Europas haben, hier ein Sonderservice. Der Google Punkt zeigt Samsoe. Die beiden nördlichen Inseln sind erst Anholt und dann Läsoe. Grena ist etwas nördlicher als Aarhus.

Wir sind also von Schleswig (südlich von Flensburg), an Fehmarn vorbei, über Rügen nach Bornholm. Dann Kalmar, Västervik, durch den Göta-Kanal nach Göteburg und jetzt über den Kattegat nach Samsoe. Das ist gewohntes Gebiet, hier kennen wir viele Häfen. Der Rückweg soll in genau südlicher Richtung durch den Großen Belt, über die eine oder andere Insel und schließlich in die Schlei führen.

Also Dänemark und Schweden sind sehr interessant, sehr unterschiedlich und es gibt ein spezielles Mikroklima. Häufig, aber nicht immer, ist es in dieser Gegend sonniger als in Norddeutschland.

Neues Ranking der Zugriffe

Wir können nicht sehen, wer auf unseren Blog zugreift. Aber woher sie kommen, zeigt die Statistik. Durch die internationalen Kontakte ist der Zugriff auf unseren Blog quasi weltweit, aber einige Länder fallen auf.

Schweden, hier lebt ein Teil von Utes Familie. Zwei Tanten sind Ende der 50er Jahre ausgewandert. Eine lebt im Falkenberg, ein sehr schöner Ort an der Westküste und in Stockholm und hat eine Sommarstuga am See Mälaren in der Nähe von Stockholm. Also sind wir quasi bei beiden vorbeigesegelt.

Beide sind aber in selbstgewählter Quarantäne, was sicher nicht ganz einfach ist; denn sie haben viele Kinder und Enkel. Ein kleines Ersatzvergnügen ist nun unser Blog. Sie sagen selbst, dass sie Schweden nochmal anders kennen lernen. Es freut uns, dass wir ihnen damit eine kleine Freude machen können.

Die vielen Zugriffe aus Israel kommen von Marcus‘ Geschäftskontakten ins eines unserer Lieblingsländer. Wir sind sehr häufig dort gewesen und kennen dort wirklich viele Leute.

In Polen bzw. Litauen lebt eine ganze nette KAMA Kollegin und ihr Mann. Griechenland wird wohl unser Segelfreund sein, der mit seinem Katmaran dort untwerwegs ist.

China, die können eigentlich nicht zugreifen, aber irgendwie umgehen sie die „Great-Wall“ wohl. Neben Israel ist es das Land mit den engsten Geschäftsbeziehungen von Marcus, draus sind inzwischen sogar Freundschaften entstanden.

Hier die Top10

„Oh wie schön ist Samsoe“

Schon das zweite Mal „zitieren“ wir Janosch, wo war es das erste Mal? Samsoe hat sich in kleinen Schritten sehr positiv entwickelt, was man nicht von allen Inseln und Orten von Dänemark behaupten kann.

Samsoe hat drei Marinas: Marup im Norden und den schönen Naturhafen Langoer, den man am besten bei schönem Wetter genießt. Wir präferieren Ballen, er ist für uns der perfekte Hafen. Er ist mittelgroß, aber kein künstlicher Bootsparkplatz sondern hat sehr viel Charme.

Im Kinderbecken werden ganztägig Krebse gefangen, es wird gebadet, gepaddelt. außerdem gibt es hier eine Station, die Naturkundeunterricht vermittelt. Ein schöner alter Fischerkahn steht an Land zum Spielen. Es ist immer wieder schön, dass es in Dänemark in jedem Hafen so viele Spielmöglichkeiten für Kinder gibt.

Überall auf Samsoe gibt es Kunst und handwerkliche Produkte, selbstgemachte Marmeladen, Essig, Öle, natürliches leckeres Eis und vieles mehr. Wir lieben es auch an den vielen Straßenständen Gemüse und Obst zu kaufen und das Geld in eine kleine Büchse zu legen. Auch ein Local-Craft Bier wird in Nordby auf Samsoe gebraut.

