Stockholmer Schärengarten (skärgard)

Nach drei Tagen Stockholm geht es wieder los. Wie am Anfang geschrieben, wollen wir einen Jugendfreund von Marcus treffen. Mit Hans-Dieter (Spitzname damals Jaques) hat Marcus im Winsener Schwimmverein Wasserball gespielt. Jaques war ein richtig guter Torwart und musste die Abwehrfehler von Marcus ausgleichen.

Vom Wasahamn geht es nach Vaxholm. Dort in der Nähe wohnen Hans-Dieter und seine Frau Wilfriede in einer neu angelegten Siedlung mit schönen Holzhäusern nah am Wasser. Sie sind hier gelandet, weil die Tochter nach Schweden geheiratet hat und auch die Enkelkinder hier leben. Aber auch die sind schon erwachsen.

Hans-Dieter hat sein Leben bei der Lufthansa, besser gesagt bei Lufthansa Consulting verbracht und aufregende Projekte betreut, u.a. Flughäfen beraten bzw. sie erst entwickelt. Und das u.a. in Afghanistan, Irak, Sudan und weiteren Ländern in Afrika. Wilfriede hat ihn teilweise begleitet. Leicht vorzustellen, dass dies recht aufregend war.

Wir treffen uns in Vaxholm auf der Andante; später besuchen wir die beiden in ihrem Haus. Natürlich sind auch sie begeistert von Schweden. Auch ihnen gefällt, dass hier mehr auf Eigenverantwortung gesetzt und den Menschen weniger vorgeschrieben wird.

In Vaxholm muss noch an der Lösung für „Irgendetwasistimmer Part III“ gearbeitet werden. Das Problem: beim Motoren leuchtet irgendwann das Warnsignal für die Batterie zusammen mit einem nervigen akustischem Signal. Marcus fragt die KI (Copilot von Microsoft), um was es sich handeln kann. In zwei Tagen entsteht ein langer Chat. Nach diversen Messungen (Stromspannungen) bei unterschiedlichen Belastungen kommt der Copilot zur Analyse, dass es nicht an der Lichtmaschine liegt, sondern an einem fehlenden Booster zwischen Starterbatterie und Lithium-Versorgerbatterien.

Die Werft hatte diesen Booster nicht eingebaut, er ist aber wohl zwingend nötig. Der Filialleiter des Marineshops in Vaxholm besorgt das richtige Produkt extra aus einer andern Filiale und konfektioniert die Kabel professionell. Der Einbau ist dann eine Kleinigkeit.

Der Copilot hilft noch bei der richtigen Einstellung des Boosters und der Alarm ist Vergangenheit. Nach der Installation sind die Messdaten perfekt, entsprechen der Norm. Ohne die Unterstützung der KI hätte ich mir das nie zugetraut. Wahrscheinlich hätte ein Volvo Service uns eine teure Lichtmaschine installiert, die das Problem nicht gelöst hätte.

Wer sich für Lithiumbatterien interessiert, muss auf alle Fälle beachten, dass dieser Booster für die Regelung zwischen Lichtmaschine, Starterbatterie und Versorgerbatterien nötig ist.

Von Vaxholm geht es wie auf der Hinfahrt nach Saltsjöbaden, wieder durch den engen Kanal und entlang der tollen Villen mit ihren Vorgärten – diesmal andersrum, aber nicht minder beindruckend. In der exklusiven KSSS Marina treffen wir die Crew der S/Y Lady W (Comfortina 42) und wettern gemeinsam einen Sturm ab. Leider kommt der Wind mit knapp 20 m/s von hinten, also von Norden. Aber alles hält und am übernächsten Tag geht es weiter nach Utö – bekanntermaßen eine unserer Lieblingsinseln.

Die Distanz ist 24 NM, wir starten um 7:15 und kommen vor 12 auf Utö an. Wir sind so früh, damit wir noch einen Platz in diesem Hotspot bekommen. Aber völlig unerwartet, die Marina ist ziemlich leer, wir haben die freie Auswahl. Nach zwei Versuchen mit dem Heckanker liegen wir an einem schönen Platz.

Aber das Wetter verschlechtert sich und wir bauen sogar die Kuchenbude auf . grrrr. Die ist ganz weit versteckt und der Aufbau nervt. Wir bleiben drei Tage und treffen die Segelfreunde der S/Y Lambo. So viele Freunde wie dieses Mal haben wir noch nie getroffen.

Auch die schönste Insel hat ihre Grenzen, wenn das Wetter nicht mitspielt. Also wieder zurück zum Festland. Erst nach Nynäshamn, 14 NM. Erstmals komplett unter Motor. In Nynäshamn können wir uns gut versorgen, treffen wieder die S/Y Lady W und die Lambo auf ein Bier an der Hafenbar. Nynäshamn ist an sich nicht besonders schön, aber nahe der Marina gibt es eine Halbinsel mit schönen Häusern und einem Aussichtsturm mit toller Rundumsicht.

