Baltic Törn 22!

Hier sind die Beiträge in chronologischer Reihenfolge. Bei „Blog“ ist der aktuelle oben.

To Pingsten, ach so scheun! *

Der Baltic Törn 22! steht kurz bevor, Pfingsten soll es los gehen. Alles ist vorbereitet. Die SY Andante ist startklar und wir haben alles eingekauft, um die ersten Tage zu überstehen.

Nach zwei Sommern im östlichen Schärengarten von Schweden soll es dieses Mal in den Westen gehen, also Kattegat und Skagerrak und vielleicht einen Abstecher nach Norwegen. Ganz besonders freuen wir uns auf dem Limfjörd, der verbindet auf natürliche Weise die Ostsee mit der Nordsee. Es soll wunderschön dort sein und wir haben die Hoffnung, dass es in der Ferienzeit nicht ganz so überfüllt ist.

Ein weiteres Ziel ist die Westküste von Schweden, die kennen wir südlich von Göteborg noch nicht. Außerdem haben wir die Hoffnung Ute’s „West-Tante“, zu treffen. Sie wohnt südlich von Göteborg in dem wohl schönen Ferienort Falkenberg.

Dieses Jahr wollen und können wir uns etwas mehr Zeit lassen, wir wollen an den einzelnen Stationen etwas länger verweilen und die Gegend erkunden. Denn so weit weg vom Ausgangspunkt Maasholm ist unser Zielgebiet nicht.

Die meisten Segelfreunde trifft man beim „Abwettern“ von Sturm in einer geschützten Marina. Mit den Freunden aus den letzten Jahren halten wir immer noch Kontakt. Von hier viele Grüße an die SY Lambo, SY Traumfänger, SY Loony und SY Carissima. Wir sind gespannt, ob wir jemanden von Euch wieder treffen und welche neue Crew dazu kommt.

Für alle, für die Erdkunde in der Schule schon eine Weile her ist oder der – wie ich – gerade beim Thema Masern hatte: hier ein Überblick.

Am Anfang müssen wir entscheiden oder besser, der Wind wird entscheiden, wie wir in den Norden kommen. Drei Wege gibt es, links (westlich) durch den „Kleinen Belt“, in der Mitte durch den „Großen Belt“ oder durch den Sund bei Kopenhagen.

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Leinen los!

Bevor es losgeht verabschieden wir uns von unseren lieben Stegnachbarn von der MS Adeja. Christine und Günter waren es, die uns so toll am Ende des Törns 21! empfangen haben.

Das erste Etappenziel ist die Insel Samsö im südlichen Kattegat. Das sind knapp 100 SM, also für uns normalerweise 3-4 Tage. Wir haben uns für den mittleren der drei Wege entschieden, also durch den Großen Belt. Einerseits sind es ca. 10 SM weniger und anderseits soll der Wind von heute Nord auf Ost drehen. Da wollen wir nicht erst nach Westen in den „Kleinen Belt“ und dann wieder nach Osten. Segeln ist auch immer ein kleines Strategiespiel.

Wir nehmen uns vor zu der kleinen Insel Strynö zu segeln. Am Anfang geht es aber gar nicht voran: 1-3 Knoten bedeuten eine ETA von 23.00h. Geht gar nicht. Ute hat aber die Rettung, wir haben den Göttern von Wind und Meer „Rasmus“ und „Neptun“ noch gar kein Opfer gebracht. Also bekommet jeder ein Schluck Sherry! Der Skipper darf natürlich auch nicht zu kurz kommen. Keine zwei Minuten später brist der Wind auf und wir kommen gut voran. Von wegen Aberglaube.

Dann hört der Wind trotzt Sherry auf und wir starten den Motor. Marstal ist ein sehr traditionsreicher Schifffahrtsort auf der „Südsee-Insel“ Aero. Noch vor hundert Jahren war hier der größte Teil der dänischen Handelsmarine stationiert – das ist vorbei. Schön ist der Ort, der Hafen und die Umgebung trotzdem noch.

Wir sind recht früh gestartet und trotz allem relativ schnell gesegelt. Die anderen Segler aus der Schlei etc. sind hinter uns, deshalb bekommen wir einen der schönsten Plätze im Hafen, mit freiem Blick über das Wasser zur Küste.

  1. Tag , Sa 04.06.22, anfangs bewölkt 15 Grad, später sonnig 22 Grad

Sommer! Der erste Tag in kurzer Hose und die Wikingerkinder baden schon.

Marstal war mal wieder schön. Von den Häfen in näherer Umgebung ist es inzwischen uns liebster. Er bietet den Charme eines echten Hafens mit der schönen kleinen Stadt sowie schöner Natur. Außerdem haben wir nochmal eine Menge Leute getroffen, SY Solvind, SY Okeanis und Philipp, ein Freund aus Studienzeiten. Die dürfen alle noch arbeiten, sind also nicht mit uns in den Norden gesegelt.

Der gestrige Schluck Sherry für Rasmus hat noch für heute gereicht. Schönster Wind aus Osten, meistens hoch am Wind, aber genau richtig. Den ganzen Tag herrliche Sonne und 22 Grad Temperatur. Marcus ist erstmalig in diesem Jahr den ganzen Tag in Shorts, so kann es bleiben. Damit euer Neid nicht zu groß wird, morgen soll es etwas regnen.

Wir segeln an dem Inselchen Strynö vorbei, lassen Rudköbing Steuerbord. Es geht die meiste Zeit durch eine Meeresenge, das macht immer besonders Spaß. Ute muss aufpassen und steuern und Marcus darf an den Segeln zupfen, um genügend Speed zu machen.

Die Seekarte:

Lundeborg ist ein quirliger Hafen, er liegt auf Fünen, gegenüber von Langeland. Leute kommen, um zu gucken, andere basteln an ihren Booten, fahren raus zum Fischen und die Kinder baden bei 16 Grad Wassertemperatur – es sind eben Nachfahren der Wikinger.

In einer der beiden Outdoor Kneipen trinken wir unser Anleger-Bier und kaufen frischen Fisch. Lachs, den wird es am Abend zusammen mit grünem Spargel und Pasta geben. Marcus sein Lieblingsgericht.

2. Tag, 05.06.22, Marstal – Lundeborg, Sonne 22 Grad, östliche Winde 3-5 m/s

Wir segeln. Wir segeln nicht. Wir segeln. Wir segeln nicht. Wir segeln!

Das ist die Kurzform unseres Entscheidungsprozesses; denn am Vormittag regnet es mehr und länger als erwartet, dafür ist der Wind weniger als vorhergesagt. Als Ute sich schon landfein angezogen hatte, wird es heller und der Wind nimmt zu. Also doch los.

Um 12.00h heißt es dann „Leinen los“. Es wäre ein guter Ausbildungstörn gewesen. Wir hatten alles: viel Wind, wenig Wind, von achtern, von der Seite und von vorn. Um 17.30h sind wir in Kerteminde. Es gibt Spaghetti mit roter Pampe, Ute ihr Lieblingsessen.

Es ist eine riesige Marina, sicher nicht der Traum eines Seglers, aber gut genug für einen Tag, denn morgen soll es ordentlich ballern. Wir nutzen die Gelegenheit das Schiff zu putzen und kleine Arbeiten zu erledigen. Der große Marineshop ist bestenes sortiert und wir kaufen einige Kleinigkeiten.

Die Stadt ist mittelschön. Es gibt einige nette Ecken, viele Restaurants und auch Hotels. Es macht den Eindruck, als wenn hier im Sommer einige Touristen verweilen.

Fotos vom Törn Lundeborg – Kerteminde gibt es nur wenige wegen fehlender Sonne. Aber ein Video haben wir versucht:

Und dann gab es noch ein Training des örtlichen Segelclubs. Es ist Tradition eine Regatta einmal die Woche zu segeln, die sog. „Mittwochsregatta“, aber heute ist Dienstag.

Ist „DEN I“ tatsächlich „DEN I“ für die „J“ Einheitsklasse?

3.,4. Tag, Kerteminde, bewölkt 15 – 20 Grad, Regen, stärkerer Wind aus Süd

Immer wieder schön – Samsö!

Von Kertminde geht es nach dem Aufstehen los. Das Ziel ist eine unser Lieblingsinseln – von denen es genau wie Lieblingsessen mehrere gibt – Samsö.

Der Wind ist anfänglich sehr achterlich, aber um die Ecke von Fünen können wir anluven und dann wird es ein recht schneller Ritt. Wir biegen in den Kattegat ein und merken, dass es etwas rauer wird, nicht mehr so schön in Lee vom Land. Der Wird nimmt zu, die Wellen werden höher – es ist eben schon ein bisschen mehr Meer.

Am frühen Nachmittag sind wir in Ballen, für uns der schönste von den drei Häfen auf Samsö. Der ist in das Dorf und die Natur eingepasst und leicht chaotisch, zumindest in der Hochsaison, wenn sich die Boote stapeln. Jetzt ist aber Vorsaison und alles entspannt. Alles ist schön hier, sogar der Tourismusführer ist gut geschrieben und gestaltet. Samsö ist der Inbegriff von „hygge“.

Am zweiten Tag machen wir die Samsö Einkäufe, d.h. wir fahren mit dem Rad über die Insel und kaufen am Straßenrand frisches Obst, Gemüse und Kräuter. Besonders lecker sind die „Nye Kartoffler“, die brauchen wir in ausreichender Menge für die nächsten Tage.

Am Hafen gibt es gemütliche Bars und Restaurants, die zum Anleger-Bier einladen. Auch der Fischändler muss aufgesucht werden.

Anholt – erstes Etappenziel erreicht

Die Hardcore-Follower wissen es schon: wir sind auf Anholt angekommen. Man konnte uns sogar auf der Webcam live verfolgen. Wir sind im Fernsehen, großartig.

Am Samstag fallen wir morgens früh aus dem Bett und um 8.00h heißt es: Leinen los. Von Samsö geht es mit wenig Wind und den auch noch von achtern nach Grenaa. Weil wir das Motoren vermeiden wollen, entscheiden wir uns gegen den direkten Weg nach Anholt.

