Wir sind bei den Vorbereitungen für den nächsten Segeltörn in der Baltic Sea. Am Schiff sind noch letzte Arbeiten zu erledigen (AIS, Funk) und natürlich fehlt noch der Proviant. Gut, dass wir letztes Jahr eine Checkliste gemacht haben, damit geht es jetzt zum italienischen Einkaufsmarkt Andronaco, zum Isemarkt usw. Verantwortlich ist natürlich der Tally-Man – bei uns Tally-Woman.
Was macht ein Tally-Man? Erklärt von einem unserer Heros!
Los gehen soll es nach dem 3. Juni, an dem Tag sind wir auf einer Party in Winsen bei Marcus‘ „alten“ Wasserballern eingeladen.
Dieses Jahr haben wir uns ein spezielles Programm vorgenommen, Details gibt es später. Aber soweit vorweg, es soll erst Richtung Osten und dann in den Norden gehen.
Die SY Andante ist zwar schon seit Ostern im Wasser, aber bisher war es recht frisch da draußen. Wir waren nur einmal in Marstal, Dänemark, ansonsten Wassercamping. Wir hoffen mal auf die Wirkung des Sherry, damit Rasmus vom ewigen Ostwind befreit.




Di, 09.05.23, Hamburg, frischer Ostwind, sonnig 10 – 23 Grad, am Nachmittag im Windschatten
Alles ist vorbereitet! In einer Woche soll es losgehen.
Die Tally-Woman hat ihren Job gemacht. Alle Vorräte sind eingekauft und in alle Ecken verstaut. Hoffentlich finden wir später alles wieder. Ein Auszug aus der Liste: Hanuta, die bevorzugte Pasta, zuckerfreies Müsli, Olivenöl, Bordapotheke und natürlich Bier und Wein.
Das Boot ist blitzblank, sogar die Fender wurden geputzt. Viele kleine Verbesserungen gebastelt, die uns einen entspannten Törn bringen sollen.
Allein das AIS, welches wir im Herbst zur Reparatur gegeben haben, ist noch nicht wieder zurück. Wer von Euch sich eine AIS Anschaffung überlegt, kauft auf keinen Fall Navico/B&G. Deren Service ist – zumindest in Deutschland – unter aller Sau. Der zuständige Mitarbeiter in Eckernförde spielt einfach „toter Käfer“. Wir waren sogar persönlich dort und er hat uns versprochen es zu reparieren – aber nichts ist passiert. Jetzt kaufen wir ein neues Gerät und hoffen dieses wieder verkaufen zu können, wenn wir das alte zurück bekommen.
Die geplante Route
Auf diesem Törn segeln wir – zumindest für die ersten 4 Wochen – mit Gästen. Am Anfang kommt Gunnar mit, der die gleiche Segelyacht hat. Ab Stockholm wird dann Ruth, Ute’s langjährige Freundin und ebenfalls Seglerin, uns begleiten.
Diesen Sommer soll es wieder in den Osten gehen. Wir hoffen dort auf guten Wind und Sonne. Nach unseren Erfahrungen herrscht dort eher kontinentales Klima, welches im Durchschnitt einfach etwas besser ist als im Westen Schwedens.
Der Plan ist, dass wir Crew-Wechsel in Stockholm machen und dann auf die Aalands zur Midsummer Party segeln. Ruth wollen wir dann in Turku, Finnland wieder ins Flugzeug setzen. Wie es dann weiter geht, wissen wir noch nicht. Entweder über Saarema, Estland und Gotland (Schweden) zurück oder gemütlich durch die schwedischen Ost-Schären gen Süden. Mal sehen.
Erste Etappe Non-Stop
Ute hat die Routenplanung gemacht. Die erste Etappe wollen wir eventuell Non-Stopp zurücklegen: Maasholm – Kalmar. Das sind bei optimalen Kurs 275 SM, bei einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 5-6 Knoten brauchen wir rund 50 Stunden. Das Gute, die Nächte sind hier oben schon recht kurz. Mal sehen, ob wir das durchhalten.
Wir haben Gunnar zur Unterstützung angeheuert, der auch eine Comfortina 39 segelt. Denn so einen zweitägigen Non-Stopp Törn haben wir noch nie gemacht. Zu Dritt kann man sich häufiger ablösen und ausruhen. Sicher wird es schön Sonnenuntergang und Sonnenaufgang zu erleben Wir machen Fotos und werden natürlich berichten.
Hoffen auf Rasmus
Wir haben den Gott des Windes Anfang der Saison mit einem großen Schluck bestochen und hoffen nur, dass er seinen Teil der Abmachung einhält. Seit Wochen weht der Wind aus Osten, für Segler, die in genau diese Richtung wollen, suboptimal. Rasmus hat also noch 7 Tage Zeit dies zu ändern – losgehen soll es am 5. Juni!




Was passiert, wenn nichts passiert
Es ist Montag, der 5. Juni 2023. Heute soll unser Baltic Törn 23! starten. Alles ist vorbereitet, unser Mitsegler Gunnar (Eigner der gleichen Segelyacht) kommt an Bord und um 11.00h geht es los.
Das Wetter ist hervorragend, Sonne und Temperatur 20°++. Sogar der Wind kommt endlich mal nicht aus Ost oder Nord-Ost sondern aus westlichen Richtungen. ABER – er ist nur sehr schwach. Ute meint, wir waren am Anfang der Saison mit einem Schluck Sherry etwas geizig deshalb wird die Prozedur wiederholt und der Windgott Rasmus bekommt einen extra Schluck.
Das erste Etappenziel ist Kalmar, das liegt im Südosten von Schweden und ist exakt 272 SM von Maasholm entfernt. 272 SM x 1,852 = 505 km. Ein trainierter Fußgänger braucht dafür 100 Stunden, ein normaler Fahrradfahrer vielleicht 20-25 Stunden, mit dem Auto schafft man es in 2-3 Stunden. Mit einem Segelschiff …?
Wir wollen Fehmarn im Norden und Falster (DEN) im Süden passieren, dann Kurswechsel auf Nord vorbei an der Halbinsel Mön (DEN), Richtung Ystad (Kommissar Wallander) bzw. Simrishamn und über die Hanöbucht in den Kalmarsund. Anfänglich läuft es gut, 4-5Kn mit Code-Zero machen wir 6 kn. Dann schläft der Wind komplett ein – also starten wir widerwillig den Motor.
Wer denkt es gibt nur Baustellen auf der Autobahn, der täuscht sich. Zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rödby wird der Fehmarnbelt-Tunnel gebaut- wahrscheinlich die größte Baustelle der Dänen in unserem Nachband. Hier wird jedes Schiff von der Leitstelle durchgeleitet. Wir machen das zur Zufriedenheit des Remote-Lotsen
Dann geht es in den Norden, der Wind kommt direkt von achtern (Raumschots) und wir hissen den Spinnaker. Fahrt durchs Wasser manchmal leider nur 3 kn. Das entspricht der Gehgeschwindigkeit eines Fusskranken. Wir halten mehrere Stunden durch, immer in der Hoffnung, es wird bald besser. Am End reicht es uns. Bevor es dunkel wird, holen wir den Spi rein.
Ups – jeder Segler hat es schon mal erlebt – irgendwas verhakt sich. Einer muss rauf in den Mast und das auf dem Wasser. Gunnar bietet sich an und wir ziehen ihn hoch. Es ist in mit einem Handgriff gelöst.
Zum Essen gibt es – einfach zu kochen – stilecht Matjes mit Hausfrauensauce und Kartoffeln. Lecker, aber wir hätten alles gegessen.
Durch die Nacht motoren wir. Die Dunkelheit hält nur 2-3 Stunden an, dann wird es schon durch den Schein der Sonne heller. Gunnar übernimmt einen großen Teil er Wache und ich leiste ihm Gesellschaft. Er ist die ganze Zeit dabei zu entdecken. „ohhho guck mal das Leuchtfeuer vom Darßer Ort …. da oben ist die LH von München nach Göteborg ….. da hinten die MS Aida ????“
Es ist kühl und feucht in der Nacht, aber gut auszuhalten. Ute löst mich um 4 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang ab. Hier muss ich auf die Fotos verweisen.
Am Dienstag können wir ab und zu wieder Spi-Segeln. Am Nachmittag entscheiden wir die Etappe nach 29 Stunden = 170 SM zu verkürzen und nach Simrishamn, SWE abzulaufen. Das Anlegerbier zischt richtig – ein Genuß – dann eine Dusche, Spagetti mit roter Pampe und ab ins Bett.
Fazit: Die geposten Fotos mit Spinnaker verhalten sich reziprok zu der Dauer des Spi-Segelns. Die Strecke hätte die Malizia etwas schneller bewältigt, aber nicht so leckere Spaghetti mit Bolognese bekommen. Was ist denn wichtiger?