In Ballen gibt es ein neues Pop-Up Restaurant namens „Vaerften“, welches von Kopenhagenern betrieben wird. Wir waren dort. Einfach aber unheimlich nett eingerichtet, so etwas wäre auch etwas für unsere Ostseeküste. Das Essen war für dänische Verhältnisse wirklich gut, auch wenn die Portionen etwas klein waren. Zudem gibt es das „Skipperly“, kultig eingerichtet, klassische dänische Küche. Auch sehr gut.

Im nahegelegen Hauptort Tranebjerg gibt es einen Supermarkt mit frischem Gemüse, was immer wichtig ist für uns. Außerdem gibt es dort ein weiteres, offensichtliches gutes Restaurant. Am Hafen gibt es ein Gemüsestand, der ständig frisch aufgefüllt wird und einen Fischwagen mit großer Auswahl an frischen Fischen.

Samsoe ist mittelgroß und hierher kommen auch „normale“ Touristen mit Fahrrädern, zu Fuß und Auto per Fähe von Kalundborg auf Seeland (Nähe Kopenhagen), Hou auf Jütland oder seit dieser Saison auch direkt von Aarhus. Diese guten Verbindungen haben sicherlich zu der positiven Entwicklung von Samsoe beigetragen. Die Natur ist wunderschön und die Strände laden zum Baden ein.

Die Insel hat sich schon vor mehreren Jahren vorgenommen, unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Hier gibt es an vielen Ecken Ökologie-Projekte. Es gibt eine Energieakademie. und sicherlich thematisiert das jährliche große Samsoe-Musikfestival Nachhaltigkeit. Samsoe gilt auch als Rückzugsort vieler dänischer Musiker und bildender Künstler. So gibt es in Brundby, im Zentrum der Insel, ein Rockhotel.

Wir wettern hier das recht schlechte Wetter ab, das hatten wir so geplant. Schön ist, dass wir hier eine nette Gemeinschaft von Schiffen – meistens aus der Schlei – treffen. Da kommen nette Gespräche zustande und Sonntag wollen wir im Internet Bayern gegen Paris gucken.

Fazit: In unserem Insel-Ranking steigt Samsoe auf Platz 2, nach Bornholm… Weniger Steine, weniger historische Stätten, dafür mehr Wiesen und Landwirtschaft. Besser als Bornholm sind die Strände und Bademöglichkeiten in der Nähe der Marinas. Auch die Tourismusinformation ist gut, siehe unsere Seite Links.

Ab jetzt ist Rückreise

Spätestens ab Samsoe haben wir das Gefühl nach Hause zu segeln. Von Samsoe sind es theoretisch zwei etwas größere Schläge zum Heimathafen Maasholm. Wir werden die Rückreise aber etwas ausdehnen. Es ist Montag und für Mittwoch ist schlechtes Wetter vorhergesagt, ganztägig Regen. Also nehmen wir uns Aerosköbing als Zielhafen vor.

Wir segeln durch den Großen Belt und mal wieder durch eine Brücke. Noch in Samsoe beginnt die die Diskussion der Stegnachbarn „Kommen wir durch den westlichen Teil der Brücke und ersparen uns einige Seemeilen?“ Hier ist die Brücke max. 18 Meter plus/minus des Wasserstands (hier in der Ostsee +/- 0,5m). Für uns erübrigt sich die Diskussion, wir müssen näher an das Fahrwasser in die Mitte der Brücke, hier geht es langsam von 24 auf über 50 Meter. Da suchen wir uns das passende Tor.

Eigentlich war für Montag guter Wind, 4-6 m/s angesagt, aber es wird deutlich weniger. Wir probieren mal wieder alles: Gennaker, CodeZero – rauf und runter – am Ende macht Ute’s Lieblingssegel, der Code Zero, am meisten Speed. Vor und nach der Brücke hilft aber auch der nicht, wir müssen motoren. Gut nur, die „Macht ist mit uns“, so geht es mit über 9Kn über Grund.

Am Ende schenkt uns Rasmuss noch etwas Wind und wir segeln sehr schön nach Lundeburg, ein kleiner Hafen mit mittlerem Charme auf Fünen, gegenüber von Langeland.

