Eine Ostseeperle

Nach der großen Reparatur-Aktion in Byxelkrok, bei der wir das Großfall wieder gängig gemacht haben, freuen wir uns auf einen Törn nach Visby. Das Groß lässt sich wunderbar leicht hissen und einholen. Danke Gunnar.

Wir erwarten bestes Segelwetter, 6 – 8 m/s, halber Wind und eine Distanz von ca. 45 SM. Das sollte sich aber als Irrtum herausstellen. Wir nehmen einen gespeicherten Kurs von vor 3 Jahren. 5 NM vor Gotland werden wir vom Küstenschutz angefunkt. Wir befänden uns im Sperrgebiet = Schießübungsgebiet. Wir müssen den Kurs ändern und uns bis zur Hafeneinfahrt Visby von der Küste fernhalten. So verlängert sich der Törn um rd. 10 NM auf 54 MN. Ankunft jetzt 17.45.

Für uns ist Visby eine der schönsten oder die schönste Stadt an der Ostsee. Herrliche Gässchen mit schönen Häusern und oft ein wunderschöner Blick übers Meer. Zudem eine gut erhaltene Stadtmauer, die einen ins Mittelalter versetzt.

Es sind natürlich viele Touristen im Ort, davon leben die Einwohner. Aber die Geschäfte und Restaurants sind sehr individuell und nicht der übliche Einheitsbrei. Am Tag der Ankunft gehen wir italienisch, am letzten Tag ganz hervorragenden Fisch essen. Eigentlich könnten man hier auch mal einen Kurzurlaub verbringen, nur nicht in der absoluten Hochsaison, im Juli.

Wir bleiben über Midsommar und stellen uns mental auf eine laute und lange Party von Stockholmer Jugendlichen ein. Aber der Hafen ist halb leer und es bleibt sehr ruhig. Normalerweise tanzt der Bär und aus den Lautsprechern dröhnt die Musik. Der Unterschied zu anderen Jahren ist, wegen des unsteten Wetter sind keine Motorboote gekommen sind und die Segler sind eher ruhige Menschen. Außerdem ist das Fest diesmal früh, denn der 21. Juni ist ein Samstag und somit eine Woche früher als in den nächsten 5 Jahren.

Am Midsommar schließen wir uns dem Zug der Menschen auf dem zentralen Platz an. Die Zeremonie ist schön, aber wir haben auch schon bessere erlebt. Wir bummeln weiter um die Stadt und landen bei der herrlichen Strandbar, die seit heute geöffnet hat.

Übrigens wurden in Visby die Pippi Langstrumpf Filme gedreht, auf schwedisch heißt sie „Pippi Sockerdricka“.

Kristianopel – Kalmar – Borgholm -Byxelkrok

Karlskrona liegt in der Hanö-Bucht. Unser heutiges Ziel ist Kristianopel. Wir mussten anfänglich gegen den geringen Wind kreuzen, nach dem Einstieg in den Kalmar-Sund geht es langsam weiter, zusammen 37 NM, strahlender Sonnenschein, wenig Wind – aber die ganze Strecke gesegelt.

Kristianopel ist von sehr schöner Natur umgeben und wir sind in dem netten Gasthaus Essen gegangen, einfach – aber gut. Am nächsten Tag geht es unter Segeln nach Kalmar, guter Wind mit 5-8 m/s, nach gut 3 Stunden lassen wir die 18 NM hinter uns.

Kalmar ist praktisch. Supermarkt und ein gut ausgestatteter Marineshop sind gleich an der Marina. Letzteren brauchen wir, denn es gibt für die Männer etwas zu tun.

Die Backbord Genua Winsch macht ganz komische Geräusche. Wir haben die Befürchtung, dass sie kaputt ist, und bauen sie auseinander. Gott sei Dank ist sie nur ziemlich verdreckt. Dreck und überflüssige alte Schmiere werden entfernt und mit Petroleum gereinigt. Danach neu gefettet und alles läuft wie geschmiert.

Am nächsten Tag geht es zu einer unserer Lieblingsdestinationen: Borgholm. Darüber haben wir schon häufig berichtet. Es ist die Sommerresidenz der königlichen Familie mit einem herrlichen Blumengarten. Die lassen wir diesmal aus, denn wir sind fest entschlossen nach Visby auf Gotland zu segeln. Übermorgen ist dafür passendes Wetter angesagt und viel wichtiger, auch für eine Überfahrt von Visby zurück zum Festland sind die Aussichten gut.

Aber soviel Zeit muss ein, bei Nisses Fisk muss eingekauft werden, eine Meerforelle und weitere Leckerein.

Von Borgholm nach Byxelkrog, beides auf Öland, geht es wieder unter Segeln. Es sind immerhin 31 NM, bei guten Bedingungen schaffen wir das in 5h. In Byxelkrog pulst das Leben nur in der kurzen Sommersaison und die hat gerade begonnen. Um es vorsichtig auszudrücken, es ist nicht viel los. Dafür umso mehr bei uns.

