Verheerende Auswirkungen der Ostseesturmflut 2023
Bevor es hier im Block richtig losgeht, müssen wir zurück blicken. Sicher haben alle von der Ostseesturmflut im Oktober letzten Jahres gehört – auch wenn es eigentlich keine „SturmFLUT“ an der Ostsee gibt. Die Auswirkungen waren dennoch verheerend, besonders in unserem Heimathafen Maasholm und einigen anderen Marinas.
Schlimm hat es auch die kleine Stadt Arnis getroffen. Hier sind viele Häuser zerstört, weil ein Deich im Westen gebrochen ist und das Wasser quasi von hinten gekommen ist. Viele der Hauseigentümer haben keine Elementarversicherung, weil sie an der Küste gar nicht möglich ist.
Das Wasser ist in hohen Wellen erst über das Naturschutzgebiet bei Schleimünde und dann über die Schutzmauer zu unserem Hafen Maasholm gekommen und hat die Marina fast komplett zerstört. Auf unserem Steg A lagen zwei Schiffe, die sich losgerissen hatten. Auf unserem Platz ist eine Comfortina 46 gesunken, da die Klampen am Steg rausgerissen wurden. Die Andante hatten wir übrigens eine Woche vorher nach Schleswig gebracht, sie stand sicher und trocken in der Halle.
Der Eigner von der MS Adeja und einige andere sind an Bord geblieben und haben versucht zu retten was zu retten war. Das muss eine furchtbare Nacht gewesen sein – immer mit der Angst um Leib und Leben. Aber diese Schiffen blieben unversehrt, da die Eigner auf die Situation reagieren konnten.
Für die Gemeinde ist es eine Katastrophe, denn sie ist auch nicht versichert und so einfach ist es nicht das Geld für die Reparatur aufzutreiben. Wir hatten schon frühzeitig die Befürchtung, dass es mit einem pünktlichen Saisonstart nichts wird. Wir haben uns mit der Gemeinde darauf geeinigt, dass wir eine Saison aussetzen und uns einen anderen Hafen suchen. Wenn wir dann im Spätsommer zurückkommen, können wir als Tageslieger bezahlen, was wahrscheinlich auf die gleiche Summe hinausläuft.
Wir sind mit „Vitamin B“ in Heiligenhafen in der Marina der Segelvereinigung untergekommen. Hier können wir zudem die Familie und die Großnichten besuchen und betreuen. Die Große kommt zudem im Sommer in die Schule, da will Ute gern dabei sein.


Jetzt Anfang Juni können die Liegeplätze an unserem Steg langsam bezogen werden. Der Steg F, der außen um den Hafen verläuft ist aber noch zerstört und wird sicher erst im nächsten Jahr repariert sein.

Von den Internetseiten der Yachtgemeinschaft Maasholm, sie beinhalten auch eine Live-Cam.
https://www.yachthafengemeinschaft-maasholm.de/
Günters Erlebnis in der Sturmnacht
Unser Freund und Maasholmer Stegnachbar von der MS Adeia hat uns einen Kommentar geschrieben, den wir wegen der Länge als Bericht einstellen.
Moin mein Lieber,
Du hast einen Bericht eingestellt, der an die Sturmflut ’23 erinnert. Beim Lesen kam mir sofort wieder die Angst auf und die Tränen kamen. Es hilft mir darüber zu schreiben.
Wir hatten unsere ADEIA nach Geltig-Mole überführt, weil der Weg über die Strasse aus Kappeln auf Grund von Bauarbeiten für uns nicht möglich war. Am Donnerstag bin ich alleine an Bord geblieben um Wache zu halten, die Leinen zu kontrollieren, ggf zu justieren; eine schon oft erlebte Situation, so dachte ich.
Als das Wasser dann immer höher stieg, die Dalben drohten unter Wasser zu sein, kam ein mulmiges Gefühl auf. Die Heckleinen waren nur über die Dalben gelegt. Durch den steigenden Wasserstand, verbunden mit dem Wind und den dazugehörigen Wellen wurde die Lee-Leine über den Dalben gespült und war nutzlos.
Und dann habe ich 24 Stunden lang die Luv-Leine unter Spannung gehalten. Es war für mich die einzige Lösung der Situation. Würde diese Leine auch über den Dalben rutschen würde ich samt Boot durch den Hafen driften.
Also habe ich 24 h lang alles dafür gegeben, diese eine Leine unter Spannung zu halten. Es goss in Strömen, mir lief das Wasser von oben in die Klamotten und unten wieder raus. Aber die Leine unbewacht lassen kam für mich nicht in Frage. Mit Erfolg zwar aber seit der Zeit ist der Respekt vor Hochwasser und Sturm angewachsen.
Eine Entscheidung aus dieser Nacht ist die, dass wir zukünftig alle Leinen entweder sich selbst bekneifend um die Dalben legen oder aber die Haken auf den Dalben ausnutzen, auch wenn das wie in Maasholm ausdrücklich verboten ist.
Euch wünsche ich tolle Saison mit vielen schönen Segeltagen.
LG Günter

P.S:
Nach dem Sturm hat die Yacht ein Untersuchung gemacht und festgestellt, dass ein Palstek die Bruchlast einer guten Leine um rd. 50% reduziert. Wir wollten eh zwei neue Leinen kaufen und haben uns jetzt für Festmacherleinen mit professionell gespleistem Auge (Tauwerk in Hamburg Altona) entschieden. Das Auge reduziert die Bruchlast weniger (25%). Hier der Link zum Artikel:

Wir haben gewonnen … an Erfahrung!
Für Samstag, den 25. Mai, habe ich die Andante für die Regatta „Rund Fehmarn“ angemeldet und eine segelerfahrene Crew gefunden. Philipp, den wir noch vom Studium kennen und mit dem wir schon häufig gesegelt sind, darunter auch die eine oder andere Regatta. Gunnar, der uns letztes Jahr in der ersten Woche nach Stockholm begleitet hat und auch eine Comfortina 39 segelt. Matthias aus Arnis, der auf einem Segelboot aufgewachsen ist und wohl der erfahrenste Regattasegler von uns ist.