Wir schaukeln mit 2-4 Kn. dahin, langsame Fahrt für die 38 SM, deshalb muss dann doch der Motor für 10 SM helfen. Am Nachmittag kommt dann etwas mehr Wind und gegen 16.00h sind wir im Hafen.

Grenaa ist inzwischen vollständig tot. Wenige Festlieger und die Ferienhäuser sind fast alle unbewohnt. Später merken wir warum. Immer wieder weht eine stinkende Wolke über den Hafen, wohl von den Gräsern, die dort vermodern. Genau wie in Lohme. An alle Segler: bei Südwind den Hafen meiden.

Von Grenaa aus wird der mittelgroße Windpark bedient, der zwischen dem Festland und Anholt liegt. Offensichtlich ist es erlaubt dort durch zu segeln.

Die Wettervorhersage für die nächsten 3 Tage ist: guter Wind am Sonntag, danach erhöht sich der Druck in der Luft und es sollen 14 m/s am Dienstag werden. Also ab nach Anholt sind ja nur 25 SM.

Am Sonntag um 6.00h morgens weckt der Boots-Quälgeist den Skipper. Aber beide waren schon wach, weil es so gestunken hat. Um 7.00h geht es los. Der Wind weht anfänglich mit 6 m/s aus Süd und steigert sich.

Die Welle, sie kommt halb schräg von hinten und bringt das Schiff in so ein „rotierendes“ Auf-und Ab. Wer da nicht seekrankt wird, wie nie seekrank. Später nimmt der Wind auf 12 m/s in der Spitze zu und die Welle steigt von 2 auf 3 m. Das ist schon ganz schön viel für die Ostsee.

Weil der Wind genau von achtern einfällt, luven wir etwas an, um bei dem wackeligen Kurs keine Patenthalse zu riskieren, so auf 160-170 Grad zum scheinbaren Wind. Das verlängert den Törn etwas, lässt uns aber ruhiger segeln. Großen Dank an den Autopiloten, der über die ganze Zeit, ohne zu murren, perfekt steuert.

Gegen 12:30h legen wir in Anholt an. Es ist Vorsaison, einige Segler liegen sogar längsseits. Auch wenn es nicht voll ist, finden wir es nicht ok; denn es schränkt die Auswahl unnötig ein. Zumal sie den Wind von der Seite haben. Komisch.

Unsere Stegnachbarn als Maasholm sind auch hier. Sie sind in einem Ritt über Nacht durchgefahren, viel motort. Können aber jetzt von hier aus ihren Urlaub beginnen. Ein erster Rundgang zeigt mal wieder, warum die Insel so beliebt ist. Wir werden darüber noch berichten, denn lt. Wettervorhersagen dürfen wir hier wohl mindestens 3 Tage verweilen.

Landgang Anholt

Wir sind mal wieder eingeweht, zusammen mit sehr netten Nachbarn. Aber wir hatten sowieso vor, Anholt zu genießen.

Für die Massen an Wassersportlern in der Hochsaison gibt es den den wahrscheinlich größten und schönsten Grillplatz an der Ostsee, oder kennt jemand einen besseren? Auch die Fahrradständer sind bemerkenswert.

Bei uns im Norden beschweren sich die Gastronomen über die kurze Saison von „O bis O“, von Ostern bis Oktober. Hier ist sie maximal von „J bis A“. Deshalb rechnen sich große Investitionen in Hotels, Restaurants und Bars nicht. Alles ist etwas provisorisch oder um es nett zu formulieren: rustikal und liebevoll. Aber genau das macht den Charme der Insel aus.

Man kann die Insel zu Fuß in 5 Stunden umrunden. Den ersten Tag gehen wir ins Dorf. Aber kaum etwas hat geöffnet. Am nächsten nehmen wir die Fahrräder und fahren in den Süden der Insel.

Hier gibt es Dünen und es wachsen Dünengras und Hagebutten. Es sieht nicht nur aus wie auf Sylt, sondern riecht auch so schön – herrliche Luft. Ute fühlt sich gleich wie Zuhause. Der Strand ist etwas steinig, da ist der beim Hafen im Westen schöner, feinkörnig lädt er zum Chillen und Baden (immer noch 16 Grad) ein.

10., 11. Tag, morgens bewölkt und kühl, später sonnig und 20 Grad, nachts starker, tagsüber moderater Wind.

Was für ein herrlicher Segeltag

Zwischenzeitlich gab es einen gruseligen Wetter Forecast: Starke Winde, niedrige Temperaturen. Wir haben tatsächlich überlegt umzudrehen und in den Süden zu segeln, irgendwo zwischen Kühlungsborn und Usedom. Aber dann hellten sich die Aussichten auf. Zwar lungern hier oben im Norden immer noch einige Tiefs mit teils starken Winden und niedrigen Temperaturen rum, aber dazwischen gibt es genügend Gelegenheiten zu segeln und das Land zu erkunden.

Als neues Etappenziel geben wir Marstrand in Schweden aus, das liegt auf einer Schäre nördlich von Göteborg. Damit ist klar, der Besuch der Westtante Elke in Falkenberg muss aufgeschoben werden. Der Wind war dafür nicht richtig und v.a. in den Folgetagen ungünstig.

Am Morgen löst sich unsere nette Dreier-Combo von Anholt auf, die eine Crew segelt nach Ebeltoff, die andere nach Laesö Westhafen (Vesterö)) und wir nach Laesö Osthafen (Osterby), es ist für uns der bessere Absprung nach Schweden.

Wir haben schönen Wind, ohne Böen, von 6 m/s von Südwesten, so dass wir Halbwind segeln können. Die Welle ist nach den starken Winden der letzten Tage noch vorhanden, nervt aber nicht so, weil sie nicht so achterlich kommt. Start ist 8:55 Uhr und um 15:55 Uhr haben wir die 48 SM hinter uns gelassen, davon nur 3 SM unter Motor, denn bei der Annährung zur Insel schlief der Wind von einem Meter auf den anderen ein.

Nach einem so schönen Segeltag, müssen wir unbedingt ein lokales und sehr leckeres Anlegerbier in dem gemütlichen Hafenrestaurant trinken. Abends fallen wir „tot“ ins Bett. Wir bleiben sicher 3-4 Tage hier und werden noch mehr über die Insel berichten.

12. Tag, morgens noch frische 17 Grad, immerhin mit steigender Tende

Landgang Laesö

Wir wurden gefragt, ist Laesö so ähnlich sei wie Anholt? Antwort – die Inseln sind ganz unterschiedlich. Allein die Größe. Laesö ist 5x größer als Anholt und hat mit 1.700 Einwohnern 12x mehr als Anholt. In Laesö leben auch außerhalb der Saison Menschen und etwas Wirtschaft (Salzgewinnung, Landwirtschaft, Handwerk, kleine Werft) gibt es auch.

Laesö hat nicht die Magie, den rustikalen Charme von Anholt, bietet dafür aber mehr Abwechslung für Wanderungen, Fahrradtouren und Einkauf von kleinen Spezialtäten. Da nah an Schweden ist der Osthafen Osterby beliebtes Ziel der Göteborger am Wochenende, wie Hörup Havn oder Marstal für uns an der Schlei.

Wir machen am ersten Tag ein Fahrradtour nach Byrum, dem Hauptort, immerhin 12 km. Dort treffen wir die Crew von Jammy Dodger aus Maasholm, mit denen wir auf Anholt gelegen haben. Sie liegen jetzt im Westhafen Vesterö, da sie danach an der dänischen Ostküste zurück in den Süden wollen. Am nächsten Tag fahren wir in die Dünen, im Osten der Inseln. Hier sieht es mal wieder wie auf einer Nordseeinsel aus, allerdings ist es völlig einsam.

Wir fahren mit Gegenwind in den Süden der Insel und freuen uns auf Rückenwind zurück. Aber denkste, der Wind kommt auf dem Rückweg – sogar noch stärker – auch von vorn. Später erfahren wir, dass Laesö bekannt ist für seinen „Rund-Wind“, der bläst den Fahrradfahrern immer entgegen. Warum machen die das? Mein Verdacht, es wird gesponsert von der E-Bike Industrie. Die E-Biker überholen uns aufrecht sitzend ganz locker und schnell.

In einem der Spezialläden kaufen wir getrockneten Tang, dass soll beim Kochen den vorhanden Geschmack verstärken, die Japaner nennen das Umami. Mal sehen, ob das stimmt.

Historisch sind die Häuser mit der ungewöhnlichen Bedachung, sie bestehen aus getrocknetem Seegras. Vielleicht sollte Herr Habeck diese Art in seine Energiesparliste aufnehmen; denn es ist billig und liegt an den Ostseeküsten überall rum.

In Laesö ist der Jomfruhummer zu Hause. Früher war es ein „Arme-Leute-Essen“, weil es Beifang der Fischer war. Aber inzwischen ist es eine Delikatesse und dementsprechend teuer. Wie Hering bei uns. Es ist kein Hummer sondern eher eine Art Kaisergranat. Wir erfahren man braucht 1 kg für zwei Leute als Hauptgericht, allerdings nur die Schwänze, wo das Fleisch sitzt. Die Zubereitung ist sehr einfach. Wir kochen sie zuerst 3 Minuten und dann braten wir sie kurz an. Danach werden sie mit einem Dip und Kartoffelecken gegessen. Man muss schon etwas arbeiten, aber sie sind sehr lecker, und schmecken tatsächlich etwas wie Hummer.

Nächstes Wochenende ist Midsummer, für die Schweden das wohl wichtigste Ereignis des Jahres. Hier in Osterby wird für die Party alles schick gemacht und die ersten Segler haben ihren Platz besetzt und werden ihn bis nächstes Wochenende nicht mehr aufgeben. Zur inhaltlichen Vorbereitung trifft man sich täglich um 4. p.m. in der Hafenkneipe, vielleicht gehen wir da heute mach mal hin.

Wir haben mal wieder Glück mit unseren Segelnachbarn. Schweden, deren Heimathafen mitten in den West-Schären liegt, Bohus-Malmön. Die kennen dort jeden Stein und liefern tolle Tipps für die nächsten Tage.

13., 14., 15. Tag, morgens frisch, tagsüber bis 25 Grad, aber nur im Windschatten, denn der Wind ist recht stark, meistens wolkenlos.

