Gegen Wind und Welle gen Heimat

Es ist mal wieder starker Wind aus der falschen Richtung und alle nach Südwesten strebenden Segler warten auf den Absprung. Am 4. Tag in Ystad ist es soweit. Als wir um 8.30h starten, wollten wir eigentlich die Küste entlang nach Skanör. Aber dann merken wir, dass wir gerade eben Klintholm anlegen können. Obwohl wir eigentlich zu spät für diesen langen Schlag dran sind, versuchen wir die 65 NM zu schaffen. Nach fast 10 Stunden machen wir fest – schon etwas angestrengt.

Klintholm ist durch zwei große Windparks zu etwas Geld gekommen. So wurde die Marina etwas vergrößert und ist jetzt besser geschützt gegen Wellen. Es gibt einige Ferienwohnungen, einen Food-Court, der wohl mal für die Arbeiter des Windparks gedacht war und jetzt verstetigt wurde sowie einige Restaurants, Cafés. Es ist oft ein Durchgangshafen, aber eigentlich ganz schön hier.

Wenn man sich einmal für eine neue Etappe entschieden hat, dann zieht man es durch – zumindest wir. Der Wind kommt immer noch fast gegenan, aber unser Segelboot kann das ganz gut. Wir segeln hoch am Wind und gegen die Welle nach Gedser. Der Törn ist zum Abgewöhnen, die Wellen kommen von vorn und von der Seite. Das Boot steigt nach jeder 10. Welle hoch und knallt ins Tal. Furchtbar anzuhören. Wir überlegen tatsächlich zurück nach Klintholm zu segeln.

Nach 6 Stunden (35 NM) kommen wir in Gedser an und legen uns neben sehr nette und semi-professionelle Segler aus Heiligenhafen, wir trinken ein Anlegerbier zusammen und klönen sehr nett. Das entschädigt.

Wir waren lange nicht mehr in Gedser. Es ist ein langweiliger Ort, aber die Natur lädt zum Spaziergang ein. Von hier gehen Autofähren nach Warnemünde. Ob die sich noch lohnen, wenn der Fehmarnbelt-Tunnel fertig ist?

Eigentlich könnten von von Gedser kurz nach Heiligenhafen. Aber erstens kommt der Wind genau von dort und zweitens sind wir noch sehr früh in der Saison und wollen noch etwas „Urlaub“ machen. Neues Ziel – Kühlungsborn. Die 30 NM machen wir in 5,5h, dieses Mal ist es ist ein schöner Segeltag, aber wieder hoch am Wind jedoch später mit weniger Welle.

Kübo ist ein hübsches Städtchen, schön wieder aufgebaut, quirliges Leben an der langen Promenade und dem Strand. Das Wetter ist herrlich und wir bleiben 5 Tage. Danach ist guter Wind für das Ziel Heiligenhafen, 36 NM, halber Wind mit Code-Zero. 6 Stunden schönes Segeln.

Wir bekommen an unserem Lieblingssteg einen Platz mit Blick auf Graswarder. Inzwischen kennen wir hier schon einige der Festlieger und werden nett empfangen. In Hall ist immer etwas los; die Touristen müssen unterhalten werden. Außerdem machen diverse Freunde hier Urlaub und sowieso lebt Utes Familie hier. Also haben wir genügend Anlässe gemeinsam Essen zu gehen und sich auf ein Bier bei Mecki, dem Portugiesen an der Promenade zu treffen. Das Wetter ist herrlich, was will man mehr.

Die Biskaya der Ostsee

Die französische Biskaya gilt als eines der anspruchsvollsten Segelgebiete der Welt. Sie ist da, wo die Vendée-Globe startet. Die Hanö-Bucht ist natürlich nicht vergleichbar, anspruchsvoll für uns Ostseesegler aber schon.

Auf dem Weg in den Norden, am Anfang der Saison, kommt der Wind meistens aus Nord-Ost und auf dem Rückweg aus Süd-West. Also meistens gegenan. Außerdem gibt es entweder viel oder gar keinen Wind.