Am Samstag um 7.00h ist Steuermannsbesprechung, also muss man am Freitagnachmittag zur Marina Burgstarken auf Fehmarn. Die dortige Burger Segelvereinigung (BSV) richtet die Regatta aus. Es nehmen über 40 Boote teil, unterteilt in 4 Gruppen. Wir sind in der größten Gruppe mit über 20 Teilnehmern. www.bsv-fehmarn.de/
Exkurs Yardstick:
Ähnlich wie beim Golf bekommt jedes Schiff ein Handicap, damit wird versucht verschiedene Boote vergleichbar zu machen. Beim Segeln heißt das Yardstick. Je niedriger der Yardstick, desto schneller das Schiff. Folglich muss die Crew schneller segeln als die Konkurrenz, dafür gibt es eine bestimmte Formel. Wir sprechen von „gesegelter Zeit“ und „berechneter Zeit“.
Auf dem Ergebniszettel ist zu erkennen, dass die Comfortina 39 einen Yardstick von 90 hat, in unserer Gruppe die niedrigste Zahl. Wir müssten also theoretisch am schnellsten segeln und sogar noch einen Vorsprung rausholen.
Nun ist das Verfahren mit Yardstick sehr grob, es berücksichtigt nicht die aktuellen Segel, das Gewicht und andere Faktoren. Will man auch das berücksichtigen, muss das Boot nach OSC klassifizieren werden, das ist dann ein individueller Wert.
Der Yardstick von 90 wurden in früheren Jahren unter optimalen Bedingungen von sehr guten Regattaseglern mit entsprechenden Segeln (Segel sind der Motor) festgelegt. Die S/Y Andante ist aber für Fahrtensegeln ausgerüstet und durch das Beladen mit allerhand Annehmlichkeiten recht schwer. Ein Nachteil, besonders bei schwächerem Wind und unsere Ausrede Nr. 1.
Jetzt zur Regatta:
Der Wind kommt aus Nord-Ost, am Anfang mit 4m/s recht mäßig, später brist es auf 5 m/s auf.
Unser Start ist um 9.30h. Es wird sekundengenau über Funk runtergezählt. Der Start ist immer eine kritische Angelegenheit und bei übermotivierten Eignern gibt es auch schon mal Kleinholz. Wir kommen super weg, verschenken keine Zeit und segeln einen Anlieger Richtung Osten, zur berühmten Tonne „Staberhuk“.

Obwohl unsere recht kleine Fock suboptimal ist, halten wir uns sehr gut, wenden als 6. oder 8. Schiff. Nach dem guten Manöver kommt der Wind achterlicher und wir können Code 0 hissen, unsere beste Phase, weil es für den Wind das optimale Segel ist.
Wir müssen das Sperrgebiet, welches für den Bau des neuen Fehmarnsundtunnels eingerichtet ist, passieren. Wir richten uns nach der Seekarte, nur leider sind die Tonnen in der Realität etwas zum Land hin versetzt, so dass wir einige Meter verschenken. Halb so schlimm.
Nach diesem Sperrgebiet können wir den Spinnaker setzen. Dafür, dass wir sehr selten damit segeln, klappt das Manöver ganz gut. Später müssen wir auch noch shiften, auch das klappt. Wir halten uns gut im vorderen Drittel unserer Gruppe.
Danach machen wir zwei entscheidende Fehler. Erstens holen wir den Spi zu früh ein, weil wir dachten, dass der Wind zu vorlich kommt. Das kostet uns viel Zeit, weil wir wieder die kleine Fock segeln. Hier fehlt uns eben eine Genua 1. Beim Fahrtensegeln kein Problem, aber hier.
Nachdem wir die letzte Rundung machen und auf die Fehmarnsundbrücke zu segeln, müssen wir kreuzen und machen den zweiten Fehler. Wir segeln die kürzesten Weg. Aber hier mitten in der Fahrrinne ist der Strom nach der Enge bei der Brücke stärker als rechts oder links. Wir hätten näher an der Küste segeln müssen, dann hätten wir zwar eine etwas weitere Strecke, aber weniger bremsenden Strom gehabt.
Nach der Brücke müssen wir noch 10 sm hoch am Wind kreuzen. Der Wind hat nachgelassen und die fehlende Genua 1 sorgt dafür, dass wir weiter zurückfallen im Klassement.
Ergebnis:
Wir segeln die rund 46 sm in 6:36 h, ein Schnitt von 7 Kn. Das ist echt gut. Nach „gesegelter Zeit“ sind wir in unserer Gruppe 9., nach „berechneter Zeit“ 17. Wir orientieren uns an dem 9. Platz.
Fazit:
Es hat wirklich Spaß gemacht. Keine Schäden am Schiff und die Crew ist super drauf, kein Geschrei und kein Stress untereinander. Abends haben wir noch etwas gefeiert, sind dann aber „halbtot“ in die Koje gefallen. Mal sehen, vielleicht machen wir nächstes Jahr wieder mit. Jetzt verfügen wir schon über einige Erfahrung und sind etwas besser aufeinander eingespielt.








Stockholm und die Schären: Ein sehr schöner Film mit Judith Rakers
Judith Rakers ist mit dem WDR Filmteam in Stockholm und den Schären . Schön anzusehen, besonders bei Regen.
https://www1.wdr.de/fernsehen/wunderschoen/sendungen/stockholm-schaerengarten-100.html
Es geht los – endlich!
Dieses Jahr ist speziell. Es gibt einige familiäre Herausforderungen und das Wetter. Erst hat der Sturm und das Hochwasser im Oktober 23 unseren Steg in Maasholm zerstört und dann ist es bis in den Juni häufig kalt.
Als die Andante Ende April ins Wasser geht, sind es tagsüber 5 Grad. Also warten wir etwas ab und fahren am 7./8. Mai erst nach Kappeln und dann segeln wir dick eingepackt nach Heiligenhafen. Hier sind wir für die Zeit bis zum Baltic Törn 24! untergekommen.
Heiligenhafen erstaunt uns jedes mal von neuem. Der Ort hat sich vom „hässlichen Entlein zum schönen Schwan“ entwickelt. Ausschlaggebend war der Hotelbetreiber der „Bretterbude“ und des „Beachmotel“. Wenn einer anfängt folgen andere – Restaurants, Kneipen, Bars und Geschäfte. Jahr für Jahr mit etwas erhöhter Qualität. Heute ist hier – fast wie auf Sylt – ganzjährig etwas los. Komisch, dass so etwas Kappeln und Maasholm nicht hinbekommen.
