
Los geht’s zum Baltic Törn 21!
Wie alle Menschen haben wir einige nervige Monate hinter uns und sehnen uns nach Freiheit. Die Regierung in Schleswig-Holstein hatte ein Einsehen und ließ uns Hamburger schon früh wieder rein – ganz anders als im Vorjahr.

Noor – Wikipedia: Haff oder Strandsee
Unser Plan für 2021 – Ende Mai/Anfang Juni mit einem neuen Segeltörn starten. Diesmal wollen wir die Region erkunden, die wir letztes Jahr ausgelassen haben: Stockholm – Aland Inseln – Finnland. Für den Rückweg sehen wir mal, was der Wind zulässt.
Schon Ende März haben wir die S/Y Andante von der Comfortina-Werft in Schleswig nach Maasholm überführt. Am Anfang der Saison bekommen die Meeresgötter Rasmus und Neptun und Skipper und Crew(Ute?) einen Schluck – Seeleute sind gläubig. Bei uns traditionell einen Schluck Sherry.
Am Tag der Überführung war es so warm, dass wir im T-Shirt unterwegs waren. Später müssen wir feststellen, das war’s mit dem schönen Wetter. Die Skandinavier haben sich ein Hoch gegriffen und das sorgte dafür, dass bei uns im „Süden“ ein Tief nach dem anderen durchzog. In Finnland hatte es 30 Grad, die Utes schwedische Familie saß im T-Shirt draußen und bei uns war es bitter kalt, so dass wir im April und Mai kaum gesegelt sind.
Zeit zum Vorbereiten hatten wir ja genug. Alles wurde geplant und über Wochen eingekauft und dann Ende Mai auf das Schiff verladen. Am Ende hatten wir Sorge, ob es dann überhaupt noch segelt und oder es gar sinkt. Eingekauft haben wir, was in kleinen Orten an der schwedischen Küste schwer zu bekommen ist: ungezuckertes Müsli, Hanuta, Gewürze für gutes Essen, unseren Lieblings-Grüntee usw. – und nicht zu vergessen, ausreichend Bier und Wein.







Unser Heimathafen ist unten links, nördlich von Kiel, an der Mündung des Fjords Schlei (1). Der Baltic-Törn 21 soll uns über Heiligenhafen (2), südlich von Fehmarn, in Richtung Schweden nach Gotland/Stockholm und letztendlich zu den Aland Inseln führen. Sie liegen zwischen Stockholm und Turku (3). Jeder, der schon mal dort war, schwärmt von der Schönheit der Landschaft. Davon wollen wir uns überzeugen.

Mit dem Auto wäre es eine Tour von 2-3 Tagen. Wir kommen aber mit max. 15 km/h voran und anders als andere segeln wir nicht über Nacht.
Ein Wort mitzureden hat natürlich auch der Wind. Der weht im Mai/ Juni eher vom Osten, also von dort, wo wir anfangs hin wollen. Später im Sommer, also auf dem Rückweg, häufig vom Westen … ihr versteht. Aber wir haben ja viel Zeit, denn erst zur Bundestagswahl wollen wir zurück sein. Neidisch?

Ein herzlicher Abschied von unseren Nachbarn als Maasholm. Das Wetter ändert sich am nächsten Tag zum Positiven.
Heiligenhafen
Wenn man in den Osten will, muss man durch die Fehmarnsundbrücke und an Heiligenhafen vorbei. Das sind immerhin über 40sm. Eigentlich haben wir uns vorgenommen, so selten wir möglich zu motoren. Aber der Wind war weg und wir hatten abends eine Verabredung zum Essen mit Schwester und Schwager von Ute, die dort oben leben. Also Vorsatz gebrochen.
Am Montag radeln wir zum zweiten Teil des Familienbesuchs nach Neukirchen. Dort lebt Utes Nichte mit ihrer Familie. Die Kinder hatten wir schon lange nicht mehr gesehen … und Überraschung, sie sind weiter gewachsen.
Heiligenhafen war früher ein langweiliger und recht hässlicher „Ferien“ Ort, nie wären wir auf die Idee gekommen hier Urlaub zu machen. Das hat sich aber grundlegend geändert. Ein Mensch mit einer Idee hat diese sehr gut umgesetzt. Hut ab.
Ausgangspunkt waren wohl die Hotels „Bretterbude – Holzklasse“ und „Holy Habour“, die haben dann hübsche Ferienhäuser nach sich gezogen und jemand in der Stadtverwaltung hat dafür gesorgt, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Jetzt kann man hier gut flanieren, shoppen und bestens Essen. Der Strand ist für Ostsee Verhältnisse richtig gut und die Natur drum herum auch. Hier kann man es aushalten.
Heiligenhafen ist immer noch Umschlagsplatz für Fische und Getreide, was etwas Normalität bringt. Eine gute Mischung aus Tourismus und wahrem Leben.










Doch wieder Kühlungsborn
Wir wollen unbedingt los. Waren schon zu lange an einem Ort. Der Wind drehte etwas auf Nord, das ermöglichte einen Kurs nach Kühlungsborn. Der Kurs ganz hoch am Wind, durch den Tonnenstrich unter der Fehmansund-Brücke und dann direkt zum Ziel.
Es ist ein spektakulärer Ritt. An der Kreuz mit deutlich über sieben Knoten und anfänglich recht hohen Wellen. Es ist ein wunderbarer Segeltag, der unheimlich viel Spaß macht. Nach 4,5h sind die 34 SM erledigt.
Draußen war es doch noch recht kalt, aber in der Marina haben wir auf kurze Hose und T-Shirt umgestellt und einen tollen Sommerabend erlebt.
Wir sind am ersten möglichen Tag nach MeckPomm „eingereist“. Restaurants und Geschäfte hatten erstmalig wieder geöffnet. Es ist eine wunderbare Stimmung; Hafenmeister, Restaurantbedienung und natürlich die Segler freuen sich unheimlich.
Bei aller Freundschaft zu Heiligenhafen, Kühlungsborn ist nicht zu toppen. Die Flaniermeile um den Hafen, die netten Restaurants und Bars, der Stand nebenan sowie das schön renovierte Dorf (oder ist es eine Stadt). Vor dem „Vielmeer“ spielt ein sehr guter Gitarrist Pop- und Folksongs, was die Stimmung nochmals hebt. Wir sind schon X-Mal hier, aber diesmal war es etwas Besonders.
Abends wollen wir spontan essen gehen, aber denkste! – schon alles ausgebucht. Dafür reservieren wir gleich für den nächsten Abend im „SEA“ und essen tolle Tapas. Es fühlt sich schon fast wieder normal an, auch weil die Maske kaum mehr nötig ist. MeckPom hat jetzt einen Inzidenzwert von 8 und ist diesbezüglich führend.
Die Sanitären Anlagen sind sehr sehr gut, großzügig und sauber. Anders als in Maasholm wird zweimal täglich gereinigt, und nicht dann, wenn man gerade duschen will. Kleiner Wermutstropfen sind die vielen, teils protzigen Motoryachten. Aber für die ist es eine wenigen Marianas, wo sie an der Ostseeküste Platz finden.
Es war jetzt schon voll, in der Vorsaison. Im Sommer wird hier der Teufel los sein. KüBo muss aufpassen, die Kapazitätsgrenze scheint erreicht.
Somit ist auch ein Teil des Rätsel vom letzten Bericht gelöst. Es kommt nur eine der drei Törn-Varianten in Frage. Nächste Mal klären wir auf, wie es weiter geht.

Klintholm – Ystad – Simrishamn
Die letzten drei Tage haben wir Strecke gemacht (55 + 55 + 25 = 135 SM). Leider konnten wir nicht immer segeln.
Es ist eine schwere Abwägung. Einerseits wollen wir unbedingt segeln, anderseits wollen wir auch weiter nach Norden, um neue Regionen erkunden zu können und dort Zeit zu haben. Insgesamt sind wir halb unter Motor und halb unter Segeln vorangekommen. Wenn wir segeln konnten, war es super schön. Sonne, richtiger Wind und nicht zu viele Wellen.
Das schönste ist das Wetter. Wir wissen nicht, wie es bei euch ist, aber für Schweden ist die Voraussage so:

Es gibt nur wenige Häfen, die wir so oft angelaufen haben wie Klintholm. Jeder Segler aus dem Süden der Ostsee, der nach Kopenhagen oder in Richtung Stockholm will, muss hier vorbei. Der Ort ist wirklich am Ende der Welt (Mön, DEN). Da die Marina in eine Ferienanlage integriert ist, sind hier nicht nur Segler. Deshalb ist die Infrastruktur ganz gut: kleiner gut ausgestatteter Köbmand, Tankstelle, Fischhalle, 3 Restaurants und ganz wichtig, ein tolle Bar mit gutem Bier und vielen Ginsorten.
Man kann auch schön spazieren gehen: zu den Klippen oder einfach den Stand entlang. Das alles ist nicht unwichtig, wenn man hier abwettern muss, was häufig vorkommt. Der Bereich ist berühmt berüchtigt für starke Winde, v.a. im Spätsommer.
Dieses Jahr wird aber die Marina um das doppelte erweitert, das verursachte etwas Lärm, aber für die Zukunft ist das gut.
Ystad und Simrishamn, SWE, sind wir nur zum Schlafen angelaufen. Ystad ist jedem Krimi Fan als Betätigungsfeld von Kommissar Wallander (Autor Mankell) bekannt. Ganz nett hier, aber in Schweden gibt schönere Städte. Ähnliches kann man über Simrishamn sagen.
Jetzt ist die Route klar, wir näheren uns der Ecke, um die wir rum müssen. Wir haben uns vorgenommen in Borgholm auf Öland, der Sommerresidenz der schwedischen Königsfamilie, einige Tage auszuruhen. Am Abend nach den langen Törns sind wir ganz schön geschafft. Segel rauf, Segel runter, anderes Segel rauf, die Konzentration auf den Kurs, den ganzen Tag der frischen Luft … strengt uns an. Wir merken das Alter. (Jetzt wäre es gut, wenn jüngere Segler sagen würden, dass es ihnen manchmal auch so geht).





Das ist die Ecke: Utklippan – Ein Steinhaufen als Hafen
Nach Simrishamn geht es gleich weiter über die Hanö-Bucht zu der Ecke, um dann endgültig nach Norden Richtung Stockholm und Aland Inseln zu segeln.
Weitere 55 SM mit Rückenwind, oder wie der Segler sagt – Raumschots. Das ist zwar meistens sonnig und warm, aber auch wackelig wegen der Welle von hinten. Wir haben wieder alles ausprobiert: Motor, Code-Zero bei halbem Wind und schließlich Code-Zero als Butterfly. Um 16.30h waren wir im Hafen, aber nur, weil Ute mich um 6.00h aus dem Bett gescheucht hat und wir um 7.30h los sind. Ute: Und das an Marcus Geburtstag!
Utklippan war ehemals ein kleiner Fischerei- und Nothafen, den die Fischer bei jedem Wetter anlaufen konnten, da er Zufahrten zu zwei Seiten hat und so immer windabgewandt angelaufen werden kann. Es sind nur Steine und mitten drin ein kleines Hafenbecken und einige Hütten. Allerdings, zu denen kommt man nur mit einem Ruderboot. Sehr urig.
Hier gibt es natürlich keine Versorgung, aber die Stimmung unter den Seglern ist um so netter. Drei Boote kennen wir schon aus Simrishamn ein weiteres kommt von Bornholm. Diese Segler wollen übrigens auch zu den Alands. Die treffen wir dann wohl noch häufiger.
Wie gesagt, jetzt noch 2 Stepps, dann sollten wir in Borgholm sein. Dort ist eine Pause vorgesehen. Danach kommt für uns neues Territorium, oder wie würde es bei Raumschiff Enterprise heißen – unbekannte Galaxien.
Ute hat Marcus ein schönes Geschenk gemacht: eine neue Kamera. Mal sehen, ob ihr den Unterschied erkennt.
Bis hier war Anreise:
Borgholm auf Öland
Zwei schnelle Törns von Utklippan nach Bergvara und am nächsten Tag nach Borgholm. Einmal schön mit Segel und einmal überwiegend per Motor.
Bergvara ist für uns nur Durchgangshafen, mittelschön. Wir liegen neben einem sehr netten polnischen Segler, der perfekt deutsch spricht und der noch ganz bis Haparanda will. Das ist der nördlichste Punkt der Ostsee und noch mal einige Meilen weiter als die Aland Inseln.
Borgholm ist ein Schwedischer Hot-Spot, ein richtig schöner Badeort. Etwas touristisch und deshalb mit guter Versorgung; Flaniermeile mit netten Läden, großer Supermarkt, ein sehr guter Fisch- und ein Käseladen. Dazu unzählige Restaurants und Bars. Wie sie alle bei der kurzen Saison überleben können, ist uns ein Rätsel.
Aber es ist Vorsaison, der Hafen fast leer, der Ort am Wochenende etwas belebter. Letztes Jahr waren wir 4 Wochen später, da war deutlich mehr los. Damals waren wir die einzigen Ausländer im Hafen und wurden vom lokalen Fernsehen interviewt. Dieses Jahr sind schon viele Deutsche, Dänen, Polen und sogar schon Holländer hier – fast alles Rentner.
Am Ende dieser Woche beginnen in Schweden die Sommerferien und in zwei Wochen ist Midsommar, da tobt der Bär in Borgholm.
Wir machen wieder den wunderschönen Weg zur königlichen Sommerresidenz, trinken einen Kaffee und Ute isst „Kanelbullar“, das Nationalgebäck mit Zimtschnecken. Scheint sehr gut zu schmecken.
Ansonsten nutzen wir die gute Infrastruktur, um das Schiff klar zu machen und zu waschen, das war nach 2 Wochen mal nötig.
Kleines Fazit nach zwei Wochen:
Die direkte Route von Maasholm nach Borgholm beträgt über Grund 287 SM (500 KM). Wir sind aber 440 SM (800 KM) gesegelt. Grund sind die Kreuzschläge, die uns der Wind abgerungen hat und die Strömung, die meisten gegenan kam, dann brauchen wir durchs Wasser mehr als über Grund.
Im letzten Jahr sind wir noch mehrere Häfen bzw. Stege auf dem gegenüberliegenden Festland angelaufen und dann in den Götakanal eingebogen. Deshalb sagen wir bisher war Anreise, ab jetzt wollen wir kleinere Schläge machen, um die uns unbekannten Gegenden ohne Zeitdruck erkunden zu können. Ute hat schon einige schöne Schären und Naturhäfen für die nächsten Tage ausgesucht.
Ankunft Borgholm11.06, Abfahrt 14.06, mäßiger Wind, meist sehr sonnig, 20 – 25 Grad