Diese Saison kommt eine Erschwernis hinzu. Die Wetterprognosen haben ein kurzes Haltbarkeitsdatum. Abends wird Starkwind für den nächsten Tag prognostiziert und morgens hat sich der in Luft aufgelöst. Auch Wetter-Wache, der Norddeutsche Windpapst, bestätigt diese Unbeständigkeit, die es uns schwer macht, 3-4 Tage nach vorne zu planen. Ergo – von Tag zu Tag denken.

Sandhamn ist oben rechts, Nähe Torsas, gegenüber von Süd-Öland. Etappenziel ist Ystad, das sind Luftlinie rd. 100 NM, fast 200 km

Wir starten von Sandhamn, am Ende des Öland-Sunds und wollen nach Simrishamn. Es sind 60 NM, der Wind kommt natürlich von dort, wo wir hin wollen. Bei solchen Strecken ist Kreuzen für uns keine Option. Also Abfallen und die kleine Insel Hanö ansteuern, die liegt vor Karlshamn. Auch noch 44 NM, meistens guter Wind mit 5 m/s, 90% gesegelt.

Hanö ist wie aus einem Pippi Langstrumpf-Buch. Ständig leben hier 10 Menschen, jetzt im Sommer ist es voll, was aber nicht weiter auffällt. Der Hafen ist klein und man liegt üblicherweise im Päckchen. Alles wird von Lotta, der besten Hafenmeisterin der Ostsee, organisiert und liebevoll gepflegt. Und zur Krönung gibt es noch ein gutes Restaurant.

Hier bleiben wir drei Tage, haben einen netten, sehr erfahrenden polnischen Segler an unserer Seite. Wir machen einen Inselrundgang durch die dschungelartige Natur. Dauer nicht mal 2h.

Nach drei Tagen leert sich die Marina in wenigen Stunden, denn heute kommt man nach Simrishamn. Wieder 30 NM, 7.00h Leinen los und nach 6 Stunden machen wir fest.

Simrishamn ist für alle, die nicht über Bornholm nach Schweden segeln, ein typischer Durchgangshafen. Da wir früh dran sind, können wir einen Bummel machen und stellen fest, dass die Kleinstadt eigentlich ganz hübsch ist. Heute ist Stadtfest oder ähnliches und die ganze Umgebung scheint einen Ausflug hierher gemacht zu haben.

Am nächsten Tag geht es nach Ystad, allen Krimilesern bekannt als Heimat von Kommissar Wallander. Ystand vereint Vieles: eine ganz gute Marina mit kleinem Strand und gutem Restaurant, eine hübsche Altstadt mit vielen Kneipen und Restaurants, lange Sandstrände und eine schöne Küste, die zum Fahrradfahren einlädt.

Zu unserer Freude startet zwei Tage nach unserer Ankunft ein Jazz-Festival mit sehr hochkarätigen Künstlern. Wir buchen ein Konzert in einem nahegelegen Hotel und genießen ein tolles Konzert mit Lars Danielsson und Leszek Mozdizor. Ein Umzug mit Brass-Kapelle eröffnet das Fest. Freie Konzerte gibt es auf dem Marktplatz und anderen Orten. Die Stimmung ist schweden-typisch, sehr entspannt bei bestem Wetter.

Stockholmer Schärengarten (skärgard)

Nach drei Tagen Stockholm geht es wieder los. Wie am Anfang geschrieben, wollen wir einen Jugendfreund von Marcus treffen. Mit Hans-Dieter (Spitzname damals Jaques) hat Marcus im Winsener Schwimmverein Wasserball gespielt. Jaques war ein richtig guter Torwart und musste die Abwehrfehler von Marcus ausgleichen.