Tag 1+2: Maasholm – Simrishamn, Sonne, wolkenlos, tagsüber 20 – 24°, nach bis 14°
Ein perfekter Segeltag
Wir erwähnen die Fahrt Simrishamn – Kristianopel nur kurz. 80 NM, viel Sonne und Wind von oben. Wir haben dafür ein neues Wort erfunden: „Loo“; nach Luv und Lee kommt Loo. Also meistens motoren und immer wieder erfolglose Versuche doch noch den Spinnaker zu setzten. Das Gute, nach jedem Versuch klappte das Hissen besser und Marcus konnte während der Fahrt am Schiff basteln.
Wir wissen, dass Donnerstagabend stärkerer Wind aus Nord-Ost kommen soll, genau die Richtung, in die wir wollen. Das heißt, ein schönes Plätzchen für einen Pausentag zu finden. Die Wahl fiel auf Borgholm auf Öland- Marcus hatte das Vorschlagsrecht und die Crew fügte sich.
Der Törn von Kristianopel nach Borgholm war ein perfekter Segeltörn. Von Anfang bis Ende achterlicher Wind und 5-8 m/s. Also wieder den Spinnaker raus und mit 5-7 Kn an allen vor uns gestarteten Booten vorbei. First Ship Home!
Mit Borgholm sind wir etwas nördlicher als das eigentliche Etappenziel Kalmar. Wir haben aber auch 2 Tage länger gebraucht. Aber eine zweite Nacht durchsegeln ist dann noch nicht so unser Ding. Vor zwei Jahren, zu zweit und mit kürzeren Etappen, nur Segeln, wenn der Wind es zulässt, haben wir für die Strecke mehr als zwei Wochen gebraucht.
Was uns in Borgholm erwartet wissen wir, ist ja einer unser Lieblingsplätze. Ein nettes- leicht touristisches – Dorf, ein toller Fischladen, daneben gibt es Käse und diverse Restaurants, Kneipen und Bars. Dort können wir es 1-2 Tag aushalten.
Außerdem ist dort die Sommerresidenz der Königsfamilie. In dem wunderschönen Garten gestalten viele Künstler immer ein kleines Stück nach einem Motto. Wir werden berichten, um was es dieses Jahr geht.






Tag 3 + 4, Kristianopel – Borgholm, Sonne, 22 – 26°, Wind aus Süd-Ost, 5-8 m/s
Hafentag in Borgholm, Öland
Diesmal kein großer Bericht sondern Fotos. Erst von der königlichen Sommerresidenz und dessen Garten und dann Bilder von der Umgebung. Im Garten gibt es eine kleine Ausstellung mit Kunstwerken aus Glas und eine Ausstellung mit großformatigen Bildern des schwedischen Malers Markus Akesson. Schöne Bilder, aber mit traurig guckenden Kindern.
Wir haben eine kleine Wanderung unternommen und dann beim Fischmann einen Butt gekauft für das Abendessen. Das obligatorische Bier an der Hafenpier hat den Nachmittag beendet.
Und was sonst noch schön ist






Wir werden gesegelt
Ein Bericht über drei Tage
- Borgholm – Idö
- Idö – Bokö
- Bokö – Harstena
Borgholm – Idö
Der Wind kommt aus Nord-Ost, recht kräftig, so dass die meisten Segler im Hafen blieben. Wir wollen auf die Insel Idö, die immerhin 55 NM entfernt ist und das recht hoch am Wind. Um 9.00h heißt es „Leinen los“ und um 17.00h machen wir fest. Meistens eine Fahrt durchs Wasser von 7 kn.
Gunnar steuert die ganze Zeit. Das ist uns nicht unrecht, denn erstens ist es recht kalt gegen den Wind und zweitens sind 9 Stunden Steuern auch recht langweilig – für uns, für ihn nicht.
Idö ist eine kleine Insel mit einem Restaurant mit spektakulärem Blick. Es gibt eine neue, sehr nette Betreiberin. Wir haben hier nicht gegessen, aber auf der Rückfahrt bestimmt.
Idö – Bokö
Diesmal segeln wir mit leichtem Wind aus Ost die fast 30 NM mit unserem Lieblingssegel Code Zero. Ute hat mal wieder ein Kleinod ausfindig gemacht. Ein Naturreservat in den Schären. Ein Traum. Wir haben am Nachmittag noch Zeit eine Inselumrundung zu Fuß zu machen. Immer denkt man, schöner kann es nicht sein.
Bokö – Harstena
Harstena ist das nächste Ziel. Wir segeln mit sehr schwachen Wind aus östlichen Richtungen und kreuzen durch enge Schären-Gebiete. Da es nur 16 NM sind, erreichen wir das Ziel auch mit 3 kn irgendwann.
Harstena steht schon länger auf unserer Liste, das ist im Sommer ein echter Hotspot. Es liegt in einem By-Pass Fjord. Herrlich versteckt. Wir sind am Anfang das erste Schiff, später sind wir immerhin zu Dritt. Zwei Wochen später wird hier der Bär tanzen. Wir können uns sehr gut vorstellen, wie chaotisch schön es sein wird.
Hier liegen wir ganz skurril längsseits an einem Restaurant, welches noch nicht geöffnet hat. Am Anfang sah es so aus, als wenn wir allein blieben; aber nachher kamen noch zwei Boote. Übrigens, die meisten Restaurants, Bäckereien und Geschäfte haben in der Vorsaison noch nicht geöffnet, obwohl Mid-Summer nur eine Woche entfernt und das Wetter perfekt ist.
Wo sind wir jetzt?
Harstena: 58° 15.36`N, 017°00.30’E. Stockholm ist jetzt noch zwei Schläge (rd. 70 NM) entfernt.
P.S. Für alle, die uns auch mal über „Vesselfinder & Co.“ folgen. Wir sind immer aktiv, aber offensichtlich wird hier am Ende der Welt das Signal nicht immer zeitnah übertragen. Genau wissen wir auch nicht, wie die Übertragung der AIS Daten erfolgt.
6., 7., 8. Tag, sonnig, wolkenlos, 18-22 °, östliche Winde
Auf nach Stockholm
- Landsort
- Utö
- Stockholm
Wir segeln weiter gen Stockholm. Nächster Step ist Landsort, es könnte auch Landsend heißen, denn es ist am Ende vom Land. Hier steht der älteste Leuchtturm Schwedens (1651). Der Ort, 3 km vom Hafen entfernt, ist sehr schön und wir finden ein Restaurant, was gerade den ersten Tag geöffnet hat. Es gibt leckere Fish & Chips und ein lokales Bier. Das fällt auf, anders als vor 2-3 Jahren gibt es überall leckeres Craft Bier, wie in Dänemark, nur günstiger.
Danach hat Ute die Insel Utö auf dem Zettel. Für uns eine idealtypische schwedische Insel. Mittelgroß, so dass auch es auch etwas Infrastruktur gibt und man sich bewegen kann. Zwei sehr gute Restaurants, ein gut sortierter Supermarkt, ein toller Pop-Up Bäcker und ein Klamottenladen mit schicken Sachen. Hier füllte Ute den leeren Kleiderschrank wieder auf.
Eigentlich wollten wir nächsten Tag weiter, aber es ist so schön, dass wir spontan entscheiden zu bleiben. Wir liegen direkt vor dem Hafenbüro mit angeschlossener Kneipe, da sitzt man Bier trinkend in Lounge-Sesseln und beobachten das Treiben auf dem Wasser.
Die Strecke von Harstena hierher sind wir schön gesegelt, die Schläge jetzt sind kleiner und dann kann man auch mal etwas schwächeren Wind aushalten. Von Utö geht es dann aber mit 50% Motorzeit nach Stockholm. Der Wind kommt direkt von vorn und in dem engen Fahrwasser ist Kreuzen für uns keine Option.
Die Fahrt nach Stockholm ist immer beeindruckend. Erst fahren wir durch die Vorgärten des Nobelviertels Saltsjöbaden und dann bis in die Stockholmer Altstadt in den Vasahamnen. Von hier aus kann man alles zu Fuß erreichen.
Freitagabend verabschieden wir Gunnar. Wir haben uns die letzten 12 Tage sehr gut verstanden. Auf einem Segelschiff ist das eine Herausforderung. Alles ist eng und jeder muss auf die anderen Rücksicht nehmen. Danke Gunnar für das Steuern und deine kleine Reparaturen. Gern mal wieder.
Am Samstagmorgen wird noch schnell das Boot geputzt, wieder eingekauft und in der Markthalle ein Smörebord gegessen. Am Mittag kommt Ruth und segelt mit uns die nächsten zwei Wochen nach Finnland. Wir wollen sie in Turku, oder wie die Schweden sagen, Abo wieder abgeben.
In Stockholm ist frühsommerliche Stimmung. Überall Musik und die Leute sitzen draußen, quatschen, essen, trinken, spielen. Und man bereitet schon alles für die Midsommer Party vor – bekanntlich das wichtigste Ereignis des Jahres in Schweden.
Wir gehen ins Vasamuseum. Dort wurde die Vasa, ein riesiges Kriegsschiff von 1630, restauriert. Es sank wenige Meter von der Werft entfernt gleich nach der Schiffstaufe, aufgrund mehrerer Konstruktionsfehler. Diese ergaben sich, weil eine Seite von Holländern (sie waren die Profis damals) und die andere von den Schweden gebaut wurde. Sie konnten sich nicht richtig verständigen und am Ende passte alles nicht zusammen. Ende der 1950er Jahre wurde das Wrack gehoben und aufwändig wieder hergestellt. http://www.vasamuseet.se/de
Im Hafen spielt sich am Samstag eine skurrile Szene ab. Alle englischen Schiffe sind über die Toppen geflaggt und wir googlen, was heute los sein könnte in Great Britain. Finden aber nichts. Da sage ich mehr aus Spaß zu einem der Skipper, „feiert ihr den Geburtstag von King Charles?“ Genau so ist es! Charles ist zwar im Winter geboren, aber gefeiert wird jetzt – bei schönerem Wetter. Um Punkt 18.00h werden mit strammer Haltung die Flaggen eingeholt und dann mit edlem Zwirn ins Restaurant gegangen.