Nächste Etappe ist Trosa. Viele haben schon erzählt wie schön es hier sein soll. Und sie sollen Recht behalten. Ute hatte Bedenken, ob die Wassertiefe ausreichend ist. Aber kein Problem, wir hatten jederzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Wir fahren durch teils sehe enges Fahrwasser, rechts und links Steine und man muss gut aufpassen. Der zweite Teil ist dann herrliches Segeln, dann schon in den sog. Außenschären. Einige Ferienhäuser liegen auf kleinsten Inseln, dort kann man nicht mal spazieren gehen. Das wäre uns zu einsam.

Trosa ist ein super idyllischer Ferienort, immer noch in Reichweite (eine Autosunde) von Stockholm. Der Ort liegt wunderschön an einem Fluss und die Häuser sind von Rosensträuchern umgeben. Auch Hans-Dieter und Wilfriede, die uns nochmal besuchen, kannten die Ort nicht und sind begeistert.

Stockholm, die entspannte Hauptstadt

Wir diskutieren in Visby 3 Tage über den richtigen Zeitpunkt für die lange Distanz von 85 NM bis Nynäshamn. Ergebnis, wir verpassen den idealen Tag, bei dem wir mit gutem achterlichen Wind schnell rüber gekommen wären und entscheiden uns für den Tag, bei dem der Wind voll gegen an kommt – kein Grad Back- oder Steuerbord wird uns geschenkt.

Dazu starten wir zu spät gegen 9.00h und es weht mit 5 m/s. Gunnar tut sein bestes um möglichst wenig Höhe zu verlieren. Nach 3 Stunden ist Flaute. Bei so einer langen Strecke muss man dann Motor anmachen, sonst kommt man nie an. Nach weiteren 3 Stunden dreht der Wind auf achterlich und wir können „Platt vorm Laken“ mit Butterfly-Segel die verlorene Höhe wieder gut machen. Um 21h – nach 12h – kommen wir leicht erschöpft an. Mehr als anfänglich befürchtet sind wir 3/4 der Strecke gesegelt.

Am nächsten Tag wollen wir nach Soltsjöbaden, tatsächlich eine für uns neue Marina. Groß und recht offen nach Nord. Betrieben von der Königlichen Segelgemeinschaft (KSSS), wir machen direkt vor der Bar mit Restaurant fest. Hier trifft sich die Segel-Hautvolee von Stockholm, die Preise sind entsprechend. Die Stimmung ist ausgelassen, Bier und Essen lecker.

Irgendwasistimmer, Part III. Nach dem Start und beim Anlegen ertönt das Batteriesignal, richtig nervig. Das Bedienungshandbuch sagt, es liegt an der Elektrik. Die Werft weiß auch nicht so recht weiter. Später finden wir noch die Ursache und eine Lösung.

Von Soltsjöbaden geht es in schnellen 2 Stunden unter Motor nach Stockholm in den Wasahamn. Dabei fährt man in einem engen Kanal quasi durch die Vorgärten der Stockholmer Villen. Es ist einfach nur schön, es gibt viel zu gucken und zu staunen. Allerdings wundert uns, dass recht wenig los ist. Die Häuser sind kaum bewohnt und in den schönen Gärten spielen keine Kinder. Die Saison hat noch nicht begonnen – oder die Stockholmer haben Mallorca gebucht, um bezüglich Sonne sicher zu gehen.

Am nächsten Tag mustert Gunnar ab, er fliegt nach HH. Wir mieten uns ein Auto und besuchen Walter und Rita, Ute’s Osttante, in ihrem Sommerhaus in Härad am Mälarensee. Zufällig ist auch die Tochter Sabine mit ihren beiden Enkeln dort, folglich ist die Osttante schon Uroma. Es gibt zum Mittag einen leckeren Lachs und natürlich Erdbeeren mit Schlagsahne.

Wir versuchen noch Pfifferlinge (Kantarella) in Rita’s Wald zu finden. Sie sind da, aber noch ganz klein. Die brauchen noch eine Woche.

Rita hat lange als Kindergärtnerin gearbeitet und dabei sogar mal die allseits sehr beliebte Königin Silvia, ebenfalls mit deutschen Wurzeln, kennengelernt. Sabine ist die kaufmännische Leitung einer sehr großen Schule, da gibt es doch ein Thema mit Ute. Wir erfahren noch mehr über Schweden und wie die Auswanderung damals stattfand.

Die nächsten zwei Tage spazieren wir durch Stockholm und stellen fest, wie entspannt es hier ist. Die Autofahrer hupen nicht und die Fahrradfahrer halten sich sogar an die Verkehrsregeln. Letzteres ist für Hamburger schier unglaublich.

Schweden hat eine Vielzahl von Bekleidungsunternehmen, allem für Sportklamotten (Peak Performance, Fjällräven, RVRC, Pelle P., Sailracing und einge mehr). Sie sind fast alle in der Kungsgatan. Generell fällt uns auf, dass hier alle Luxus- und Sportmarken vertreten sind, viel mehr als in Hamburg, obwohl Stadt und Umgebung viel kleiner sind. Wir tun noch etwas für das schwedische Bruttoinlandsprodukt – mit dem günstigen Währungskurs EUR-SEK kann man sich das schön rechnen.

Wir bummeln auch noch durch die schöne Saluhall, Ute kann es nicht lassen, leckeres Essen einzukaufen. Einen leckeren Mittagstisch gibt es dort auch.

Fazit: Stockholm ist eine Reise wert.