Bycelkrok und Umgebung
Wir verlassen das schöne Borgholm Richtung Norden, bleiben auf Öland. Vor dort wollen wir wieder ans Festland, so ist der Plan.
Ein herrlicher Segeltag ohne Motor. Achterlicher Wind mit Fock und Groß. Später als der Wind stärker wurde (in Boen 9 m/s) sind wir nur mit dem Groß unterwegs. Die Fock ist bei Raumschots nicht unbedingt nötig und nervt, weil sie bei den Wellen immer einfällt. Die Geschwindigkeit geht etwas runter, aber die Ruhe nimmt zu.
Beim Anlegen in Byxelkrok kam der Wind direkt von der Seite, dann sind die Heckbojen nicht optimal, da das Schiff einige Sekunden/Minuten ohne wirklich Führung ist. Da der Hafen fast leer war, stützen auch keine Nachbarschiffe. Für solche Situationen ist das Bugstrahlruder sehr angenehm.
Der Hafen wird auf mindestens die doppelte Kapazität erweitert. In zwei Wochen, wenn der Ansturm kommt, muss alles fertig sein. Insgesamt entwickelt sich der kleine Ort als Konkurrenz zu Borgholm. Es ist alles etwas einfacher, aber auch sehr urig. Drei Reihen kleiner roter Holzhäuser mit Restaurants, Bars und Handwerksläden.
Am nächsten Tag hat Marcus hat eine langes Online Meeting und sitzt unter Deck. Ute macht einen Fahrradausflug in die Umgebung und landet im Trollskogen, einem Naturschutzgebiet am nördlichen Ende der Insel und am Ende im sehr netten „Göthlins Café“ ein Kanelbullar mit Cappuccino.
Nur mal zur Information: mit dem IPhone 12 (mit 5G ausgestattet) erhalten wir eine Übertragung von
150 Mbit/s auf einer Insel in Schweden. Das haben in Deutschland die meisten Haushalte nicht und es reicht fürs Fernsehen.
Abends macht Marcus sich einen Männerabend. Es gibt Bier, Chips und Fußball. Wir sind froh, dass das Spiel gegen die Weltklasse Mannschaft aus Frankreich nicht im Desaster endet.
Byxelkrok an 14.06, ab 16.06., sehr sonnig 20 – 25 Grad, mittlere Windstärke aus Süden







Byxelkrog – Visby Segelimpression
Hansestadt Visby auf Gotland
Ute kommt am Morgen mit der spontanen Idee, nicht zum Festland Richtung Stockholm, sondern nach Visby auf Gotland zu segeln. Angeblich sei der Wind dafür ideal und alle anderen segeln auch dahin… Ich nehme es gleich vorweg, beim Anlegen in Visby sehe ich sofort den „PelleP Shop“.
Für Nicht Segler, Pelle Petterson ist eine Segellegende in Schweden und ein begnadeter Designer. Er hat den wohl schönsten Volvo und auch Segeljachten designt. Seine Tochter Cecilia gründete PelleP; sie ist unsere bevorzugter Ausstatterin für Segelklamotten. Ute brauchte einfach noch etwas anzuziehen.
Das Segeln über 44 SM von Byxelkrog nach Visby war ein schneller Ritt. Mit unserem Lieblingssegel, dem Code Zero, und etwa halbem Wind haben wir dafür 6,5 Stunden gebraucht. Wir hatten 6-8 m/s und dazu kaum Wellen, schöner geht es nicht.
Visby ist eine Hansestadt, es hatte ein Bündnis mit Lübeck und war wohl Zwischenstation nach Russland und weiter nach Asien. Man spürt den Reichtum der Stadt immer noch. Wir haben selten eine so schöne mittelalterliche Stadt gesehen. Die Stadtmauer ist komplett erhalten und die Häuser und Gassen sind wunderschön.
Visby hat immerhin 24.000 Einwohner (Gotland 50K) und endlos viele Restaurants, Bars, Clubs und Shops. Wir gehen zwei Mal sehr gut essen und erleben mit den Schweden deren Sieg in der EM21 auf dem Markplatz. Die Stadt hat mediterranes Flair, besonders weil hier ein Mikroklima vorherrscht, was für den Sommer sicher schönes Wetter verspricht.
Übernächste Woche beginnen die „Stockholm Weeks“, dann ist es hier voll und überall ist Party. Man kann sich vorstellen, was dann in dem schicken Beach Club los ist. Wer also mit einem Urlaub in Schweden liebäugelt, sollte Visby und Gotland nicht verpassen, aber vor oder nach dem Juli herfahren. Mit der Fähre kommt man von Oskarshamn und Nynäshamn bei Stockholm hierher. Oder auch mit dem Flieger von Stockholm.
Visby an 16.06, ab 19.06., sehr sonnig 25 – 30 Grad, mittlere Windstärke aus Süden, nachmittags stärker


















Ein voll frustiger Segeltag
Frustig, weil kein Segel- sondern Motortag. Wir wollen von Lauterhorn, ganz im Norden von Gotland, zurück zum Festland, nach Nynäshamn. Wir haben vor, von dort gemütlich durch die Stockholmer Schären zu gondeln, um dann später zu den Aland-Inseln zu segeln.
Der Wind ist mit +/- 6 s/m, achterlich von Süden angesagt. Eigentlich ideal für Code-Zero oder Spi. Für über 70 SM braucht man etwas Speed, sonst zeigt die ETA eine Uhrzeit am nächsten Tag an.
Anfänglich ist es wie angesagt und wir ziehen Spi hoch. Das Manöver geht jetzt schon schneller als die Tage zuvor. Aber so nach einer Stunde wird der Wind weniger und die Welle mehr, dazu kam sie noch von der Seite. Es ist die Welle von vor einigen Stunden, als es stärker aus einer anderen Richtung wehte. Es ist richtig kippelig.
Also mussten wir den Spi reinholen, was schon nicht ganz einfach war. Danach kommt nie wieder richtiger Wind und wir müssen 65 SM den Volvo arbeiten lassen. Wir sind genervt.
Als Krönung für den Tag – Schüsse. Erst dachten wir an ein Gewitter, doch dann hören wir mehrere Salven. Wir werfen ein genauen Blick in die Seekarte und müssen erkennen, dass wir uns einem Marine Übungsgebiet nähern, was natürlich gesperrt ist für uns. Also schnell Kursänderung und einen Umweg fahren. Wir wollen nicht zum Übungsziel der schwedische Marine werden.
Eigentlich wollten wir uns am Abend mit den beiden Kusinen von Ute, die in Stockholm leben, treffen. Leider müssen wir die Verabredung absagen, denn wir kommen erst spät Abends in Nynäshamn an. Es ist immer so eine Sache sich mit Seglern zu verabreden, Destination und Uhrzeit sind schwer vorauszusagen. Wir wollen das Treffen auf dem Rückweg nachholen.
Zu Nynäshamn gibt es nicht viel zu sagen, die Marina ist noch das Beste.
Nynäshamn, an 20.06, ab 21.06., bewölkt 20 – 15 Grad, wenig Wind von Süden




Wo sind wir eigentlich? Was ist der Planß
Eine gute und erhoffte Nachricht. Seit dieser Woche dürfen geimpfte Menschen nach Finnland und damit auf die Alands einreisen. Da dies sehr kurzfristig entschieden wurde und sicher noch nicht alle Segler geimpft sind, hoffen wir, dass die Inseln nicht so überlaufen sein werden wie üblich.

Ute auf Utö
Nach unserem frustigen Segeltag sind wir am Morgen noch schnell einkaufen in Nynäshamn und dann auf eine nahegelegene Schäre gefahren. Ihr Name ist UTÖ! „Ö“ steht für Insel in schwedisch, wir sind also auf Ute’s Insel.
Sie gilt als einer der Hot-Spots für die Stockholmer und ist wirklich schön. Gar nicht so klein, mit schönem Wald und vielen ruhigen Ecken. Am Hafen gibt es nette Shops, Restaurants, Kneipen und einen der besten Bäcker, den wir in Schweden gesehen haben.
Wir lernen mit Heckanker anzulegen. Haben wir bisher sehr selten gemacht. Beim ersten Versuch greift der Anker nicht, dann nochmal und viel weiter weg. Dann klappt es. Wir erfahren, dass man in der Stockholmer Region eher ein Motorboot und kein Segelboot hat.
Am ersten Tag kommt die Swedish Coastguard und kontrolliert die ausländischen Schiffe. Erstmalig in unserer Segelzeit werden wir kontrolliert. Sehr freundliche Beamtinnen. Die „Verhandlungen“ übernimmt Ute. Wir haben alle Schiffsdokumente und die Impfpässe immer parat, damit nimmt sie denen gleich den Wind aus den Segeln. Corona ist natürlich der Anlass, aber es geht nicht nur darum. Wir müssen die MMSI (Funkt-Telefonnummer) angeben und sind jetzt als „clean“ gespeichert und können uns drauf bei nächster Kontrolle berufen. Typisch Schweden!
Auch hier auf Utö merken wir, dass Segler eindeutig in der Minderheit sind. Dennoch wollen wir bis Midsommar bleiben, denn überall ist es ausgebucht und hier haben wir einen Liegeplatz.
Die Midsommar-Party beginnt schon am Donnerstag (vorglühen) und lässt einiges für den Freitag erwarten. Aber wir wollen es einmal erleben. Auch wenn die Schweden sagen, so wie sonst wird es nicht, denn das traditionelle Tanzen fällt aus.
Auf einer Erkundungstour mit dem Fahrrad treffen einen Elch, der am Wegesrand frisst und sich durch nichts stören lässt. Damit können wir „Elk watching“ auf der To-Do-Liste abhaken. Abends gab es Elk-Meatballs im guten und netten „Utö Värdshus“.
Dann sehen wir Utö’s Schule. Vorher waren wir zufällig mit der Lehrerin am Hafen ins Klönen gekommen. Sie unterrichtet alle Kinder von Klasse 1-9. Auf der Insel leben im Winter 150 Menschen, im Sommer natürlich einige viele mehr. Das ist eben das Schöne beim Urlaub in Skandinavien, man lernt Land und Leute kennen, weil man sich gut unterhalten kann.
EM21 wird im Internet natürlich ohne Probleme geguckt. Zum Spiel GER-HUN kein weiterer Kommentar. GER-GBR wird dann wohl interessanter.
Utö an 21.06, ab 26.06., 16 – 25 Grad, teils sonnig, teils bewölkt, Wind von überall, nachmittags Thermik

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Weiter geht’s in drei „Trippelschritten“ nach Sandhamn
Wir hatten genug von der Party Insel und flüchten am Samstag. Dabei war die eigentliche Midsommar-Party am Freitag gar nicht so laut und lang. Sondern der Tag wurde in der Familie und mit Freunden verbracht, dabei hatten die Mädels einen geflochtenen Blumenkranz um den Kopf. Statt wie üblich um den geschmückten Baum zu tanzen, stand dieser symbolisch überall rum, sogar auf den Fähren.
Noch ein Nachtrag zu Utö: Hier wurde schon im 11. Jahrhundert Eisenerz gefunden und später erstmalig in Europa Lithium. Außerdem hat die schwedische Marine früher einen Teil der Insel gekauft und Bewohner vertrieben, deshalb auch das „Schiffe versenken“ vor der Küste der Insel.
Wir wollen ja viel von der Gegend sehen und entscheiden uns für kleine Törns in schöne Häfen bzw. Ankerstellen, die Ute ausgesucht hat. Also 10-12 SM, früh los und gegen Mittag am Ziel. So können wir auch bei dem recht schwachen Wind segeln und haben am Nachmittag Zeit die nähere Umgebung zu erkunden.
Erste Station: Dalarö
Die ca. 12 SM bei leichtem Wind aus südlichen Richtungen, immer mal drehend, herrlicher Sonne, sind wunderschön. Die kleine Marina ist sehr schön gelegen, direkt an einem Kanal für kleine Boote. Für kleine Boots schon eine große Zeitersparnis nicht außen rum zu müssen. Auch wieder eine schöne Bar, mit Blick auf das Wasser. Klar, haben wir hier ein Bier genossen.
Eine Villensiedlung auf dem Festland, eine knappe Autostunde vom Zentrum Stockholms entfernt. Entsprechend schön und groß sahen die Häuser aus. Hier kann man es aushalten. Im Winter leben hier 2.000 Menschen und im Sommer 50.000. Also etwa wie auf Sylt.
Dalarö an 26.06, ab 27.06., 20 – 30 Grad, sonnig, teils bewölkt, südliche Winde







Malma Kvarn
Als nächstes hat Ute einen sehr kleinen Hafen mit wenigen Gastliegeplätzen ausgewählt. Wieder ca. 12 SM entfernt, die wir wider Erwarten fast vollständig segeln konnten. Erst zum Schluss zog ein Gewitter über Land auf und wir haben sicherheitshalber die Segel runter geholt. Am Ende zog es vorbei.
Wir kommen am Hafen an, werden gleich nett begrüßt, wie eigentlich immer, und landen direkt vor einem Restaurant. Wir konnten den Kellner bitten, uns ein Bier rüber zu reichen. Nach wenigen Minuten haben wir herausgefunden, dass im „Bistro Malma Kvarn“ ein Franzose kocht und es als vorzüglich gilt und eigentlich immer ausgebucht ist. Wir schaffen es trotzdem einen Tisch zu bekommen.
An diesem Punkt müssen wir eine Lanze für die schwedische Küche brechen. Seit Visby, Gotland, sind wir schon 3X essen gegangen und es war jedes Mal sehr gut. These – je näher man Stockholm kommt, je besser wird die Qualität. Ist in Dänemark mit Kopenhagen und übrigens in Schleswig-Holstein mit Hamburg auch so.
Der Ort ist auch umgeben von schönsten Sommerhäusern, Stockholm ist immer noch nah.
Das Wasser lädt zum Baden ein, unsere schwedischen Bootsnachbarn sagen es hat 22 Grad. Das reicht dann auch für uns.
Malma Kvarn an 27.06, ab 28.06., 25 – 30 Grad, sonnig, teils bewölkt, südliche Winde, drehend an den Schären








Sandhamn
Sandhamn ist das Segelzentrum in der Ostküste Schwedens, der Gegenpart zu Marstrand vor Göteborg. Hier starten und enden große Regatten, das sieht man auch an den Segelbooten im Hafen. Dazu gibt es schönes Seglerhotel. Sehr einladend (aber ganz ehrlich, Marstrand bleibt unser Favorit).
Der kurze Segeltörn, wieder 12 SM, ist schönstes Kaffeesegeln, nur als es am Ende schon ziemlich heikel höher am Wind als eigentlich geht zwischen zwei steilen Schären hindurch gesegelt werden musste, hat Ute gekniffen. Marcus musste steuern. Sonne strahlt nach wie vor und es ist sehr warm.
Der Hafen ist gut organisiert, wir buchen im Internet einen Platz und beim Anlegen hilft uns der Hamn Captan. Sandamn wird von verschiedenen Fähren angelaufen, dass macht alle Liegeplätze etwas unruhig, aber in der Nacht werden die wohl hoffentlich nicht verkehren.
Wir machen, wie immer, einen Erkundungsbummel durch das Dorf. Alles sehr nett, nicht übertrieben touristisch, noch recht natürlich. Darüber sind wir etwas verwundert. Wir bunkern Proviant, denn die nächsten Häfen bzw. Anlegestellen könnten etwas dürftig diesbezüglich sein.
Erst überlegen wir länger hier zu bleiben, aber wir wollen an der Strategie der Trippelschritte festhalten, zumal 2 Tage starker Wind aus Nord angesagt ist (die Richtung, in die wir wollen) und wir uns wohl verkriechen müssen.
Sandhamn 28.06, ab 29.06., 25 – 30 Grad, sonnig, südliche Winde, drehend an den Schären