9. Tag Landsort, 10./11. Utö. 12./13./14. Tag Stockholm. Sonnig, 25°, Sonntag Regen, Wind aus nördlicher Richtung
Mit neuer Crew zu den Alands (gesprochen Olands)
- Vaxholm
- Furusund
- Mariehamn
Ruth ist jetzt an Bord. Sie ist eine erfahrene Seglerin und hatte bis vor einigen Jahren zusammen mit ihrem Mann ein etwas kleineres Boot, auch in Maasholm. Erst einmal hat sie Regen und Abkühlung mitgebracht; aber OK, das war auch mal ganz gut.
Wir – oder besser gesagt – Ute hat einen Plan für die nächsten Tage. Die Midsummar-Feier wollen wir auf Rödhamn verbringen. Eine kleine Insel, die wir schon bei unserem Baltic Törn 21! besucht haben. Sie ist super schön und liegt etwas westlich von Mariehamn, der Hauptstadt der Alands.
Am ersten Tag geht es von Stockholm nach Vaxholm. Nur ein kleiner Törn von 15 SM. Wieder schön, genauso wie beim Reinfahren. Vaxholm ist ein sehr schöner Vorort von Stockholm, eher für besser betuchte Menschen. In der Hochsaison sehr quirlig, zur Zeit aber noch völlig verschlafen, im Hafen liegen keine 5 Schiffe, viele davon aus Finnland.
Von Vaxholm geht es nach Furusund am östlichen Ende der Stockholmer Schären und ein idealer Ausgangspunkt für den Törn zu den Alands. Es ist ein schöner Ort und sogar Astrid Lindgren hatte hier einige Zeit ein Sommerhaus. Die Villa Kunterbunt haben wir aber nicht gefunden. Das Wetter ist wieder auf super-schön umgeschwenkt. Aber der Wind wehte nur gering und genau von vorn, also wieder Volvo Genua. Aber Morgen, soll es guten Südwind geben und wir freuen uns auf einen tollen Segeltag.
Mariehamn, Alands
Jetzt haben wir mal wieder etwas aufregendes zu erzählen. Aber erstmal zum Törn von Furusund nach Mariehamn (42 SM), ein herrlicher Segeltag mit CodeZero und gutem Speed. Wir haben zwei Boote eingeholt, die eine Stunde vor uns gestartet sind. Das lag nur daran, dass Ruth ständig am Segel zuppelte. Es hat natürlich viel Spaß gemacht.
Seit einigen Tagen bemerken wir, dass das WC im Schiff immer weniger gut abläuft. Wir reden mit der Werft, bekommen gute Hinweise. Aber am Ende ist die Ursache, dass die Schläuche mit Urinstein verstopft sind. Die hätten wir im Winterlager austauschen sollen.
So hat Marcus alle Schläuche ausgebaut und wir haben mit vereinten Kräften die Verkalkungen gelöst und die Schläuche durchspült. Jetzt ist es wieder wie am Anfang und Marcus hat wieder einen Teil vom Schiff gelernt.
Mariehamn ist mittelschön. Ein Highlight ist die Pommern, eine von 4-P-Linern. Peking (HH), Passat (Travemünde) und die gesunkene Pamir sind die anderen. Wir haben das Schiff schon vor zwei Jahren besucht und Ruth wollte es natürlich auch. Sie war sehr beeindruckt.
Wir treffen zum zweiten Mal und sicher nicht zum letzten Mal unsere Segelfreunde von der Siiler, die eine längere Auszeit haben und mit einer Comfortina 35 unterwegs sind. ww.siiler.wordpress.com
Ansonsten wird auch hier auf den Alands der Baum, um den getanzt wird, für das Midsummer Spektakel vorbereitet. Alands ist eine autonome, militärfreie Zone, gehört politisch zu Finnland und es wird schwedisch gesprochen. Wir machen uns morgen früh auf den Weg zu Ute’s Wunschinsel, Rödhamn.