Wir liegen 5 Wochen im Hafen der Seglervereinigung Heiligenhafen, etwas östlich der großen Marina, aber fußläufig zur Promenade. In dieser Zeit schaffen wir neben der erwähnten Regatta nur einen kurzen Ausflug nach Lemkenhafen auf Fehmarn. Das hat sich übrigens auch gemausert und langsam wird die langweiligste der deutschen Inseln auch etwas peppiger.
Der Hafen wird von dem Segelverein betrieben, das merkt man an allen Stellen. Tolle sanitäre Anlagen und ein nettes Vereinshaus. Da die meisten Festlieger in der Nähe wohnen, kommen sie abends auf einen Klönschnack vorbei. Wie es sich für einen Segelclub gehört, findet auch jeden Mittwoch eine Regatta statt, also quasi das Training für alle abonnierten Segler.
Am 13. Juni geht es endlich los. Aber was ist das Ziel für den Baltic Törn 24!? Der Weg!
Oder etwas konkreter, wir wollen gen Osten, Hiddensee-Rügen-Usedom-Swinemünde und vielleicht weiter nach Polen, wenn Wind und Wetter es zulassen. Und dann dorthin, wo die Sonne scheint – das könnte Südschweden sein.
Der Wind kommt fast immer aus Ost, von dort, wo wir hin wollen. Wir warten und warten … und segeln dann einfach los. Wir segeln ganz hoch am Wind (5-6 m/s) und müssen erst im letzten Drittel, als der Wind einschläft, den Motor anschmeißen. Wir freuen uns, dass wir den Absprung geschafft haben.
Die Marina von Kühlungsborn war früher eines unserer Lieblingsziele, aber irgendwie hat sie ihren Charme verloren. Also machen wir uns am nächsten Tag bei herrlichem Wetter und wenig Wind auf den Weg nach Warnemünde – Kaffeesegeln ist auch mal ganz schön. Für 12 SM brauchen wir 4 Stunden.
Das Wetter ist nach wie vor sehr launisch. Es regnet viel und wird in dem Moment richtig kalt. Minuten später ist es so heiß, dass man es nur im T-Shirt aushält. Der Wind weht mal stürmisch und dann wieder gar nicht. So sind wir nach 6 Tage erst in Warnemünde, letztes Jahr um diese Zeit waren wir zusammen mit Gunnar schon in Stockholm. Morgen am 20.6. soll es endlich mit richtigem Wind und Sonne losgehen nach Hiddensee gehen, um den Darß sind es immerhin über 55 SM, also 8 – 10 Stunden.



Auf nach Hiddensee
Am Ende dieses Berichts legen wir auf Hiddensee an: Dazwischen liegen noch 55 SM = 8 – 10 Stunden. Den Absprung von Warnemünde haben wir hinausgezögert, weil die Crew nicht bei Regen und Starkwind segeln wollte. ABER am Donnerstag, den 20.6. soll die Sonne scheinen und ein passabler Wind wehen.
Der kommt mit 6-8 m/s aus West, also auflandig. Daraus resultiert eine fiese Ostseewelle, 1,5m von der Seite, das bringt das Schiff so etwas ins „Rollen“. Wer da nicht seekrank wird, wird es nie. Es scheint zwar die Sonne, der Wind macht es kalt. Ute hat 3 Jacken übereinander an. So geht es die Hälfte der Strecke, die Stimmung an Bord ist so lala.
Zwischendurch überlegen wir nach Barhöft zu segeln, das wären 10 SM weniger. Aber nach dem Darß können wir abfallen, Wind, Strom und Welle kommen jetzt direkt von achtern – schon angenehmer – bei gleicher Temperatur ist es 2 Jacken wärmer. Leider können wir kein Butterfly segeln, da die Welle das Vorsegel immer einfallen lässt, also nur Groß, trotzdem um die 6 Kn.
Am Ende wartet noch die Einfahrt durch den Bodden nach Klosters auf Hiddensee. Die Fahrrinne ist an machen Stellen nicht breiter als eine Schifflänge und an der engsten Stelle kommt die Fähre entgegen.
Weil wir schon etwas unkonzentriert sind, touchieren wir an Backbord eine Tonne und zwingen uns danach genau aufzupassen. Die Natur ist wunderschön, besonders vom Wasser zu genießen.
Quiz: Welche Farbe hatte die Tonne?
Nach fast 10 Stunden Segelei freuen wir uns über einen tollen Liegeplatz im Hafen von Kloster und sind fix und fertig. Das Fußballspiel Spanien-Italien schaffen wir nur bis zur Halbzeit.
.. und morgen gibt es Kultur satt!



Liebe Rita, Du musst Deine Email Adresse hier unten eingeben, dann bekommst Du jeden neuen Beitrag automatisch.
Wenn bei Euch in Schweden die Sonne scheint, kommen wir doch noch hoch in den Norden, denn wir haben gerade die Kuchenbude aufgebaut und warten auf Regen mit recht starkem Wind. Liebe Grüße Ute und Marcus
Hiddensee, die Ursprüngliche
Wenn nach der Wende eine Marketingvorlage für die Zukunft der Insel Hiddensee geschrieben wurde, dann war das Fazit: Wir erhalten die Ursprünglichkeit der Insel!
Der schönste Ort ist zweifelslos Kloster, dort wo wir jetzt im Hafen liegen. Hier gab es vor Urzeiten ein Kloster, von dem aber heute nichts mehr erhalten ist. Die meisten Bürgermeister hätten irgendwann die Hauptstraße geteert oder gepflastert, schon allein um den Schlamm und Dreck nach dem Regen zu vermeiden. Hier ist die die Straße staubig wie immer und genau, das macht den Charme des Ortes und der Insel aus.
Im Gerhart-Hauptmann-Haus bleiben die Stufen wie sie immer waren und jeder weiß, über diese Steine ist der Meister und sind viele andere Meister*innen schon gegangen. Auch der Friedhof zeigt sich ursprünglich und ganz und gar unkünstlich. Die Häuser sind renoviert aber im Stil erhalten. Es ist der Gegenentwurf zu Sylt, wo sich inzwischen die Einheitsarchitektur der Backstein-Reetdachhäuser durchgesetzt hat.