Nordwind zwingt uns zu einer Pause
Nach Sandhamn, das uns etwas enttäuscht hat, geht es auf die kleine Insel Ingmarsö. Der Wind hat sich gegen uns gewendet, er kommt exakt aus der Richtung, in die wir wollen. Auch wenn die Schritte nicht groß sind, aber wir trauen uns nicht zwischen den Schären zu kreuzen. Zudem hat man meistens auch den Strom noch gegen sich. Das kann ein mühsames Unterfangen werden.
Ingmarsö ist eine Insel, die angeblich das ganze Jahr bewohnt ist. Eigentlich kaum vorstellbar; aber man kommt mit der Fähre direkt nach Stockholm (2h).
Früher haben die Menschen von Fischfang und Landwirtschaft gelebt, aber wirklich viel wächst hier nicht. Einige verrostete Arbeitsgeräte zeugen noch von dieser Zeit. Später haben sie den Grund und Boden für Sommarstugas an Stockholmer verkauft, das war sicherlich einträglicher.
Aber es gibt sogar eine sehr kleine Werft, die früher Holzboote gebaut hat und deren Eigentümer (angeblich) den Joystick für Motorboote erfunden hat. Wir lassen das mal so stehen.
Ansonsten gibt es eine gute Bäckerei, mit leckerem Brot und Brötchen sowie ein typisches Schärenrestaurant. Wir dachten, da gehen wir einfach mal hin. Denkste! Die Leute kommen mit ihren kleinen Motorbooten aus allen Ecken, legen an dem Restaurantsteg an und gehen essen. Die Terrasse mit einem herrlichen Ausblick ist voll. Wir bekommen für eine Stunde einen Platz und essen gut.
Die Liegeplätze an den Schären, egal, ob im Hafen oder am Stein, sind alle sehr schön. Sie haben aber einen großen Nachteil, durch die vielen Boote und Fähren schwellt es ganz schön viel. Aber man gewöhnt sich dran und nachts ist es ruhig.
Wir Segler nennen es „Hafenkino“, wenn einer anderen Crew etwas passiert und alle zugucken. Wir hatten zwei Kurzfilme. Bei einem Segler verfing sich die Vorleine beim Ablegen im Bugstrahlruder, gar nicht gut. Aber er konnte sie befreien. Wir sind mit der Heckleine an einer Boje befestigt. Aufgrund des recht starken Windes ist die Boje unter Wasser. Es kommt ein Motorboot und fährt direkt über unsere Leine. Nur unser „Stopp“ Geschreie vermeidet eine kleine Katastrophe. Weiß nicht, was passiert wäre!?
In Schweden kann man dieses Jahr in fast jedem Hafen per Internet reservieren (www.dockspot.com), das ist natürlich gut, wenn man erwartet, dass der Hafen voll ist. Wir stellen aber fest, dass die zu reservierenden Plätze meistens die schlechteren sind. Man kann reservieren und sich dann doch verholen auf einen schöneren Platz. Wie meistens in Schweden alles klein Problem.
Die Reservierung kostet 10% (3-4 Euro) mehr, akzeptabel für die Sicherheit einen Platz zu bekommen. Wir machen es nur am Wochenende, noch ist alles recht leer hier.
Auf Ingmarsö bleiben wir drei Tage, weil, wie gesagt, der Wind aus Nord/Nord-Ost kommt. Nach diesen Tagen hat man den Eindruck alles Einwohner und Touristen auf der Insel zu kenn.
Auf allen Schären wird sich fortbewegt mit eine Art Mofa, die vorn eine Plattform hat. Auf dieser werden Einkäufe, Koffer und Menschen transportiert und mit viel Speed über die „Straßen“ gejagt. An der Fähre hat jeder Einwohner einen persönlichen Stellplatz, sehr organisiert.
Ingmarsö an 29.06, ab 02.07., 20 – 25 Grad, sonnig, Wind aus Nord / Nordost








Im Paradies
Nachtrag zu Ingmarsö: Von Utes Tante erfahren wir, dass das Mofas mit Ladefläche Flakmoppe heißt. Somit ist das auch geklärt.
Der Paradis-Viken westlich von Finnhamn ist ein Naturhafen, nur 2 SM von Ingmarsö entfernt. Ute wollte da gern hin und es ist auch schön, die Schweden nennen ihn nicht umsonst so. Es ist ein Naturschutzgebiet, in dem einige ankern und andere an der Schäre liegen. An einer Badestelle spielen die Kinder.
Es gibt hier im Grunde nur einen Rundweg, der ist aber hervorragend ausgeschildert. Verlaufen nicht möglich.
Die Segler sind hier endlich mal in der Überzahl. Wie meistens kommen wir mit unseren Liegenachbarn ins Gespräch, diesmal 5 jungen schwedischen Männern. Erst befürchten wir eine weitere Party, aber es sind super nette Jungs. Insgesamt ist es eine schöne Stimmung. Wir bleiben nicht hier, weil Marcus die sanitäre Ausstattung zu basic ist, da ist er eigen.
Hafenkino, dritter Akt: Bei einem älteren Segler verfängt sich die Ankerleine, wie auch immer, im Ruder und wickelt sich um die Schraube. Marcus nimmt sich ein Herz und versucht mit Tauchen die Leine zu lösen. Das ist gar nicht so leicht unter einem Boot zum Antrieb zu kommen. Trotz ganz vieler Tauchgänge blieb ein letzter kleiner Rest der Leine unlösbar in der Schraube hängen. Der Segler hat eine Art „Pannenservice“ angerufen, die waren ganz schnell da und haben ihn abgeschleppt, wohin, wissen wir nicht.
Finnhamn an 02.07., ab 03.07., 20 – 30 Grad, sonnig, Wind aus Nord / Nordost








Fursund ist unser Absprung zu den Aland-Inseln. Wir können etwas segeln, aber müssen dann doch die Unterwassergenua bemühen. An den Küsten zwischen den unzähligen Inseln sind überall schöne Häuser und die Menschen genießen das schöne Wetter. Die Schweden können eigentlich nur Urlaub im eigenen Land machen. Nächstes Jahr sind sie dann alle unterwegs, ganz sicher.
Furusund ist ein traditioneller Badeort für die Stockholmer, etwas in die Jahre gekommen. Viel los ist hier nicht; wer Furusund nicht kennt, hat nichts verpennt.
Furusund ist „Einflugschneise“ für die Fähren nach Estland, Russland, Aland und in normalen Zeiten für die großen Kreuzfahrtschiffe. Wir haben schlimmen Schwell befürchtet, aber es ist erträglich, auch weil wir in einer Ecke hinter dem Betonsteg liegen.
Der Hafen ist wie immer, maximal halb voll. An Backbord legt ein Hausboot an. Sehr skurril. Es kombiniert den Nachteil eines Bootes (Enge) mit dem Nachteil eine Hauses (Immobilität). Super Idee.
Wir sind hier, weil wir uns von Hanse-Nautik den Stick mit den Plotter-Seekarten, die auch Aland beinhalten, haben zuschicken lassen. Denn vor der Abreise wussten wir nicht, ob wir nach Aland/Finnland einreisen dürfen. Die Lieferung hat vorzüglich geklappt, vielen Dank nach Eckernförde.
Furusund an 03.07., ab 04.07., 20 – 25 Grad, sonnig, Wind aus Nord / Nordost







Ziel erreicht: Mariehamn, Aland
Der Törn von Furusund, SWE nach Mariehamn war wunderschön. Entspanntes Segeln bei gutem Wind, genau soviel, dass man ankommt und entspannt bleibt. Kaffeesegeln! Sehr hilfreich dabei mal wieder das Code-Zero, für die Fock wäre der Wind zu wenig, für den Spi war der Kurs zu hoch.
Auf dem AIS verfolgen wir die ganze Zeit eine deutsche SY, die MAX. Später stellt sich raus, dass Elke und Thomas aus Flensburg kommen und zur Höga Kusten in Schweden wollen, um dort zu wandern. Die beiden haben schon etwas mehr erlebt als wir: Atlantiktörn, Mittelmeer und vieles mehr, alles mit ihrer eigenen Yacht. Hut ab.
Auf dem Weg nach Mariehamn und im Hafen treffen wir alle die Fähren wieder, die in Furusund vorbei gefahren sind. Wir wundern uns, wie viele Menschen und Material täglich auf die kleinen Inseln mit nur 11.000 Einwohner gebracht wird. Schließlich kommen die finnischen Fähren noch dazu.
An dem Fähranleger gibt es Anlegestellen wie im Frankfurter Flughafen. Die sind für die Kreuzfahrtschiffe, jetzt aber (Gott sei Dank) unbenutzt. Generell geht unser Kalkül auf. Es sind anfänglich nur wenige Ausländer hier, denn man muss doppelt geimpft sein. Deshalb gleicht der Hafen auch mehr einem Rentnertreff. Das ändert sich später allerdings.
Erste Lektion: Hauptsprache ist Schwedisch und danach Finnisch. Das ist gut, dann brauchen wir uns für das Lesen der Speisekarten nicht umzugewöhnen. Aber es gilt der Euro, das ist nicht so gut, denn man sieht gleich den Preis: 0,5l Bier = € 7.50. Auch schon ein Wort, oder?
Zweite Lektion: wir sind in einer anderen Zeitzone angekommen. Es ist das erstmal Mal mit dem Schiff. Die nette Finnin vom Nachbarschiff sagt “ … das ist praktisch, denn dann kann man den Schnaps eine Stunde eher trinken.“ Eine überzeugende Logik, finden wir.
Mariehamn und der Hafen werden keinen Schönheitspreis gewinnen. Aber für uns ist der Aufenthalt zum Wäschewaschen und Proviant laden genau richtig. Außerdem sind die Restaurants an der Hafenmeile nett und gut.
Eine Besonderheit ist der Segelfrachter Pommern, dazu erscheint ein extra Beitrag
Mariehamn an 04.07., ab 06.07., 20 – 25 Grad, sonnig, Wind aus Süd.







Frachtsegler „Pommern“, Mariehamn
Flying P-Liner oder kurz P-Liner nannten Seeleute in der Zeit der Windjammer hochachtungsvoll die Segelschiffe der Hamburger Reederei F. Laeisz. Die Schiffe, deren Namen alle mit „P“ begannen, waren für ihre Geschwindigkeit und ihre Sicherheit berühmt, sie wurden in den Reedereifarben Schwarz (Rumpf über der Wasserlinie), Weiß (Wasserlinie) und Rot (Unterwasserschiff) gestrichen.
Dazu gehören die Passat, jetzt in Travemünde, die Pamir (1957 gesunken), die noch als russisches Segelschulschiff aktive Padua (jetzt Kruzenshtern) und die Peking, die nach einer Rückholaktion aus New York und aufwändiger Restauration jetzt im Hamburger Hafen liegt.
S/Y Pommern
Die Pommern wurde 1903 in Schottland gebaut und 1923 vom Reeder Gustaf Erikson gekauft. Zuvor war sie im Besitz mehrerer deutscher Reedereien. Die Pommern segelte bis 1939 aktiv in Gustaf Eriksons Flotte. Während ihrer aktiven Zeit segelte sie hauptsächlich nach Australien, um in Europa verkauften Weizen zu laden. 1953 wurde die Pommern von Gustaf Eriksons Kindern der Stadt Mariehamn gestiftet und ist seitdem ein Museumsschiff.
Der Pommern wurde gebaut, um Fracht in einer schnellen und effizienten Weise zu transportieren. Sie war ein modernes Schiff für ihre Zeit, stark gebaut und ausgestattet mit allen Neuheiten, das heißt, Messing- und Fall-Winschen, Dampfmaschine zum Be- und Entladen und für das Antreiben des Ankerspiels. Die Bilgenpumpe sowie die Winschen konnten auch mit Dampf betrieben werden. Die moderne Ausrüstung bedeutete, dass die Pommern mit einer kleinen Besatzung von nur 26 Personen bedient werden konnte.
Baujahr 1903
Länge 95 m
Breite 13 m
Tiefgang 7,5 m
Brutto reg. Ton 2.376 t
Tragfähigkeit 4.050 t













Zwischenfazit in Mariehamn
Position: 60° 05.874′ N, 19° 55.437′ E. (Maasholm: 54° 40.858′ N, 9° 59.611′ E)
6 Breitengrade und 10 Längengrade gesegelt
Gesamtdistanz: 665 SM (ca. 1.200 km)
Unter Segel: 63h = 340 SM (5,4 Kn)
Unter Motor: 46h = 325 NM (zuviel v.a. MAA-HEI und Gotland-Nynäshamn)
Segeltage: 20 von 37
Schönster Hafen Marcus: Malma Kvan, SWE
Schönster Hafen Ute: Finnhamn (Paradisviken), SWE
Schönster Ort: Visby auf Gotland, SWE
Sonnenstunden: 91%
Besonderheiten:
Erstmaliges Übersegeln einer Zeitzone, jetzt im Sommer UTC +3
Auf den Alands wird es jetzt quasi gar nicht mehr dunkel. Für uns nördlichster und östlichster Ort mit dem Segelschiff, Oslo, Stockholm, Helsinki liegen südlicher und Gdansk, Dresden, Prag westlicher.
Wie geht es weiter?
Alands umrunden in 5-7 Stepps. Danach gen Süden über Stockholm und das Familientreffen nachholen. Vielleicht bekommen wir von Tante Rita selbst gepflückte Pfifferlinge und Blaubeeren.