Tag 15 – 18 Vaxholm-Furusund-Mariehamn, 20-25 Grad, Sonne, wenig bewölkt, ab und zu Schauer, mittlerer Wind aus nördlicher Richtung. UTC +3, neue Zeitzone und den 60. Breitengrad überschritten.
Glad Midsommar!
Schon in Mariehamn wird auf dem Platz am Hafen der Baum geschmückt. Am Freitagnachmittag wird dort die Feier mit dem Tanz um den Baum stattfinden. Wir aber machen uns auf den Weg zu Ute’s Wunschinsel Rödhamn. Das sind nur 10 NM und weil wir befürchten, dass es dort voll ist, starten wir um 8.00h und müssen motoren. Es ist und wird nicht wirklich voll, aber es kommen viele Menschen aus Mariehamn und auch aus Finnland.
Wir sind über den 60. Breitengrad hinaus und immer wieder erstaunt, dass es einfach nicht dunkel wird. Man kann ohne Probleme um 2.ooh nachts ein Buch lesen. Aber ab jetzt werden die Tage kürzer, morgen um eine Minute.
Die Marina in Rödhamn wird betrieben vom Segelclub der Arlands (ASS) und wurde – wohl nicht zum ersten Mal – zum besten Gästehafen Finnlands gewählt. Alles ist unglaublich liebevoll hergerichtet. Auch wenn es nur ein Plumpsklo gibt, ist dieses sauber und mit einer Blume geschmückt. Trotzdem wurde Ute – angeblich – von einer Mücke in den …. gebissen. Die Crew zeigt sich sehr mitleidig (Ute: „Das stimmt nicht!“)
Die Insel ist zu Fuß in einer Stunde zu umrunden. Es gibt natürlich ein kleines Museum, die Horchstation mit denen unsere russischen Freunde im kalten Krieg beobachtet worden.
Es gibt – grob geschätzt – 5 Häuser auf der Schäre, davon 2 Saunahäuser, für jede Windrichtung eins. Marcus‘ These: wenn die Schweden oder Finnen einen Steinhaufen entdecken, wird zuerst eine Saune gebaut, danach der Hafen und dann die Kneipe – oder erst die Kneipe und dann der Hafen? Können das unsere schwedischen Leserinnen bestätigen?
Wir erleben ein kleines aber schönes Midsommar-Fest am Samstag. Der ASS schmückt den Baum, der nach 60 Minuten sehr schön aussieht. Er wird aufgerichtet, eine kleine Ansprache gehalten und dann – wohl mit immer den gleichen Liedern – umtanzt. Eine schöne Tradition.
Tag 19 & 20, herrliches Wetter, sonnig 20°++, nördliche Winde
Bewertung der Marina (Schulnoten)
- Atmosphäre & Umgebung: 1
- Sanitäre Anlagen: 2
- Elektrizität: Nein
- Wasser: Ja
- Treibstoff: Nein
- Restaurant und/oder Bar: 3
- Einkaufsmöglichkeite: Nein
- Bootszubehör/ -service: Nein
- Besonderheiten: Anlage liebevoll gestaltet, gewählt zum schönsten Gästehafen Finnlands













Premiere – mit dem Segelboot in Finnland
- Sottunga
- Sandvik auf Kökar
- Verkan auf Korpo (Finnland)
Wir verabschieden uns von der schönen Insel Rodhämn auf den Alands und machen uns auf den Weg nach Turku, in Finnland. Erster Schritt ist Sottunga, ca. 23 NM. Wir starten morgens früh und motoren etwas, um die Batterien aufzuladen. Rödhamn hatte nämlich keinen Stromanschluss, aber dafür Wasser. In Sotunga ist es genau umgekehrt. Passt.
Es ist ein schöner Segeltag in Richtung Ost mit leicht südlicher Ausrichtung.
Über Sottunga braucht man nicht viele Worte verlieren, ganz nett, aber eher ein
Durchgangshafen.
Marina Sottunga:
Atmosphäre & Umgebung: 3
Sanitäre Anlagen: 1
Elektrizität: Ja
Wasser: Nein
Restaurant o. Bar: 3
Kökar (gesprochen Schöka) ist der nächste Stepp. Da am nächsten Tag der Wind aus Nord-Ost kommen soll, hat macht Ute den Vorschlag in den Süden zu fahren, dann kommen wir mit etwas Glück am nächsten Tag hoch am Wind nach Korpo. Also motoren wir 28 NM nach Köka. Die Tour ist sehr schön; wir bleiben im offiziellen Fahrwasser. Hier sollen nicht alle Steine und Felsen auf den Karten eingetragen sein. Der Hafen hat einen ursprünglichen Charme, die Insel soll ähnlich sein. Mehrere Tage möchten wir hier nicht hängen bleiben.
Im Süden der Alands sind die Inseln sehr karg, fast wie in den schwedischen Westschären, aber sobald man in den Norden kommt gibt es wieder Wald.
Marina Sandvik auf Kökar
Atmosphäre & Umgebung: 3
Sanitäre Anlagen: 4
Elektrizität: Ja
Wasser: Ja
Restaurant o. Bar: 3
Der Plan geht auf, wir kommen hoch am Wind, mit einem Kreuzschlag zwischen den Schären nach Korpo. Ein toller Segeltag, die Andante spielt ihre Stärke aus, nämlich bei guten Wind unter 30° zum scheinbaren Wind trotzdem noch um die 6 kn zu fahren. Das macht einfach nur Spaß. Wir müssen immer gut auf die vielen Steinhaufen aufpassen, manchmal ist es sehr eng. Außerdem gibt es noch Fährverkehr in alle Richtungen. Da weiß man, warum man GPS, AIS und den Plotter direkt am Steuerrad hat.
Auf dem Weg nach Korpo passieren wir erstmalig mit der Andante die finnische Grenze. Die Marina Verkan liegt auf einer bewaldeten Insel und ist ein ganz netter Hafen mit zwei Restaurants, einer Boutique und netter Umgebung.
Marina Verkan auf Korpa
Atmosphäre & Umgebung: 2
Sanitäre Anlagen: 2
Elektrizität: Ja
Wasser: Ja
Restaurant o. Bar: 3

Insgesamt merken wir, dass die Saison langsam beginnt. Finnland hat wohl schon Ferien und in Schweden werden nächste Woche die Betriebsferien beginnen. Bisher war gar nichts los in den Häfen und unterwegs traf man nur selten andere Schiffe. Aber jetzt wird es voller und wir müssen wohl früher aufstehen, um rechtzeitig am Zielort anzukommen oder eben im Internet reservieren.
21. Tag Sottunga, 22. Kökar, 23. Korpo, wenig oder mittlerer Wind aus östlichen und nördlichen Richtungen, sonnig, 25° und mehr, Wassertemperatur steigt langsam in Richtung 20°