Es ist eine Insel vor einer Insel, die vor einer Insel liegt. Das Mekka der schwedischen Segler. Hier wie Kiel bei uns, nur kleiner, hübscher und teurer. Pelle Petterson, die Segellegende und Ute’s Lieblingsdesigner (inzwischen ist es seine Tochter) hat hier seine Karriere gestartet. Es ist inzwischen ein Luxus-Urlaubsort für die Göteborger.

Von Osterby nach Marstrand sind es knapp 40 SM und der Forecast sagt, ab 12.00h schläft der Wind ein. Also früh aufstehen, nochmal kurz tanken und dann geht es um 8.45h los. Der Wind hält sich exakt an den Vorhersage, ab 12.07h wird der Motor für die zweite Hälfte angeschaltet.

Wir erreichen Marstrand um 14.45h und sind etwas enttäuscht. Wir hatten es schöner in Erinnerung. Versteht uns nicht falsch, es ist schön, v.a. die bunten Häuser und die kleine aber feine Promenade. Aber irgendetwas macht es uns weniger euphorisch als gedacht; vor allem hat der Hafen weniger Atmosphäre als wir in Erinnerung haben.

Ute wälzt am Abend ihre diversen Hafenführer und entdeckt um die Ecke die kleine Insel „Astol“. Da wollen wir am nächsten Tag in.

Am Montagmorgen wird noch die recht hohe Hafengebühr von 43 Euro ausgenutzt, in dem Ute drei Wasch- und Trockenmaschinen parallel laufen lässt, die sind im Preis inbegriffen und können sonst schon mal 10 Euro pro Set kosten. Am späten Vormittag geht die weite Reise nach Astol los; es sind 3,1sm.

Thema Diesel: wir fragen auf Laesö unseren schwedischen Nachbarn, ob wir in Dänemark oder Schweden tanken sollen. Klare Antwort: in Dänemark. Der Preis ist etwa gleich, aber die Qualität sei viel besser, bringt mehr Power und ist nicht der Bio-Diesel, der für unsere Motoren nicht ganz so gut ist.

Für alle, die uns auf Vesselfinder noch vor Marstrand finden: Wir bergen die Segel nicht seit 8 Stunden, sondern das AIS-Signal hat sich noch nicht wieder neu eingeklinkt.

16. Tag, Osterby-Marstrand, morgens kühl, nachmittags warm, leicht bewölkt, westliche Winde

Astol – ein Kleinod im Kattegat

Ute hat es mal wieder perfekt hingekriegt und eine wunderschöne Insel gefunden. Eine von ca. 250.000 in Schweden – müssen mal zählen, wie viele wir noch nicht kennen?

Astol ist ein alter Fischerort, früher sollen hier 28 Fischerboote gelegen haben und die erbeuteten Fische gleich in England verkauft haben. Die Frauen haben das Leben hier organisiert. Alle waren – wie so häufig bei Seeleuten – sehr gläubig. Die unscheinbare Kirche hier auf der Insel sagt: Protz brauchen wir nicht, „Gott ist überall“.

Es wird auch gebaut und etwas für den Tourismus getan. Es gibt einen Mini-Park, in dem auch die Mid-Summer Party stattfindet, es wird eine Sportstätte mit Beach-Volleyballfeld, Outdoor Gym und ein Kinder-Naturschwimmbecken gebaut. Wenn Eltern mit jungen Kindern mal eine Insel ohne Autos suchen, wo die Kids nicht weglaufen können, Astol wäre eine Idee.; aber aufpassen, dass sie nicht ins Wasser fallen!

Ein Inselrundgang dauert 45 Minuten. Nach zwei Tagen haben wir alle Einwohner schon mal getroffen und mit dem einen oder andern auch einen Plausch gehalten, wie es hier alle immer machen. Sie sagen, es ist auch im Winter hier schön – das lassen wir mal unkommentiert stehen.

Leider hat das Restaurant nur am Wochenende geöffnet und die Pop-Up Pizzeria startet wohl erst Freitag, also müssen wir selbst kochen, denn am Donnerstag haben wir uns vorsichtshalber über Mid-Summer einen Platz 7 SM weiter nördlich gebucht, in Skärhamn.

Alle Stunde gibt es ein wichtiges Ereignis: die Fähre kommt. Die Insel ist zu erreichen mit 1h Autofahrt von Göteborg und ca. 30 Minuten Fahrt mit der Fähre.

Es ist schon ein tolle Leistung, dass die 1.000 bewohnten Inseln all versorgt werden mit Lebensmitteln, Strom, Wasser, Abwasser, Müllentsorgung und natürlich Internet (Minimum ist 4G mit >100 Mbit).

17., 18., 19. Tag, Astol, morgens immer noch kühl, nachmittags warm, leicht bewölkt, starke westliche Winde. Das Wetter ist sehr wechselhaft.

Skärhamn – eine Entäuchung

Ganz schweren Herzens verlassen wir Astol (Ute sagte immer es heißt AOstol), nicht nur weil es eine wunderschöne kleine Insel ist, sondern auch, weil wir eine nette Hafengemeinschaft um uns rum haben. Aber wir hatten uns zur Sicherheit in Skärhamn einen Platz gebucht, weil wir nicht wussten, ob wir über Midsommar einen Platz bekommen.

Endlich geben wir uns einen Ruck und starten gegen Mittag: Es sind nur 5 SM, die wir motoren. Man könnte segeln, aber das machen nur Wagemutige. Es ist teilweise so eng zwischen den Schären, dass sich gerade zwei Schiffe begegnen können und überholen ist fast gar nicht möglich. Wie auf der Landstraße von ECK nach KAP.

Wir kommen also eine Stunde später in Skärhamn an und sind mächtig enttäuscht und ärgern uns, die schöne Insel Astol verlassen zu haben. Skärhamn ist ein großer Bootsparkplatz mit sehr begrenztem Charme. Dazu ist das Wetter nur mittelmäßig. Wir überlegen hin und her, was wir machen und kommen auf die Idee nach Skagen/ Dänemark zu segeln. Das sind nur 35 SM und der Wind dafür ist am nächsten Tag günstig.

Schon mal vorweg genommen: Am nächsten Morgen entscheiden wir uns aber um, Gott sei Dank. Wir finden eine neue noch schönere Insel, die auch eine schöne Midsommar-Zeremonie hat. Dazu morgen mehr.

Dann war da noch etwas. Wir stellen fest, dass der Funk nicht funktioniert und es wieder an der Antenne liegt. Also schließen wir die Ersatzantenne vom letzten Jahr an und bekommen Kontakt. Das ist auch der Grund, warum wir über AIS nicht mehr so erkennen waren. Mal sehen, ob wir das auch noch hinbekommen.

Außerdem haben wir uns ein Handfunkgerät für den Notfall besorgt. Das ist genial, weil einfach zu bedienen, wasserdicht, handlich und wir können es im Notfall mit ins Cockpit nehmen.

20. Tag, Skärhamn, morgens kühl, nachmittags etwas wärmer, bewölkt, 15 – 18 Grad, Wind aus Nord-West

Midsommar auf Keringön

Wie gesagt, von Skärhamn sind wir enttäuscht und überlegen hin und her was wir machen. Wir haben ja den Platz gebucht, aber das sind auch nur 35 Euro. Der Tag soll herrlich sonnig und warm werden und wir beschließen eine Ausfahrt zu machen und durch die Schären zu gondeln. Sowas haben wir noch nie gemacht.

Wir sehen weitere kleine Marinas und Ankerplätze und realisieren, es ist gar nicht sooo voll. Also entschließen wir uns einen Hotspot anzulaufen, von dem wir ausgegangen sind, das da nichts zu machen ist. Da Ute die gesamt Crew (!!!) schon um 6.00h!!! aus dem Bett gescheucht hat, sind wir vor 10.00h dort und sieh an, es sind noch einige Plätze frei.

Das schöne am Anlegen mit Heckbojen ist, man kann die Boote einfach zur Seite schieben und das tun wir. Die norwegischen und schwedischen Nachbarn haben damit sowieso gerechnet und helfen uns dabei. Ganz ganz langsam tasten wir uns vor und ergattern so einen Super Platz mit Aussicht auf Wasser und die Schären.

Die Insel ist etwas größer als Astol, man braucht 15 Minuten länger um sie zu umrunden. Aber es ist deutlich mehr los: 3 gute Restaurants, eine „Shopping-Mile“, ein Fischhändler, ein gut sortierter Supermarkt und ein wuseliger Hafen, die Kombination mögen wir ja gern.

Midsommar

Am Freitagnachmittag ist die Midsommar-Freier und von der Westtante Elke erfahren wir, dass dies hier noch traditionell gefeiert wird. Tagsüber schmücken sich die Frauen und Mädels mit Blumen, haben oft Blumenkleider an und Häuser und Schiffe sind mit dem Flaggen-Alphabet geschmückt. Auf dem Platz vor der Kirche steht der Baum, um den später getanzt und jetzt alles vorbereitet wird. Eine völlig entspannte Stimmung

Am Nachmittag findet das Tanzen-um-den-Baum statt. Neben den 130 Einwohnern sind sicher 500 Gäste dabei. Es findet erstmals nach der Pandemie wieder statt und alle freuen sich. So etwas stärkt den Zusammenhalt.

Mid-Summer Tanz im den Baum 2022

Auch bei uns gibt es das Midsommar-Essen: Matjes, neue Kartoffeln und (unsere Abwandlung) Quark. Als Nachtisch natürlich schwedische Erdbeeren.

Am Abend und der Nacht ist Party auf den Booten und sicher auch in den Häusern. Natürlich ist es laut, aber im Vergleich zu der Party letztes Jahr auf Utö mit den Stockholmer Kids, ist es angenehm. Wir können sogar schlafen.

Am Samstag gehen wir in einem der erwähnten Restaurants essen. Es ist auf hohem Niveau, auf den Geschmack reduzierte Gericht mit interessanter Weinbegleitung. Mit der Sommeliere unterhalten wir uns. Sie hat gerade ihr 3-jähriges Studium beendet und will auch gern mal in Deutschland in einem Sternerestaurant arbeiten. Wir schreiben ihr noch einige Tipps auf für den Kaiserstuhl. Es ist ein netter Abend.