Irgendwas ist immer!

Schon seit einigen Tagen merken wir, dass sich das Großsegel nur sehr schwer und am Ende nur mit der Winsch hochziehen lässt. Gunnar lässt sich nicht davon abbringen sich auch bei viel Wind und wankendem Mast ganz nach oben, immerhin fast 20 Meter über dem Meeresspiegel, ziehen zu lassen.

Diagnose – die Umlenkrolle für das Fall ist komplett zerstört. Die gute Nachricht, daneben ist im Mast noch eine zweite, sie ist unversehrt. Wir überlegen, wie wir das zweite Fall auf die andere Rolle bekommen. Einfach rüber legen geht nicht. Die Idee: wir fädeln mit Hilfe einer dünnen Hilfsleine das Fall neu ein.

Das ist leichter gesagt als getan. Gunnar bindet zwei Schraubenschlüssel an das Bändsel und Marcus versucht sie unten am Mast in Empfang zu nehmen. Es dauert eine Weile und viele Versuche, bis wir es endlich geschafft haben.

Der Rest ist einfach: Großfall rausziehen und an die Hilfsleine binden und zurück über die neue Rolle ziehen. Alles klappt wie geplant. Am nächsten Morgen freuen wir uns, wie einfach sich das Großsegel wieder setzen lässt. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man so ein nicht einfaches Problem gemeinsam gelöst hat. Darauf wurde ein Bier getrunken.

P.S: Das Anheuern von Gunnar hat sich schon bezahlt gemacht. Und es kommt noch mehr.

5. – 8. Tag, sonnig, moderate südliche Winde

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Solarpanel für mehr Autarkie

Nachdem wir gut geschlafen haben, machen wir einen ausgedehnten Stadtbummel durch Karlskrona, wo wir bisher noch nicht waren. Wir folgen dem Pfad zu diversen Museum, die die Tourismuszentrale vorschlägt. Der ist eher enttäuschend und wir fragen uns schon, warum so viele Menschen von dem Städtchen schwärmen.

Dann kommen wir aber doch noch ins Stadtzentrum. Quirlige Strassen mit Cafes, Bars und Restaurants und einem schönen Marktplatz lassen die Stadt in einem anderen Licht erscheinen. Nach Empfehlungen von Freunden, die hier in der Nähe ihr Sommerhaus haben, entdecken wir auch noch einen tollen Fischladen mit angeschlossenem Restaurant. Somit ist das Abendessen, Dorsch (Torsk) mit grünem Spargel gesichert.

Den Nachmittag nutzen Gunnar und Marcus um das neu erworbene Solarpanel zu installieren. Es gab zwei Varianten:

1. Zwei festinstallierte PVs auf dem Deck: Vorteil: man lädt während des Segelns und muss nicht jedes Mal aufbauen.

2. Eine Mobile Einheit: Vorteil: sie kann immer nach der Sonne ausgerichtet werden und Energie brauchen wir v.a. bei längerem Aufenthalt am Anker, Boje, Naturhafen und Marina.

Wir entscheiden uns für Variante 2.

Die Installation kann man selbst machen. Ein Kabel wird an das Panel angeschlossen, deren Ende kommt in eine Steuereinheit, die Auswertungen (App) über Bluetooth liefert. Diese Box wird mit der Batterie verbunden, nachdem noch eine Sicherung dazwischen installiert wurde. Alles kein Hexenwerk. Gunnar ist Elektroniker und hat alles sehr professionell ausgeführt.

Das Panel ist leicht und ca. 1qm groß. Es liefert bei normaler Sonneneinstrahlung 60W, bei 12 Volt also ca. 5 Ampere (Ah). Im Sommer sollten wir etwas mehr erreichen. Damit lässt sich der normale Stromverbrauch an Bord sichern und, wenn man nicht -wie wir zur Zeit- eine kleine Tiefkühlbox betreibt, die Batterien aufladen. Klar – nachts wird nicht geliefert, dennoch lässt sich die Zeit, bei der man ohne Stromanschluss auskommt, deutlich verlängern.

Ein Sportsfreund von Marcus ist Inhaber einer Firma, die auf PV Anlagen für Freizeitboote, Wohnwagen und Wohnmobile spezialisiert ist. Wer Interesse hat, meldet sich bei Frank und kann sich gern auf uns berufen.

www.solara.de
Frank Heise, frank.heise@solara.de
SOLARA GmbH, Donnerstr. 20 –  D-22763 Hamburg
+49 40 300 66 82-0

Über Erfahrungen und Wirtschaftlichkeit werde ich später berichten.

Wetter: 3. + 4. Tag, sonnig, 18 Grad

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