Turku = Abo
Wir haben das zweite Etappenziel erreicht, wir sind in Turku, auf schwedisch Abo. Die Stadt war in den Jahrhunderten ihrer Existenz eher ein Spielball der mächtigen Nachbarn. Es ist die älteste Stadt Finnlands (heute rd. 200.000 Einwohner) und gehörte einige Zeit zu Schweden und auch zu Russland. Es gibt deshalb eine schwedische Minderheit und ähnlich wie bei uns im hohen Norden, haben diese Menschen ihre Sprache beibehalten – auch offiziell.
Die Finnen sind immer noch dankbar, dass Deutschland ihnen 1945 gegen Russland beistanden und sie so ihre Unabhängigkeit bewahren konnten. Aus dieser Erfahrung verfügt das Land über ein relativ große und bestens ausgerüstete Armee.
Am Fluss oder Fjord, der die Stadt durchzieht, machen wir die Andante fest. Eine gute Anlage und das Hafenbüro ist gleich ein Coffee-shop und wird von dem Restaurant Nooa betrieben. Der Bereich um den Fluss ist lebhaft, überall Bars und Restaurants an Land und auf einem Schiff. Hier wird flaniert und gejoggt. Der Bereich ist offensichtlich der schönste Teil der Stadt, der Rest fällt eher in die Kategorie „mittelschön“.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Turku bei einem sowjetischen Bombenangriff stark beschädigt und dann neu aufgebaut. Ruth entdeckt aber noch das Freilichtmuseum, welches zeigt, wie die Menschen vor einem Feuer, welches die Stadt schon früher einmal zerstörte, gelebt haben. Wohl eher spartanisch. Heute sind natürlich Hafen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen von Bedeutung.
Direkt hinter unserem Liegeplatz fährt eine kleine Fähre zum Supermarkt auf der anderen Seite. Sie fährt an der Kette – autonom. In der Stadt kommt uns ein autonom fahrender Lieferroboter entgegen. In dieser Frage scheinen die Finnen weiter zu sein als wir – wen wundert es. Ich erwähne zum Xten Mal, dass es auf jeder noch so kleinen Schäre, bewohnt oder unbewohnt, mobiles 4G/5G-Netz gibt.
Wir füllen unseren Proviant in der schönen Markthalle und auf den vielen Ständen auf dem Marktplatz wieder auf. Die Alands sind schon teuer, aber in Turku hat die Inflation ganze Arbeit geleistet. Eine Schale Erdbeeren (1l) kostet 8 Euro, Kartoffeln und anderes Gemüse werden quasi mit Gold aufgewogen. Das liegt wohl auch am Russland-Ukraine Krieg, denn es gibt, außer im hohen Norden zu Schweden, keinen Landverbindung mehr, die meisten Waren kommen per Schiff oder Flugzeug. Und das Geld für die Verteidigung muss ja auch irgendwo her kommen.
Am Freitagmorgen verabschieden wird Ruth. Sie fährt mit dem Bus zum Flughafen und fliegt dann über Stockholm nach Hamburg. Wir verlieren unsere erste Segel-Zubblerin und zweite Steuerfrau. Beim Speilen – Rommee und Scrabble – ist sie nicht zu schlagen, zumindest für uns.
Auch wenn wir in den zurückliegenden 2 Wochen nicht immer Segeln wollten und konnten, hatten wir doch einige schöne Segelerlebnisse und v.a. mussten wir nicht mehrere Tage irgendwo abwettern. Dieses blüht uns in der kommenden Woche, da verkriechen wir uns in ein „Hurrikan-Hole“. Dazu später mehr.
24., 25. Tag, Turku, Sonne satt, nördliche Winde, um und bei 25°









Abwettern in Kastelholm auf den Alands
Seit Tagen reden alle Segler über das drohende Unwetter und wir suchen uns ein „Hurrican Hole“. Der starke Wind kommt wohl aus dem Süden, in Maasholm soll es bis 9Bft. gegeben haben, sagt Günter von der M/S Adeja. Hier im Norden kommt er mit 6-7 Bft. zusammen mit einigen Regenschauern an. Es soll mehrere Tag so bleiben.
Wir segeln über Sottunga (Söttünga), wo wir auf dem Hinweg schon waren. Wir bleiben zwei Tage, da der Wind am Sonntag etwas südlicher kommen soll und wir hoffen segeln zu können. So kommt es auch – halbwegs zumindest. Am Anfang motoren und dann ein herrlicher Segeltörn, hoch am Wind, durch die Schären. Durch die Ablenkung des Windes ist man ständig am Segel zubbeln (Ruth, das wäre was für dich). Sobald die Segel an die neue Windrichtung und -stärke angepasst sind, kommt es schon wieder anders.

Auf der Hauptinsel der Alands gibt es ein Binnengewässer und danach einen Fjord. Ganz ans Ende verkriechen wir uns. Nach jetzigem Stand bleiben wir auf den Alands bis zum Wochenende. Aber mal sehen, vielleicht ändert es sich ja noch. Um uns herum bläst der Wind, aber hier ist es erstaunlich ruhig. Gute Wahl.
Als wir ankommen sind wir fast allein, aber in den nächsten Stunden wird der Hafen zumindest halb voll. Alle wollen sich verdrücken zum Abwettern. Auch die S/Y Elsa und S/Y Beyond C aus Göteborg, die wir sicher schon 4 Mal getroffen haben, verkriechen sich hier.
Die Natur um uns herum ist wunderschön, es gibt mal wieder ein kleines Freilichtmuseum und eine Schlossruine und Restaurants und einen sehr schön gelegenen Golfplatz – wäre etwas für Gunnar.
Zum Einkaufen geht es mit dem Bus direkt nach Mariehamn, einfach, schnell und günstig. So können wir hier noch einige Tage aushalten. Heute ist Dienstag, es sieht so aus, als wenn wir am Wochenende mit Nordwind nach Schweden rüber können. Mal sehen.













26./27. Tag Sottunga, Kastelholm, stürmischer Wind aus Südwest, bewölkt, kühler 14 – 18°
Wir sind wieder in Schweden
Irgendwie fühlen wir uns hier wohler – wir wissen selbst nicht genau warum. Ist es, weil es auf den Alands und Finnland (Turku) einsamer ist und wir bevorzugen Orte, wo etwas Leben und Infrastruktur vorhanden sind? Ist es, weil so mancher Finne eher mürrisch daherkommt? Oder liegt es an uns? Wie dem auch sei, wir freuen uns, wieder in Schweden zu sein.
Nach dem wunderschönen Kastelholm, Alands sind wir – warum auch immer – nach zwei Tagen nach Mariehamn gesegelt, diesmal in den Osthafen. Der ist schön, aber langweilig. Da sind wir dann nach zwei weiteren Tagen nach Rödhamn motort. Ist um die Ecke und ein idealer Ausgangspunkt für die Überfahrt nach Schweden.
Auf Wunsch der Crew sind wir einen zweiten Tag in Rödhamn geblieben. Es ist die Insel, auf der wir mit Ruth auch Mid-Summer verbracht haben. Es ist einfach schön hier. Der Skipper hat im Gegenzug verhandelt, dass wir am nächsten Tag nicht „nur“ nach Furusund, dem nächsten Ort in Schweden, sondern gleich nach Sandhamn segeln.
Nach 62 NM sind wir in Sandhamn angekommen, bis auf Ab- und Anlegen zu 100% unter Segeln. Ein herrlicher Tag, aber eben auch ein 10h Törn, danach sind wir körperlich fertig. Soviel haben wir eigentlich gar nicht gemacht; aber die Konzentration, das Segel-Zubbeln und wir werden halt nicht jünger.
Sandhamn ist Schwedens Segelmekka im Osten, also das Pendant zu Marstrand. Weil Sonntag ist und der Hafen knallevoll, gehen wir nicht in den Haupthafen sondern den neuen Telegrafholmen. Aber ehrlich, die Marina ist nicht zu empfehlen. Morgens geht es gleich weiter – Ziel ist unsere Lieblingsinsel „UTÖ“.
Da sind wir jetzt. Wir dachten so ein Hot-Spot ist knallevoll, deshalb sind wir um 7.00h los, konnten die Hälfte Segeln. Vor drei Wochen sind wir die gleiche Strecke gesegelt und haben nur selten ein Boot gesehen, jetzt ist es hier wie bei uns auf der Ostsee in der Hochsaison. So ist es schöner.
In unserem Ost-Schären Lieblingshafen finden wir wider Erwarten ohne Probleme einen schönen Platz. Hier liegt man mit Heckanker, aber unserer fasst nicht richtig. Erster Versuch, war einfach zu wenig Leine, zweiter Versuch mit rd. 40m Leine und Kette ist besser, aber so richtig zufrieden sind wir noch nicht. Mal sehen, ob er sich noch einbuddelt.
In Utö wollen wir einige Tage bleiben. Die Stimmung unter den Seglern ist einfach gut, man kommt leicht mit allen in Gespräch, sitzt an der Pier in der Kneipe und genießt das Leben. Wir bleiben nicht nur, weil es so schön ist, auch wird der Wind die nächsten Tage aus Süd-West wehen, daher wo wir hin wollen. Am Wochenende soll sich (hoffentlich) ein Fenster öffnen für uns und dann geht es in Richtung Kalmar.