21., 22. Tag, Käringön, sonnig, bis 25 Grad, mäßige südliche Winde

Gullholmen auf Härmanö

Wir liegen außen am Steg in Käringön, also mit dem Heck zum Fahrwasser und der Wind nimmt zu und dreht so, dass er von der Seite kommt. Folge – es geht jetzt mächtig auf und ab, oder wie die Nachbarn sagen „it is very bumpy“. Wir wollten sowieso in den nächsten Hafen und machen uns vom Acker.

124 Steinhaufen und 4 SM weiter legen wir in Gullholmen auf Härmanö an. Interessant, dass die Schweden für jede Insel einen Namen gefunden haben. Zu dem Ort gibt es eine Geschichte, die sich uns eingeprägt hat.

Als wir das erste Mal hier waren, so vor 15 Jahren in der absoluten Hochsaison, wollten wir hier auch festmachen. Aber es war knallvoll und wir gingen in das mittlere von 3 Päckchen, auch nach außen und in das hier recht enge Fahrwasser. Am Abend waren wir so etwa Boot 4 oder 5 von 8 oder 10. Als ordentliche deutsche Segler haben wir als einzige eine Landleine gelegt.

Die drei Päckchen bewegten sich mit Strom und Wind ganz schön hin und her, sicher eine Bootslänge. Wäre alles kein Problem, wenn sich alle gleichmäßig bewegen, aber das verhinderte unsere Landleine. So kamen uns die Schiffe der anderen Päckchen immer sehr nah. Aber irgendwie ging es gut aus und am Morgen, nachdem endlich das äußere Boot auch aufgewacht war, löste sich alles in Wohlgefallen aus. Seit dem wissen wir, die Skandinavier sind irgendwie mit allem entspannter als wir und eine Landleine kann auch kontraproduktiv sein kann.

Damals hatten wir die Insel nicht weiter erkundet. Das wollen wir nachholen, vor allem eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet machen. Ein Inselrundgang ist hier nicht ganz einfach. Es ist teilweise mehr klettern als wandern und es sind zusammen gut 20 km.

Das haben wir nicht ganz gemacht, aber einen Teil und dabei schöne Ecken gefunden. Am Ende der Welt gab es ein tolles kleines Restaurant oder Pub. Liebevoll gestaltet und eingerichtet, wohl auch mit Musik ab und zu. Hier haben wir unser Smörebröd genommen, sehr lecker.

Inzwischen treffen wir bestimmte Segler immer wieder und kommen ins Klönen, das ist auch ganz nett. Außerdem wird es langsam etwas voller, ganz so einfach bekommt man am Nachmittag keine Platz mehr. Es hat den Vorteil, dass das Hafenkino spannender wird.

Das Wetter und besonders der Wind sind unbeständig. Nicht, dass es schlecht oder kalt ist, aber es weht mal ordentlich und dann ist es wieder ganz ruhig, wenn die Rückfront des Tiefs vorbeizieht. Wir überlegen immer, wie es weiter gehen soll. Müssen uns aber immer sagen, dass wir noch viel Zeit haben und wir wollen auf alle Fälle weiter kommen, als damals im 4 wöchigen Urlaub, d.h. also nördlich von Smögen. Das wollen wir die nächsten 3 Tage erreichen und dann sehen wir weiter.

23., 23., 24. Tag, Gullholmen, sonnig – bewölkt, 20 Grad plus, südliche Winde

Smögen – Hunnebostrand

Es soll weiter nach Norden gehen, in Trippelschritten, denn wir wollen ja die Landschaft, Häfen und Dörfer kennenlernen.

Smögen beschreibt der Hafenführer als „Monaco der Schwedischen Westküste“. Da wir jetzt beide Orte kennen, halten wir den Vergleich für leicht übertrieben. Smögen ist wohl Partyhochburg am Wochenende und in der Hochsaison, aber es fehlt einfach noch etwas.

Der Hafen liegt in so einer Art Sund und zu beiden Seiten Läden, Restaurants und Musikkneipen. Das ist ganz nett und kurzweilig zum Gucken, aber dahinter gibt es nichts mehr. Wir gehen lecker Muscheln und Fisch essen und genießen den lauwarmen Abend.

Nächsten Morgen soll es nach Hunnebostrand gehen. Wir könnten eigentlich auch segeln (kreuzen) es sind nur knapp 7 SM, aber wir entscheiden uns für eine Abkürzung. Vor vielen Jahren wurde der Sotenkanal gebaut, um den Schiffen die Umfahrung der Insel zu ersparen. Das erscheint etwas aufwändig, aber die hatten sicher ihre Gründe damals.

Segeln im Kanal ist nicht erlaubt, es ist teilweise sehr eng und witzig, immer an diesen Stellen kommt ein Boot entgegen. Die Fahrt erinnert uns etwas an Göta-Kanal, aber der Sotenkanal hat einen Vorteil, er hat keine Schleusen und nur eine Drehbrücke, die sofort öffnet als wir uns nähern.

In einem Kanal fährt man durch die Landschaft, da gibt es immer etwas zu gucken. Ab und zu ein kleine Straße, Weiden mit Kühen und kleinen Haussiedlungen. Ganz anders als wenn man von der See auf die meist felsige Küste schaut.

Unser heutiges Ziel heißt Hunnebostrand und liegt in einer geschützten Bucht und ist von Felsen umgeben. Die erklimmen wir und bekommen einen sagenhaften Ausblick.

Hier wird es wohl bald auch „normale“ Touristen geben, jedenfalls zeugt davon die hohe Anzahl an Restaurants. Aber bisher ist es noch leer. Uns wundert immer wieder, dass diese Geschäfte von max. 2 Monaten Saison im Jahr leben müssen.

25. Tag, Smögen, sonnig – bewölkt, 20 Grad plus, südliche Winde

Landgang Hunnebostrand

Ich wurde gefragt, ob ich eine Schreiblockade habe – nein habe ich nicht, aber wir bewegen uns wenig und kommen in keine neuen Häfen. Also schreibe ich noch etwas zu Hunnebostrand, der Hafen geht in die Verlängerung und wir bleiben insgesamt 3 Nächte.

Es ist mal wieder ein Abwettern, denn der Wind wird stärker. Liegt es am Skagerrak oder ist es überall so windig und wechselhaft? Wir haben mal wieder ein tolle Nachbarschaft, eine Ehepaar mit zwei noch nicht schulpflichtigen Kindern, eine HR Yacht und holländische und schwedische Segler. Wie schon erwähnt, beim Abwettern kommt man sich näher.

Hunnebostrand lohnt sich aber auch. Schöner Hafen und nettes Touristendorf. Man kann wandern bzw. auf den Felsen rumklettern, zu vielen Badestellen gehen (Wasser ist jetzt 19 Grad) und ein bisschen Kunst steht auch rum. Der Felsen ist ein ehemaliges Abbaugebiet für Steine und die Kunstwerke haben dazu einen Bezug.

Wir probieren ein Hummerrestaurant, aber der Hummer kommt noch nicht von hier, man darf ihn erst im Herbst fischen. Also gibt es ihn aus Kanada. Es war teuer und die Qualität hat Luft nach oben, unsere Jongfruhummar auf Laesö waren besser.

Aber irgendwann löst es sich auf, wir nutzten ein Windfenster, um weiter in den Norden zu segeln bzw. motoren, denn segeln ist an einigen engen Stellen gar nicht erlaubt. Aber dazu später mehr; ich muss mir noch etwas aufbewahren für den nächsten Bericht, sonst gibt es wieder Ärger mit der Leserschaft – und das wollen wir nicht.

26., 27, 28. Tag, Hunnebostrand, sonnig, teils bewölkt, 20 Grad plus, starke südliche Winde

Hafentage in Fjällbacka

Wir sind weiter auf dem Weg in den Norden. Anfänglich segeln wir zwischen den Steinen vor dem Wind, das ist wunderschön. Aber es gibt aber immer auch einen „Verrückten“, der im engen Fahrwasser gegen den Wind kreuzt, und das noch Einhand – Chapeau.

Die erste Station ist der Hamburgsund (hat nichts mit Hamburg zu tun), hier ist es eng wie in einem Kanal und segeln nicht erlaubt. Bei der Marina gucken wir, ob hier ein Platz für uns wäre. Wir entscheiden uns gegen das Festmachen, weil es zu unruhig und nicht wirklich schön ist.

Nächster Hafen ist Fjällbacka. Hier sind die Norweger schon in der Mehrheit. Der Hafen ist leicht chaotisch oder einfach nur schlecht organisiert. Die meisten Plätze muss man über Dockspot buchen – haben wir aber nicht. Also legen wir uns auf einen Dock-Spot mit grünem Zeichen. Am Nachmittag dreht eines der Hafen-Mädels das Schild auf Rot; d.h. wir müssen den nächsten Morgen bei viel Wind verholen.

Am Nachmittag treffen wir den ehemaligen GF Kollegen von Marcus und seine Frau. Wir gehen zusammen essen und trinken einen Vino an Bord. Sie sind mit dem Wohnmobil in Schweden unterwegs. Sie waren inspiriert von unserem Blog und haben die Tour von den Ostschären über Stockholm in den Westen und Göteborg genossen. Die kommen wieder! Vielleicht sollten wir doch mal beim schwedischem Tourismusverband eine Provision anfragen.

Zurück zum Hafen. Ute reserviert uns einen neuen Platz über Dockspot für den nächsten Tag auf der anderen Seite, gegen den Wind. Wir denken viel darüber nach, wie wir aus dem engen Hafenplatz am nächsten Morgen bei 8-10 s/m auf den neuen Platz kommen.

Wir entwickeln einen Plan, der vorsieht, dass wir trotzt vorhandenem Bugstrahlruder mit unserer geliebten langen Göta-Kanal Leine arbeiten (30m). Die haben wir uns vorletztes Jahr kaufen müssen und inzwischen sind wir froh sie zu haben. Unser Plan funktioniert perfekt und die Sportbootfreunde ringsum gratulieren uns.

Vorher gab es ein andere Szene: Ihr müsst euch vorstellen, dass der Hafen und die Plätze sehr eng sind. Also liegt man Schiff an Schiff und nach gegenüber ist es eine gute Bootslänge. Unsere Steuerbordnachbarn aus Norwegen müssen mit ihrer SY auch weg. Sie haben wirklich wenig Platz zum Manövrieren und alle helfen.