Von hier geht es am nächsten Tag an Svendborg vorbei nach Aerosköbing. Anfangs können wir noch schön segeln, danach kommt „kein Wind von vorn“. Der Svendborg Sund der eng und lang. Die Fahrrinne im Sund ist an einigen Stellen nur 100 Meter breit, also kreuzen fällt aus, das geht nur mit einem Boot mit wenig Tiefgang. Wenn dann noch die Fähre kommt, bleibt nicht mehr viel Platz.

Svendborg ist eine sehr schöne und alte Stadt, am Sund stehen wunderschöne Häuser, ein herrliche Gegend. Hier könnte man auch gern wohnen.

Am Nachmittag kommen wir auf der Nordseite von Aerö an. Aerö hat noch zwei weiteren schöne Häfen, die können wir aber easy am Wochenende erreichen. Aerosköbing ist von der Schlei etwas weiter weg. In früherer Zeit, als wir Sonntags am Nachmittag noch nach Hause fahren mussten, war es etwas zu riskant, zumal man meistens einen Teil der Strecke kreuzen muss.

Aerosköbing bekommt einen Sonderbeitrag, weil ist einfach sooooo schön ist.

Ein Malheur in Aerosköbing

Wir sind bewusst vor dem starken Wind und dem Regen in den gut gelegenen Hafen von Aerosköbing geflüchtet. Aber der Wind wurde ein Sturm mit bis zu 25 m/s = 50 Kn = 9-10 Windstärken und er kreiste in der letzten Nacht genau über der Insel Aero. So hatten wir uns das nicht gedacht.

In der Nacht löste sich dann der Knoten, der die Fock am Vorstag hält und sie wehte aus. Das machte einen höllischen Lärm. Wir versuchten sie wieder einzudrehen und beschädigten dabei die Rollanlage. Auch das Segel selbst hat einen Riss. Großer Mist.

Gott sei Dank gibt es in der Schlei viele Handwerksbetriebe, die alle möglichen Reparaturen durchführen. Wir haben B’Segel in Kappeln gefunden, das ist um die Ecke von Maasholm. Da brauchen wir nicht extra nach Schleswig in die Werft. Nächste Woche übernehmen sie die Reparatur und dann kann es hoffentlich wieder losgehen.

Wir wollten ja noch etwas Nettes über Aerosköbing schreiben, für das Wetter kann der Ort ja nichts – oder? Aero ist vergleichbar mit Samsoe aber für uns viel näher. Es ist für alle Segler von Flensburg bis Kiel ein sehr beliebtes Ziel. Marstal im Südosten ist ein richtiger Hafen mit viel Tradition und Geschichte. Es gibt darüber ein spannendes Buch. „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen.

Aerosköbing liegt auf der östlichen Seite und der Weg ist etwas weiter für uns aus Deutschland. Der alte Ort ist unheimlich schön, gut erhaltene Häuser und wieder kleine nette Handwerksbetriebe, die tolles Eis, Bier, Lakritzkonfekt und vieles mehr herstellen. Wir kennen hier jeden Grashalm und erfreuen uns immer wieder an den schönen bunten Badehäuschen – typisch für Dänemark, aber auch in Nordfriesland üblich. War ja früher alles eins.

Das Wetter ist in diesen Tagen nicht so doll, um es nett zu formulieren. Es ist kalt geworden (17°), windet zwischen durch immer noch recht stark und regnet immer wieder. Also, der richtige Zeitpunkt, um sich auf den Heimweg nach Maasholm zu machen. Hoffentlich können wir das Code Zero nutzen, denn das ist noch heil.

Einige Häuser haben einen Spiegel vor dem Fenster. Damit kann man aus dem Zimmer heraus sehen, wer von rechts oder links kommt ohne das Fenster zu öffnen. So konnte man entscheiden einen Klönschnack zu halten oder nicht.