Vom Wasahamn geht es nach Vaxholm. Dort in der Nähe wohnen Hans-Dieter und seine Frau Wilfriede in einer neu angelegten Siedlung mit schönen Holzhäusern nah am Wasser. Sie sind hier gelandet, weil die Tochter nach Schweden geheiratet hat und auch die Enkelkinder hier leben. Aber auch die sind schon erwachsen.

Hans-Dieter hat sein Leben bei der Lufthansa, besser gesagt bei Lufthansa Consulting verbracht und aufregende Projekte betreut, u.a. Flughäfen beraten bzw. sie erst entwickelt. Und das u.a. in Afghanistan, Irak, Sudan und weiteren Ländern in Afrika. Wilfriede hat ihn teilweise begleitet. Leicht vorzustellen, dass dies recht aufregend war.

Wir treffen uns in Vaxholm auf der Andante; später besuchen wir die beiden in ihrem Haus. Natürlich sind auch sie begeistert von Schweden. Auch ihnen gefällt, dass hier mehr auf Eigenverantwortung gesetzt und den Menschen weniger vorgeschrieben wird.

In Vaxholm muss noch an der Lösung für „Irgendetwasistimmer Part III“ gearbeitet werden. Das Problem: beim Motoren leuchtet irgendwann das Warnsignal für die Batterie zusammen mit einem nervigen akustischem Signal. Marcus fragt die KI (Copilot von Microsoft), um was es sich handeln kann. In zwei Tagen entsteht ein langer Chat. Nach diversen Messungen (Stromspannungen) bei unterschiedlichen Belastungen kommt der Copilot zur Analyse, dass es nicht an der Lichtmaschine liegt, sondern an einem fehlenden Booster zwischen Starterbatterie und Lithium-Versorgerbatterien.

Die Werft hatte diesen Booster nicht eingebaut, er ist aber wohl zwingend nötig. Der Filialleiter des Marineshops in Vaxholm besorgt das richtige Produkt extra aus einer andern Filiale und konfektioniert die Kabel professionell. Der Einbau ist dann eine Kleinigkeit.

Der Copilot hilft noch bei der richtigen Einstellung des Boosters und der Alarm ist Vergangenheit. Nach der Installation sind die Messdaten perfekt, entsprechen der Norm. Ohne die Unterstützung der KI hätte ich mir das nie zugetraut. Wahrscheinlich hätte ein Volvo Service uns eine teure Lichtmaschine installiert, die das Problem nicht gelöst hätte.

Wer sich für Lithiumbatterien interessiert, muss auf alle Fälle beachten, dass dieser Booster für die Regelung zwischen Lichtmaschine, Starterbatterie und Versorgerbatterien nötig ist.

Von Vaxholm geht es wie auf der Hinfahrt nach Saltsjöbaden, wieder durch den engen Kanal und entlang der tollen Villen mit ihren Vorgärten – diesmal andersrum, aber nicht minder beindruckend. In der exklusiven KSSS Marina treffen wir die Crew der S/Y Lady W (Comfortina 42) und wettern gemeinsam einen Sturm ab. Leider kommt der Wind mit knapp 20 m/s von hinten, also von Norden. Aber alles hält und am übernächsten Tag geht es weiter nach Utö – bekanntermaßen eine unserer Lieblingsinseln.

Die Distanz ist 24 NM, wir starten um 7:15 und kommen vor 12 auf Utö an. Wir sind so früh, damit wir noch einen Platz in diesem Hotspot bekommen. Aber völlig unerwartet, die Marina ist ziemlich leer, wir haben die freie Auswahl. Nach zwei Versuchen mit dem Heckanker liegen wir an einem schönen Platz.

Aber das Wetter verschlechtert sich und wir bauen sogar die Kuchenbude auf . grrrr. Die ist ganz weit versteckt und der Aufbau nervt. Wir bleiben drei Tage und treffen die Segelfreunde der S/Y Lambo. So viele Freunde wie dieses Mal haben wir noch nie getroffen.