Die SY hat kein Bugstrahlruder und lange Leinen offensichtlich auch nicht. Wir halten uns gegenseitig mit Bootshanken auf Abstand. Es ist sehr knapp. Am Ende verliert die Frau den Boothaken, er verschwindet unter unserem Boot. In einer spontanen Geste werfe ich ihr unsern Bootshaken rüber und wir holen uns ihren. Alle Nachbarn lachen, das kommt gut an.

Den weiteren Tag haben wir Hafenkino vom Feinsten. Viele viele große und kleine Segel- und Motoryachten suchen einen Platz. Wir wissen nicht wie es funktionierte, aber am Ende haben alle einen gefunden. Immer wieder faszinierend.

Fjällbacka, ist ganz schön, aber kann die anderen Stationen nicht toppen. Wir nennen solche Orte inzwischen „Erste Strassen Dörfer“. Die erste Straße ist eine quirligen Meile und dahinter ist nicht mehr viel los. Dennoch, wir wollen es nicht schlecht reden, es ist schön hier.

Fast hätten wir SIE vergessen, Ingrid Bergmann. Denkt nur an „Casablanca und Boogie und „. Sie hatte hier eine Sommarstuga und es gibt einen nach ihr benannten Platz.

Ist SIE nicht schön, da kommen doch die Tränen! Ist es der beste Film aller Zeiten?

Das Wetter ist immer noch unbeständig, sehr viel Druck ist in der Luft. Es ist sonnig und bewölkt und nicht richtig schlecht, aber schön ist anders. Wir entscheiden, dass dies die nördlichste Station unserer Reise ist und wir die nächsten Tage nutzen in den Süden zu segeln. Wie und wohin ist noch nicht klar.

27., 28, 29. Tag, Fjällbacka, meist bewölkt, 17 Grad, teils starke südlich-westliche Winde

Heul, pfeiff, klapper, schwell

Wir sind mal wieder eingeweht. Hier oben im Skagerrak kommt der Wind über die Nordsee und bläst einfach häufiger und mehr als im Süden und Osten von Schweden. Gott sein Dank sind die Wetterprognosen heutzutage so gut, dass man sich dafür einen schönen Hafen ausgucken kann.

Wir verabschieden uns von Hunnebostrand, wo wir nur einen Tag auf dem Rückweg von Fjällbacka waren, und fahren zuerst unter Motor durch den Kanal und ab Smögen segeln wir nach Käringön. Wir segeln mit raumem Wind durch die Schären, halb innen, halb außen. Wunderschön. Aber es bedarf dauernder Konzentration, um Steinberührung zu vermeiden.

Käringön kennen wir ja, hier haben wir Midsummar verbracht. Es hat 130 Einwohner. Wer sich fragt, was die so den ganzen Tag machen. Ganz einfach. Sie arbeiten in ihrem Garten und mit jedem, der vorbeikommt wird geklönt. Abends wird am Hafen ein Bier getrunken und geklönt. Danach trifft man sich sicher zum Abendbrot und klönt.

Auch wir beschäftigen uns mit Essen, die Pfunde müssen nachher alle wieder runter. Es gibt einen gut sortierten Supermarkt und ein super Fischgeschäft. Wir nehmen Steinbeißer und Jomfruhummer. Einmal essen wir eine geniale Pizza im Pop-Up Bistro im Hafen; da, wo man auch sein tägliches Bier trinkt, so ab spätestens 12.00h.

Außerdem genießen wir das kostenlose Hafenkino. Das Anlegen ist bei viel Seitenwind und dem recht engen Hafen nicht ganz einfach. Es kommt zu ziemlich verrückten Situationen und wir greifen auch hier und da helfend ein. Manchmal wundern wir uns aber auch, wie naiv und schlecht vorbereitet die Leute sind. So vergehen unsere Tage.

Das nächste Tief mit sehr starkem Wind oder gar Sturm kündigt sich schon wieder an. Wir müssen also einen guten Hafen finden. Würden gern aufs Festland, um etwas mehr Auswahl für Aktivitäten zu haben. Der sehr nette schwedische Motorbootnachbar bringt uns auf eine gute Idee. Eine Inselgruppe vor Göteborg, Öckerö. Mal sehen, ob’s klappt. Dazu dann die nächsten Tage mehr.

30., 31., 32., 33. Tag, Hunnebostrand und Käringön, sonnig, wenig bewölkt, 20 – 24 Grad, außer dem ersten Tag starke Winde aus Süd-West.

Landgang Falkenberg

Die Insel Öckerö mag sicherlich schön sein, aber der Hafen hat uns nicht gefallen und der Weg von da nach Göteborg ist zu umständlich. Also fahren wir zum Abwettern für die nächsten Tage nach Langedrag, in die Marina des „G KSS“, Göteborger Königlichen Segelgesellschaft.

Der Skipper hatte einige Bedenken – aber zu Unrecht. Die Marina ist zwar groß, aber es ist doch schön hier. Der Hafenwart residiert in dem wohl schönsten Hafenbüro, in einem Art Leuchtturm und ist lt. Ute sehr charmant. Langedrag ist ein Villenvorort mit hoher Porsche-Dichte und mit der Straßenbahn ist Göteborg in 30 Minuten erreichbar. Hier kann man einige Tage verbringen.

Ute hat die Idee von hier aus die Westtante Elke in Falkenberg zu besuchen, weil wir uns nicht sicher sind, ob wir dort per Segelboot hinkommen. Das passt gut, denn ihre Tochter Nina hat auch Zeit.

Tante Elke ist zwar schon 82, körperlich inzwischen etwas eingeschränkt, aber geistig 100% fit, vielseitig interessiert, unkonventionell und humorvoll. Mut brauchte man auch, um damals (50iger Jahre) von Deutschland nach Schweden zu immigrieren und sich eine Existenz aufzubauen. Elke spricht noch perfekt deutsch, Nina nach anfänglichem Zögern aber auch.

Elke und Nina zeigen uns die schöne Altstadt mit den typischen Häusern und einer schönen kleinen Kirche. Bekannt ist Falkenberg wohl für den schönen Strand. Strand ist ja nicht so häufig in Schweden, hier ist er aber sehr schön. Es ist Hochsaison und der Ort ist sehr voll. Zudem findet an diesem Wochenende die größte Oldtimer-Veranstaltung Schwedens statt.

Es gibt zwar einige Hotels, Pensionen und Campingplätze, aber viele Menschen wohnen in kleinen Strandhäusern, die man kaufen oder mieten kann, davon gibt es hinter dem Strand hunderte.

Falkenberg hat den Namen von den Falken, die wurden früher hier gezüchtet und ist auch bekannt für die Lachse, die im Flusslauf laichen und sogar eine eigene Fischtreppe haben. Früher gab es hier auch zwei Brauereien, jetzt noch eine, die zu Carlsberg gehört, aber ein leckeres Bier braut: FALCON.

Nach der Rundfahrt werden wir von Nina und ihrem Mann Ubbe zum Essen eingeladen. Beide haben ein tolles Haus ca. 10 Autominuten von Falkenberg und 10 Gehminuten vom Strand entfernt. Natürlich gibt es einen schönen Garten. Besonders gut gefallen haben uns die urgemütlichen Outdoor-Sitzecken, gut vorstellbar, dass sich hier Familie und Freunde gern treffen. Das meiste am Haus ist in Eigenarbeit entstanden, Chapeau.

Das schwedische Familienleben unterscheidet sich nicht sehr von Utes norddeutschen Verwandten, man muss im Gespräch nur Fußball gegen Eishockey austauschen. Zwei der drei Jungs sind begeisterte Eishockeyspieler auf semi-professionellem Niveau. Einer ist extra in eine andere Stadt gezogen, um dem Hobby nachgehen zu können. Jetzt ist er zum Urlaub hier.

Zu Essen gibt warmgeräucherten Lachs, Erbsen und Kartoffeln und Erdbeeren zum Nachtisch. Wir haben richtig rein gehauen und es sehr genossen. Tack sa mycket für den interessanten und schönen Tag.

Als wir abends müde zum Boot zurückkommen, bläst der Wind richtig kräftig (15 m/s) und die Wellen kommen sogar über die Befestigungsmauer. Da will man nicht draußen sein.

34., 35., 36., 37. Tag, Öckerö und dann Langedrag, sonnig, wenig bewölkt, 20 – 25 Grad, außer dem ersten Tag starke Winde aus Süd-West bis West

Landgang Göteborg

Es stürmt immer noch hier oben im Skagerrak, aber soviel wir wissen, ist es in Ost-Schweden und an der deutschen Ostseeküste auch nicht besser. Das tröstet und außerdem sind wir in Langedrag gut aufgehoben.

Wir machen einen Ausflug in die Stadt. Vor zwei Jahren, als wir aus dem Göta-Kanal gekommen sind, waren wir nur kurz in Göteborg geblieben; denn wir wollten unbedingt segeln nach dem Kanal und sind gleich weiter nach Laesö.

Göteborg hat einen sehr schönen Stadtkern mit vielen Gassen, Hinterhöfen, Geschäften und Restaurants. Es sind nicht die üblichen 0815 Marken, die es überall gibt, sondern auch lokale Geschäfte. Es ist ein schöner Bummel.

In der Saluhalle, einer früheren Markthalle, gibt es viele Stände mit Leckereien und kleine Restaurants. Es ist ähnlich wie die Markthalle in Stockholm, nur etwas kleiner. Wir essen und trinken natürlich etwas und kaufen einige der Delikatessen ein. Danach noch einen Cappuccino in der Altstadt (Haga).

Am späten Nachmittag sind wir satt zurück auf dem Schiff und machen Pläne für die nächsten Tage. Freitag soll Putz- und Basteltag sein. Das Schiff ist etwas sehr dreckig und durch die Dünung richtig salzig, hier ist der Salzgehalt durch den Atlantikeinfluss höher als bei uns.

