S/Y Andante

Hier folgen höchst subjektive Informationen, denn den Segler, der objektiv über sein Schiff erzählt, ist noch nicht geboren.

Unsere Andante ist eine Comfortina 39 und von der kleinen Werft Comfort Yachts in Schweden, in der Ortschaft Arvika, gebaut worden. Das war 2011, wir haben das Schiff 2018 also gebraucht gekauft. Es war in einem Top Zustand und genau das Boot, das wir uns vorgestellt haben.

Comfort Yachts gehörte einem Schweden, er war der Bootsdesigner, und einem Deutschen, der von Schleswig den Verkauf organisiert hat. Leider ist der Schwede in den 00er Jahren bei einem Autounfall mit einem Elch ums Leben gekommen. Davon hat sich die Werft nicht mehr erholt und ging nach der Finanzkrise unter. Heute konzentriert man sich in Schleswig auf Service und das Winterlager und bietet Neubauten auf Kundenwunsch.

Unsere Andante ist wohl das letzte Schiff dieser Werft, das in Schweden gebaut wurde.

Unter Seglern ist klar, dass die schönsten und besten Einrumpfschiffe aus den nordischen Ländern kommen, Finnland, Schweden und Dänemark.

Die Comfortina ist ein gelungener Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit, das soll der schreckliche Name wohl aussagen. Es gibt nur wenige Yachten, die schneller sind als wir. Marcus ist sehr empfindlich, wenn uns jemand überholt – das geht gar nicht!

Der Innenausbau ist sehr liebevoll gemacht, „runde Ecken“ damit man sich nicht verletzt, wertiges Holz und die Türen funktionieren auch bei härtestem Segeln. Im Außenbereich wurden nur gute Komponenten von Haken, Andersen, Selden verwandt und das Teakdeck ist von hoher Qualität.

Die Segel sind der Motor einer Segelyacht und das Angebot ist unüberschaubar. Ich weiß nicht, ob es jemanden gibt, der alles überblickt. Die Preise für Segel sind nach oben offen, Regatta-Segler geben dafür ein Vermögen aus – jedes Jahr. Bei uns Fahrtenseglern (Cruiser) müssen die Segel einige Jahre halten, aber vernünftiger Vortrieb besonders an der Kreuz (hoch am Wind) soll auch sein.

Unsere Entscheidung fiel auf die Produkte von Elvstroem, Dänemark und einem für Fahrtensegler hochwertigen Material, welches mit Carbon verstärkt ist und modern geschnitten ist, siehe Foto.

Unsere Segel:
1. Rollfock, 107%
2. Großsegel
3. Code-Zero
4. Gennaker

Es ist nachgewiesen, dass seit einigen Jahren die Windstärke extremer wird, entweder ganz viel oder recht wenig. Früher, also wir noch jung waren, haben wir je nach Windstärke zwischen einer kleinen Fock (90-95%) und einer großen Genau (115%) gewechselt. Aber das nervt uns heute. Der Kompromiss: die Fock für stärkeren Wind und für schwachen das Code-Zero. Den befestigt man während der Fahrt ganz einfach wie ein zweites Segel (zweites Vorstak) und rollt es einfach ein und aus. Sehr praktisch.

Mit der Fock können wir bis 25-27° zum scheinbaren Wind fahren, mit dem Code-Zero (80 qm) bis zu 35°. Die offene Lücke ist „nur“ bei schwachem Wind an der Kreuz, da hängen uns die Schiffe mit der großen Genua ab. Sobald der Wind stärker als 5-6 m/s weht, sind wir wieder vorn.

Für achterliche Winde haben wir einen Spinnacker (100 qm) mit Carbon Baum. Man gönnte sich sonst nicht. Den Spinnaker setzten ist immer noch viel Arbeit und das machen wir nur bei langen Törns mit achterlichem Wind. Unser Lieblingssegel bleibt das „Code-Zero“.

Bücher und Seekarten für die Baltic Törn 21!S/Y Andante

Für alle, die es interessiert, zeigen wir mal ihre Werkzeuge. Nein, wir bekommen kein Geld vom NV-Verlag/Hansenautic:

  1. Hamnguiden 8, schwedisch
    Von den Schweden auch „die Bibel“ genannt. Hafenführer für die Stockholmer Schären von Landsort bis Arholma. Bilder, Zeichnungen und weitere Informationen zu Häfen, Naturhäfen und Möglichkeiten am Fels mit Heckanker anzulegen. Sehr genaue Bestimmung der einzelnen Anlegemöglichkeiten. Allerdings alles auf schwedisch.
    http://www.harbourguide.com
  2. Schweden 2, Törnführer, Delius Klasing Verlag, alles in deutsch
    Gerti und Harm Claußen, aktualisierte Ausgabe 2020
    Von Trelleborg bis Stockholm.
    Gute und genaue Beschreibung (auf deutsch) der einzelnen Häfen und auch Möglichkeiten, wo man gut ankern kann. Subjektiv geprägt.
  3. Landsort-Skanör, schwedisch
    Gästehäfen und auch die Naturhäfen, Anker- und Anlegestellen.
    Ähnlich wie „die Bibel“ nur nicht ganz so ausführlich. Für das Gebiet südlich des Stockholmer Schärengartens.
  4. Aland – Gästehäfen, Fahrwasser, Ankerplätze, deutsch
    http://www.pqr.ax
    Sehr gute Beschreibung mit Text, Fotos und Zeichnungen.
  5. Seekarten von Aland
    Die neuesten sind von 2015. Man sagte uns auf den Alands, wo wir die Karten kauften: die Steine bewegen sich nicht.
    http://www.traficom.fi
  6. Die analogen Seekarten von Schweden mit den Erläuterungen. Für den Bereich „Östliches Schweden“ gibt es in Deutschland nur die Karten von Delius Klasing. Aber man kann auch gut die sehr ausführlichen schwedischen Karten benutzen, die sehr praktisch zum Umblättern sind. Immer dabei natürlich, besonders gebraucht von uns f.a. für die Brücken und Schleusenzeiten
  7. Navionics und B&G
    Zum Navigieren nutzen wir die digitalen Navionics Karten auf dem B&G Plotter sowie mit der Boating-App auf dem Ipad. Sehr praktisch, man kann die Route auf dem Ipad anlegen und im Bordnetz an den Plotter übertragen. Hilfreich ist auch das „Automatic-Routing“, da kann man schnell und einfach mal eine Distanz abschätzen. Die automatische Route ist nur zum Vorplanen. Final wird die Route manuell angelegt und noch mehrmals überprüft, besonders in den Schären (Tiefe Fahrwasser, Hafen, Höhe Brücken)

Lasst Euch nicht durch die schwedische Sprache bei den Führern abschrecken. Die Sprache ist zwar nicht zu verstehen, weil die Worte anders ausgesprochen als geschrieben werden; aber wenn man sich die Worte bzw. Buchstaben langsam vorliest, kann man häufig den Sinn verstehen. Betaling, Plats, Küstenbewakning, Hamn, Värdshus, Vin. Einige lebensnotwendige Vokabeln lernt man mit der Zeit: Fatöl, Förrätter, Smörebröd, Glass.