Wir haben gestern in Kultur gemacht. Von Gerhart Hauptmann und Gret Palucca, die viele Jahre ihres Lebens hier verbracht haben, wussten wir. Aber im Museum wird gezeigt, dass quasi alles was Rang und Namen hatte im künstlerischen Bereich Anfang des 20. Jahrhundert – zumindest zur Sommerfrische- hier weilte.
Klar, habe ich schon Gerhart Hauptmann gelesen, mir war aber nicht (mehr) klar, wie revolutionär er um die vorherige Jahrhundertwende war. Er hat erstmals den „normalen“ Bürger zum Thema gemacht, v.a. in seinem berühmtesten Werk „Die Weber“. Sympathisch macht ihn auch seine Vorliebe für Wein aus Ihringen im Kaiserstuhl, den gab es wohl immer bei den diversen Diskutierrunden. Trotz intensiver Suche, haben wir im großen Weinkeller nur leere Flaschen gefunden.
Dann haben wir auch noch das Heimatmuseum „erledigt“, es zeigt, wie die Menschen früher gelebt haben. Eine schöne Ausstellung, auch mit Bildern von Inselkünstler*innen.
Fazit: Die Insel ist die perfekte Medizin für alle, die Stressprobleme haben. Hier geht die Zeit wirklich langsamer. Wer noch nicht hier war, sollte einen Besuch in Erwägung ziehen. Die jetzige Zeit scheint ideal, Wetter ist ok und die Besuchermassen kommen wohl erst mit Ferienbeginn.
Wir bleiben noch zwei Tage; Zeit, um eine Fahrradtour zu machen, den Dornbusch und den Leuchtturm zu besteigen und die Pension/Kneipe „Zum Klausner“ vom Roman „Kruso“ von Lutz Seiler zu besuchen. Es gibt also noch ein Hiddensee Update.
Wetter: gestern 21.6. ganz ok, heute kräftiger Wind aus West und etwas Regen, aber im Hafen relativ gemütlich. Ab morgen soll es sonnig werden.
Von Kruso und Tante Hedwig – Hiddensee Update
Wir verbringen noch 3 weitere Tage auf der Insel, einen davon meist in der Kuchenbude, weil es regnet.
Einen Tag geht es per Bike an das nördliche Ende von Hiddensee. Die dortige Steilküste wird ständig abgetragen, und in den Wänden brühten die Schwalben. Es sind Hunderte Nester und wir fragen uns, wie finden die Eltern das richtige Loch, denn Hausnummern haben wir keine gesehen.
Und dann der Dornbusch mit dem prägnanten Leuchtturm, den haben wir 105 Mal fotografiert und letztendlich jetzt auch bestiegen. Ein herrlicher Ausblick, auch schon auf den ganzen Weg hoch.
Natürlich gehen wir zum „Klausner“, dem Lokal, in dem der Roman Kruso von Lutz Seiler spielt. Es ist eine Ansammlung von Häusern am Ende der Insel, in denen man auch übernachten kann – sicher romantisch. Von hier ist der Weg am kürzesten nach Dänemark, Halbinsel Mön. Gut vorstellbar, dass sich hier die genervten DDR Bürger*innen getroffen und versucht haben zu fliehen.
„Der Roman spielt im Milieu der Saisonarbeiter und gesellschaftlichen Aussteiger zur Zeit des Zusammenbruchs der DDR. Er erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Germanistik-Studenten Edgar Bendler und dem Küchenmitarbeiter Alexey Krusowitsch, genannt Kruso, der in der Gemeinschaft der Saisonarbeiter als Autorität anerkannt ist. Kruso entwickelt eine Freiheits-Utopie, in deren Sog Edgar gerät. Gemeinsam kümmern sie sich um die „Schiffbrüchigen“ – all jene, die mit dem Staat abgeschlossen haben oder auf verschiedene Weisen gescheitert sind.“ (Wikipedia)
Eine Geschichte, die dazu passt ist, ist die der Familie Schilling. Auf die sind wird gestoßen, als wir im „Tante Hedwig“ in Vitte eingekauft haben. Hier gibt es leckerste Spezialitäten aus der Region. Gegenüber ist das Cafe „Baekkeri“ mit exzellentem Espresso und leckerem Smörrebröd mit Lachs aus dem Strelasund.
Tante Hedwig hat sich für die Insel Öhe, von der die Familie Schilling stammt, eingesetzt. Eine andere Tante ist dafür sogar im 19. Jahrhundert ins Gefängnis gegangen. Die Familie kann auf eine 800-jährige Tradition zurückblicken und der aktuelle Chef entwickelt das Unternehmen zu einer regionalen Größe. Bei uns im Kloster hat er das Restaurant Hafenamt, mit traditioneller Küche. Wir hatten Fish & Chips und Rinder-Currywurst. Beides einfach, aber gut.
Hier ist die Geschichte zu lesen:
https://insel-oehe.de/
Falls es mal bei euch regnet, eine Sendung zu Hiddensee: https://www.ardmediathek.de/video/die-nordstory/hiddensee-kultinsel-in-der-ostsee/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjMwMTg1NV9nYW56ZVNlbmR1bmc
Einer fällt mit noch ein.
In Hörweite vom Schiff findet ein improvisiertes Outdoor-Konzert statt. Eine kleine Musikanlage wird aufgebaut und nach und nach erscheinen mindestens 300 Besucher. Wir denken, das gibt sicher einen Shantychor oder so. Nichts da. 4 junge Leute präsentieren eine Musik, welche ich als einen Mix aus Gregorianischen Gesängen, Kraftwerk und 12-Ton-Musik von Schönberg definieren würde. Nach einer Stunde hat keiner den Ort verlassen und die Truppe wird so gefeiert, als wenn Michael Jackson gespielt hätte. Das zeigt die Besonderheit der Insel, in Hamburg wären keine 30 Leute gekommen und die Hälfte wäre während des Konzertes gegangen.








Außer dem Regentag ist es sonniges Wetter mit angenehmen Temperaturen.
Stralsund und Rügen
Fünf Tage Hiddensee sind dann auch genug. Wir machen uns vom Acker und motoren die extrem schmale Fahrrinne zwischen Rügen und Hiddensee gen Süden. Die Natur ist wunderschön, überall kreucht und fleucht es. Wir landen nach 3,5 Stunden in der Hansestadt Stralsund.