Aland I: Käriengssund
Es gab Beschwerden, dass wir lange nicht mehr geschrieben haben. Eine Ausrede haben wir, es ist so heiß, man kann nicht unter Deck am Computer sitzen. Außerdem waren wir jeden Tag unterwegs, da bleibt wenig Zeit zum Schreiben.
Los geht es von Mariehamn nach Käringssund. Es war eine schöne und schnelle Tour; die 24 Seemeilen waren in 3 Stunden geschafft.
Die Einfahrt in den Hafen war eine Herausforderung. Die Betonung ist nicht so gut wie bisher gewöhnt, dazu sehen die Tonnen anders aus (einfache Pfähle mit schwarz und gelb), an die man sich erstmal gewöhnen muss. Man musste mehrere Steinbrocken auf der richtigen Seite umrunden, um in den schönen Hafen zu kommen.
Wir hatten über Dockspot gebucht, da der Hafen sehr beliebt und immer voll ist. Das war eine gute Idee von Ute, nur leider war unser gebuchter Platz besetzt. Ein stoischer schwedischer Segler ist einfach liegen geblieben und hat das Schiff verlassen. Da es keinen aktiven Hafenmeister gibt, war es möglich.
Der Steg gehört zum Restaurant und Ute hat uns einen neuen Platz besorgt. Dort haben wir dann sehr nette Motorboot-Nachbarn gehabt, die wir später wieder treffen.
In der Nähe des Hafens ist ein Hotel und ein großer Campingplatz, sehr schön gelegen mit großzügigen Plätzen. Hier könnte man sich Camping vorstellen.
Käringssund an 06.07., ab 07.07., 20 – 25 Grad, sonnig, Wind aus Südent




Aland II: Havsvidden
Langsam gewöhnen wir uns an die sparsame Betonnung. Das mit den gelb-schwarzen Pfählen ist ganz einfach: schwarz unten = Südtonne = im Süden zu umfahren, schwarz oben = Nordtonne. Außerdem gibt es an Land interessante Seezeichen. Wir interpretieren den weißen Kubus als Kühlschrank, der uns sicher zu dem nächsten Restaurant führen wird.
Das Temperaturen steigen weiter, Sonne satt. Der Wind kommt leicht aus Süden und wir segeln mit achterlichen Wind und buntem Tuch die 25 SM nach Havsvidden. Wieder eine interessante Einfahrt, ein finnisches Segelboot dreht um, weil sie sich nicht sicher sind. Sie folgen uns als wir voranfahren. In solchen Fällen freut man sich doppelt über den Plotter und die guten und präzisen Karten von Navionics. Einige Stunden später landet ein anderer Segler auf einem Stein und muss, da sein Ruder kaputt gegangen ist, vom SOS-Service abgeschleppt werden.
Der Hafen ist genau nach unserem Geschmack, vielleicht 30 Boote, viele Segler. Es herrscht ein besondere Stimmung, denn nicht jeder kommt hier her. Auf Backbord bekommen wir den super netten Motorbootnachbarn mit Familie vom Vortag und auf Steuerboot einen Segler, der mit der Organisation „Sail-Guard“ dazu beigetragen hat, einen ganz neuen Führer über alle Häfen und versteckten Ankermöglichkeiten zu schreiben und der „Pelle P“ persönlich kennt. Wer hier her will, sollte es sich den Führer bei Hanse-Nautic kaufen, siehe Foto unten und Links. Allein wegen der netten Nachbarn und Stimmung wären wir fast noch länger geblieben.
Die Mariana gehört zu einer schönen Ferienanlage. Es ist ein Hotel und Kliffhäuser, die toll in die Schäre eingebunden sind sowie ein gutes Restaurant. Die Anlage hat einen schönen Indoor Pool mit Liegebereich und Zugang zum Wasser sowie – natürlich – eine Sauna. Sie hat einen spektakulären Blick über die See.
Wer Alands mal ohne Boot kennen lernen will, kann das hier tun. Mit dem Flugzeug Hamburg-Stockholm-Aland dauert es wohl nicht länger als mit dem Auto nach Sylt. Allerdings wäre es gut ein Auto hier zu haben, denn Havsvidden ist einsam. Havsvidden, en unik resort på norra Åland | Havsvidden.
Wir bleiben einige Tage und machen auch einen Fahrradausflug in das nächste Dorf, Geta. Dorf ist übertrieben, „Ansammlung von Häusern“ trifft es besser. Google sagt, es sind nur 11,5 km, sagt aber nicht, dass es ständig rauf und runter geht. Entweder ist unsere Beinmuskulatur etwas verkümmert …. nee, das kann nicht sein.
Hier im Norden der Alands ist es echt einsam. Einige Bauernhöfe, von denen fast alle ein eigene kleine Windmühle haben. Eigenartig. Ute sagt, es ist wie in den USA im mittleren Westen. Viele Felder und keine Leute. Keine Kneipe, kein Restaurant – nichts. Jetzt ist Sommer und Hochsaison, wir mögen uns nicht vorstellen, was hier im langen Winter los ist.
Das Schöne an den Anlegestellen in den Schären ist, dass man immer direkt vom Boot aus im frischen Wasser baden kann. Das machen wir mehrmals täglich, anders geht es gar nicht bei der Hitze.
Wohl wegen des Lichtes findet hier ein Fotoshooting statt. Was die machen erschließt sich uns nicht, aber es sieht schick aus.
Havsvidden an 08.07., ab 11.07., >25 Grad, sonnig, Wind aus Süden
Wir sind am nördlichsten Ort der Reise: 60° 25‚ 19″ N, 19° 54‘ 54″ E












Aland III: Bärö
Es geht weiter rund um Aland. Etwas geschummelt von uns, denn ganz außen gehen wir nicht rum. Bärö, oder besser das Restaurant „Glada Laxen“ auf der kleinen Insel ist ein Tipp von unserer Segelfreundin Griseldis.
Das Segeln war entspanntes Kaffeesegeln, zumindest am Anfang. Später wurde der Wind stärker, aber immer noch ohne Stress. Das Segeln zwischen den Schären hat einen großen Vorteil. Man ist immer in Lee von irgendeinem Steinhaufen und somit gibt es keine Wellen oder nur wenige.
Im Norden von Aland gibt es quasi keine Sommerhäuser, somit auch kaum Menschen. Folglich stören keine Motorboote, die in den schwedischen Schären einziges und notwendiges Fortbewegungsmittel sind und wie auf Bundesstraßen hin und her fahren. Hier im Norden der Aland Inseln ist es ganz still, herrlich.
Wir landen auf der kleinen Insel und direkt vor dem Restaurant. Wie fast immer im Norden von Schweden und auf den Alands gibt es einen Hamnkapten ( oder eine – wie heißt eigentlich die weibliche Form von Hamnkapten?), der die Schiffe dirigiert, die Leinen annimmt und uns gleich alle wichtigen Informationen mitteilt. Sehr schöner Service. Hier werden wir aufgefordert, den Heckanker zu werfen, weil keine Bojen mehr frei sind. Wir liegen schön und, für Marcus sehr wichtig, mit freiem Blick aufs Wasser.
Das Essen in dem Restaurant ist natürlich sehr gut mit herrlichem Blick über den Steg und das Wasser.
Bärö an 11.07., ab 12.07., >25 Grad, sonnig, Wind aus West
Wir haben den östlichsten Punkt unseres Baltic Törns 21 erreicht: 60°18.28’N, 020°44.60’E






Aland IV: Degerö
Degerö ist eher eine Durchgangsstation. Anfänglich sind wir mit Motor unterwegs, später kreuzen wir durch die Schären, insgesamt 21 SM. 1,5h unter Motor, 3,5h unter Segeln. Der Hafen ist ganz nett, mehr aber auch nicht. Degerby ist die Hauptdorf von Degerö.
Sauna: in fast allen schwedischen und in allen finnischen Häfen gibt es eine Sauna. Manchmal ganz einfach, manchmal mit tollem Blick und manchmal einfach witzig. Die Saunen werden auch im Sommer morgens und abends genutzt. Übrigens immer getrennt nach Männlein und Weiblein. Das man nackt zusammen in einer Sauna sitzt, kann sich keiner vorstellen. Wir waren noch nicht in einer Sauna, irgendwie ist uns nur im kalten Winter danach – wahrscheinlich Quatsch.
Degerö an 12.07., ab 13.07., >25 Grad heiß, sonnig, Wind aus West






Aland V: Rödhamn
Als letzten Aland-Hafen hat Ute nochmal ein Sahnestück gefunden. Eingebettet in eine Reihe von Kleinstinseln liegt ein Anlegesteg vom Segelclub Mariehamn. Der Steg ist lang, sicher 100m und alle Plätze haben beste Aussicht auf Schären und Wasser. Es gibt ein kleines sehr gemütliches Häuschen mit einfachen Speisen und Getränken; sehr, sehr nett. Auch die einfachen Toiletten (Plumpsklos der modernen Variante) sind liebevoll mit verschiedenen Herzchen gekennzeichnet.
Das Segeln war Motoren, denn wir hatten keinen Wind von gegenan. Aber es waren auch nur 10 SM, also kommen wir vor dem Mittag an.
Der Inselrundgang ist in 30 Minuten erledigt. Aber er ist sehr interessant. Die Insel war früher (Mitte 30iger bis 70iger Jahre) ein Horchposten gegen Russland oder besser UdSSR. Ein kleines Museum erinnert daran.
Übrigens gibt es überall auf den Alands und auch in Schweden kleines Museen, die die Geschichten der Menschen in der Region erzählen. Eine sehr schöne Tradition.
Rödhamn an 13.07., ab 14.07., 25 – 30 Grad heiß, sonnig, kein Wind
Hier endet unsere kleine Aland Expedition
Die Inselwelt ist wirklich schön. Im Vergleich zu den schwedischen Schären sehr einsam. Die Natur ist etwas karger, die Bäume kleiner auf den sehr felsigen Inseln. Das Leben war und ist sicher nicht einfach hier.
Im Norden der Inseln leben fast gar keine Menschen, dementsprechend gibt es kaum Häuser und keine Infrastruktur. Man trifft wenig Schiffe, kein Motorlärm stört die Idylle. Das ist sehr schön. Für echte Naturliebhaber sicher ein Erlebnis, für uns etwas zu einsam.
Natürlich sind die meisten Wassersportler aus Finnland und die sind ausnahmslos super nett. Alle, wirklich alle, versuchen mit uns deutsch zu sprechen und wenn es nur „Guten Tag“ ist. Wir sind fast immer mit unseren Liegenachbarn ins Gespräch gekommen und haben viel über Land und Leute gelernt. Beispielsweise werden auf den Alands alle und alles überwacht, der Horchposten von Rödhamn hat sich also nach innen gewendet.


Über Furusund nach Waxholm: Zurück in Schweden
Wir haben uns den Mittwoch ausgesucht, der Wind sollte etwas zunehmen (4-6 m/s) und achterlich kommen. Ich hatte mich schon auf einen Tag Spi-Segeln gefreut. Die Realität jedoch hält sich nur 15 Minuten an den Forecast. Danach wird der Wind weniger und die Wellen mehr. Es ist schwer den Spi zum Stehen zu bringen, aber wir geben unser Bestes . Erst wieder kurz vor Schweden, als der Wind vorlicher kommt, geht es mit dem Segeln besser. Zeitlich sind wir halb gesegelt, halb motort.
Man merkt, dass die Ferienzeit angefangen hat. Vor 10 Tagen waren wir mit 3 anderen Schiffen in Furusund, jetzt ist der Hafen voll belegt. Ute hat in weiser Voraussicht bei Dockspot einen Platz gebucht. In der Hochsaison ist das schon praktisch.
Nächsten Tag soll es nach Vaxholm (es geht beides „V“ und „W“) gehen, der Wind soll südlicher drehen und und mit mittlerer Stärke wehen. Aber, man ahnt es schon, es kommt anders. Der Wind wird von den vielen Inseln abgelenkt oder gar verstärkt, je nach dem, die Range ist von 0 bis 6 m/s und er kommt aus allen Richtungen. Wir lernen, Segeln in den Stockholmer Schären ist eine Herausforderung. Es ist nur ein kurzer Törn von 20 SM und da wir einen Platz gebucht haben, segeln entspannt bis zum Ende inkl. einiger kurzer Kreuzschläge.
Sobald man nach Schweden kommt, sieht man wieder die schönen Ferienhäuser auf den Inseln. Für deren Bewohner sind Motorboote das einzige Fortbewegungsmittel und die Wasserwege zwischen den Inseln sind ihre Straßen; einige sind viel befahren, einige ruhiger. Wir sind auf dem Hauptwasserweg nach Vaxholm, der auch nach Stockholm führt. Es ähnelt also eher einer Autobahn. Ständig passieren große, mittlere und kleine Fähren und hunderte von großen, mittleren und kleinen Motorbooten. Die verursachen ständig Wellen.
Auch die Infrastruktur sind entsprechend. Die Bootstankstellen sind wie an der Autobahn, 2-3 Anleger mit 5 oder mehr Säulen. Da können mindestens 8 Boote gleichzeitig bedient werden. Davon gibt es mindestens zwei hier. Auch eine Unterboden-Waschanlage für die Boote gibt es, die auch regelmäßig genutzt wird, um den Bewuchs zu beseitigen.
Die Motorboote der Sommarstyga Bewohner sind eher praktisch. Alu-Kisten mit Außenborder. Damit kann man viele Leute und/oder viel Material transportieren. Wenn man ein Haus bauen will, werden die Materialen auch damit geliefert. Amazon Boote haben wir aber noch nicht gesehen.
Vaxholm nennt sich Hauptstadt der Schären. Scheint angemessen, denn hier ist quirliges Leben, v.a auf dem Wasser vor der Stadt und der Marina. Viele Fähren kommen hier vorbei und endlos viele Motorboote. Dazwischen jagen dann die von den Schweden heißgeliebten Jet-Skis. Es ist der absolute Gegenentwurf zu den Alands.
Die Marina ist sehr unruhig, der Schwell all dieser Boote kommt hinein. Um die Marina herum gibt es gute Restaurants, eine Bar direkt am Eingang des Hafens. Das hat schon etwas.
Von Zeit zu Zeit muss man das Boot säubern, Wäsche waschen und Proviant nachfüllen. Dafür nutzen wir den ersten Tag. Hier, wenige Kilometer vor Stockholm, ist die Qualität in der Supermärkten deutlich höher als in der südlichen Provinz. Wir schlagen zu und können auf dem Markt Pfifferlinge, Blaubeeren und Erdbeeren ergattern.
Am zweiten Tag erkunden wir das kleine Städtchen. Hier haben vor 200 Jahren Fischer gelebt und ihre Ware nach Stockholm zum Verkauf gebracht. Sicher ganz einträglich. Die hübschen Häuser am Wasser zeugen von einem gewissen Wohlstand. Hier könnte man leben.
Wir entdecken eine wunderschöne Gastwirtschaft direkt am Wasser, wo sich, so scheint es, die Vaxholmer Leute am Samstag zum Mittag treffen. Wir schließen und an und essen einen Toast Skagen, typischer geht es nicht. In einem Teil des Hauses ist mal wieder ein kleines Museum des Heimatvereins, es zeigt, wie die Menschen von 100 bzw. 200 Jahren gelebt haben. Ein älterer Mann erklärt uns, teils in deutsch, die Geschichte.
Furusund an 14.07., ab 15.07., 25 – 30 Grad, schwül-heiß, sonnig, südliche Winde
Vaxholm an 15.07., ab 18.07., 25 – 30 Grad, schwül-heiß, sonnig, südliche Winde