Und noch `ne Insel

Wir bleiben etwas länger in Aerosköbing, weil es hier schön ist und das Wetter uns nicht auf das Wasser lockt. Am Sonnabend ist viel Sonne und wenig Wind angesagt. Wir suchen uns ein Ziel in der Nähe, das wir auch mit ganz wenig Speed erreichen können – der Nachbarort Söby, 6 SM.

So dümpeln wir dahin, wenig Wind und demzufolge auch keine Wellen, wir genießen die schöne Gegend, einfach entspannend. Dann kommt doch Wind auf, wir segeln herrlich mit 5-6 Kn. Jetzt wollen wir doch nicht aufhören und ändern das Ziel: die Insel Lyö.

Wenn ein Kind eine Insel malen soll, dann würde es sie wie Lyö malen. Sie ist fast rund, in der Mitte ein Dorfteich mit Enten und Fröschen, eine schöne kleine Kirche und früher eine Schule; dazwischen nette Häuser. Es gibt auch echte Landwirtschaft, saftige Wiesen, Kühe und Schafe. Der längste Weg auf der Insel ist die Umrundung, 12 Km, also ein Fahrrad braucht man nicht wirklich.

Jeder Segler an der westlichen Ostsee war schon mal auf Lyö und jeder liebt die Insel. Im Sommer werden hier die Schiffe gestapelt und trotzdem ankern noch viele vor dem Hafen, was auch schön ist. Es gibt einen schönen Strand, das Wasser lädt zum Baden und Krebse fangen ein.

Für uns aus der Schlei sind es nur 25 SM, entspannt am Wochenende zu erreichen, deshalb sind wir meistens vor oder nach der Saison hier.

Seit einigen Jahren ist die alte Schule in ein Restaurant umgebaut. Zuerst gab es das Pizza und ab diesem Jahr ist es ein Pop-Up Restaurant mit dänischer Küche. Wir probieren es aus und sind angenehm überrascht. Ute isst noch mal Jongfruhummar und Marcus super-leckere Miesmuscheln. Und, das darf nicht fehlen, wieder ein leckeres Craft Bier. Ist natürlich, wie immer in Dänemark, deutlich teurer als zu Hause, aber was solls.

Back home!

Auf Lyö hatten wir noch mal sehr schönes Wetter, aber die Aussichten sind nicht so rosig. Außerdem wollen wir unser Segel reparieren lassen. Also machen wir uns Sonntag auf nach Maasholm (MAA = das Kennzeichen für die hier beheimateten Fischerboote), unseren Heimathafen.

Leider haben wir keinen Wind, so müssen wir mal wieder motoren. Wir kommen früh in MAA an und machen erst einmal einen Rundgang. MAA ist eine Halbinsel, auch rund und eigentlich ein hübscher Fischerort mit echten Fischern. Seit einiger Zeit putzt sich der Ort raus und dank Corona ist hier wohl auch alles ausgebucht gewesen. Ein im alten Stil renovierter Anlegebereich für Nebenerwerbsfischer, ein schöne kleine Kirche, viele hübsche Häuser, einige mit tollen Blick über die Schlei, ein nahegelegenes Naturschutzgebiet usw. Wir sagen uns, auch ganz nett hier.

Abends gehen wir in unser Stammrestaurant und essen Scholle und Matjes, lecker, lecker.

Am nächsten Tag müssen wir erstmal einiges organisieren. Zuerst ist die Autobatterie leer nach 2 Monaten Stehen. Wir lernen, dass die modernen Batterien langsam mit einem speziellen Gerät wieder aufgeladen werden müssen. Das organisieren wir uns. Dann bringen wir das Segel zur Reparatur. Am Mittwoch ist alles perfekt erledigt, der Segelmacher B`Segeln aus Kappeln macht einen guten Job. Sehr zu empfehlen.

Hier endet nun unsere Reise und auch unser Blog – wie schade. Wir hoffen im September auf noch einige Tage Spätsommer und wollen noch kleinere Törns in die dänischen Südsee (so nennen wir das dänische Revier hierin der Nähe) machen.