Auch die schönste Insel hat ihre Grenzen, wenn das Wetter nicht mitspielt. Also wieder zurück zum Festland. Erst nach Nynäshamn, 14 NM. Erstmals komplett unter Motor. In Nynäshamn können wir uns gut versorgen, treffen wieder die S/Y Lady W und die Lambo auf ein Bier an der Hafenbar. Nynäshamn ist an sich nicht besonders schön, aber nahe der Marina gibt es eine Halbinsel mit schönen Häusern und einem Aussichtsturm mit toller Rundumsicht.

Nächste Etappe ist Trosa. Viele haben schon erzählt wie schön es hier sein soll. Und sie sollen Recht behalten. Ute hatte Bedenken, ob die Wassertiefe ausreichend ist. Aber kein Problem, wir hatten jederzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Wir fahren durch teils sehe enges Fahrwasser, rechts und links Steine und man muss gut aufpassen. Der zweite Teil ist dann herrliches Segeln, dann schon in den sog. Außenschären. Einige Ferienhäuser liegen auf kleinsten Inseln, dort kann man nicht mal spazieren gehen. Das wäre uns zu einsam.

Trosa ist ein super idyllischer Ferienort, immer noch in Reichweite (eine Autosunde) von Stockholm. Der Ort liegt wunderschön an einem Fluss und die Häuser sind von Rosensträuchern umgeben. Auch Hans-Dieter und Wilfriede, die uns nochmal besuchen, kannten die Ort nicht und sind begeistert.

Stockholm, die entspannte Hauptstadt

Wir diskutieren in Visby 3 Tage über den richtigen Zeitpunkt für die lange Distanz von 85 NM bis Nynäshamn. Ergebnis, wir verpassen den idealen Tag, bei dem wir mit gutem achterlichen Wind schnell rüber gekommen wären und entscheiden uns für den Tag, bei dem der Wind voll gegen an kommt – kein Grad Back- oder Steuerbord wird uns geschenkt.

Dazu starten wir zu spät gegen 9.00h und es weht mit 5 m/s. Gunnar tut sein bestes um möglichst wenig Höhe zu verlieren. Nach 3 Stunden ist Flaute. Bei so einer langen Strecke muss man dann Motor anmachen, sonst kommt man nie an. Nach weiteren 3 Stunden dreht der Wind auf achterlich und wir können „Platt vorm Laken“ mit Butterfly-Segel die verlorene Höhe wieder gut machen. Um 21h – nach 12h – kommen wir leicht erschöpft an. Mehr als anfänglich befürchtet sind wir 3/4 der Strecke gesegelt.

Am nächsten Tag wollen wir nach Soltsjöbaden, tatsächlich eine für uns neue Marina. Groß und recht offen nach Nord. Betrieben von der Königlichen Segelgemeinschaft (KSSS), wir machen direkt vor der Bar mit Restaurant fest. Hier trifft sich die Segel-Hautvolee von Stockholm, die Preise sind entsprechend. Die Stimmung ist ausgelassen, Bier und Essen lecker.

Irgendwasistimmer, Part III. Nach dem Start und beim Anlegen ertönt das Batteriesignal, richtig nervig. Das Bedienungshandbuch sagt, es liegt an der Elektrik. Die Werft weiß auch nicht so recht weiter. Später finden wir noch die Ursache und eine Lösung.

Von Soltsjöbaden geht es in schnellen 2 Stunden unter Motor nach Stockholm in den Wasahamn. Dabei fährt man in einem engen Kanal quasi durch die Vorgärten der Stockholmer Villen. Es ist einfach nur schön, es gibt viel zu gucken und zu staunen. Allerdings wundert uns, dass recht wenig los ist. Die Häuser sind kaum bewohnt und in den schönen Gärten spielen keine Kinder. Die Saison hat noch nicht begonnen – oder die Stockholmer haben Mallorca gebucht, um bezüglich Sonne sicher zu gehen.