Die Stadt war einmal besetzt von Schweden, deshalb sind viele Straßenschilder auch in Schwedisch. Imposant die großen Backsteinbauten und Kirchen. Das zeugt alles von viel Reichtum im Mittelalter. Es gibt viele kleine Geschäfte und Restaurants – nicht 0815 wie so oft. Bei Tante Hedwig essen wir einen kleinen Snack.
Die Marina ist das Gegenteil davon, ungastlich. Die Gästeliegeplätze sind sehr unruhig und die Festlieger drehen ihr Schild selten auf grün. Wir haben einen Platz ergattert, aber dann gibt erst Strom und Wasser, wenn man sich angemeldet hat. Der Hafenmeister ist aber nur am späten Nachmittag für 1-2 Stunden anwesend.
In der Stadt frischen wir unseren Proviant auf und beschließen nach kurzer Überlegung wieder abzulegen und zum nächsten Hafen weiter zu fahren. Wir kommen in Neuhof an, auf dem Festland. Idyllisch gelegen, ruhig, aber auch Bootsparkplatz für viele Festlieger aus Berlin und Umgebung.
Auf Rügen wollen wir uns eine Marina angucken, die wir schon for 10 Jahren mit der alten Andante besucht haben. Sie ist uns als ganz toller naturnaher Platz in Erinnerung. Mal sehen, ob diese Erinnerung verklärt ist.
Ein Fahrradausflug über Baabe und Sellin. Um zu dem super gelegenen Restaurant Moritzburg zu kommen, müssen wir auf einen „Berg“ kraxeln aber vorher über die 20 m breite Baaber Bek (auch so ein Fluss zwischen den Bodden). Dafür steht eine Fahrradfähre bereit. Der Fährmann rudert uns auf die andere Seite. Schön, solche skurrilen Erlebnisse.
Heute können wir segeln, hoch am Wind bzw. kreuzend durch den Strelasund – also zwischen dem Festland und der Insel Rügen. Herrlich – ohne Wellen, aber mit Wind und Sonne. Bei einer Windstärke von 4-5 m/s machen wir 6-7 Kn – wir sind selbst erstaunt. Da sieht man mal, wie stark auch kleine Wellen das Schiff bremsen. Später geht es dann mit vielen Kreuzschlägen auf dem Bodden nach Seedorf, dort liegt der besagte Forellensteg. Man fährt von der Having in eine Art Flusslauf, 20m breit und auf beiden Seiten viel Schilf und einige Prachtvillen. Wiedermal fällt einem nur das Wort – wunderschön – ein.
Am Forellensteg werden wir nett begrüßt, es ist so, wie wir es in Erinnerung hatten. Alles einfach, aber schön, sauber und nett. Es gibt zwei gute Restaurants und eine Bar, direkt am Wasser. Am Donnerstagabend besuchen uns Segelfreunde aus Berlin, die ihr Schiff in Breege liegen haben und es gerade klar machen für den nächsten Törn. Wir verbringen, wie immer mit der Crew der Balance, einen kurzweiligen Abend. Vielleicht treffen wir uns nochmal in Svinemünde.
Wir liegen drei Tage am Forellensteg. Es ist extrem heiß. Schön, dass wir uns in dem herrlichen Boddenwasser abkühlen können.
Damit erreichen wir das erste Etappenziel. In der nächsten Etappe wollen wir über Usedom nach Polen, das wäre dann tatsächlich wieder ein neues Land für uns.













Wir entdecken Polen und eine Ostsee-Perle
Die nächste Etappe „Polen“ beginnt, hier waren wir noch nie und sind gespannt, wie es uns gefällt. Aber erstmal geht es weiter von Rügen Richtung Osten nach Usedom. Wir haben uns Kröslin als Ziel gesetzt.
Es ist schönes Wetter mit wenig Wind. Halb segeln und halb motoren wir die gut 20 SM. Als wir nach 7 Stunden in den Hafen einlaufen sind wir – besser bin ich – sehr enttäuscht. Eine große Marina mit absolut „0“ Flair. Wir fahren durch den ganzen Hafen und legen am Ende zwischen Dalben an. Nachdem ich weiterhin missmutig gucke, schlägt Ute vor, dass wir in den Hafen an der Peenemündung fahren, den hatten wir schon vorher gesehen. Wir flüchten jetzt schon zum zweiten Mal.
Der Hafen Peenemünde ist nur 2 SM entfernt. Es ist eine Kombination aus Ferienhäusern und der Marina, mit großem Restaurant/Bar und einem super netten Hafenmeister. Aber hier ist Usedom nicht so schön, es erinnert noch viel an alte Zeiten und immer die Erinnerung an die Nazi-Zeit – drückt zumindest bei uns etwas auf die Stimmung.
Dennoch bleiben wir am Ende 3 Tage. Warum so lange? Wir stellen fest, dass die Bilgepumpe kaputt ist. Sie pumpt Wasser aus dem tiefsten Punkt des Schiffes, der Bilge. Wenn es einmal einen Wassereinbruch gibt, braucht man die Pumpe. Ich recherchiere im Internet und finde die gleiche Pumpe. Beim Bestellabschluss merke ich, dass das Teil aus Italien kommt und denke, ooooh – ob das was wird? Aber der Service ist fantastisch, am Dienstag kommt die Pumpe – wie von FedEx avisiert kurz vor 14.00h an: 1.5 Tage von Rimini nach Peenemünde.
Der Einbau dauert nicht lange, wieder ein wichtiges Teil im Schiff verstanden.
Am nächsten Morgen soll es dann nach Polen, Swinemünde gehen. Wir fahren aus der Hafeneinfahrt und biegen etwas zu früh ab und laufen auf Grund. Das Echolot vorn am Bug zeigt noch 1 m Platz, aber der Kiel liegt wohl auf einer kleinen Erhebung fest. Es ist zwar nur Sand und wir sind sehr langsam gefahren, dennoch stecken wir so fest, dass wir nicht wegkommen. Wir rufen SeaHelp, die kommen aus Kröslin und schleppen uns mit großer Mühe frei. Kostet €225, aber es gab keine Alternative.
Die Aufregung legt sich und wir segeln nach Swinemünde, 32 SM. Hier treffen wir unsere Freunde von der SY Balance, die haben wir mal in Tejn auf Bornholm und auf Anholt getroffen. Der Skipper Jörg ist sehr segelerfahren und Ines hat das Herz auf dem Rechten Fleck. Beide Berliner, also mit entsprechendem Mundwerk.