Ute und ich haben über 25 Jahre eine Wochenendbeziehung gelebt. Jetzt waren wir 10 Wochen auf wenigen Quadratmetern zusammen. Wir haben es geschafft; es gibt keine Anzeichen für eine Scheidung, das hat auch der Götakanal (Scheidungskanal) nicht geschafft. Jetzt freuen wir uns auch auf Hamburg, unsere Wohnung und vor allem mal wieder unsere Freunde zu treffen. Auch mal wieder schön Essen steht auf der To-Do-Liste.

Im nächsten Jahr soll es wieder losgehen. Planungsstand heute: Stockholm – Aaland-Inseln – Finnland – und wenn wir es schaffen – über die Baltischen Staaten und Polen zurück. Das ist ein langer Törn, aber wir können nächstes Jahr auch früher starten.

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Wir hoffen Euch hat es etwas Spass gemacht es zu lesen. Bis zum nächsten Mal.

Ute und Marcus

P.S. Zurückgelegte Distanz 1.116 SM, also rund 2.000 KM.

Ein kleiner Ländervergleich

Hier noch eine kurze Auswertung unserer Reise:

  • Die schwedischen Ostschären sind sehr schön, eben bewaldet und nicht nur Steine pur. Hier kann man auch länger verweilen, es gibt wirklich sehr schöne Stellen.
  • Der Götakanal war schön, herrlich einmal durch ein Land zu fahren. Aber man muss viel motoren und das mögen wir als Segler eigentlich nicht so sehr. Außerdem: die letzten 10 Schleusen hätten sie sich sparen können.
  • Die Dörfer und Städte an der Küste Schwedens sind manchmal schön und manchmal „hübsch hässlich“, wie der Hamburger sagt. Da ist Dänemark eindeutig im Vorteil.
  • Es ist schön, dass man sich in beiden Ländern sehr gut unterhalten kann. So lernt man Länder und Mensch doch besser kennen. Die Schweden sprechen einfach perfektes Englisch, verständlicher als die Engländer und das Englisch der Dänen ist kaum schlechter.
  • Schweden = Digital. Wir haben am Anfang 200 Euro in SEK umgetauscht und davon 5 Euro ausgegeben. Man zahlt alles, auch einen Cent-Betrag, mit der Kreditkarte. Wir zahlen mit der IWatch/Apple Pay. Man kann also an den Strand gehen und braucht nichts kein Portemonnaie; mit der Uhr kann man baden und das Eis bezahlen.
  • Natürlich kann man Busfahren, Parken und alles andere auch mit dem Smartphone zahlen. Im Supermarkt gibt es Systeme, dass man nicht an der Kasse anstehen muss.
  • Wir sind ja am Rand und in kleinen Orten in Schweden unterwegs gewesen; wir haben zu jeder Zeit eine 4G Verbindung gehabt. Schweden ist sehr groß, warum geht es in Deutschland nicht.
  • Schweden ist nicht so teuer wie Dänemark, eher wie bei uns. Einzige Ausnahme: Alkohol, das ist wie früher in der DDR, dafür gibt es extra Shops (systembolaget). Es wundert uns, dass sich die Schweden so eine Gängelung gefallen lassen.
  • Schweden ist US-mindet, manchmal fühlt man sich wie in Klein-Amerika. Es ist ein beliebtes Hobby alte US Straßenkreuzer zu reparieren und schick zu machen und damit am Sonntag durch die Lande zu fahren.
  • Supermärkte fährt man mit dem Auto an, die haben US Format. Dass man wie wir mit dem Bus dahin fährt, ist nicht vorgesehen. So war es einmal nicht möglich die Straße zu überqueren, um von der Bushaltestelle zum Supermarkt zu gelangen – ohne Auto geht es in Schweden nicht.
  • Greta hätte im eigenen Land noch einiges zu tun. Wir sind überrascht, dass Umweltschutz nicht so eine hohe Priorität wie bei uns hat. Wenn man im Supermarkt einkaufen war, dann hat man jede Menge Plastikmüll. Alles, auch das kleinste Produkt, wird in Plastik verpackt. Einmal haben wir sogar in Plastik eingepackte Bananen gekauft. Das ist in Dänemark übrigens nicht besser.
  • In Dänemark fallen die vielen handwerklichen Produkte und lokal produziertes Essen und Getränke auf. Das ist ein schöner Trend, stärker als bei uns. In Schweden ist es uns nicht begegnet.
  • Die Restaurantqualität ist in beiden Ländern wirklich begrenzt und wenn sie etwas besser sind, kostet es sehr viel. Wer wie wir nicht so gern Fleisch isst und Burger nicht mag, ist in Schweden echt aufgeschmissen.
  • Wir haben zwei Monate keine Maske getragen, das war sehr angenehm. Corona wird von beiden Bevölkerungen ernst genommen, aber es wird nicht übertrieben reagiert. Man setzt eher auf Eigenverantwortung, Abstand und Desinfizieren.
  • Die Schweden sind sehr tolerant, lassen die anderen Menschen leben und in Frieden. Die Dänen sind tiefenentspannt, ich glaube, die kann gar nichts erschüttern. Solche Aufregungen wie bei unseren Wutbürgern über alles und jedes kann ich mir in beiden Ländern nicht vorstellen.