Weihnachten auf Utö?
Wir beschäftigen uns mit dem Gedanken, wie es hier wohl Weihnachten aussieht und was man da macht? Sind hier Einwohner im Winter? Haben der Supermarkt und die Restaurants geöffnet? Ist es zugeschneit? Woher bekommen wir Langlaufski? Der Weihnachtsbaum sollte aber kein Problem ein.
Der Grund, seit Turku kommt der Wind aus Süd-West, mit der Ausnahme, als wir in zweit Tagen von den Alands nach Utö gesegelt sind. Jetzt ändert sich aber gar nichts mehr an der Windrichtung. Es nützt auch nichts, wenn wir einen Tag segeln können, die die nächsten Orte sind nicht so schön, dass wir dort eingeweht sein möchten. Und an den Steinen möchten wir bei viel Wind auch nicht liegen. Wir brauchen schon 2-3 Tage mit passendem Wind.
Wir könnten den Motor anschmeißen und bei weniger Wind gen Süden tuckern, aber soweit sind wir noch nicht – auch weil wir an einem der schönsten Ort des Stockholmer Schärengartens sind. Außerdem ist jeder 6. Liegetag frei, das schaffen wir wohl zweimal.

Das können jetzt auch Ruth und Thomas bestätigen. Die haben uns gestern besucht. Sie machen Urlaub in Gustavsberg und sind mit Auto und Fähre zu uns gekommen. Als begeisterte Fahrradfahrer hatten sie ihre Räder mit und wir haben einen herrlichen Ausflug auf die kleine Nachbarinsel gemacht. Ein platter Reifen, wird mit einem Ersatzschlauch in wenigen Minuten ersetzt.
Am Ende der Tour gibt es ein tolles Restaurant „Der Bootshaken“, direkt am Wasser gelegen mit ungewöhnlich gutem Essen. Thomas ist ein Freund aus ganz alten Tagen von den Winsener Wasserballern bei dem Marcus (im Rahmen seiner Möglichkeiten) wieder trainiert und ab uns zu auch wenige Minuten spielt.
Unser Tagesablauf ist wie folgt: Windvorhersage analysieren und alle Möglichkeiten diskutieren und abwägen. Danach darauf achten, dass beim Ablegen, keiner unseren Anker mit hochhebt und der neue Nachbar seinen Anker nicht über unsere Leine schmeißt. Das beschäftigt uns bis Mittag, danach widmen wir uns dem Treiben in der Nähe des Anlegers. Hier gibt es kleine Geschäfte mit Essen, schönen Klamotten und Trödelkram. Das Wetter ist schön, wolkenloser Himmel und 20-25°, mehr brauchen wir nicht.
Wir lassen Euch wissen, ob es doch noch weitergeht.








Und sie bewegen sich doch!
Wir müssen mal über das Wetter oder besser gesagt den Wind reden. Er kommt stabil morgens aus West und dreht dann nach Süd-West. Das Problem, hier oben im Norden hängt ein Tief, rd. 1.000 Hpa, und es bewegt sich nicht weg. Der Wind weht vom Westen rein und wird durch den Sund noch auf Südwest verstärkt. Die Windvorhersage ist stabil bis zum Ende der Prognose. Das wird auch in dem Podcast von Sebastian Wache („Wetterwache“) von der Wetterwelt bestätigt. Die Hochs über Südeuropa lenken die Tiefs alle in den Norden.
Wir könnten ja noch Tage auf Utö bleiben. Günter hat uns zur Einstimmung auf Weihnachten einen netten Song geschickt, aber irgendwie wird es dort im Winter doch langweilig. Als unsere netten Motorbootnachbarn aus Finnland ablegen, sagen wir uns spontan: lass uns auch fahren.
Die neue Strategie heißt „kleine Schritte in den Süden“, möglichst zu Marinas, wo man es etwas länger aushalten kann. Von Utö müssen wir als erst in den Westen um die Ecke, danach ist es denn ein Südkurs. Übrigens, mit dem Tief ist es auch kälter geworden, bewölkt, morgens rd. 15°, nachmittags knapp über 20°, auf dem Schiff mit Fahrt gegen den Wind ist es deutlich kälter.
Zuerst geht zu 100% unter Maschine nach Nynäshamn. Das sind nur 15 NM, die wir so am nächsten Tag auf den Weg nach Svärtsklova sparen. Wieder mit Maschine, kühler Wind gegen an, nach 25NM reicht es uns. Der Steg ist von schöner Natur umgeben. Hier haben wir von 2 Jahren ganz nette junge Schweden getroffen, auch diesmal ist es eine nette Hafengemeinschaft.
Der Steg hat Platz für ein Duzend Schiffe und gehört zu einem beliebten Restaurant, welches auf dem Festland liegt und mit dem Auto gut zu erreichen ist. Zum Abendessen bekommen wir noch den Katzentisch. Vom Essen haben wir allerdings etwas mehr erwartet.
Am nächsten Tag heißt es um 7.30h Leinen Los und – Überraschung – wir können 95% der Strecke segeln, hoch am Wind und ohne Wellen durch die Schären. Das war mal richtig schön. Wir kommen gegen 12.00h in Arkösund an. Das ist ein schöner Ort in netter Umgebung mit einer tollen Pop-Up Bäckerei, die Nachmittags zur Pizzeria wird. Alles unter freiem Himmel.
Unsere Freunde von der SY Siiler liegen um die Ecke und wir telefonieren über das Windproblem und mögliche weitere Schritte. So eine richtige Lösung finden wir nicht. Es bleibt wohl dabei, früh morgens los und kleine Etappen gen Süden, bis wir in Västervik und Kalmar ankommen.
Eine Überlegung war es den Westwind zu nutzen, um nach Gotland zu segeln. Problem, von da kommen wir noch schwerer zurück. Morgen treffen wir die SY Carissima, die haben wir vor zwei Jahren hier in der Ecke kennengelernt. Die haben es – noch – gut, sie wollen in den Norden.