Stockholm
Am Sonntag soll es vom Vaxholm nach Stockholm gehen. Mit dem Auto wären es 40 Km und wohl 30-45 Minuten, mit dem Schiff sind esweniger als die Hälfte. Wir brauchen aber 2,5 Stunden. Es hat sich bewölkt und wird kühler (weniger heiß), angenehm für uns, schlecht für die Fotos.
Wir lassen uns Zeit für die kurze Strecke. Der Wind kommt mal wieder aus allen Richtungen in der Stärke 0-7 m/s. Daran sind wir ja jetzt gewöhnt in den Schären. Wir nehmen nur Fock und Groß, da wir manchmal kreuzen müssen. Dann segeln wir vor dem Wind, nur mit dem Groß, langsam nach Stockholm rein. Wunderschön.
Anders als in anderen großen Städten gibt es kaum industrielle Ansiedlungen, nur mehrstöckige Wohnhäuser, teils modernisierter Backsteinbau, teils recht hübsche Neubauten. Manchmal gibt es unten eine kleine Marina, da können die Bewohner schnell mal zu dem Sommerhäuschen per Motorboot fahren. Das hat schon etwas.
Wir gehen in den Wasahamn, das ist der richtige Ort. Praktisch im Zentrum der Stadt auf einer Halbinsel mit dem Royal Garden. Hier machen wir am Sonntag noch einen Rundgang und sehen viele Restaurants, Bars und Lounches. Der Stockholmer*in bummelt hier am Wochenende wie wir Hamburger um die Alster.
Am nächsten Tag machen wir ein Tour durch die Altstadt und zu der schönen Markthalle „Östermalms Saluhall“ und gucken uns an, was so auf der Sightseeing-Liste steht. Gestern hätten wir Stockholm noch zur schönsten Stadt Europas gekürt, aber die Innenstadt kann das Niveau nicht halten. Die Gebäude sind wohl historisch, aber besonders schön sind sie nicht. Die Altstadt „Gamla Stan“ ist sehr touristisch. Aber bleibt es eine tolle Stadt in Konkurrenz zu Kopenhagen, Hamburg usw.
Ihr Plus ist die Nähe zum Wasser. Überall wird am Wasser gewohnt und promeniert. Die nahe Umgebung zu den Schären und den vielen kleinen Orten ist schon sehr lebenswert. Dort ist man schnell, anders als in Hamburg, wo der nächste nette Ort 1-2 Autostunden vom Zentrum entfernt ist. Die Stockholm ist sehr grün, überall kleine Parks mit Blumen.
Museen, es gibt hier zu jedem Thema ein Museum, sogar ein „Spritmuseum“ (Sprit wie Getränk). Wer drauf steht, kann hier ohne Probleme 1-2 Wochen in Museen verbringen. Das kann man aber auch im Winter machen.
Am Dienstag gab es noch ein ganz wichtiges Ereignis. Ute ist zum Friseur gegangen und sieht jetzt wieder normal aus. Das ging mit der Fähre fast direkt vom Boot zum Friseur. Genial. Den Termin zu bekommen war nicht ganz einfach, denn die meisten Friseure machen jetzt Ferien, wie alle Schweden.
Stockholm an 18.07., ab 20.07., 20 Grad, bewölkt
Mitten durch Stockholm zum Süsswasser-See Mälaren
Wir machen uns auf den Weg zu Ute’s Tante, die ihre Sommarstyga am Mälaren See hat. Wir fahren motoren durch den Arstaviken, einen Kanal mitten in Sthlm, müssen drei Brückenöffnungen abwarten und eine kleine Schleuse passieren. Ihr Hauptzweck ist wohl den See vor dem Salzwasser zu schützen, der Hub ist sehr gering.
Stockholm hat sehr viele Hochhäuser, ganz anders als Hamburg. Viele liegen am Wasser und in der Nähe eines Waldes. Hier gibt es sicher schöne Joggingstrecken und Spazierwege.
Der Mälaren ist eher langezogen mit vielen Verästelungen, zum Segeln sub-optimal und auf beiden Seiten Berge. Die verstärken und lenken die Winde in alle Richtungen ab. Nach einigen Stunden sind wir etwas genervt und der Hunger schaltet den Motor an.
Gegen 17.00h kommen wir bei unserem Ziel an. Das hat uns ein Liegeplatznachbar in Vaxholm empfohlen: Rastaholm. Es ist wunderschön gelegen, mitten im Wald auf einer Landzunge. Das Haus ist eine Art Wanderheim mit recht gutem Restaurant. Es ist ganz traditionell und super schön eingerichtet und hat das ganz Jahr geöffnet. Falls Ute’s Familie es noch nicht kennt, es ist wirklich einen Ausflug wert.
| Schwedische Binnenseen | Größe: | maximale Tiefe: |
|---|---|---|
| Vänern | 5.648 km² | 106 m |
| Vättern | 1.912 km² | 119 m |
| Mälaren | 1.140 km² | 66 m |
| Hjälmaren | 485 km² | 22 m |
Damit sind wir auf den TOP 3 gesegelt.
Rasterholm an 20.07., ab 21.07., 20 -25 Grad, sonnig
Mariefred mit dem Schloss Gripsholm
Es geht weiter, nur 15 SM liegen vor uns. Windvorhersagen kann man hier vergessen. Auf gleichem Kurs haben wir auf einer Meile Wind von achten, segeln Butterfly, und einem Amwindkurs. So geht es die ganze Strecke. Wir sind ständig dabei die Segel zu justieren. Wir lassen uns aber nicht nerven und stellen uns der Herausforderung.
Zur Belohnung gibt es bei einigen letzten Kreuzschlägen eine herrliche Einfahrt auf Mariefred mit dem wunderschönen Schloss Gripsholm. Das entschädigt. Ute macht am nächsten Morgen um 5.00h vom Boot aus ein Foto.
Wir haben auf dem Törn sehr wenige Boote getroffen, umso mehr sind wir überrascht, dass der Gästhamn voll ist. Aber er ist auch sehr klein, für eine so schöne Stadt mit einer derartigen Attraktion. Wir legen im privaten Teil der Marina an und und bekommen das „GO“ vom Hamnkaptn, dass wir dort bleiben können.
Ein erster Spaziergang durch den Ort ist schon sehr nett. Am nächsten Tag besuchen wir das Schloss. Es ist sehr gut erhalten und hat einen Park drumherum. Wie immer in Schweden, wunderschön gepflegt. Nebenan fährt die restaurierte Bahn in den restaurierten Bahnhof. Es gibt Wagons der zweiten und dritten Klasse – hier ist der Begriff „Holzklasse“ zutreffend.
Wir statten dem Grab von Kurt Tucholsky, dem Autor des Romans „Schloss Gripsholm“, einen Besuch hab. Er liegt hier nachdem er 1929 vor den Nazis nach Schweden geflüchtet ist. 1935 nahm er sich das Leben. Wir mussten das Grab erst suchen, es liegt einfach zwischen den anderen. Hier in Schweden hat er wohl nicht die Bedeutung wie zu Hause bei uns.
Am Nachmittag treffen wir endlich Ute’s Ost-Schweden Tante mit ihrem Mann, Rita und Walter. Sie sind die 20 Km mit dem Auto gefahren. Wir bekommen selbst gepflückte Pfifferlinge und Blaubeeren, die wir die nächsten Tag im Müsli essen. Wir gehen zusammen ins Schloss Café, es wird ein kurzweiliges und sehr nettes Wiedersehen.
Wir bleiben noch den Freitag, die Windvorhersage überzeugt uns, noch einen Tag hier zu bleiben. Wir machen einen schönen Spaziergang durch ein nahegelegenes Naturreservat und sehe viele Hirsche. Danach versorgen wir uns noch mit Proviant, denn so schnell werden wir wohl keinen Supermarkt mehr sehen.
Mariefred an 21.07., ab 24.07., 20-25 Grad, sonnig

Zurück in den Schären
Von Mariefred geht es motorend und segelnd über Södertälje zum Salzwasser. Vor und nach Södertelje durchfahren wir einen teils natürlichen und teils künstlichen Kanal. Der ist an einigen Stellen so eng, dass sich größere Schiffe (Frachter) nicht passieren können. Wenn so einer hier durchfährt, ist der Kanal für alle gesperrt.
Für uns ging aber alles gut und wir passieren unsere letzte Schleuse auf dieser Reise. Wieder nur einen kleinen Hub, aber es trotzdem anstrengend. Von hinten setzte ein starker Strom, so dass wir das Schiff kaum halten können, mit dem Rückwärtsgang ging es dann leichter.
Der Gaesthamn in Södertälje ist gesperrt, also nehmen wir den nächsten in Skansholmen. Es ist eine Kombination mit einem Campingplatz, der sehr schön auf einem Hügel gelegen ist. Es ist ganz nett hier, aber kein Grund zu bleiben.
Am nächsten Tag geht es weiter durch den Kanal und dann durch die Schären. Anfänglich ist Segeln nicht möglich, später können wir abfallen und hoch am Wind segeln. Denkste. Nach wenigen Minuten realisieren wir, dass die Steine so eng sind und die Route für die nächsten 500 Meter immer erst spät zu erkennen ist. Wir bekommen Schiss und holen die Segel wieder runter.
An zwei Stellen müssen wir trotz GPS und Plotter kurz überlegen, wie es weiter geht. Unter Segeln und besonders beim Amwindkurs kann man nicht groß ausweichen, mal eben langsamer fahren, oder gar im Notfall halten. Der Trost, alle schwedischen Segelboote machen es auch so wir – also sind wir nicht ganz doof.
Wir wünschen uns mal wieder freies Segeln. Marcus sagt leicht genervt „wenn ich hier leben würde, hätte ich ein Motorboot!“ Aber später geht es doch noch mit dem Segeln und alles ist wieder gut.
Für die Nacht hat Ute einen wunderschönen Naturhafen ausgesucht und wir wollen an den Schären festmachen. Wir haben eine freie Stelle gefunden, kommen aber aufgrund unseres Tiefganges nicht bis zum Stein. Alle anderen Plätze sind belegt, also weiter.
Wieder eine schöne Bucht, die sehr bekannt ist unter Schweden: Stendörren. Hier sind wie die ersten und fragen uns, wie finden wir die richtige Stelle? Wie erkennt man, dass der Stein unter Wasser steil abfällt und wir nicht auflaufen? Wir sehen, dass die Schweden mit dem Smart Phone in der Hand genau manövrieren. Sie haben sich die Stellen in der Karte markiert. So macht man das also. Wir markieren uns auch die Stellen, um irgendwann davon Gebrauch machen zu können oder die Stellen weiter zu geben.
In der Bucht gibt eine blaue Festmacherboje von SXK (ähnlich unserer Kreuzer Abteilung). Da kann man Mitglied werden und die Bojen nutzen. Wir machen fest und baden. Es ist mal wieder sehr heiß. Die Bojen muss man freigeben, wenn ein Member kommt – so war es dann leider. Zum Ankern war kein Platz, also wieder weiter.
Der dritte Versuch klappt, wir landen an einem kleinen Steg in Svärdsklova, der eigentlich voll ist. Nette junge Schweden verholen ihr Schiff etwas nach vorn und machen uns so einen Platz frei. Wir bedanken uns mit einem Bier, so kommt eine kurze Freundschaft zustande. Hier bleiben wir und machen den Fehler am nächsten Tag weiter zu fahren, anstatt noch einen Tag zu bleiben. Dazu später mehr.
Skansholmen an 24.07., ab 25.07., 25 – 30 Grad, sehr sonnig
Svärdsklova an 25.07., ab 26.07., 25 -30 Grad, sehr sonnig









Abwettern in Nyköping
Wir haben uns in Svärdsklova etwas von der Aufbruchstimmung der anderen anstecken lassen. Alle, mit denen wir am Vortag so nett geklönt hatten, wollten los. Sicher auch, weil es weder Strom noch Wasser gab. Aber wir hätten noch einen Tag bleiben sollen, zumal es dort ein gutes Restaurant gibt und man noch etwas hätte entdecken können. Aber „hätte“ ist um die „Ecke“.
Wir sind also die wenigen Meilen nach Nyköping motort. Vor dem Ort müssen wir in eine sehr enge Fahrrinne, von der Natur her sehr schön, aber recht lang, ca. 4 SM.
Von der Stadt hatten wir uns aufgrund der Empfehlungen etwas mehr versprochen. Der Hamburger würde sagen „hübsch hässlich“. Es gibt einige sehr nette Ecken, aber auch viel einfache Wohnhäuser.
Das Problem, wir sitzen hier mehrere Tage fest. In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch (26./27.07.) ist ein Gewitter angekündigt und kommt in der Nacht auch. Da ist man als Segler gern im Hafen. Danach kommt wenig Wind aus Süd-West, wir hätten motoren müssen – wollen wir aber nicht.
Am Donnerstag und Freitag kommt das Unwetter aus Deutschland hier oben an. Das Barometer fällt schon am Mittwoch um 10 Striche. Es ist starker Wind, fast Sturm angesagt.
Jeder Fahrtensegler ist schon mal „eingeweht“ und musste „abwettern. Da kann man sich nur in sein Schicksal ergeben. Einen Tag kann man immer gut mit Putzen und Waschen verbringen. Immerhin sind wir in einer Stadt mit Einkaufsmöglichkeiten, Geschäften für Segelzubehör, Cafés und Restaurants. Besser als auf einer einsamen Schäre ohne Alles.
Wir hoffen am Samstag/Sonntag weiter segeln zu können. Die nächsten Stationen wären Arkösund und direkt Gryt. Danach Västervik und möglicherweise nochmal Öland, je nach Wind. Kommt der Wind wieder aus Süd-West, könnten wir auch zwei große Schläge über Gotland machen. Dann hätten wir zumindest wieder „freies Segeln“.
Nyköping an 26.07., ab 01.08., 15 -25 Grad, wenig-viel Wind, sonnig, schwül-warm, Gewitter, Regen



Weg hier
Wir sind froh als Gewitter, Regen und starker Wind vorbei sind und wir Nyköping verlassen können. Die Stadt bietet wirklich nicht viel, außer für die Verpflegung.
Wir hoffen bei mittlerem Wind mit Amwindkurs durch die Schären zu kommen. Das gelingt nur zum Teil. Wir müssen uns eingestehen, dass die Steine zu dicht beieinander liegen und es einfach zu viel Nerven kostet hier zu segeln bzw. zu kreuzen. Als mal einige Meilen etwas mehr Platz ist, machen wir einige Schläge. In unsere Richtung macht es nur eine andere Schwedische Crew, die es sogar bis zum Ende durchhält, auch wo der Weg nur 2 Bootslängen breit ist. Auch wenn die das Revier kennen, Hut ab.
Die meisten Schiffe kommen uns entgegen, sie sind auf dem Heimweg nach Stockholm oder in deren Vororte. Die Saison geht zu Ende. Anfang August müssen die meisten wieder arbeiten, auch wenn die Schulen erst in zwei Wochen wieder starten. Der unten erwähnte Hafenmeister sagt, jetzt beginnt die schönste Zeit.
Wir haben uns Arkösund ausgesucht. Im Hafenhandbuch wird es nicht so gut beschrieben, deshalb sind wir von Nyköping nicht schon früher hier hingefahren. Wir wollten nicht alle Tage an einem Ort ohne Infrastruktur verbringen. Das schon mal vorab, Arkösund ist für uns einer der schönsten Marinas auf der Reise. Wir freuen uns hier hingekommen zu sein und ärgern uns, das Unwetter nicht hier abgewettert zu haben.
Hier wäre man auch gut beschützt, denn die SAR-Gruppe ist mit SUV und zwei Einsatzbooten sehr gut ausgestattet und 24/7 besetzt.
Das lehrt uns mal wieder, man muss sich eine eigene Meinung bilden, die Menschen sind einfach zu unterschiedlich in ihrer Beurteilung. Das gilt auch für die Hafenführer; das meint Ute, als sie schrieb „manche Beurteilungen sind eher subjektiv“ … .
Arkösund entspricht genau unseren Vorstelllungen: nicht zu groß, nicht zu klein. Es gibt einen Segelklub, so dass hier am Wochenende Regatten stattfinden und die ganze Stimmung eher von Sportlern bestimmt ist.
Wir gehen in den Hafen des Segelclubs und werden sehr freundlich aufgenommen. Es ist zwar alles recht einfach, aber der Hafenmeister hält alles sehr gut in Schuss und ist super nett. Er weist aus gleich auf das „Highlight“ hin, es sind die nach oben offenen Freiluftduschen. Nicht getrennt nach Männlein und Weiblein.
An Land gibt es einen tollen Pop-Up Bäcker mit genialem Brot, der auch leckere Pizza anbietet. Dazu einen Fischladen und einen ausreichend guten kleinen Supermarkt. Die Umgebung ist auch sehr schön. Es ist Festland, aber wenn man vom Wasser kommt, merkt man es nicht.
Der Wind kommt nach wie vor hauptsächlich aus Süd-West. Nicht gut für uns. Da wir uns vorgenommen haben, nicht mehr so viel zu motoren, warten wir auf Wind aus Osten, Westen oder Norden. Das wird schon irgendwann kommen, wir haben ja noch viel Zeit.
Arkösund an 01.08., ab 03.08., 15-25 Grad, sonnig, etwas bewölkt, Wind aus Süd-West