Am nächsten Tag mustert Gunnar ab, er fliegt nach HH. Wir mieten uns ein Auto und besuchen Walter und Rita, Ute’s Osttante, in ihrem Sommerhaus in Härad am Mälarensee. Zufällig ist auch die Tochter Sabine mit ihren beiden Enkeln dort, folglich ist die Osttante schon Uroma. Es gibt zum Mittag einen leckeren Lachs und natürlich Erdbeeren mit Schlagsahne.

Wir versuchen noch Pfifferlinge (Kantarella) in Rita’s Wald zu finden. Sie sind da, aber noch ganz klein. Die brauchen noch eine Woche.

Rita hat lange als Kindergärtnerin gearbeitet und dabei sogar mal die allseits sehr beliebte Königin Silvia, ebenfalls mit deutschen Wurzeln, kennengelernt. Sabine ist die kaufmännische Leitung einer sehr großen Schule, da gibt es doch ein Thema mit Ute. Wir erfahren noch mehr über Schweden und wie die Auswanderung damals stattfand.

Die nächsten zwei Tage spazieren wir durch Stockholm und stellen fest, wie entspannt es hier ist. Die Autofahrer hupen nicht und die Fahrradfahrer halten sich sogar an die Verkehrsregeln. Letzteres ist für Hamburger schier unglaublich.

Schweden hat eine Vielzahl von Bekleidungsunternehmen, allem für Sportklamotten (Peak Performance, Fjällräven, RVRC, Pelle P., Sailracing und einge mehr). Sie sind fast alle in der Kungsgatan. Generell fällt uns auf, dass hier alle Luxus- und Sportmarken vertreten sind, viel mehr als in Hamburg, obwohl Stadt und Umgebung viel kleiner sind. Wir tun noch etwas für das schwedische Bruttoinlandsprodukt – mit dem günstigen Währungskurs EUR-SEK kann man sich das schön rechnen.

Wir bummeln auch noch durch die schöne Saluhall, Ute kann es nicht lassen, leckeres Essen einzukaufen. Einen leckeren Mittagstisch gibt es dort auch.

Fazit: Stockholm ist eine Reise wert.

Eine Ostseeperle

Nach der großen Reparatur-Aktion in Byxelkrok, bei der wir das Großfall wieder gängig gemacht haben, freuen wir uns auf einen Törn nach Visby. Das Groß lässt sich wunderbar leicht hissen und einholen. Danke Gunnar.

Wir erwarten bestes Segelwetter, 6 – 8 m/s, halber Wind und eine Distanz von ca. 45 SM. Das sollte sich aber als Irrtum herausstellen. Wir nehmen einen gespeicherten Kurs von vor 3 Jahren. 5 NM vor Gotland werden wir vom Küstenschutz angefunkt. Wir befänden uns im Sperrgebiet = Schießübungsgebiet. Wir müssen den Kurs ändern und uns bis zur Hafeneinfahrt Visby von der Küste fernhalten. So verlängert sich der Törn um rd. 10 NM auf 54 MN. Ankunft jetzt 17.45.

Für uns ist Visby eine der schönsten oder die schönste Stadt an der Ostsee. Herrliche Gässchen mit schönen Häusern und oft ein wunderschöner Blick übers Meer. Zudem eine gut erhaltene Stadtmauer, die einen ins Mittelalter versetzt.

Es sind natürlich viele Touristen im Ort, davon leben die Einwohner. Aber die Geschäfte und Restaurants sind sehr individuell und nicht der übliche Einheitsbrei. Am Tag der Ankunft gehen wir italienisch, am letzten Tag ganz hervorragenden Fisch essen. Eigentlich könnten man hier auch mal einen Kurzurlaub verbringen, nur nicht in der absoluten Hochsaison, im Juli.