Swinemünde ist mittelschön, die Stadt recht einfach, relativ nett ist die Standpromenade mit viel Restaurant und Leben. Am nächsten Tag machen einen Fahrradausflug über die Grenz zu den deutschen Kaiserbädern – Ahlbek – Heringsdorf – Bansin. Ein super schöner Fahrradweg durch Wald und die Kurbäder. Besonders Ahlbek ist eine Perle. Alte Villen am Strand und auch in der zweiten Reihe zum Strand, alle gut erhalten und renoviert. Eine schöner als die andere. Wir nehmen uns vor, hierhin zurückzukommen und einen SPA Urlaub zu machen.
Wir sind zwei Tage in Swinemünde, das Wetter ist herrlich und mit der Balance Crew bummeln wir durch die Strandpromenade in Swinemünde, gehen lecker Essen und gucken bei uns an Bord Fussball EM.













Eine Regatta nach Kolberg oder richtig Kołobrzeg
Nach zwei Tagen machen wir uns auf den Weg nach Kolobrzeg. Swinemünde (Świnoujście) ist eine Hafenstadt und weniger auf Touristen eingestellt. Es gibt durchaus schöne Ecken, einen tollen Park in der Nähe der Marina und einige schöne Häuser, aber so richtig warm geworden sind wir hier nicht. Es liegt sicher auch an der Sprache, man kann sich kaum verständigen.
Mit der SY Balance bilden wir eine Mini-Flottille nach Kolberg und zwei Schiffe sind eine Regatta. Das Wetter ist gut, Sonne und ordentlicher Wind. Anfänglich 6 m/s und am Ende sogar 10 m/s, rd. 6 Bft. Zuerst halber Wind, der am Ende vorlicher kommt, da müssen wir sogar reffen. Fahrt durchs Wasser sind 56 SM, die wir in 8 Stunden zurücklegen, ein Schnitt von 7Kn. Ergebnis der Regatta: unentschieden.
Wir legen in dem ersten Hafen an der Pier an. Hafenmeister – hier müsst ihr weg. Wir lernen, dass in Polen das schwedische Prinzip gilt. Es gibt Eignerplätze, auf die darf man nicht, und es gibt Gästeplätze. Wir verholen uns in das Nachbarbecken, hier liegen wir Schiff an Schiff mit der SY Balance. Nach der Regatta sind wir alle etwas kaputt. Zur Belohnung kocht Ines ein leckeres und scharfes asiatisches Geflügelgericht.
Am nächsten Tag gehen wir auf Erkundung. Erste Erkenntnis – hier gibt es Tourismus. Die Stadt grenzt direkt an die Ostsee, hat einen eigenen Strand und eine Promenade. Es ist Sonntag und alle Einwohner und Touristen tummeln sich hier. Kleinkünstler, Eisbuden, Stände aller Art und Restaurants säumen die Strandpromenade.
Im Hafen liegt eine andere Flottille aus Uckermünde mit 6 Schiffen. Wir lernen uns kennen beim Wassertanken und bequatschen, wie es weiter gehen könnte. Die wollen morgen nach Bornholm, Nexö. Wir überlegen kurz und schließen uns an. Alles sieht nach wenig und dazu noch achterlichem Wind aus – oder wie der Segler sagt „Platt vorm Laken“. Ich kann die Crew überreden, dass wir den Spinnaker setzen und bereite am Abend alles vor. Nächsten Morgen soll es um 6.00h losgehen, denn danach lässt der wenige Wind auch noch nach.
Am Abend gehen wir zusammen in ein gut bewertetes Fischrestaurant. Menüfolge: Zuerst Tatar vom Lachs, Thunfisch und Hering. Der Fisch zum Hauptgereicht wird rustikaler zubereitet: Dorsch auf der Haut gebraten mit leckeren Kartoffelchips. Zum Abschluss will ich unbedingt noch einen polnischen Wodka trinken. Der Kellner überredet uns das „Repair Kit“ zu nehme: es besteht aus eingelegtem Herring und einem sehr vollen Glas Wodka. Unglaublich lecker!








Und jährlich grüßt das Murmeltier, nee – Bornholm
Eigentlich hatten wir erwogen weiter nach Osten und Gdansk zu segeln. Aber so richtig überzeugt hat uns Polen nicht. Bei anhaltendem Westwind fragen wir uns zudem, wann wir denn wieder gen Westen segeln könnten. Und die Stammleser wissen ja, Bornholm zieht uns magisch an. Also auf nach Nexö, der östlichste Hafen auf Bornholm und nur 56 sm entfernt von Kolberg.
Angesagt ist ein schwacher achterlicher Wind und es wird „Platt vorm Laken“, gut, dass ich am Vorabend den Spinnaker vorbereitet habe. Unsere Freunde von der SY Balance haben einen Blister (ähnlich einem Genacker). Problem – sie können einen Kurs mehr als 150° zum scheinbaren Wind nicht segeln, weil das Segel einfällt. Also müssen sie „vor dem Wind kreuzen“, also immer gerade den maximalen Winkel und dann wieder halsen. Das kostet Zeit und sie verlieren natürlich auf uns, aber gar nicht so viel wie gedacht, nach 10 SM sind sie 1,5 SM hinter uns.
Allerdings hält der Wind nur für die erste Hälfte, dann muss doch noch die Unterwasser-Genua angeschaltet werden. Nach 9,5 Stunden kommen wir im Hafen Nexö an. Die Crew der Balance entsprechend später. Dafür laden wir zum Lieblingsessen von Ute ein – Spagetti mit roter Pampe. Die SY Balance startet einen Tag vor uns, sie haben nicht soviel Zeit und wollen nicht so trödeln wie wir.
Nexö ist ein Ort für den zweiten Blick. Er wurde im WK II von Russland zerbombt, nur weil der deutsche Kommandant sich nicht ergeben wollte. Wir denken, eigentlich müssten die Einwohner die Deutschen hassen. Aber dem ist Gott sei Dank nicht so – aber etwas Demut tut trotzdem gut.