Nein, wir sind nicht untergegangen
Irgendwie fehlte der Schreibeschwung. Mussten erstmal gucken, wie weit wir geschrieben haben. Unser letzter Bericht endet in Arkösund, hier liegen wir im kleinen Hafen des Segelclubs Norrköping. Neu ist ein schönes Cafe auf dem „Berg“ mit Blick über den Sund.
Sowohl Pop-Up Bäcker = Pizzeria und der Verkaufstand mit leckerem Hirsch-, Reh- und Elchfleisch sind wieder da und werden natürlich besucht. Gegen Mittag kommen unsere Segelfreunde von der SY Carissima. Die hatten wir hier auch vor zwei Jahren getroffen. Sie sind mit Sohn und Schwiegertochter auf dem Weg in den Norden. Wollen noch auf die Alands und dann Anfang September zurück in Kappeln sein. Mutig bei dem ständigen Wind aus West- und Südwest. Aber der Skipper sagt, beim letzten Mal hat er er genau am Zielpunkt auf die richtige Richtung gedreht. Das nennt man Optimismus.
Am Abend regnet es und wir holen uns die Pizza an Bord. Ute gibt Tips für die Alands. Es stellt sich raus, dass alle begeisterte Kartenspieler sind, also gibt es noch eine Runde Doppelkopf – Marcus genießt das sehr.
Der Wind weht mal mehr mal weniger. Konstant ist die Windrichtung: morgens aus West und ab Mittag aus Südwest. Also stehen wir immer früh auf und spätestens um 7.30h heißt es „Leinen los“. Unsere Strategie, viele kleine Schritte gen Süden/Westen:
- Arkösund – Fyrudden
- Fyrudden – Västervik
- Västervik – Byxelkrok/Öland
- Byxelkrok – Kalmar
- Kalmar – Kristianopel
- 19 NM, anfangs gesegelt und die zweite Hälfte motort, da Wind voll gegenan. Der aufkommende Regen treibt uns nach Fyrudden. Marina und Ort sind mittelschön, nicht weiter erwähnenswert.
- 33 NM, schönes sonniges Wetter, anfangs motoren, dann schönstes Segeln nach Västervik. Hier wettern wir mal wieder ab. Die Marina wird von einem Hotel betrieben, sanitäre Anlangen sind wie im Hotel. Der Ort ist ganz schön und wir können Proviant nachladen und Wäsche waschen.
- 28 NM nach Byxelkrok, da wollte Ute gern hin, aber es passte auch. Wir können fast vollständig unter Code-Zero segeln. Byxelkrok ist ein quirliger Hafen, einen Ort gibt es eigentlich nicht, es sind kleine rote Bretterbuden am Ufer mit Kneipen, Restaurants, Fischladen und Souviniergeschäften. Ein schöner Urlaubsort.
- 47 SM nach Kalmar. Erst wollten wir nur nach Borgholm, aber dann sind wir doch weiter nach Kalmar. Anfangs konnten segeln mit leichtem Kreuzen, später musste aber doch die Volvo Genua gehisst werden.
Exkurs: Schwedisches Gesundheitssystem
Ute ist in Sandhamn also vor 2-3 Wochen, über ein Befestigungsband am Steg gestolpert und hat sich den Fuss verletzt. Anfangs dachten wir, das geht vorbei, aber der Schmerz lässt nicht nach. Also beschließen wir, dass sie zum Arzt gehen soll. Leichter gesagt als getan.
Es gibt in Schweden keine niedergelassenen Ärzte, stattdessen Krankenhäuser und Polikliniken. Erinnert etwas an DDR, muss aber vom Prinzip her nicht schlecht sein. Wir können nicht herausfinden, wie man zu einem Termin kommt. Erst der Anruf bei der Osttante brachte den Durchbruch.
Es gibt für Touristen eine zentrale Nummer, die sollten sich alle Segler gleich mal aufschreiben: +46-77-111 77 00. In Kalmar wechselt die für Touristen zuständige Klinik jede Woche, man kann also am Freitag keinen Termin für Montag abmachen und heute ist Samstag.
Auf Empfehlung der Frau am Telefon versuchen wir unser Glück und in der Notaufnahme im Krankenhaus. Die sagen nach kurzem Warten, dass dies kein Notfall sein und Ute mit dem schmerzenden Fuss 2-3 KM zur Poliklinik gehen soll, wo es auch einen Notarzt gibt. Sowohl Google als auch die Frau bei der zentralen Nummer hatten gesagt, dass diese am Wochenende geschlossen ist, was nicht stimmte.
Der Arzt ist sehr nett, spricht sogar etwas deutsch, findet nichts und schickt Ute zur Sicherheit zum Röntgen, also wieder zurück zu dem Krankhaus. Da sie jetzt mit einer Art Überweisung kommt, klappt alles und nach kurzer Zeit ist klar, der Fuss ist nicht gebrochen. Woher der Schmerz kommt, konnte nicht geklärt werden.
Eigentlich ist das System ok. Nur konnte keiner erklären, wie es funktioniert und was wir zu tun haben. Der Arzt in der Poliklinik bestätigte das, selbst Schweden würden nicht immer durchblicken.
Und noch eine kleine Geschichte aus dem Seglerleben
In Kalmar wollen wir sicherheitshalber tanken. Als wir zur Station kommen liegt auf der Säule ein Handy und ein Portemonnaie mit Geld, Ausweisen und Kreditkarten. Wir wühlen drin rum; es ist ein Deutscher und überlegen, wie wir ihn kontaktieren können. Einer von uns kommt auf die Idee ihn per Funk auf Kanal 16 auszurufen. Peter sagt später, er hatte den Verlust noch nicht bemerkt, wusste aber sofort, was passiert war, als er seinen Namen auf Kanal 16 hörte.
Seine erste Reaktion ist sofort zurück zu fahren. Ich mache den Vorschlag uns in Kristianopel zu treffen. Er ist überglücklich, es erspart ihm eine Menge Ärger. Abends lädt er zum Bier ein und wir verbringen einen kurzweiligen Abend in dem netten und guten Restaurant Sött & Salt im Hafen.















Aktuell
Jetzt liegen wir wieder einige Tage fest, an der südlichen Spitze des Kalmarsunds in Kristianopel. Hier ist es eigentlich ganz nett, geschichtsträchtig und mit herrlicher Natur. Wir gehen spazieren, machen eine Fahrradtour und sammeln erste Brombeeren.
Jeden Morgen gucken wir auf die Wettervorhersage und überlegen eine Strategie. Es gibt zwei Möglichkeiten, über die Hanö-Bucht, Simrisham, Ystad, Klintholm – so sind wir gekommen. Oder über Bornholm, Rügen, Warnemünde, das wir zur Zeit präferiert – auch weil die Orte einfach schöner sind, denn die nächsten Tage müssen wir uns mal wieder vor einem Sturm verkriechen. Mal sehen, wie weit wir kommen.
Einen Trost haben wir, das Wetter in der Heimat scheint richtig schlecht zu sein. Hier ist es aber warm und meistens sonnig. Also eigentlich kein Grund zu verzagen.

Sturm über der Ostsee
Die Windvorhersage verspricht in einigen Tagen starken Wind, man kann auch sagen Sturm. Wir sind noch in Kristianopel, südlich von Kalmar und überlegen hin und her, wie wir am Besten da durchkommen.

Eine Variante ist, wie beschrieben über Simrishamn/Ystad. Erstens möchten wir da nicht gern mehrere Tage abwettern und zweitens kommen wir gegen den Wind dort kaum hin. Also fällt die Wahl auf Bornholm. Nach langer Diskussion entscheiden wir uns für Gudhjem, dort ist der Hafen sehr geschützt bei westlichen Winden und außerdem ist der Ort kuschelig und wir haben die Hoffnung hoch am Wind dort hinsegeln zu können.
Es gibt einen kurzen aber schönen Segeltörn nach Sandhamn und dann am nächsten Morgen früh raus. Die Bilder unten zeigen keinen Sonnenuntergang sondern den Sonnenaufgang, der pünktlich um 5:08 startet.
Es sind etwas mehr als 60 NM, also 10-11 Stunden. Der Wind kommt wie erwartet mit 5-6 m/s aus NW, aber die Welle ist viel höher als gedacht. Aber der Strom ist mit uns, der spart am Ende ca. 4 NM – immerhin.
Bei den widrigen Bedingungen sind auf unserer Strecke nur wenige Segler unterwegs. Aber nach einer kurzen Eingewöhnung wird es ein anstrengender aber schöner Segeltörn und wir bekommen in Gudhjem noch den letzten Liegeplatz gegen den Wind. Das frühe Aufstehen hat sich ausgezahlt.
Der super nette Hafenmeister guckt nach seinen Schäfchen und sagt schon mal an, dass das Hafentor am Folgetag wegen des starken Windes gegen Mittag geschlossen wird. Wir Segler vertäuen unsere Schiffe; es ergibt ein schönes Leinen-Makrame.
Am nächsten Mittag geht es dann los, erst kommt der Wind noch etwas nordöstlich und trifft seitlich auf unser Schiff. Am zweiten Tag legt der Wind nochmal zu, kommt aber etwas westlicher, also direkt von vorn. Wir liegen sicher und halbwegs geschützt. Dennoch, wenn draußen Sturm ist, kommt immer noch starker Wind bei uns an. Wir bauen unsere Kuchenbude ab, da wir so weniger Angriffsfläche bieten.
Aber insgesamt ist hier an der Leeküste von Bornholm weniger Wind als befürchtet. Die Entscheidung für Gudhjem war also richtig.
Drei Tage müssen wir durchhalten, können nicht viel machen, da es auch noch aus Eimern regnet. Aber beim Abwettern kommt man sich näher und wieder haben wir sehr nette Nachbarn zu beiden Seiten. Am zweiten Tag gehen wir zusammen in die urige Hafenkneipe und verbringen einen kurzweiligen Abend.
Jetzt ist der 5. Tag, der Wind hat nachgelassen, das Hafentor wurde geöffnet, aber es regnet noch. Unser Plan: morgen am Donnerstag in den Norden nach Allinge und von dort am Samstag nach Rügen (Lohme), um dann den langen Schlag (65 NM) um den Darß nach Warnemünde zu machen.