Wir bleiben über Midsommar und stellen uns mental auf eine laute und lange Party von Stockholmer Jugendlichen ein. Aber der Hafen ist halb leer und es bleibt sehr ruhig. Normalerweise tanzt der Bär und aus den Lautsprechern dröhnt die Musik. Der Unterschied zu anderen Jahren ist, wegen des unsteten Wetter sind keine Motorboote gekommen sind und die Segler sind eher ruhige Menschen. Außerdem ist das Fest diesmal früh, denn der 21. Juni ist ein Samstag und somit eine Woche früher als in den nächsten 5 Jahren.

Am Midsommar schließen wir uns dem Zug der Menschen auf dem zentralen Platz an. Die Zeremonie ist schön, aber wir haben auch schon bessere erlebt. Wir bummeln weiter um die Stadt und landen bei der herrlichen Strandbar, die seit heute geöffnet hat.

Übrigens wurden in Visby die Pippi Langstrumpf Filme gedreht, auf schwedisch heißt sie „Pippi Sockerdricka“.

Kristianopel – Kalmar – Borgholm -Byxelkrok

Karlskrona liegt in der Hanö-Bucht. Unser heutiges Ziel ist Kristianopel. Wir mussten anfänglich gegen den geringen Wind kreuzen, nach dem Einstieg in den Kalmar-Sund geht es langsam weiter, zusammen 37 NM, strahlender Sonnenschein, wenig Wind – aber die ganze Strecke gesegelt.

Kristianopel ist von sehr schöner Natur umgeben und wir sind in dem netten Gasthaus Essen gegangen, einfach – aber gut. Am nächsten Tag geht es unter Segeln nach Kalmar, guter Wind mit 5-8 m/s, nach gut 3 Stunden lassen wir die 18 NM hinter uns.

Kalmar ist praktisch. Supermarkt und ein gut ausgestatteter Marineshop sind gleich an der Marina. Letzteren brauchen wir, denn es gibt für die Männer etwas zu tun.

Die Backbord Genua Winsch macht ganz komische Geräusche. Wir haben die Befürchtung, dass sie kaputt ist, und bauen sie auseinander. Gott sei Dank ist sie nur ziemlich verdreckt. Dreck und überflüssige alte Schmiere werden entfernt und mit Petroleum gereinigt. Danach neu gefettet und alles läuft wie geschmiert.

Am nächsten Tag geht es zu einer unserer Lieblingsdestinationen: Borgholm. Darüber haben wir schon häufig berichtet. Es ist die Sommerresidenz der königlichen Familie mit einem herrlichen Blumengarten. Die lassen wir diesmal aus, denn wir sind fest entschlossen nach Visby auf Gotland zu segeln. Übermorgen ist dafür passendes Wetter angesagt und viel wichtiger, auch für eine Überfahrt von Visby zurück zum Festland sind die Aussichten gut.

Aber soviel Zeit muss ein, bei Nisses Fisk muss eingekauft werden, eine Meerforelle und weitere Leckerein.

Von Borgholm nach Byxelkrog, beides auf Öland, geht es wieder unter Segeln. Es sind immerhin 31 NM, bei guten Bedingungen schaffen wir das in 5h. In Byxelkrog pulst das Leben nur in der kurzen Sommersaison und die hat gerade begonnen. Um es vorsichtig auszudrücken, es ist nicht viel los. Dafür umso mehr bei uns.

Irgendwas ist immer!

Schon seit einigen Tagen merken wir, dass sich das Großsegel nur sehr schwer und am Ende nur mit der Winsch hochziehen lässt. Gunnar lässt sich nicht davon abbringen sich auch bei viel Wind und wankendem Mast ganz nach oben, immerhin fast 20 Meter über dem Meeresspiegel, ziehen zu lassen.

Diagnose – die Umlenkrolle für das Fall ist komplett zerstört. Die gute Nachricht, daneben ist im Mast noch eine zweite, sie ist unversehrt. Wir überlegen, wie wir das zweite Fall auf die andere Rolle bekommen. Einfach rüber legen geht nicht. Die Idee: wir fädeln mit Hilfe einer dünnen Hilfsleine das Fall neu ein.