Danach diskutieren wir alle Varianten in den Süden zu segeln:

  1. Über Laesö nach Anholt. Problem: die Inseln sind knallvoll, überall sind Ferien.
  2. Direkt nach Anholt und dann weiter nach Samsö oder Gillelje; Problem: siehe oben
  3. Nach Saeby an der Dänischen Ostküste. Dort gibt es einen neu vergrößerten Hafen, von dem vielleicht noch nicht alle gehört haben. Vorteil: von der dänischen Ostküste kommen wir auch bei süd-westlichen Winden, die es zur Zeit häufig hat, weiter in den Süden. Außerdem ist es bei viel Wind an einer Lee-Küste (ablandiger Wind) angenehmer zu segeln.

Es wird wohl Variante 3. Aber dazu mehr, wenn wir Samstag irgendwo angekommen sind.

36., 37. Tag, immer noch Langedrag vor Göteborg, sonnig, wenig bewölkt, 20 – 25 Grad, starke Winde aus Süd-West bis West

Die Inseln Läsoe & Anholt in der Hochsaison

Wir verlassen Langedrag, war nett hier, besser als gedacht. Wir entscheiden uns gegen die Vernunftsvariante, die hieß Saeby, Festland Dänemark und dann dort die Leeküste runter. Wir segeln kurz entschlossen nach Läsoe, mit dem Hintergedanken im Notfall noch nach Saeby oder Hals segeln zu können. Ute sagt, ich will noch Sonne, Strand und Wasser.

Wir starten um 10 Uhr und haben einen herrlichen Segeltörn. Lassen ein einsames Lotsenhaus und die letzte schwedische Schäre hinter uns. Bei mittlerem Wind aus nördlichen Richtungen sind wir recht schnell und um 14.30 Uhr auf der Insel. Und wir wussten es – es ist knalle voll. Es gibt in Osterby sowieso nur wenige Boxenplätze und so landen wir im Päckchen und sind Nr. 6.

Aber lieber im Päckchen der letzte sein als der erste. Ersten läuft keiner über das Boot und man ist frei in der Entscheidungen am nächsten Morgen abzulegen. Wir sind im Hafenbecken eingekeilt und Dank des Bugstrahlruders und beherztem Gas geben kommen wir durch die schmale Gasse, die uns bleibt.

Neues Ziel ist Anholt, wir lassen uns nicht abschrecken. Der Wind kommt anfänglich achterlich mit 8-10 m/s, so haben wir nur das Groß oben. Später lässt der Wind etwas nach und dreht vorlicher. Da holen wir die Fock raus. Danach brist es wieder ordentlich auf, 10-12 m/s, und wir sehen müssen das zweite Reff einzulegen. Bei dieser Windstärke lassen auch die Wellen nicht auf sich warten. Es ist schwer abzuschätzen, ab manche haben sicherlich eine Höhe von 2,5 – 3 Meter.

Wir legen schon das zweite mal in dieser Saison das zweite Reff ein. Das erste Mal war beim Ansegeln im Mai. Dieses zeigt, dass es dieses Jahr häufig viel Wind gibt. Wir sind dann immer froh unsere Comfortina zu haben. Die segelt wie auf Schienen durch die Wellen, sogar der Autopilot schafft die Herausforderung.

Wir machen die 45 SM in 6 Stunden und sind um 14.00h auf Anholt. Wir kommen gerade rechtzeitig an um noch einen guten Platz zu ergattern, eigentlich einen der besten im Hafen. Wir haben Blick auf den Hafen und das Kino ist kostenlos.

Hier auf Anholt treffen wir die Crew der SY Balance. Die beiden haben wir vor zwei Jahren auf Bornholm getroffen. Da haben wir einem missglückten Anlegemanöver deren Boot touchiert. Die beiden haben sich als total entspannt gezeigt und seitdem ist der Kontakt nicht abgebrochen. Also, manchmal einfach eine andere Yacht anfahren.

Nächsten Abend laden wir zu „Jomfruhummar satt“ ein. Die beiden und wir haben direkt vom Kutter 4 Kg gekauft, diesmal im Ganzen. Die gibt es klassisch, kalt mit Aioli und Salat.

Und der Hafen wird die nächsten Tage richtig voll. Dieses Jahr sind neben den vielen Schwedischen, Deutschen und Dänischen Seglern auch wieder die Norweger dabei. Sie können das erstmal seit zwei Jahren wieder nach Dänemark einreisen. Das Verhältnis ist 15-15-30-40!

Für alle, die sich in diese Region aufmachen, am Nachmittag wird die zweite und teilweise dritte Reihe vom Hafenmeister aufgemacht. Das muss man aushalten, wenn man dieses Inselleben mit dem genialen Strand und dem herrlichen Wasser (immer noch unter 20 Grad) erleben will.

Am nächsten Morgen will natürlich das innerste Boot raus. Ab 6.00h wird somit „umparkiert“ und neu sortiert. So ist man früh auf und hat etwas vom Tag. Da es in keiner Marina in der Dänischen Südsee anders ist, entscheiden wir unseren recht komfortablen Platz nicht aufzugeben und zu bleiben.

38. Tag Laesö, 39, 40, 41, ?? Tag Anholt, herrliches Wetter, sonnig, Wind aus südlicher Richtung, warm, aber nicht heiß, 25 – 27 Grad, die man im Wind aber nicht spürt.

Immer noch auf Anholt

Es ist einfach zu schön hier: Sonne, Luft warm aber nicht zu heiß, sehr schöner Strand, Wasser immer noch etwas kühl – entspanntes Leben. Tagsüber machen wir kleine Wanderungen über die Insel, die auch einen Berg, den Nordbjerg, hat. Abends hören wir Musik in einer der Hafenbars.

Und, wir haben einen sehr guten Platz im Hafen. Nur einmal werden wir zugeparkt, aber sonst haben wir immer freie Sicht und genießen das alltägliche Hafenkino.

Wir gehen davon aus, dass es auf den anderen Inseln und guten Häfen auch sehr voll ist und wir nichts gewinnen, wenn wir weitersegeln. Aber seit gestern (22.7.) fahren mehr Schiffe weg als neue kommen. Als erstes müssen die Norweger nach Hause. Sie haben eine große Anzahl der Boote gestellt, nachdem sie erstmalig seit zwei Jahren wieder nach Dänemark durften. Jetzt ist der Hafen tagsüber noch 70% besetzt, aber abends kommen neue Yachten auf der Durchreise, meistens aus dem Norden in den Süden.

Wir überlegen wie es weitergeht. Eigentlich wollten wir durch den kleinen Belt zurück, aber dafür ist der Wind ungünstig. Alternative – Gilleleje und dann einmal Helsingör besuchen, an Kopenhagen vorbei in den Süden. Da könnte man noch einen Abstecher nach Kühlungsborn machen und dann über Heiligenhafen zurück. Gilleleje mögen wir gern, da spürt man schon die Nähe von der Dänischen Hauptstadt: Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants sind 2 Level höher als üblich.

Für alle die ihren Segelurlaub noch vor sich haben, hier ist es jetzt angenehm, besonders wenn es nächste Woche wieder etwas sonniger und wärmer wird.

46 – 53.Tag, wenn wir uns nicht verzählt haben. Anfangs sonnig und recht warm, 25 – 28 Grad. Die letzten beiden Tage bewölkt und kühl, 18 – 20 Grad, teils stärkere Winde aus südlicher Richtung.

Farwell Anholt

Wir sind eine Woche auf Anholt, das reicht uns. Wir entschließen uns einen Tag mit gutem Wind zu nutzen, um in den Süden zu segeln. Ziel ist Gilleleje, auf Seeland, das ist die große Insel, auf der auch Kopenhagen liegt.

Am Vortag treffen wir noch Markus und Frau. Er hat ist die „Strandküche“, das sind Gewürze, die wir so gern nutzen – nicht nur an Bord. Er hat es früher nebenberuflich gemacht und jetzt versucht er davon zu leben. https://strandkueche.com/.

Die gesamte Familie sind Anholt Fans, segeln fast jedes Jahr hierher und der große Sohn hat hier bei den starken Winden seine Surferei perfektioniert. Heute macht er es professionell und ist gerade zum Weltcup auf den Kanaren.

Es wird ein schöner Törn nach Gilleleje. Der Wind bläst mit 6 – 9 m/s aus West bis Südwest. Wir halten 10 Grad vor, weil er später gegen uns drehen soll. War aber nicht nötig. Schnell haben wir die 45 SM hinter uns gelassen und kommen nach 7,5h am Zielort an. Obwohl wir dank des Autopiloten nicht viel getan haben, sind wir ganz schön kaputt – wir werden alt.

Der Hafen von Gillelje ist teil gewerblicher Werfhafen und teils Marina. Hier werden sogar schwimmende Häuser repariert. Der Hafen ist recht groß und wuselig, schön ist anders. Aber das Leben am Hafen bietet nette Kneipen, ein Fischrestaurant mit u.a. Sushi und vieles mehr. Auch der kleine Ort ist ganz nett. Es gibt viele gute Restaurants, zwei gute Bäcker, Schlachter und nette Cafés.

Interessant finden wir, dass hier der Fischer MAA1 ist, der sonst immer im Hafen von Maasholm liegt. Darf der hier fischen? Bringt der die Fische nach Deutschland? Eher nicht, oder?

Am ersten Hafentag muss das Schiff erstmal vom Anholtsand befreit werden, putzen ist mal wieder angesagt. Am nächsten Tag machen wir einen Fahrradausflug in den Nachbarort Hornbaek.

Am dritten Tag fahren wir mit der Bahn nach Helsingör. Mehrmals sind wir an dem imposanten Schloss vorbeigesegelt und haben es noch nie besucht. Hier hat Shakespeare Hamlet spielen lassen, obwohl der König von Dänemark eigentlich irgendwo im Limfjord residierte.

Helsingör ist recht schön. Voll von schwedischen Tagestouristen, die mit zwei großen Fähren in wenigen Minuten rüber kommen. Für uns ist die umgebaute Werfthalle mit Streetfood aus der ganzen Welt ein Erlebnis. Wir haben uns für Fish & Chips entschieden- war echt lecker.