Ein perfekter Segeltag
Das Abwarten hat sich gelohnt. Wir verlassen Arkösund und sagen nochmal, es war schön dort. Es wird kühler – zumindest morgens – und bewölkter. Ute sagt „es wird Herbst“. Etwas übertrieben, denn so bald die Sonne scheint, wird es wieder warm. Am Nachmittag sind wieder 22°, eigentlich ganz angenehm.
Wir bekommen einen leichten Süd-Ost Wind, in der Realität hatten wir alles zwischen 40° und 150° zum scheinbaren Wind. Wir können durch die Schären segeln und die Steinhaufen umfahren, die im Weg liegen. So kommen wir auf 100% Segelei auf den 22 SM.
Ute findet, dass die Schären hier etwas freundlicher aussehen als um Stockholm herum. Begründen kann sie das nicht, es ist halt ein Gefühl.
Unser Ziel ist Gryts Varv. Es ist der Ort, bei dem wir uns letztes Jahr „verfahren“ haben und in Gryts Brygga gelandet sind. Nur einige hundert Meter zu Fuß entfernt, aber mit dem Schiff fast 10 SM.
Die Einfahrt ist mal wieder wunderschön und wir landen in der Marina, mit kleiner Werft und Gästhamn. Wir legen direkt vor dem Restaurant an, für das wir hauptsächlich hergekommen sind. Es ist eine Empfehlung der „Lambo-Crew“, die wie bei dem Baltic Törn 20 kennengelernt haben. Essen und Service sind sehr gut, den Abstecher kann man machen.
Später diskutieren wir, wie es weitergehen könnte. Der Wind ist schon eine Herausforderung. Mal ganz wenig, mal genau gegen an, dann ganz viel. Wir hoffen auf ein Fenster in Richtung Västervik (übermorgen?), um von dort mit südlichen/östlichen Winden nach Öland hoch am Wind segeln zu können. Also quasi über den Kalmar-Sund kreuzen. Danach nach Kalmar. Mal sehen, ob der Plan aufgeht.
Gryts Varv an 03.08., ab 04.08., 15-22 Grad, sonnig, teils bewölkt
Ab hier ist Rückweg
Woran merkt man, dass man auf dem Rückweg ist? Wir kennen die Häfen ab jetzt so ziemlich alle. Nach Gryts Varv sind wir auf Idö gelandet; das ist eine schöne Insel mit einigen Bewohnern und einem Restaurant hoch über dem Wasser in der Nähe von Västervik.
Wir waren auf 100% motoren durch die engen Schären und gegen den Wind eingestellt. So schlimm kam es nicht, ca. 1/3 der Strecke konnten wir hoch am Wind segeln. An einigen Stellen war es mal wieder extrem eng.
Sonne und Wolken wechselten sich ab. Morgens ist es jetzt knapp über 10°, aber am Nachmittag geht das Thermometer noch auf 25° hoch. Wegen des kühlen Windes sind aber lange Hosen angesagt.
Idö kann man schön umwandern, hatten wir schon im letzten Jahr gemacht. Diesmal neu: das Lotsenhaus mit Ausguck war offen. Man konnte bis Öland gucken. Wir sind da rauf und haben einige schöne Bilder gemacht.
Der Hafen ist 60% gefüllt, viele Deutsche auf dem Weg zurück. Wir werden sicher eine Flottille bilden in den nächsten Tagen.
Und nicht wundern: Wir sind nicht auf einer Schäre hängen geblieben: Unser AIS-Signal tut nur so als wären wir da.
Idö an 04.08., ab 05.08., 12-25 Grad, sonnig, teils bewölk











Touch and Go!
Wir haben gelernt, dass der moderne Segler „Touch an Go“ sagt, wenn er ankommt und am nächsten Tag weiter segelt. Wir sind natürlich modern und übernehmen den Sprachgebrauch.
Von Arkösund sind wir also in 5 Touch an Go’s in den Süden von Schweden. Die Stationen:
- Gryts Varv (Bericht)
- Idö (Bericht)
- Byxelkrog
- Kalmar
- Kristianopel
Wir sind Teil der Rückreiswelle deutscher Segler. Seit Idö treffen wir die gleichen Boote. Allerdings haben die anderen offensichtlich mehr Zeitdruck, denn sie motoren auch bei gutem Wind.
Wir nutzen die günstigen Wind dieser Tage und sind eigentlich nur gesegelt. Jetzt in Kristianopel warten wir auf günstigen Wind, um nach Bornholm zu kommen. Der schwedische Nachbar macht uns nicht viel Hoffnung, denn zu 75% weht der Wind aus Süd-West. Da müssen wir hoffen, dass sich mal die 25% durchsetzen. Donnerstag / Freitag (12./13.08.) könnte es klappen, zumindest mit Westwind.
Byxelkrog: Die besondere Form der Steine macht Jung und Alt einen schönen Spaß diese so hoch wie möglich zu stapeln
Kristianopel ist wirklich schön. Etwas Leben durch Besucher und eine sehr schöne Natur. Auf dem kleinen Dorfplatz ist eine Ausstellung zur Versöhnung. Im Mittelalter war es häufig umkämpft zwischen Dänemark und Schweden.
Als wir im letzten Jahr hier lagen, hat uns der damalige Nachbar einige selbstgemacht Blinis angeboten. Daraus hat sich eine Segelfreundschaft mit der 12 beinigen Crew der S/Y Lambo entwickelt.
Leider fangen Fliegen und Wespen an zu nerven. Wir nutzen verschiedene Naturrezepte, um uns der Quälgeister zu erwehren.
ByxeIkrog, an 05.08., ab 06.08., 12-25 Grad, sonnig, teils bewölkt
Kalmar, an 06.08., ab 07.08., 12-23 Grad, sonnig, teils bewölkt
Konstantinopel, an 07.08., ab 11.08., 12-23 Grad, sonnig, teils bewölkt
Houston, we have a problem!
Bisher haben wir es nicht bemerkt. Aber bei den Gewittern in Arkösund hat es unsere Antenne getroffen – so vermuten wir zumindest. Wir können Funk und AIS nur noch auf kurze Distanzen senden/empfangen. In den engen Schären fiel das nicht auf, aber in Kristianopel fällt es uns auf.
Marcus entdeckt eine durchgebrannte Sicherung an einem der Verteiler. Nach dem Ersatz geht es aber auch nicht viel besser. Wir sind im Kontakt mit dem Antenneninstallateur aus Deutschland, die versuchen zu helfen. Außerdem versuchen wir einen Techniker auf Bornholm zu finden, der nach der Überfahrt das Problem behebt.
Ohne AIS können wir leben, aber ohne Funk bei den langen Törns nach und von Bornholm ist es doof. An der Küste funktioniert auch Mobiltelefon, aber mitten auf dem Wasser halt nicht.
Ein Vorteil hat es, jetzt versteht Marcus die recht komplizierte Anlage zumindest prinzipiell, was leider nicht heißt, dass wir sie allein reparieren können.

Aufregung in Sandhamn
Wir starten von Kristianopel am 11.08, um noch etwas südlicher zu segeln, so dass die Strecke nach Bornholm 10 SM kürzer wird. Wir motoren halb und halb kreuzen wir mal wieder. Der Hafen von Sandhamn, nicht zu verwechseln mit dem Segelmekka in den Stockholmer Schären, versprüht einen spröden Charme, nichts um länger zu bleiben.
Aber als ehemaliger Hafen für die schwedische Fischflotte ist der Hafen groß und ideal für den Absprung nach Bornholm oder über die Hanö Bucht. Die meisten Segler wählen diese Strecke, da die täglichen Törns kürzer sind.
Als wir ankommen ist noch alles frei. Wir legen an einem Platz an, stellen aber fest, dass er uns nicht richtig gefällt. Also legen wir wieder ab, dabei ist Marcus wohl etwas schludrig bei der einen Festmacherleine. Sie fällt ins Wasser und verheddert sich in der Schraube. Das mag man gar nicht haben, denn der Motor geht automatisch aus.
Wir treiben also ohne Motor durch den Hafen, Gott sei dank ablandig. Zufällig sieht das der Sohn des Hafenmeisters, der uns gute Tipps gibt und seinem Vater informiert. Mittlerweise haben wir den Heckanker geworfen und sind ganz leicht auf dem sandigen Boden aufgelegen.
Der Hafenmeister kommt und schleppt uns sehr erfahren zu den Stegen. Wieder gut, diese sind alle mit LKW-Reifen geschützt, da kann beim Anlegen nicht viel passieren.
Marcus taucht zum Propeller. Die Leine hatte sich nur locker um den Schafft gelegt. Mit dem ersten Tauchgang war die Leine frei und der Motor lief wieder. Alles gut. Aber es war aufregend.
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten mit einer Flasche Rotwein und Bier und sind froh.
Weiter geht es morgen, in Tjen.
Sandham, an 11.08., ab 12.08., 15-23 Grad, sonnig, teils bewölkt

Jens, der Retter
Ute schmeißt die Crew am Morgen um 4.ooh aus dem Bett, um 5.00h geht es los nach Bornholm. Als kleine Belohnung gibt es einen schönen Sonnenaufgang.
Ziel ist Tejn an der Nordostküste von Bornholm; dort haben wir Jens ausfindig gemacht, einen Experten für Funkanlagen. Auf dieser Überfahrt müssen wir ohne AIS und vor allem Funk auskommen und durch die viel befahrene Schifffahrtsroute kommen. Etwas mulmig ist uns zumute, denn das Mobiltelefon hat die meiste Zeit keinen Kontakt. Aber ein dänisches Segelboot ist in unserer Nähe, das beruhigt uns.
Es sind 4-6 m/s vorhergesagt, das wäre ideal gewesen. Leider hält sich der Wind nicht an den Forecast. Es wird halb so viel, daher müssen wir 2/3 der 65 SM motoren. Zum Schluss bläst der Wind auf, wir können gerade eben den Kurs anlegen und noch 3 Stunden bei gutem Wind und mäßiger Welle segeln.
Ankunft ist bereits um 15.00h. Wir informieren Jens, den Funk Experten, und er kommt schon mal kurz vorbei. Er ist auf Bornholm geboren, macht jetzt hier Urlaub und arbeitet für Furuno Dänemark in Kopenhagen und installiert/repariert Funkanlagen für die Berufsschifffahrt. Wir sind also bei dem richtigen Menschen gelandet.

Nächster Morgen: Jens hat sich für 9.00 angekündigt. Wir bereiten alles vor, so dass er keine Zeit mit Demontage verliert.
Nach einem Briefing, hat er schon die nötigen Teile (Ersatzantenne, Kabel, Stecker) bei seiner Firma für uns bestellt, die sind gestern pünktlich angekommen. Zudem bringt er Messinstrumente und Werkzeug mit. Das macht schon mal einen sehr professionellen Eindruck.
Er misst die Leistung der Anlage und kommt zum Ergebnis, dass die Instrumente (Funk- und AIS-Anlage) unbeschadet sind. Das hätte einige Tausend Euro gekostet. Auch wenn das abzüglich der Selbstbeteiligung die Versicherung übernommen hätte sind wir froh. Kaputt ist nach seiner Meinung der 12-Volt Antennenverstärker im Masttopp. Da kommen wir ohne Kran nicht ran. Also muss eine Übergangslösung her.
Wir installieren also die Ersatzantenne. Sie muss möglichst hoch und so weit weg von Mast und Wanten installiert werden, damit Empfang und die Sendeleistung möglichst wenig beeinflusst werden. Marcus schlägt die Anbringung am Achterstak vor. Gesagt getan.
Jens prüft mit Lyngby Radio (Dänische Seerettung) die Funkqualität nach der Installation. Die bestätigen, dass wir sehr gut zu verstehen sind. Außerdem gibt er uns noch einige Verbesserungstipps für die gesamte Anlage. Die werden wir im Winterlagen versuchen umzusetzen.
Um 11.00h ist die Reparatur beendet und Jens rechnet ganz fair Teile und Arbeitsleistung ab. Wir bedanken uns tausend Mal, dass er sich im Urlaub um uns gekümmert hat. Er ist wirklich ein herzensguter Mensch und irgendwie hat es ihm Freude gemacht, uns zu helfen. Für solche Fälle haben wir immer einen Whiskey dabei, die härteste „Währung“ in Skandinavien. Die Flasche hat er sich wirklich verdient.
Das Gute, Marcus weiß jetzt wie das System funktioniert, zumindest prinzipiell.
Tejn ist nicht schön, es ist auch ein ehemalige Hafen für die Fischerei. Aber Jens erklärt uns, dass sich gerade viel ändert. Es gibt schon eine Craft-Bier Brauerei und die auf Bornholm sehr bekannte Speiseeis-Manufaktur aus Sandvig/Allinge hat eine ehemalige Eis-Produktionsanlage im Hafen gekauft und wird die umbauen. Kann sein, dass Tejn in 1-2 Jahren ganz nett sein wird. Aber weil dem noch nicht so ist, fahren wir erstmal weiter nach Allinge, 3 SM weiter nördlich. Für die nächsten Tage ist starker Wind angesagt und wir brauchen mal wieder einen schönen Platz zum Abwettern.
Tejn, an 12.08., ab 13.08., 12-23 Grad, sonnig, teils bewölkt