Das ist leichter gesagt als getan. Gunnar bindet zwei Schraubenschlüssel an das Bändsel und Marcus versucht sie unten am Mast in Empfang zu nehmen. Es dauert eine Weile und viele Versuche, bis wir es endlich geschafft haben.

Der Rest ist einfach: Großfall rausziehen und an die Hilfsleine binden und zurück über die neue Rolle ziehen. Alles klappt wie geplant. Am nächsten Morgen freuen wir uns, wie einfach sich das Großsegel wieder setzen lässt. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man so ein nicht einfaches Problem gemeinsam gelöst hat. Darauf wurde ein Bier getrunken.

P.S: Das Anheuern von Gunnar hat sich schon bezahlt gemacht. Und es kommt noch mehr.

5. – 8. Tag, sonnig, moderate südliche Winde

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Solarpanel für mehr Autarkie

Nachdem wir gut geschlafen haben, machen wir einen ausgedehnten Stadtbummel durch Karlskrona, wo wir bisher noch nicht waren. Wir folgen dem Pfad zu diversen Museum, die die Tourismuszentrale vorschlägt. Der ist eher enttäuschend und wir fragen uns schon, warum so viele Menschen von dem Städtchen schwärmen.

Dann kommen wir aber doch noch ins Stadtzentrum. Quirlige Strassen mit Cafes, Bars und Restaurants und einem schönen Marktplatz lassen die Stadt in einem anderen Licht erscheinen. Nach Empfehlungen von Freunden, die hier in der Nähe ihr Sommerhaus haben, entdecken wir auch noch einen tollen Fischladen mit angeschlossenem Restaurant. Somit ist das Abendessen, Dorsch (Torsk) mit grünem Spargel gesichert.

Den Nachmittag nutzen Gunnar und Marcus um das neu erworbene Solarpanel zu installieren. Es gab zwei Varianten:

1. Zwei festinstallierte PVs auf dem Deck: Vorteil: man lädt während des Segelns und muss nicht jedes Mal aufbauen.

2. Eine Mobile Einheit: Vorteil: sie kann immer nach der Sonne ausgerichtet werden und Energie brauchen wir v.a. bei längerem Aufenthalt am Anker, Boje, Naturhafen und Marina.

Wir entscheiden uns für Variante 2.

Die Installation kann man selbst machen. Ein Kabel wird an das Panel angeschlossen, deren Ende kommt in eine Steuereinheit, die Auswertungen (App) über Bluetooth liefert. Diese Box wird mit der Batterie verbunden, nachdem noch eine Sicherung dazwischen installiert wurde. Alles kein Hexenwerk. Gunnar ist Elektroniker und hat alles sehr professionell ausgeführt.

Das Panel ist leicht und ca. 1qm groß. Es liefert bei normaler Sonneneinstrahlung 60W, bei 12 Volt also ca. 5 Ampere (Ah). Im Sommer sollten wir etwas mehr erreichen. Damit lässt sich der normale Stromverbrauch an Bord sichern und, wenn man nicht -wie wir zur Zeit- eine kleine Tiefkühlbox betreibt, die Batterien aufladen. Klar – nachts wird nicht geliefert, dennoch lässt sich die Zeit, bei der man ohne Stromanschluss auskommt, deutlich verlängern.

Ein Sportsfreund von Marcus ist Inhaber einer Firma, die auf PV Anlagen für Freizeitboote, Wohnwagen und Wohnmobile spezialisiert ist. Wer Interesse hat, meldet sich bei Frank und kann sich gern auf uns berufen.

www.solara.de
Frank Heise, frank.heise@solara.de
SOLARA GmbH, Donnerstr. 20 –  D-22763 Hamburg
+49 40 300 66 82-0

Über Erfahrungen und Wirtschaftlichkeit werde ich später berichten.

Wetter: 3. + 4. Tag, sonnig, 18 Grad

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