Wir segeln nach Svaneke, da waren wir lange nicht mehr, und gilt als einer der schönsten Orte in Dänemark. Kleiner geschützter Hafen, wo wir einen guten Platz ergattern. Wir bummeln mehrere Male durch den Ort und wandern die Küste entlang. Überall schöne Buchten mit Badegelegenheiten und viel Natur.
In der Nähe von Nexö macht ein Wasserballfreund von Marcus mit seiner Familie und vielen Freunden seit Jahrzehnten Sporturlaub. Wir hatten dem Paar angeboten einmal mit uns zu segeln. Ute hat die Idee mit ihnen einen Tag auf die Erbseninseln (Christiansoe) und am nächsten Tag von dort nach Allinge zu segeln. Das wird dankend angenommen – und es wird ein tolles Erlebnis für alle!
Olli und Rike kommen am Morgen, nach einer kurzen Einweisung starten wir um 10.00h. Es wird wieder ein wackeliger Vorwindkurs. Es weht ein recht kräftiger Wind, aber achterlich. Die Wellen bringen das Schiff etwas ins Schaukeln. Hier könnte man seekrank werden, die beiden sind aber seefest und sind guter Dinge.
Es sind nur 12 SM und um 13.00h kommen wir an. Nach dem Anlegerkaffee erkunden wir die Insel. Sie ist immer wieder skurril schön. Die Häuser, die Felsen und das Grün im Licht der Sonne sind herrlich anzusehen. Immerhin leben hier 120 Menschen in den alten Befestigungsanlagen und es gibt ein gutes Restaurant und ein Koebmann. Versorgt wird die Insel von MS Peter aus Gudhjem.
Abends kocht Olli eine super leckere Fischsuppe asiatischer Art. Nachdem wir die genossen haben, gehen wir nochmal in das einzige Inselrestaurant auf einen Absacker. Es spielt ein Schifferklavier, was eine entspannte Stimmung erzeugt. Die Nacht wird ganz schön schaukelig, die Welle von Westen kommt in die Hafeneinfahrt und wir liegen als nr. 3 v 6 in einem Päckchen. Aber für eine Nacht ist das kein Problem.
Nächsten Tag geht es bei weniger Wind, aber bessern Kurs schnell zurück nach Bornholm – Allinge. Wir rangieren sehr vorsichtig in einem sehr engen Spot. Aber die netten Dänischen Motorbootnachbarn helfen – es gibt auch sehr nette Motorbootfahrer, oder?
Die beiden Gäste fahren mit dem Bus zurück. Allinge liegt oben im Nord-Westen von Bornholm. Der Hafen wird richtig voll, es ist eben ein Hotspot und bei westlichen Winden bietet er idealen Schutz.
Auch diese Stadt hat viele kleine Läden und zudem mehrere Musikkneipen. Wir bleiben hier mehrere Tage, machen Fahrradtouren in alle Richtungen. Hier geht es hoch und runter. In dem nachgelegenen Felsengebiet gibt es eine Wasserrutsche von einem Steilhang in einen künstlichen See und einige Free-Climber hängen in den Seilen. Auf der anderen Seite liegt Hammershus, eine Burg-Ruine aus dem 12. Jahrhundert und der Ausweichhafen für die Lotsenboote. Der Ort Vang, der aussieht wie aus der Bretagne, hat uns gut gefallen.
Ihr merkt schon, gesegelt wird dieses Jahr nicht so viel. Die Ausrede – es liegt am Wind. Mal ist Flaute, mal starker Wind, mal aus der falschen Richtung. Aber zur Wahrheit gehört, dass wir es so genießen und es Spaß macht, gemeinsam etwas mit Freunden zu unternehmen.
Auf dem Weg zu einem Hotspot in der Baltic Sea
Am Ende landen wir an einem der schönsten Plätze in der Baltic Sea – zumindest nach unserer Meinung. Es erinnert wegen des tollen Standes an Anholt, bietet aber mehr Leben, Restaurants und Bars. Bis es soweit ist, liegen noch 2,5 Törns vor uns.
Wir starten in Allinge, wo wir nun schon 6 Tage liegen. Es geht gen Nordwesten nach Ystad/Schweden. Es sind rd. 38 SM, das Wetter ist sonnig und schön. Utes Lieblingssegel, der Code Zero, bringt uns zügig über die 4-spurige Schiffsautobahn namens Bornholmgatt. Später legt der Wind zu, wir bergen den Code Zero und holen die Genua raus. Kurz vor Ystad sehen wir die Schnellfähre von Rönne kommen und müssen „bremsen“. D.h. vor den Wind gehen, denn die Katamaran-Fähre ist 38 Knoten schnell und kann nicht bremsen.
Die Marina ist sehr groß, kein Problem am Gästesteg einen Platz zu finden. Direkt am Hafen mit schöner Aussicht auf die Bucht ist ein Restaurant. Wir essen einige Tapas und trinken 3 Bier und zahlen rd. 50 Euro. In Dänemark hätten wir allein für das Bier fast 40 Euro bezahlt. Schweden ist wirklich günstig geworden dank der immer noch recht schwachen Währung.
Ystad ist die Heimat von Kommissar Wallander, wie Krimileser wissen. Eine recht schöne Stadt, mit einem alten Kern. Wir bummeln überall, kaufen Proviant und gehen in einem sehr urigen kleinen Restaurant echte italienische Pizza essen. Lecker.
Problem ist der Hafen, die Fähren, die ständig von Travemünde, Swinemünde und vor allem Rönne an- und abfahren, erzeugen einen ordentlichen Schwell. Es sind zwei unruhige Nächte. Zudem riecht es am zweiten Tag nach vermoderten Pflanzen. Gute Gründe das nächste Ziel anzusteuern.
Wir machen uns auf den Weg nach Falsterbo, das ist am am Süd-West-Zipfel von Schweden, nicht weit von Malmö und Kopenhagen. Es sind wieder rd. 35 SM, allerdings müssen wir die Hälfte kreuzen. Wir kommen trotzdem gut voran und schaffen die 16.00h Brückenöffnung durch den Falsterbo-Kanal. Gleich danach machen wir in einer Marina fest, denn morgen früh wollen wir zu einem Hotspot. Um dort einen Platz zu bekommen, sollte man vor 11.00h ankommen.