Ab in die Heimat nach Maasholm
Wir haben den Sturm gut abgewettert, es ist alles heil geblieben. In den vier Tagen haben sich sehr nette Bekanntschaften entwickelt (SY Joy und SY Smykke). Auf diese Weise haben sich schon mehrere Segelfreundschaften ergeben, die bis heute halten.
Der Hafen leert sich und natürlich will das Schiff, das ganz weit innen liegt, als erstes los. Verständlich, denn sie müssen in 3 Tagen in Neustadt wieder zur Arbeit antreten.
- Gudhjem – Nexö: 13,1 NM
- Nexö – Lohme, Rügen: 61,6 NM
- Lohme – Barhöft: 32,5 NM
- Barhöft – Warnemünde: 45 NM
- Warnemünde – Heiligenhafen: 51, 6 NM
- Heiligenhafen – Maasholm: 43,7 NM
Die Törn-Strategie haben wir x-mal durchgekaut. Wir müssen mehrere Tage nach vorne gucken, um den optimalen Weg zu finden. Der Wind kommt meistens aus Süd-West, mal mehr, mal weniger. Wir entscheiden uns um den südlichen Zipfel von Bornholm zu segeln, weil wir einen bessern Winkel zum Wind erwarten und die Wellen eher von der Seite als gegenan.
Der Törn nach Nexö ist kurz und angenehm. 2/3 Segeln und immer in Lee an der schönen Bornholmer Küste. Der Hafen von Nexö ist nicht so doll, die Stadt aber ganz nett. Wir sehen ein gutes Restaurant „Cullinarium“, in dem es Freitags dänischen Hummer gibt. Das lassen wir uns nicht entgehen. Sehr lecker.
Am nächsten Morgen geht es in aller Frühe um 5.40h los. Unser Kalkül geht auf, wir können sogar das „Code 0“ setzten, haben noch etwas Strom mit uns und kommen schnell voran. 16.30h sind wir in Lohme.
Von Lohme geht es um Kap Arkona und den Dornbusch (Hiddensee) nach Barhöft. Segeln/Motoren 80/20. Es ist wunderschön und wir wären am liebsten gleich noch etwas geblieben. Warum wir es nicht einfach machen, erkläre ich später. Rügen und Hiddensee sind besonders vom Wasser einfach toll. Die Vegetation und die vielen Tiere beeindrucken.
Nächsten Morgen machen wir die große Tour um den Darß nach Warnemünde. Leider 100% unter Motor. Wir wollen aber in Warnemünde ankommen, weil Ute dort einen Termin beim Orthopäden hat. Warum das?
Zwischenzeitlich haben wir ein Brief vom Doktor aus Kalmar bekommen. Der Fuss, den sich sich in Sandhamn verletzt hat, sei wohl doch gebrochen und sie solle sich in ärztliche Behandlung begeben. Wir haben online einen Termin gebucht, ganz einfach. Der Arzt stellt nach gründlicher Untersuchung und einem CT fest, dass doch nichts gebrochen ist. Große Erleichterung.
In Warnemünde ging die „Hanse Sail“ zu Ende, angeblich die größte Veranstaltung der Welt mit Oldtimer-Segelschiffen. Wir begegnen noch vielen von Ihnen.
Wir liegen in der neuen Marina „Mittelmole“. Mehr im Leben als hohe Düne, direkt am Alten Strom, aber viel ruhiger. Die Sanitäranlagen sind wie im Hotel. Da werden wir wohl immer fest machen.
Hier steigt unser alter Freund, Philipp, zu. Mit ihm haben wir zusammen Sport studiert. Er ist ein begnadeter Skifahrer und guter Segler.
Nach Heiligenhafen müssen wir leider zur Hälfte motoren. Wir wollen aber unbedingt dort hin, da wir uns abends mit Utes Schwester und einer anderen Freundin aus Studienzeiten und ehemaligen Mitbewohnerin in Marcus‘ Studenten-WG treffen wollen. Es wird ein sehr netter Abend beim Portugiesen und Absacker auf der Andante.
Der letzte Törn ist ein toller Abschluss. Kräftiger Wind (5-7 m/s). Der scheinbare Wind fällt mit 50° ein und wir hissen das „Code 0“. Mit der großen Besegelung machen wir 7 – 8 kn was zur Bestzeit auf der Strecke führt: 6 Stunden von Liegeplatz zu Liegeplatz!
In Maasholm ist erstmal großes Wiedersehen angesagt. Am Freitag gehen wir mit unseren Nachbarn von der SY Silberblick essen und tauschen Urlaubsgeschichten aus. Am Samstag trinken wir Prosecco mit unserem Followern von der MS Adeja. Schön wieder zu Hause zu sein.
Zum Schluss noch eine – unglaubliche – Geschichte
Auf dem Weg von Bornholm nach Rügen hören wir einen Funkspruch; das Zoll-Boot aus Sassnitz spricht mit einem Segler, der ebenfalls von Bornholm kommt. Er wird nach vielen Fragen darauf hingewiesen, dass er einen Zollstander zu hissen hat, um zu signalisieren, dass er nichts zu verzollen hat. Wie auf dem Flughafen, wo man nach internationalen Flügen durch den „grünen Ausgang“ geht. ABER – wir kommen doch aus einem EU-Land. Wie kann das sein?
Wir recherchieren im Internet. Ergebnis: alle Grenzen auf See sind internationale Grenzen. Die Immigration ist also so zu behandeln, als wenn man aus Übersee kommt.
Eine Kontrolle mag für Frachtschiffe und Kreuzfahrtschiffe Sinn machen, aber kleine Segelboote zu „verwarnen“ bzw. mit einem Bußgeld zu bestrafen, nur weil sie den Weiß-Schwarz-Weißen Wimpel (Nr. 3RD im Flaggenalphabet) nicht gesetzt haben, ist doch irre. Es ist wohl auch nur der Sassnitzer Zoll, der auf so abwegige Gedanken kommt. Denn eigentlich müsste man für jeden Besuch in einem Dänischen Hafen diesen Stander „Nicht zu verzollen“ setzen. Alle Segler von Schweden/Dänemark nach Rügen sollten den Wimpel bereithalten, es kostet möglicherweise sonst 50 Euro.
Der absolute Witz, man kann sich als Sportbootführer beim Kieler Zollamt ein Formular holen, damit man diese Flagge nicht zeigen muss. Also ein Formular, um sich ein Formular zu ersparen. Das gibt es nur in Deutschland. Da möchte man dem Zoll und allen Bürokraten zurufen „Geht es noch“ – kümmert Euch um den Schmuggel von Heroin, Kokain und Waffen!

