Es ist bekannt, dass die Königshäuser in Dänemark und besonders Schweden sehr volksnah sind, aber dass man quasi durch deren Garten bummeln kann, hat schon überrascht. Ganz toll.

Eine Höhepunkt der Reise – Anlegen im Schlossgraben von Vadstena

Nachschlag – ein Törn im Heimatrevier

Eine Woche waren wir in Hamburg bzw. Dresden, dann zog uns das schöne Wetter wieder auf’s Wasser. So einen herrlichen Spätsommer haben wir selten erlebt. Wir nehmen uns vor nur zu segeln und nicht die Volvo-Genua zu nutzen. Bei wenig Wind wollen wir lieber kleine Schläge machen.

Unser Heimatrevier ist die Dänische Südsee, so wird dir Region südlich von Fünen genannt. Im Sommer muss es hier überfüllt gewesen sein. Jeder, der ein Boot hat, war auf diesem unterwegs. Jetzt im September ist zwar noch etwas los, aber nie überfüllt – genau richtig.

Jetzt spüren wir unsere „Grosse Freiheit“ erst richtig. Das zweite Septemberwochenende ist noch „durchwachsen“, so nennen Norddeutsche schlechtes Wetter. Ab Montag wird es richtig schön. Alle arbeitenden Segler müssen nach Hause und beneiden uns um die herrlichen Aussichten in den nächsten Tagen. Wir schweigen und genießen.

Von Maasholm geht es mit repariertem Segel nach Höruphav, ein kleiner Vorort von Sonderborg, der südlichsten größeren Stadt Dänemarks. Der Hafen ist sehr geschützt, was wir schätzen bei dem aufkommenden starken Wind aus West. Wir machen bei Sonnenschein schöne Spaziergänge im nahegelegenen Wald und Kliff.

Danach geht es mit ganz wenig Wind nach Mommark. Es sind nur 15 SM, trotzdem brauchen wir einige Stunden. Mommark ist etwas skurril, eine leicht chaotische Marina, aber mit einem gutem Lokal, nettem Hafenmeister und einen schönen Strand, mit (Plastik) Palmen.

Danach soll es noch einmal nach Lyö gehen. Wie gesagt, jeder Segler von der Ostsee liebt diese Insel und hier ist es trotz Nachsaison noch proppevoll. Wir treffen einige Freunde aus Maasholm und Umgebung und spazieren um die Insel. Alles bei herrlicher Sonne, wenig Wind und Temperaturen über 20°.

Nach zwei Tagen gibt die Chance zu segeln, die müssen wir ja nutzen und verlassen Lyö gen Marstal. Auch wenn es auf der Karte nicht so aussieht; das Wasser ist hier sehr flach und man muss durch eine enge Fahrrinne segeln, das mögen wir besonders gern. Wir genießen die Natur und meistens ergibt sich die Möglichkeit sich mit einem anderen Schiff zu messen, denn alle müssen den gleichen Kurs fahren. Wir machen gute Fahrt von 4-5 Kn. und holen auf eine 44 Ft Yacht auf. Genervt zupft die Crew an den Segeln, denn eigentlich müssen die schneller sein als wir, denn „Länge läuft“.