Wir wollen nach Skanör. Die Taktik geht auf, wir motoren die 8 SM und bekommen einen guten Liegeplatz, gegen den Wind. Der Hafen liegt direkt am Strand, der bei dem sonnigen Wetter voll belegt. ist. In der Umgebung gibt es zwei Golfplätze, schöne Villen und überall tollen Strand. Der Hafen selbst ist Treffpunkt für alle: quirliges Leben, nette Bars. Das Motto ganz klar: sehen und gesehen werden.
Die Marina ist komplett neu gestaltet. Statt der engen Dalben-Plätze nun Schwimmstege und Bojen. Sanitäre Anlagen sind gut. Der Tagespreis von knapp 50 Euro ist aber auch nicht schlecht – man merkt die Nähe der Hauptstadt-Region Kopenhagen.
Wir gehen natürlich baden, machen Fahrradausflüge zum ältesten Leuchtturm Skandinaviens und genießen das Hafenkino. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Boote noch in eine Marina passen, die eigentlich voll ist.











Gen Heimat – jetzt schon!?
Der Schreiberling ist faul geworden. Wir sind nämlich schon lange in Heiligenhafen, dem Ausgangspunkt des diesjährigen Törns. Bis dahin fehlen noch 3 – teils herausfordernde – Segeltage.
Das Wetter ist in diesen Wochen unbeständig, auf Sturm folgt Flaute und wieder Sturm. Da muss man immer ein Zeitfenster finden und 2-3 Tage nach vorn gucken, denn Abwettern wollen wir an schönen Orten.
Von Skanör ist es nicht weit nach Klintholm, etwa 37 SM. Es herrscht mäßiger Wind von 2 – 5 m/s, deshalb müssen wir einmal kurz die Volvo Genua zur Hilfe nehmen, ansonsten kommen wir mit Groß und Code“0″ gut voran. Es geht früh um 7.15 los, so dass wir um 14.00h am Ziel ankommen.
Von den Wochenendhäfen in der Nähe von Maasholm abgesehen, gibt es wohl keinen Hafen in der Ostsee, den wir so häufig angelaufen sind. Er ist eine Art Hub für Segler aus alle 4 Himmelsrichtungen; und es gibt keine großen Alternativen in der Nähe. Die Küste mit den Kreidefelsen ist immer spektakulär und von uns schon 100 Mal fotografiert. Auf der Halbinsel Mön kann man es einige Tage aushalten, denn der nächste Starkwind ist angesagt.
Seit einigen Jahren betreiben Vattenfall und EnBW einen Windpark in der Nähe. Das hat etwas Leben in den Ort gebracht, z.B. kleine Pop-Up Geschäfte, einen Outdoor-Food-Court. Eine gute Idee, so etwas müsste es häufiger geben. Unseren Anleger trinken wir aber – wie immer – in der kultigen Bar am Fischereihafen.
Nach einem Tag Pause mit schönen Spaziergängen machen wir uns auf den Weg nach Gedser. Es ist viel Wind anfangs 7 m/s später sollen es über 10 m/s in der Boe werden. Die ersten 20 SM sind ok, hoch am Wind und Welle von der Seite.
Danach müssen wir reffen und holen sogar die Fock rein. Vor der langen Einfahrt nach Gedser briest der Wind auf und kommt genau aus der Richtung. Die Wellen sind hier am Kap min. 2 m und wir versuchen mit Motor dagegen an zu kommen. Bei jeder 3. Welle schießt der Bug in die Höhe und knallt dann aus 4-5 Meter in das nächste Tal. Wir haben den Eindruck, gleich zerschellt das Boot.
Wir hätten es schon irgendwann geschafft, aber Spaß macht es keinen und so verlockend ist Gedser als Hafen auch nicht. Zumal am nächsten Tag wieder Flaute ist und wir dort festsitzen würden.
Nach kurzer Überlegung kommen wir zum Schluss nach Warnemünde abzulaufen. Für den Kurs können wir stark abfallen, so dass der Wind jetzt achterlicher kommt, die Welle auch. Deutlich entspannter segeln wir die 20 SM in knapp 3 Stunden. Die Marina Hohe Düne kann man immer anlaufen, im Hafen ohne Welle die Segel bergen und bekommt immer einen Platz.
Wir sind um 10.00h gestartet und machen um 17.00h nach 53 SM fest, über 7 Kn im Durchschnitt inkl. Segel setzten und bergen. Vorgestern haben wir in der gleichen Zeit 37,5 SM geschafft.
Als Belohnung für die tapfere Crew macht der Skipper Spaghetti mit roter Pampe. Alt werden wir nach diesem aufregenden Törn nicht.
Von Hohe Düne geht es am nächsten Tag bei Flaute mit Motor nach Kühlungsborn. Hier bleiben wir drei Tage und machen Badeurlaub. Es gibt diesen wunderschönen Fahrrad- und Fußweg in Richtung Heiligendamm, am Ende ist eine Strandbar, man kommt sich vor wie in der Karibik.
Der Wind kommt diese Tage aus Nordwest, also exakt daher wo wir hin wollen. Wir entschließen uns statt nach Heiligenhafen „nur“ nach Burgtiefe zu segeln und dafür zu kreuzen. So werden aus 27 SM etwa 35 SM. Ein großer Schlag von Kübo bis fast nach Dahme und dann an der Küste hoch nach Fehmarn. Bei moderatem Wind von 3-4 M/s brauchen wir dafür 7 Stunden. Da kann die Comfortina ihre Stärke ausspielen, es hat viel Spaß gemacht.
Am nächsten Tag ist wieder kein Wind und es geht per Motor die 10 SM nach Heiligenhafen zurück. Der Grund für die frühe Rückkehr: Ute hat angeboten in der nächsten Woche die beiden Großnichten während der Kita-Pause zu betreuen. Natürlich mit Besuch auf dem Boot und den obligatorischen Angelversuchen.
Nach einigem Hin und Herr bekommen wir einen Platz an Steg 12 mit Blick auf den Graswarder. Direkt vom Boot kann man ins Wasser springen und sich abkühlen. Also machen wir die Andante zur schwimmenden Ferienwohnung.
Witzig ist auch, dass wir hier viele Leute treffen. Neben der Familie hat eine Freundin eine Datsche in Nähe und zwei befreundete Paare machen zufällig gerade Urlaub in Halli.










