Sieben Tage Abwettern in Allinge auf Bornholm
Wir hatten ja gewusst, dass das Wetter schlechter wird. Deshalb sind wir nach Bornholm, denn dort kann man sich auf der Ostseite gut vor starkem Westwind verstecken und hat viele Optionen zum Weitersegeln. Das Tief zieht deutlich langsamer durch als angesagt, so sind wir insgesamt eine Woche eingeweht. Darunter 1,5 Tage Regen, so dass wir erstmalig auf dem Törn die Kuchenbude aufbauen.
Der Wind kommt die Tage vom Westen, also legen wir uns nach Allinge in Lee der Insel. Hier bleibt es auch bei starkem Wind und Sturm ruhig. Hier trifft sich die Rückreisewelle gen Westen, eine nette Truppe aus Holländischen und Deutschen Seglern. Dabei auch die S/Y Loony, ein schnittiges Holzschiff aus Kappeln, die wir vor einem Jahr auf Samsö getroffen haben. Auch dort waren wir ein paar Tage eingeweht. Zusammen mit unserem Backbordnachbarn auch aus Kappeln, der Einhand hier ist, bildet sich eine nette Gruppe. Wir gehen bei Kim Bier trinken, Essen und Quatschen zusammen.
Der Ort ist ähnlich „hyggelig“ wie Gudhjem und Svanneke. Eventuell sogar etwas vielseitiger mit schönen Strecken zum Wandern, Radeln; sogar einen Sandstrand gibt es in der Nähe. Nicht zu vergessen, den Pub von Kim mit 18 lokalen Craft Bieren und das beste Eis auf der Insel im Nachbarort Sandvig. Lecker essen gehen wir im neuen Restaurant Sommers – sehr nett, sehr lecker.
Wir machen eine schöne Fahrradtour zur anderen Seite der Insel, vorbei an der Burgruine bei Hammerhavn. Die Tour hat hin- und zurück eigentlich nur Anstiege und Wind von vorn – komisch. Da haben wir uns ein Stück Kuchen mit Sahne verdient.
Letztes Jahr haben wir gelernt, dass es auf der Insel einen Skilift gibt. Dieses Jahr sehen wir Free-Climbing am Hang des Steinbruchs. Sehr imponierend.
Wir kennen auf Bornholm fast jeden Stein, siehe Berichte vom Baltic Törn 20! Aber einen neuen Ort haben mit dem Fahrrad entdeckt: VANG. Wir waren noch nie in der Bretagne, aber so stellen wir uns ein dortiges Fischerdorf vor. Es liegt im Westen, also voll im Wind, was sogar Wellensurfen ermöglicht.
Am Samstag, den 21.08., soll es weitergehen. Der Wind lässt nach und soll mit mittlerer Stärke aus West wehen. Wir werden früh aufbrechen und hoffen am Nachmittag in Lohme auf Rügen anzulanden. Danach soll es gleich weiter gehen, entweder bis Warnemünde oder mit einem Zwischenstopp in Barhöft. Mal sehen. Die anderen Segelfreunde haben die gleichen Ziele.
Relativ wenig Text für 7 Tage, aber dafür mehr Fotos. Hatten wir schon gesagt, dass es unsere Lieblingsinsel in der Ostsee ist? Wer noch nicht hier war, sollte dies unbedingt nachholen.
Allinge, an 13.08., ab 21.08., 15-25 Grad, starker Westwind, teils sonnig, teils bewölkt, Regen

In kleiner Flottille gen Westen
Die nette Bornholm-Gruppe segelt gemeinsam gen Südwesten. Wir alle kommen aus der Schlei. Am ersten Tag geht es bei gutem Wind von Bornholm nach Lohme auf Rügen. Das kannten die anderen noch nicht und wir mussten sie ein wenig überzeugen, dort hinzukommen.
Die Andante-Crew wird wieder mitten in der Nacht geweckt und es gut um 6.00h los. Es wird ein sehr schöner Segeltörn: hoch am Wind, 60 Meilen in 9 Stunden. Segeln von Anfang bis Ende. Auf dem Weg passieren wir mal wieder einen großem Windpark, der offensichtlich gerade angeschlossen wird – wohl auch für Deutschland. Wenn Dänemark so weiter macht, sind die nach Norwegen das nächste Land mit 100% regenerativer Energieversorgung.
Wir kommen am Nachmittag in Lohme an, genießen die Sonne und den schönen Ort. Abends gibt es ein gutes Essen auf dem Berg im Panorama Restaurant mit herrlichem Ausblick über die Ostsee zum Kap Arkona. Es ist ein sehr nettes und kurzweiliges Zusammensitzen.
Am nächsten Tag löst sich die Flottille auf. SY Loony geht direkt nach Warnemünde. Jürgen mit der SY Traumfänger und wir lassen es etwas geruhsamer angehen und nehmen uns Barhöft als Ziel. Wieder ein herrlicher Segeltag, mit 45 Meilen, diesmal achterlicher Wind, aber 100% Segelspaß.
Barhöft ist ein alter Naturhafen, wunderschön gelegen, wir waren schon lange nicht mehr hier. Inzwischen ist er ausgebaut und bietet sicher doppelt so viel Plätze wie früher. Die Wahl des Hafens war bei dem Nordostwind nur suboptimal, denn das Anlegen bei recht frischem Seitenwind war für alle Segler eine Herausforderung.
Am nächsten Tag geht es dann zusammen mit dem SY Traumfänger nach Warnemünde, wieder 45 Meilen, der Wind hat etwas nachgelassen. Ute erzählt irgendetwas von der „Entdeckung der Langsamkeit“. 10 SM vor dem Hafen ruft der Hunger „Start the Engine“. Wir gehen wie immer in die Hohe Düne, weil es unkompliziert ist und man immer einen Platz bekommt. Aber die Marina ist deutlich voller als früher und gleicht eher einem Bootsparkplatz mit begrenztem Charme. Wir gehen wie fast immer eine Pizza beim Italiener im Hafen essen.
Der Wetterbericht prognostiziert wieder ein ausgiebiges Tief mit viel Westwind und Regen. Wir erwägen Heiligenhafen oder Kühlungsborn als Ziel. Da wir noch viel Zeit haben und schon auf der Hinreise in Heiligenhafen abwettern mussten, entscheiden wir uns für Kübo. Die Möglichkeiten hier die Zeit zu vertreiben sind etwas größer: Restaurants, Spazierengehen, Shoppen etc. Es sind nur 12 SM, die wir gemütlich bei östlichem Wind und dem Code Zero segeln.
Von Bornholm sind es insgesamt ca. 160 SM, dabei sind wir nur 10 SM motort. Das erhöht die Segelquote! Jetzt liegen noch zwei Stepps vor uns, Heiligenhafen und unser Heimathafen Maasholm. In der ersten Septemberwoche wollen wir dort sein. ABER – es sieht so aus, als wenn wir hier wieder eine Woche bei starkem Nordwest- bis Nordwind und Regen (sind wir gar nicht mehr gewöhnt) hängen bleiben.
Lohme, an 21.08., ab 22.08., rd. 20 Grad, Ostwind, teils sonnig, teils bewölkt
Barhöft, an 22.08., ab 23.08., rd. 20 Grad, Ostwind, teils sonnig, teils bewölkt
Warnemünde, an 23.08., ab 24.08., rd. 20 Grad, Ostwind, teils sonnig, teils bewölk
Heul, pfeiff, klapper – das Tief Ove hält uns in Kübo fest
Es war klar, es wird windig bis stürmisch und regnerisch. Aber so lange? Der Wettergott hat sicher gesagt, die beiden haben jetzt wochen- bis monatelang Sonne pur gehabt, jetzt ist Schluss damit. Ich muss die mal wieder an norddeutsches Wetter gewöhnen.
Der Wind ist gar nicht so stark, 10 – 12 m/s, aber der Hafen ist offen nach Norden und so knallt es hier rein. Die Wellen sind recht hoch bis in die Hafeneinfahrt, da es eine flache Küste ist. Gar nicht so ganz ohne für Segler. Wenn man in ein Wellental „fällt“, kann man vor der Einfahrt in die Marina durchaus den Grund berühren.
Es ist ein Wetter, bei dem vor allem die Charter Crews rausgehen, die müssen ihre Miete absegeln. Das Schiff gestern in Heiligenhafen übernommen, heute hier und dann Rund Rügen. Der Klassiker.
Nicht alle Tage sind so trübe, anfangs ist die Sonne noch da. Wir gehen schön essen und kochen uns nette Gerichte, beispielsweise eine selbst kreierte Bowl. Ute nutzt die Tage um die Bachelorarbeit für das Lehramt ihrer Nichte durchzuarbeiten.
Am Mittwoch soll es ein Fenster für die Weiterreise geben und am nächsten Wochenende könnten wir wieder in Maasholm sein. Dann soll es auch wieder Sonne und Ostwind geben.
Kühlungsborn, an 24.08., ab 01.09., kühler, 15 bis max. 20 Grad, starker Nordwestwind, Regen & Sonne

Die vorletzte Etappe nach Heiligenhafen
In Kühlungsborn waren wir länger als erwartet. Wenn der Nordwind auf die Marina weht, ist es davor richtig wellig, man kommt fast nicht aus der Einfahrt. Am Samstag ergibt es ein Fenster, angesagt ist Nord-Ost mit 6 m/s und wir hoffen hoch am Wind Richtung Fehmarn segeln zu können.
Anfänglich sind max. nur 3 m/s dafür steht auf den ersten 10 SM, da wo es noch flach ist, eine richtig fiese und nervige Ostseewelle. Gefühlt kommt sie aus allen Richtungen. Wir überlegen schon nach Grömitz abzulaufen, also weiter südlich, um etwas mehr Speed zu machen. Warten aber noch ab, weil die Hoffnung besteht, dass es im tieferen Gewässer besser wird.
So war es dann auch. Die Welle ließ nach und der Wind nahm zu. Es wurde ein herrlicher Kreuzkurs bis zum Tonnenstrich unter die Fehmarnsund-Brücke. Wir freuen uns darüber, wie schnell die Segelyacht hoch am Wind segelt – wie auf Schienen. Am Nachmittag kommen wir in Heiligenhafen an, suchen wieder unseren Lieblingsplatz im Außenbereich mit Blick auf den Graswarder und bekommen ihn. Alles gut.
Hier treffen wir, wie auf der Hinfahrt, die Familie von Ute. Gehen zusammen essen und klönen. Auf der Rückfahrt gefällt uns Heiligenhafen besser.
Das Niveau der Geschäfte und Restaurants dort und folglich des Publikums ist doch etwas höher als in Kübo. Wenn man dort länger ist, fällt einem auf, dass einige Geschäfte doch unterirdisches Niveau haben und es nicht wirklich Spaß macht dort zu bummeln. Außerdem war es extrem voll.
Das Wetter in Heiligenhafen war recht gut, immer noch sonnig und ab und zu Regen. Aber der Wind weiter aus dem Norden, so dass wir länger hier waren als geplant.
Heiligenhafen, an 01.09., ab 05.09., sonnig gute 20 Grad
Überraschung
Wieder warten wir in Heiligenhafen auf ein Windfenster, um weiter gen Norden segeln zu können. Von Heiligenhafen bis Maasholm zur Einfahrt in die Marina ist es ein Kurs von 295° und 43 SM. Also Nordwind ist Mist, denn kreuzen ist bei der Distanz uns zu viel. Weiter abfallen, um nach Kiel zu segeln kommt nicht in Frage. Dort findet die Kieler Woche, der größte Segelevent der Welt, statt – man findet bestimmt keinen Platz.
Am Sonntag ist Südwind angesagt, 6 m/s in Böen 8. In der Realität stimmte die Richtung mit dem Forecast überein, aber aus den 8 m/s werden in Böen 11. Das ist schon ganz schön viel für unsere zwei-Köpfe-Crew, zumal die Wellen wirklich hoch sind. Angesagt waren 1m, es sind in der Spitze mindestens 2m, eher 2,5m.
Erstaunlich, dass der Autopilot auch bei ordentlicher Welle und wackeligem Raumwindkurs so gut funktioniert. Das macht so einen Trip viel entspannter.
Der scheinbare Wind kommt aus 150°, genau richtig, so müssen wir keine Angst vor einer Patenthalse haben. Bei einer Patenthalse kommt der Baum ungewollt – oft in einer Welle – von einem Bug auf den anderen. Bei starkem Wind kann da schon mal etwas kaputt gehen und im schlimmsten Fall kann sich jemand verletzten. Aber es passierte nichts.
Da wir am Morgen noch hin und her überlegt haben, ob wir wirklich segeln wollen, starten wir erst gegen 11.30h. Nach 6 Stunden haben wir die 43 Seemeilen hinter uns und kommen in unserem Heimathafen Maasholm an. Die ganze Zeit konnten wir uns sehr sicher fühlen, da wir fast die ganze Strecke vom Küstenwachschiff „Seeadler“ begleitet wurden. Deren Tagesaufgabe war wohl mit unserem Törn deckungsgleich; ist mussten offensichtlich die deutsch-dänische Grenze kontrollieren.
In Maasholm dann die große Überraschung: Unsere Stegnachbarn, die uns die ganzen Wochen mit dem Blog und auf „Marine Traffic“ verfolgt haben, empfangen uns mit einem Plakat. Wir sind wirklich überrascht und freuen uns unheimlich über die Aktion. Auch noch eine Flasche Prosecco geben Christine und Günter von der M/S Adeja aus, die trinken wir gemeinsam, gleich nachdem die Leinen fest sind.
In 30 Minuten werden alle Neuigkeiten ausgetauscht, dann fahren die beiden nach Hause – sie müssen schließlich noch arbeiten.