Das Wetter nervt langsam. Es ballert seit zwei Tagen mit bis zu 12 m/s aus westlicher Richtung. Wir haben bei der Planung unterschätzt wie offen der Hafen bei diesem Wind ist. Außerdem baut sich in dem recht großen Hafenbecken ein kleine Welle auf – es schaukelt mächtig und das heulen des Windes nervt. Wir entschließen uns gen Heimat zu segeln.

54. – 58. Tag Gilleleje und Umgebung, bewölkt, wenig Sonne, morgens recht kühl tagsüber bis 20 Grad, teils sehr starker Wind aus West.

P.S. Wenn ihr dies lest, dann sind wir doch wieder in Schweden. Dazu aber später mehr.

Eine Insel mit drei Bergen

Wir starten am Morgen ganz früh. Die neue Strategie heißt – kurze Etappen, früh starten und gegen Mittag am Zielhafen ankommen. Dann hat man in der Hochsaison in den Hotspots eine Chance auf einen Platz.

Es wurde gerätselt, wo wir denn jetzt in Schweden anlegen. In der Mitte des Öresunds zwischen Kopenhagen und Malmö liegt eine Insel – VEN. Sie gehört zu Schweden, wird aber hauptsächlich von dänischen Schiffen besucht, die aus vielen Häfen an der dänischen Ostküste schnell hinkommen.

Wir müssen leider motoren, nach dem Tief mit dem starken Wind haben wir jetzt die windlose Rückfront. Es geht vorbei an dem Hamlet-Schloss in den Öresund. Unsere Taktik zahlt sich aus, wir bekommen in Kyrkbacken auf VEN einen der letzten Plätze an den Dalben.

Der Hafen ist einfach nur rund und man liegt teils zwischen Dalben, vor Heckanker und in vielen Päckchen. Am Abend zählen wir ein 10er und zwei 8er Päckchen sowie diverse kleinere Gruppen. Die Anlage der Marina macht ihren Charme aus, man hat immer etwas zu gucken und wir genießen von unserem genialen Platz das aufregende Hafenkino. Da kommen mittelgroße Traditionsschiffe mit einem 3m Bugspriet und legen sich an ein Päckchen. Dazu gehören starke Nerven.

Um die eine Hälfte des Hafen liegen in ehemaligen Fischerhäusern Restaurants und Bars. Wir kennen eines der Restaurants vom letzten Besuch und buchen uns einen Tisch mit Aussicht. Essen ist nicht mehr so gut wie damals, denn es hat einen neuen Besitzer, aber es ist genießbar.

Die Insel ist eigentlich nicht gut konzipiert. Sie ist zu groß, um sie per Fuß zu umrunden und zu klein für eine ausgiebige Fahrradtour. Als Ausgleich haben die Erbauer einige Schikanen installiert – 3 Berge installiert mit teils 10% und 20% Steigung. Das ist schon sportlich mit den kleinen Fahrrädern.

Von Schweden kommen täglich hunderte oder sind es tausende Tagestouristen und mieten sich amFähranleger auf der gegenüberliegenden Inselseite Fahrräder. Die sind alle gelb und fahren auf den zweieinhalb Straßen, es ist Verkehr wie in einer Großstadt. Auch sie schieben alle die Berge rauf und bei den steilen Abhängen auch runter. Abends ist dann Ruhe.

Ute sagt, es ist genau wie bei Pippi Langstrumpf beschrieben. Das kann ich nicht beurteilen, als Junge habe ich andere Bücher gelesen (5 Freunde!). Was ich beurteilen kann: die Insel ist wirklich schön, die Aussicht von den Bergen herrlich. Das tolle Wetter tut ein übriges. Da bleiben wir doch zwei Tage!

59. + 60. Tag auf VEN, überwiegend sonnig und warm, wenig Wind aus südlicher Richtung

Dragör-Klintholm-Warnemünde- Kühlungsborn

Vor drei Tagen waren wir noch auf der kleinen Insel VEN, nördlich von Kopenhagen. Heute sind wir an der Deutschen Ostseeküste in Kühlungsborn, gut 110 Seemeilen südlicher. Wir wollen Richtung Heimat, denn das unbeständige Wetter hat uns etwas genervt. Ein Tief folgt dem nächsten und dazwischen Flaute in der Rückfront. Das macht die Segelplanung schwierig.

Wir haben ein Fenster von 2-3 Tagen mit passenden Winden vor uns, die wollen wir nutzen. Am ersten Tag geht es nach Dragör, ein Vorort von Kopenhagen. Es war ein kurzer Schlag von 20 S M. Wir können gut durch den Öresund segeln, allerdings mit 1 – 1,5 Kn Strom gegen an. Wir passieren den Terminal für die diversen Fähren und den Flughafen.

Es ist Samstag und das Leben spielt sich am Hafen und den netten Gassen des Dorfes ab. Wir hören Livemusik, trinken ein leckeres Bierchen und beobachten die Leute. Wir sind schon häufig hier gewesen, uns gefällt es hier. Danach gibt es die sündhaft teuren Pfifferlinge (Kantareller) aus Schweden.

Am zweiten Tag geht es 47 Seemeilen nach Klintholm. Es gibt wohl keine Marina außerhalb unseres engeren Einzugsgebietes, die wir so häufig angelaufen sind, denn es ist eine ideale Durchgangsstation zu Zielen in Schweden, Dänemark und Ostdeutschland.

Der Hafen hat sich gemausert in den letzten Jahren. Die Feriensiedlung hat zwar immer noch ihren eher begrenzten Charme, aber eine tolle Gin- und Bierkneipe ist dazugekommen und auf der Fläche des abgebrannten Supermarktes ist ein Outdoor Foodmarket entstanden. Viele internationale Stände, sehr nett. Zwei ganz gute Restaurants gibt es auch noch. Und wenn man Zeit hat, kann man die Natur der Halbinsel Mön genießen, besonders das Mön Klint (das sind die Kreidefelsen, ähnlich wie auf Rügen).

Die Entwicklung hängt sicher damit zusammen, dass Klintholm Ausgangsbasis für die Wartung des in der Nähe gelegenen Windparks ist. Vattenfall hat da wohl etwas gespendet.

Am nächsten Tag sollte es eigentlich in das Smaland-Fahrwasser gehen, wären wir mal dabei geblieben. Aber es reitet uns der Teufel und wir geben Kühlungsborn als neues Ziel aus. Das sind immerhin 53 Meilen, also früh raus. Die ersten 2 Stunden müssen wir wie erwartet motoren, aber danach bläst der Wind mit idealen 5-6 m/s auf. Wir kommen schnell voran.

Plötzlich droht am Horizont ein kleines Unwetter, der Himmel verdunkelt sich und die Wolken sehen bedrohlich aus. Wir holen die Fock rein und verkleinern damit die Segelfläche erheblich. Die 60-90 Grad zum scheinbaren Wind können wir auch mit dem Groß anlegen. Leider fällt es zusammen mit der Querung der Kadett Rinne. Es ist eine Art Autobahn auf dem Wasser (Verkehrstrennungsgebiet), hier haben die Segler kein Wegerecht mehr. Die Kadett Rinne ist eine der meist befahrenen Wasserstraßen der Welt. Damit wir schnell reagieren können schalten wir den Motor zur Unterstützung an und freuen uns über die für eine Segelyacht üppigen 60 PS.

Wir sind hier nicht zu ersten Mal, aber noch nie haben wir gleichzeitig 5 Frachtschiffe und Fähren getroffen. Die fahren nicht alle hintereinander sondern auf verschiedenen Spuren und manche laufen auch direkt nach Warnemünde, das sieht man aber erst später. Mal muss man geherzt vor einem Schiff Gas geben und manchmal muss man hinter einem Schiff durch. Bremsen können die Schiffe nicht, nur die Richtung ändern, was sie ungern tun. Es ist, als wenn man zu Fuß eine Autobahn überqueren wollte. Aber am Ende haben wir es geschafft, sonst würde wir hier nicht schreiben.

Wir haben die Hoffnung, dass sich nach den Wolken der Wind beruhigt, so war es vorhergesagt. Denkste! Der Wind und v.a. die Wellen nehmen sogar noch zu. In der Spitze haben wir über 12m/s und sicher Wellen von 3 Meter Höhe. Manchmal war es wie auf der Achterbahn.

Vor Kühlungsborn ist es sehr flach, das wissen wir und davor wird auch in der Seekarte gewarnt. Wenn man bei starkem nördlichen Wind Pech hat, kann man im im Wellental auf Grund laufen. Außerdem ist die Einfahrt sehr eng. Also entscheiden wir uns nach Warnemünde in die Marina Hohe Düne abzulaufen. Dort ist alles easy, der Vorhafen so groß, dass man dort in Ruhe Segel bergen kann und Platz gibt es auch immer.

Am späten Nachmittag kommen wir körperlich erschöpft aber unfallfrei an und trinken erstmal ein Anlegerbier. Danach helfen wir noch dem einen oder anderen Segler, die sich auch wie wir umentschieden haben.

Am nächsten Tag geht es die 12 SM von Warnemünde nach Kübo. Wir fahren nah an Warnemünde vorbei und der Küste und können das Treiben am Strand sehen. Schön hier! Herrliches Kaffeesegeln bei herrlichem Wetter. Warum nicht immer so?

61. – 64. Tag Dragör – Klintholm – Warnemünde – Kühlungsborn. Erste Tage mittel starke Winde, am Montagnachmittag sehr kräftiger Wind, meistens bewölkt und kühl. Später herrliche Sonne und 25 Grad.

Und immer wieder Holy-Habour

Nein, wir sind nicht untergegangen. Aber es gibt nicht so viel zu erzählen, außer dass wir Kühlungsborn verlassen haben. Irgendwie werden die Motorboote aus der Lübecker Bucht immer größer und eine Wand liegt mit gewisser Wahrscheinlichkeit neben einem.

Wir segeln also entspannt am nächsten Tag nach Heiligenhafen und bekommen einen unserer Lieblingsplätze, letzter Steg (12) mit Blick auf das Naturschutzgebiet und den Graswarder. Da merkt man gar nicht die fast 1.000 Boote, die hinter uns im Hafen liegen. Herrlich ist es, wenn wir direkt vom Schiff ins Wasser springen und einige Meter schwimmen können.