Marstal ist eine beliebte Marina für Segler von Heiligenhafen bis Flensburg. Wir lieben den Gästesteg am Ende der Marina. Wenn man mit dem Heck gen Süden liegt hat man einen herrlichen Blick über das Wasser und auf die markanten typischen dänischen Badehäuser. Marcus sagt, „hier kriegt mich keiner mehr weg.“.

Die Stadt hat eine jahrhundertalte Seglertradition und war mal einer der größten Häfen Dänemarks. In Hochzeiten fuhren über 300 Schiffe unter der Flagge von Marstal und machten Walfang in Neufundland und brachten Waren von Südamerika nach Nordeuropa.

Es gibt ein spannendes und tolles Buch, „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen. Jedem, auch Landratten, zu empfehlen. Es beschreibt u.a. wie wichtig der Wall um den Hafen für die Entwicklung des Ortes war und die Seeleute in die ganze Welt segelten. Der Steinwall wurde im 16. Jahrhundert von den Einwohnern mühsam in 40 Jahren errichtet. Ganz früher gehörte Aero nicht zu Dänemark, war eigenständig mit allen Vor- und Nachteilen. Deshalb gab es Zölle und natürlich Schmuggel.

Am ersten Tag treffen sich hier die Georg Stage, ein Segelschulschiff der Dänischen Marine, und der Toppsegelschoner Thor Heyerdahl. Letzterer ist ein 50 Meter großer Schoner, auf dem in Non-Corona Zeiten Jugendtörns angeboten werden. Außerdem ist die Thor Heyerdahl bekannt als das „segelnde Klassenzimmer“; mehrere Monate segeln Schüler damit über die Weltmeere.

Das Anlegen des Schiffes ist ein großes Ereignis, denn erstens ist die Einfahrt eng durch das bereits liegende Schulschiff und zweiten hat die Tor Heyerdahl kein Bugstrahlruder, das wird ersetzt durch ein Schlauchboot, welches mal Steuerbord, mal Backbord einige Zentimeter „pushed“. Insgesamt dauert es mehr als 1 Stunde.

Am dritten Tag besuchen wir endlich mal das Seefahrtmuseum. Ein großes Erlebnis. Es wird sehr anschaulich das frühere Leben in Marstal gezeigt. Wir sind mehr als beeindruckt. Für jeden, der hier in die Nähe kommt, ein MUSS. Wir fragen uns, wie früher in dem Hafen 30 Segelschiffe ohne Motor festmachen konnten.

Marstal drohte auszusterben, besonders nachdem die Reparaturwerft geschlossen hat. Aber seit diesem Jahr haben wir den Eindruck, das neues Leben zurück kehrt. So wurde Motorfabrik Marstal von örtlichen Unternehmern übernommen und in eine Stiftung umgewandelt. Es soll ein Gründerzentrum entstehen, wo maritime Startups zusammenarbeiten. Auch die Fährlinie von Marstal nach Rudköbing wurde durch privates Engagement wieder aufgenommen. Wenn Marcus etwas zu sagen hätte, würde er auch die Fähre Kiel-Marstal reaktivieren; die Deutschen würden das sicher gern annehmen.

Marstal bietet nicht nur den wunderschönen Ort, sondern auch Strand, der zum Baden einlädt. Sehr viele nutzen es auch zum Kajakpaddeln, es gibt einen schönen Anleger und ein Heim, um sich Essen zu machen und zu treffen.

Die erwähnten drei Tage waren sonnig und recht warm, kein Wind. Morgen am 3. Sonntag im September soll Wind aufkommen und wir machen uns auf den Weg nach Hause. Eventuell noch mit einem Abstecher nach Eckernförde, auch eine schöne Stadt. Hier kann man nochmal etwas einkaufen und bummeln.

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