Von Bornholm sind wir mit einer kleinen Ausnahme komplett gesegelt. Der Wind kam aus allen Richtungen, so dass wir alle denkbaren Kurse mit unterschiedlichsten Windstärken gesegelt sind. Vom Seglerischen war es der schönste Teil der Reise. Es ist natürlich Luxus, wenn man ohne Zeitdruck auf den richtigen Wind warten kann und nicht die Volvo-Genua bemühen muss.
Hier endet nun unser Baltic Törn 21. Kaum zu glauben, dass 100 Tage auch mal vorbeigehen. Wir werden noch eine Auswertung schreiben. Da wollen wir auch noch einige Tipps geben für alle, die irgendwann einen ähnlichen Segeltörn unternehmen wollen.
Maasholm an 05.09., sonnig, morgens kühler, tagsüber aber wieder 25 Grad
Fazit, Bewertung, Tipps
Zuerst die harten Fakten, danach gibt es einige Hinweise für die Segler, die einen ähnlichen Törn planen.
Wir sind exakt 100 Tage unterwegs gewesen, davon 47 Segeltage. Ja, ja wir wissen, Boris ist in in 80 Tagen „um die Welt“ gesegelt. Aber bei uns war es gemütlicher, Essen und Wetter besser und wir haben kein Fischerboot gerammt.
Apropos Wetter. Wir hatten in Skandinavien insgesamt max. 8h Regen (davon 7h nachts). Erst Ende August an der Deutschen Küste regnet länger und mehr. Also mehr als 97% Sonne, manchmal mit Wolken, was eher angenehm war. In Schweden gibt es aufgrund der Trockenheit auch Wassermangel, schwer zu glauben bei all den Seen.
Der Grund, ein stabiles Hoch über Nordeuropa, welches die Tiefs nach Süden, d.h. nach Deutschland drängt. Ein Wetterphänomen, auf das man sich nicht verlassen kann, welches aber recht häufig vorkommt. Außerdem ist das Wetter in Ostschweden wegen des kontinentalen Einflusses wohl beständiger als im Westen.
Statistik
Total Seemeilen / Stunden: 1.517 SM / 248 Std.
Davon unter Segeln: 900,2 SM / 158 Std = ⌀ 5,7 Knoten / h
Davon unter Motor: 616,4 SM / 90 Std = ⌀ 6,8 Knoten / h
Segelquote bezogen auf SM: 60% / Std: 64%
Extremste Positionen
Nord: Havsvidden (AX): 60° 25′ 19″ N, 19° 54′ 54″ E
Ost: Bärö/Glada Laxen (AX): 60°18.28’N, 020°44.60’E
Süd: Kühlungsborn: 54°14.38’N, 011°73.22’E
West: Maasholm: 54°68.39’N, 009°99.08’E
Eine subjektive Liste unserer Highlights
Schönsten Orte
1. Visby (SWE), 2. Mariefred (SWE), 3. Vaxholm (SWE)
TOP Marinas
1. Malma Kvarn (SWE), 1. Finnhamn (SWE), 3. Rodhämn (AX), 4. Allinge (DK) 5. Arkösund (SWE)
Beste Restaurants
1. Bistro Malma Kvarn, 2. Havsvidden Resort, 3. Bakfickan, Visby
Leckerste Bäckereien
1. Ingmasö, 2. Utö, 3. Pop Up Bäckerei Arkösund, 4. Brödre Bageri, Tejn
Bestes Bier
1. Ölstauan (Kim), Allinge, 2. Penyllan Brewery, Tejn, 3. Ingmarsö Krog, Ingmarsö
Stimmungsvollste Locations
1. Rastaholms Värdshus, Mälaren 2. Kobben & C-Bar, Vaxholm, 3. Vaxholms Hembygdsgards Cafe
Langweiligste Orte
1. Nynäshamn 2. Nyköping
Längster Tag
21./22.06 auf Utö, Sonnenaufgang 3:35 (UTC +2), Sonnenuntergang 22:03
Nettestes Abwettern
Marina Allinge mit SY Loony und SY Traumfänger
Tipps
Durch die Schären mit Raumschots (Rückenwind)
Durch die Schären muss man mit raumen Wind segeln, sonst kann man in den teils engen Stellen nicht manövrieren. Der Wind weht häufig (angeblich zu 75%) aus Süden bzw. Süd-West, folglich sollte man auf dem Weg gen Norden durch die Schären segeln.
Wir haben mit der spontanen Entscheidung von Öland nach Visby/Gotland zu segeln einen Fehler gemacht. Wir wollten die Schären auf dem Rückweg durchfahren, das ging meistens aber nur unter Motor. Auf der anderen Seite hatten wir den Vorteil Visby vor der Saison erkunden zu können.
Peak Season in Schweden
Die Urlaubsaison in Schweden ist genau einzugrenzen: der Juli. Dann wird es auf Öland, Gotland und nördlich von Västervik voll. Allerdings nie so voll, wie wir es von der deutschen und dänischen Küste und und den Inseln dort kennen, denn man kann ja immer auf eine Schäre ausweichen und dort ankern. Vorher und nachher ist es ruhig, das ist die schönste Zeit, sagen die Schweden selbst.
Der richtige Bojen-Haken bringt Entspannung
Zum Festmachen in den Häfen gibt es entweder Bojen (ca. 60%) oder schmale Ausleger (furchtbar, da nicht zu betreten) und manchmal auch Mooring Leinen. Anfänglich hatten wir unseren einfach Bojen-Haken, der oft aber wieder aus der Bojen-Öse rausfällt, v.a. wenn die Boje näher am Steg ist. Viel besser sind Bojen-Haken mit einem Verschluss. Die sind einfach zu befestigen und auch gut zu lösen .
Essen & Trinken
Wir sind noch nie so viel während eines Segeltörns essen gegangen. Einerseits nimmt die Qualität der Restaurants zu je näher man an Stockholm kommt. Anderseits gewöhnen wir uns an die Schwedische Küche und haben sogar mehrmals Toast Skagen genossen. Teuer ist immer der Alkohol, bei uns Wein, ansonsten sind die Preise auf dem Norddeutschen Niveau. Auf den Alands ist alles teurer und man kann die Preise nicht mehr durch 10 teilen, schade.
(Tief-) Kühlbox
An der Küste und sogar auf den Schären gibt es zwar sehr häufig einen kleinen Supermarkt, dafür ist man sehr dankbar. Aber die Auswahl (frisches Fleisch und Gemüse, Aufschnitt, Käse, Brot) ist sehr begrenzt und Fisch gibt es komischerweise nur sehr selten. Dafür hatten wir uns eine kleine weitere Kühlbox zur Ergänzung gekauft. Die Kühlbox kann auch frieren (-18°!). Das gibt Eis für den Campari mit O-Saft und man kann die leckeren Sachen in der Stadt einkaufen und für die nächsten Wochen einfrieren. Klingt ein bisschen „pervers“, aber erhöht die Essensqualität erheblich. https://www.dometic.com/de-de
Dock Spot, Hafengebühren
In allen Häfen zahlt man entweder am Automaten oder über das Internet. Besonders in den Häfen rund Stockholm kann man über „Dock-Spot.com“ einen Platz reservieren und bezahlen. Die Reservierung kostet 10% mehr, also €4. Die Dock-Spot Liegeplätze sind nicht immer die besten, wenn man dann doch auf einen anderen geht, ist dies kein Problem. Man kann auch eine Versicherung abschließen (10%), wenn man dann nicht kommt, bekommt man die Gebühr zurück. Alles ganz praktisch, besonders in der Hochsaison (Juli) kann man so entspannt bis in den Abend hinein segeln. Übrigens auch in Kübo gibt es jetzt Dock-Spot Plätze!
Die Hafengebühren pro Tag starten in Barhöft mit 21 Euro und belaufen sich in den Hotspots um Stockholm und Bornholm auf 40 + X Euro, jedoch meistens inkl. Benutzung der Waschmaschine.
Bezahlung
Bargeld braucht man nicht, alles, wirklich alles kann mit Kreditkarte, Apple/Google Pay bezahlt werden. Im Gegenteil, Bargeld wird oftmals gar nicht akzeptiert. Also keine Euros umtauschen oder eben nur einen sehr geringen Betrag.
Internet
Wir hatten in Schweden jederzeit Internet Empfang, auch auf der kleinsten Schäre, meistens 4G und manchmal sogar 5G, natürlich ohne Roaming. Wer kein großes Datenvolumen hat, kann sich günstig in Schweden eine Prepaid-Sim-Karte kaufen (Telia) und günstiger surfen als in Deutschland.
Flasche Whisky
Wir haben immer eine Flasche Whisky dabei für jemanden, der uns aus einer prekären Situation hilft, sei es von Grund oder in den Hafen schleppen, oder oder oder. Geld will dann keiner haben, aber mit der Flasche zaubert man ein Lächeln ins Gesicht.
Seekarten und Hafenhandbücher
Siehe die Seite „SY Andante“
Post
Einige fragten, wie wir es mit der Post gemacht haben. Erstmal habe ich seit Monaten die Werbepost zurückgeschickt und gebeten uns aus der Datenbank zu löschen. Dann haben wir einen netzwerkfähigen Drucker-Kopierer-Scanner gekauft und den so eingestellt, dass jemand zu Hause ganz einfach die Post scannen und an uns per email schicken konnte. So haben wir einmal die Woche die wichtige Post erhalten, aber es ist heutzutage ja nicht mehr viel.
Was fehlte?
Ersatz-Funkantenne
Irgendetwas geht immer kaputt. Wäre natürlich genial, wenn man vorher wüsste was! Diesmal ist durch Blitz (Überspannung) der Verstärker der Funkantenne kaputt gegangen. Auch wenn man den Funk nur sehr selten benutzt, ohne fühlt man sich gerade bei dem Queren der diversen Schifffahrtslinien und großen Distanzen ohne Mobilfunkempfang unwohl. Deshalb macht ein Funk-Handgerät und eine Notfallantenne, die man direkt an die Black-box des DSC Geräts anschließt, viel Sinn. Die Antenne muss so hoch wie möglich und so weit weg von Mast und Wanten angebracht werden, siehe unseren Bericht.
Im nächsten Jahr werden wir uns auch ein Handfunkgerät für Notfälle zulegen.
Anker-Bojen
Das schwedische Pendant zum Kreuzer-Club heißt „Svenska Kryssarklubben, http://www.sxk.se“. Der Club stellt an vielen Plätzen Ankerbojen bereit, an denen man als Mitglied festmachen kann. Das kostet ca. 60 Euro pro Jahr und ist auch für Ausländer möglich. Das werden wir im nächsten Jahr machen, ein kleiner Wimpel zeigt dann die Mitgliedschaft an.
Anti-Ruck-Gummis
Wir haben die Schwarzen Dinger, um die man die Festmacherleine wickelt bisher nie genutzt. Aber in den Schären machen sie Sinn, da es an fast allen Anlegestellen, auch in der Marina, zu teils recht starken Schwell kommt.
Bimini
Wir hatten fast immer Sonne. Auch wenn das nicht jedes Jahr so sein wird – es fehlte ein Bimini. Also ein Zeltdach, dass auch während der Fahrt oben ist. Im Mittelmeer Standard und viele Schweden haben auch eines.
Absegeln
Wir entscheiden uns das Schiff ins Winterlager zu bringen. Die Wetteraussichten sind nicht berauschend, viel Regen und sogar Sturm ist angesagt. Und wenn mal ein Tag schön ist, dann sind die nächsten wieder schlecht.
Außerdem sagt Ute „wir sind übersegelt“, die Luft ist raus nach über 100 Tagen auf dem Schiff und über 1.500 SM. Also nutzen wir Dienstag und Mittwoch (28./29.09.). um die SY Andante von Maasholm nach Schleswig zu überführen. Es sind nur 20 SM, aber Wind von vorn. Nur die letzten 5 SM über die Große Breite vor Schleswig können wir segeln.
Die Fahrt in die Schlei ist wunderschön, die Natur einzigartig. Bis Corona war diese Gegend fast ein Geheimtipp, den sogar viele Hamburger nicht kannten. Das hat sich (leider) geändert. In Kappeln haben sich die Übernachtungszahlen vervierfacht, sagt der Taxifahrer.
Am Ende der Großen Breite ist der Fjord so eng, dass 5m vom Boot entfernt die Vögel im Wasser stehen. Danach sind es nur noch 3 SM bis Schleswig. Hier endet die Schlei, die ja kein Fluss ist. Sofort fällt auf, dass der imposante Dom, der viele Jahre renoviert wurde, fertig ist – sehr schön.
Ein schöner Abschluss mit dem letzten Anlegerbier.
Am nächsten Tag wird das Schiff klar gemacht. Segel abschlagen, Notantenne abbauen, Ausräumen und und und. Es ist Arbeit für mehrere Stunden. Irre, wie viel Sachen in so einen kleinen Raum passen.
Jetzt sind wir „frei“ und können uns jetzt mal wieder mit Freunden in Hamburg treffen. Vielleicht auch eine Tour in die Weinberge (Rheingau, Kaiserstuhl). Und, ganz wichtig, Pilze sammeln; denn es beginnt die Zeit unseres Lieblingspilzes, der Marone.

http://www.grosse-freiheit.blog
Wir haben viel positives Feed-Back erhalten und freuen uns sehr, dass es so vielen Freunden gefallen hat. Der Blog ist für uns auch eine Art Tagebuch. Wenn wir später im Lehnstuhl des Seniorenheims sitzen, können wir uns in die Zeit zurück versetzten.
Jetzt ist erstmal Pause. Vielleicht machen wir noch einen überraschenden Segeltörn im Winter. Über den würden wir hier berichten, also am Besten den Blog abonnieren (auf Seite Kontakt), dann bekommt ihr ein email, wenn sich etwas tut.
Wohin soll es im nächsten Jahr gehen?
Der augenbliche Stand der Diskussion ist die Schwedische Westküste, Norwegen, Oslo und der Limfjord und möglicherweise einen kurzen Ausflug auf die große Nordsee. Aber das kann sich auch noch ändern.






Nachschlag ohne Schiff
Das Schiff ist leer geräumt und bei der Werft in Schleswig abgegeben. Wie gesagt, die Luft war raus und wir wollten den Herbst für andere Aktivitäten frei halten. Zuerst haben wir mal in Kunst gemacht.
Von mehreren Seiten wurde uns die Nord Art in Büdelsdorf (Rendsburg) empfohlen. Moderne Kunst ausgestellt in dem riesigen Gelände der Ahlmann Fabrik (Baumaschinen). Wie schrieb eine künstlerische Freundin „die Werke beziehen ihren Reiz durch die Wirkung des Neben- und Miteinanders der Kunst“.
Partnerland ist 2021 Usbekistan und viele der anderen Künstler kommen aus Osteuropa. Viele Bilder sind eher surreal, die Skulpturen stehen in und außerhalb der Hallen. Es gibt wirklich viel zu entdecken.
Da wir schon mal dort oben im Norden sind, übernachten wir in Schleswig im schönen „Hotel Strandleben“ essen gut zu Abend und wollen am nächsten Tag ins Schloss Gottorf gehen. Am nächsten Morgen erzeugen Frühnebel und Sonne eine einzigartige Stimmung. Quasi natürliche Kunst.
In der Reithalle von Schloss Gottorf in Schleswig erwartet uns die aktuelle Ausstellung von Christopher Lehmpfuhl aus Berlin. Von ihm haben wir schon gelesen und einen TV-Bericht gesehen. Er malt nicht mit dem Pinsel sondern trägt mit den Händen die Farbe so stark auf, dass ein erhabenes Bild, also mit dritter Dimension entsteht.
Er arbeitet bevorzugt draußen, auch wenn es stürmt und schneit. So entstehen Sturmbilder von der Nordsee und Island. Es gibt aber auch viele Motive aus Berlin und der Welt (Südeuropa, China etc.). Dazwischen werden auch Aquarelle und Zeichnungen gezeigt. Wir sind begeistert.
Daneben gibt es zwei privat gestiftete Dauerausstellungen. Eine mit der Klammer französische Impressionisten mit den Deutschen Pendants und eine moderne mit Bildern, Skulpturen und andere schöne Dinge, wie Porzellan. Die zweite war uns näher. Auch sehr schön.
Die Ausstellung läuft noch bis Jan 2022. Wer also nur etwas an Kunst interessiert ist, mehr sind wir auch nicht, sollte nach Schleswig ins Schloss Gottorf fahren. Es ist zudem ein wunderschönes Ensemble mit herrlichem Garten. Ein schöner Tagesausflug und am Ende des Tages ist die Festplatte voll.
Alle wichtigen Links auf der Seite „Links“.






























































































































