Wir treffen hier viele Leute: Ute’s Familie, die alle um die Ecke wohnen, unsere Hamburger Nachbarn, die gerade Urlaub in Pelzerhaken machen, die Segelfreunde von der Comfortina 35 „Siiler“, die hier fest liegen und auch einen Segelblog schreiben. Das tut gut, nach den ganzen a-sozialen Tagen unterwegs.

Es gibt an der Flaniermeile eine neue schöne Bar mit portugiesischen Spezialitäten. Nett zu sitzen und zu essen und zu quatschen. Natürlich gehen wir wie immer ins Tamatsu mit leckeren asiatischen Spezialitäten. Tashi, der Inhaber, ist schon vor langer Zeit aus Tibet ausgewandert und betreibt auch noch ein Restaurant in Büsum und will weitere aufmachen. Vielleicht auch mal bei uns in Kappeln.

Bisschen Action gibt es auch, es finden internationale Master Races für Kite-Surfer statt.

65. – 71. Tag, Heiligenhafen, viel Sonne, Luft herrlich warm, endlich auch das Wasser

Allwedder to Hus

Wir eisen uns los von Heiligenhafen. Eigentlich ist es ein Törn, 300 Grad bis in den Hafen von Maasholm. Aber die Russen machen uns einen Strich durch die Rechnung. Wie das?

Noch nie haben wir so viele Kriegsschiffe in der Ostsee gesehen wie in diesem Jahr. Alle sind ganz aufgeregt. Vor dem Marinestützpunkt Eckernförde kreuzen einige Schiffe und kalibrieren die Kompasse, damit sie wissen wo Osten ist.

Und an der Küste vor Kiel, in der Hohwachter Bucht, ist das große Schießübungsgebiet jeden Wochentag aktiv. Uns kommt es reichlich komisch vor, dass viele Sportboote wie an der Perlenkette gezogen durch das Schießgebiet fahren. Dann erfahren wir über Funk, dass die Sportboote aber mitten durch das Gebiet auf dem Kiel-Fehmarn-Weg fahren dürfen. Das erinnert an die laufenden Zielscheiben auf dem Jahrmarkt. Wir fahren ihnen aber trotzdem hinterher.

Auch die Gorch Fock schwimmt endlich wieder; wir sehen sie auf dem Weg nach Warnemünde.

Der Wind ist nur mittel kräftig und wir kommen am Nachmittag in Laboe an. Das liegt vor Kiel und es hat einen schönen Strand mit netter Promenade und guten Restaurants. Dort gehen wir immer Tapas essen, so auch dieses mal.

Kiel ist neben Flensburg das deutsche Segel-Mekka. Vor den diversen Marinas wird immer ausgebildet und trainiert. Am Wochenende finden leicht mal ein Dutzend Segelregatten in der Bucht statt.

Am nächsten Morgen steht der letzte Stepp an, 22 SM unter Code-Zero – schönstes Kaffeesegeln nach Maasholm. Vorbei an unserem schönen weiß-grünen Leuchtturm und der Giftbude, einer kultige Kneipe am Hafen Schleimünde. Das Gebiet ist umgeben vom Naturschutzpark, der nicht betreten werden darf. Folglich kommt man hier nur mit dem Schiff hin.

Es ist Mittwoch, die arbeitende Bevölkerung ist noch nicht wieder in unserer Marina. Aber ab Donnerstag trudeln die ersten Urlauber wieder ein, wir gehen zusammen mit der SY Silberblick essen, laden SY Gemini zum Essen ein und später kommt die Crew der MS Adeja auf einen Drink vorbei. Ach, ist es schön mal wieder mit allen zu quatschen. Was machen bloß die Leute, die wochenlang den Pazifik durchsegeln. Das wäre nichts für uns.

Am Sonntag kommt noch die SY 5 a.m., das ist auch eine Comfortina 39 und wir tauschen noch Erfahrungen aus, bevor wir mal zurück nach Hamburg fahren. Ute hat am Montag einen wichtigen Termin: Friseur. Und Marcus geht auch zum Friseur!

In Hamburg ist es heiß und stickig. Wir können schlecht schlafen und sagen uns, was sollen wir hier? Dienstag soll es wieder auf’s Schiff gehen. An der Küste ist es deutlich angenehmer.

72- 74. Tag, Laboe-Maasholm, sonnig, 20 – 25 Grad, mäßiger Wind aus Süd-Ost

Dänische Südsee

Wir eisen uns los von Heiligenhafen. Eigentlich ist es ein Törn, 300 Grad bis in den Hafen von Maasholm. Aber die Russen machen uns einen Strich durch die Rechnung. Wie das?

Noch nie haben wir so viele Kriegsschiffe in der Ostsee gesehen wie in diesem Jahr. Alle sind ganz aufgeregt. Vor dem Marinestützpunkt Eckernförde kreuzen einige Schiffe und kalibrieren die Kompasse, damit sie wissen wo Osten ist.

Und an der Küste vor Kiel, in der Hohwachter Bucht, ist das große Schießübungsgebiet jeden Wochentag aktiv. Uns kommt es reichlich komisch vor, dass viele Sportboote wie an der Perlenkette gezogen durch das Schießgebiet fahren. Dann erfahren wir über Funk, dass die Sportboote aber mitten durch das Gebiet auf dem Kiel-Fehmarn-Weg fahren dürfen. Das erinnert an die laufenden Zielscheiben auf dem Jahrmarkt. Wir fahren ihnen aber trotzdem hinterher.

Auch die Gorch Fock schwimmt endlich wieder; wir sehen sie auf dem Weg nach Warnemünde.

Der Wind ist nur mittel kräftig und wir kommen am Nachmittag in Laboe an. Das liegt vor Kiel und es hat einen schönen Strand mit netter Promenade und guten Restaurants. Dort gehen wir immer Tapas essen, so auch dieses mal.

Kiel ist neben Flensburg das deutsche Segel-Mekka. Vor den diversen Marinas wird immer ausgebildet und trainiert. Am Wochenende finden leicht mal ein Dutzend Segelregatten in der Bucht statt.

Am nächsten Morgen steht der letzte Stepp an, 22 SM unter Code-Zero – schönstes Kaffeesegeln nach Maasholm. Vorbei an unserem schönen weiß-grünen Leuchtturm und der Giftbude, einer kultige Kneipe am Hafen Schleimünde. Das Gebiet ist umgeben vom Naturschutzpark, der nicht betreten werden darf. Folglich kommt man hier nur mit dem Schiff hin.

Es ist Mittwoch, die arbeitende Bevölkerung ist noch nicht wieder in unserer Marina. Aber ab Donnerstag trudeln die ersten Urlauber wieder ein, wir gehen zusammen mit der SY Silberblick essen, laden SY Gemini zum Essen ein und später kommt die Crew der MS Adeja auf einen Drink vorbei. Ach, ist es schön mal wieder mit allen zu quatschen. Was machen bloß die Leute, die wochenlang den Pazifik durchsegeln. Das wäre nichts für uns.

Am Sonntag kommt noch die SY 5 a.m., das ist auch eine Comfortina 39 und wir tauschen noch Erfahrungen aus, bevor wir mal zurück nach Hamburg fahren. Ute hat am Montag einen wichtigen Termin: Friseur. Und Marcus geht auch zum Friseur!

In Hamburg ist es heiß und stickig. Wir können schlecht schlafen und sagen uns, was sollen wir hier? Dienstag soll es wieder auf’s Schiff gehen. An der Küste ist es deutlich angenehmer.

72- 74. Tag, Laboe-Maasholm, sonnig, 20 – 25 Grad, mäßiger Wind aus Süd-Ost

Dänische Südsee

Wir sind ja relativ früh zurück gen Schlei gesegelt, deshalb gibt es mindestens noch einen Nachschlag. Nach einem kurzen Aufenthalt in Hamburg sind wir vor der Hitze wieder aufs Boot geflüchtet. Wir segeln in der von uns allen sogenannten Dänischen Südsee, das sind die Inseln südlich von Fünen, z.B. Als, Lyö, Avernakö, Aerö. Eine schöner als die andere und überall gibt es herrliche Ankerplätze und Marinas. Warum also in die Weite schweifen, wenn das Gute so nah ist.

Der Törn geht über Sonderborg – Dyvig – Lyö – Aerosköbing – Hörup Havn zurück nach Maasholm. Alle Orte sind hier im Blog schon mal beschrieben, deshalb wollen wir nur einige Highlights berichten.

Sonderborg: es wurde viel investiert in Steg und v.a. sanitäre Anlagen. War auch nötig und ist jetzt sehr schön. Jetzt können wir hier auch wieder häufiger hinsegeln. Achtung, das Liegen längsseits ist sehr teuer, ca. 50% mehr als in den Boxen.

Dyvig – wenn jemand behaupten würde, dies ist der schönste Platz an der westlichen Ostsee, würden wir nicht widersprechen. Einfach zu schön in die Bucht zu segeln und dann durch das enge Fahrwasser in den inneren Bereich.

Lyö, die Lieblingsinsel vieler Segler, völlig verständlich. Am Wochenende fand eine neue Regatta statt, „Lyö Escape“. Mehr auf Spaß und weniger auf ehrgeizigen Sport ausgerichtet. Abends gibt es Essen und Live Musik im „hly“, dem wohl inzwischen ständigem Sommerrestaurant in der alten Schule.

Aerösköbing, eine Puppenstadt auf der Insel Aerö. Hier waren wir schon in der Vorsaison, dann ist es noch sehr verschlafen und kaum etwas hat geöffnet. Jetzt ist Leben im Ort und viele Lokalitäten haben geöffnet. Wir treffen die SY Lambo und gehen in ein neues Tapas Restaurant – gut und teuer, wie immer in Dänemark.

In Hörup Havn wollten wir eigentlich die SY 5am treffen. Die schaffen es aber nicht und bleiben in Sonderborg hängen. Das Treffen muss verschoben werden. Das Segeln zurück nach MAA ist ambitioniert, gegen Wind und Welle geht es viel auf und ab und dauert seine Zeit.

Wir sind 10 Tage unterwegs, vom 17. bis 27. August. Das Wetter ist immer herrlich, Sonne und angenehme Temperaturen um die 25 Grad. Der Wind moderat und bis auf Dyvig – Lyö immer gut zum Segeln.