Öland und der Kalmar-Sund

Wir verlassen Västervik unter Segeln nach Byxelkrok im Norden Ölands. Es ist ein herrlicher Segeltag, 8.00h Leinen los und um 13.00 Leinen fest. Auf dem Hinweg waren wir hier und die Saison startete gerade. Jetzt ist pralles Urlaubsleben und die Hafenmeister haben alle Hände voll zu tun die Boote in dem neu vergrößerten Hafen unterzubringen. Wir waren schon häufig hier. Unser Eindruck – der Ort erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei schwedischen Urlaubern, wohl auch wegen des schönen Strandes.

Am nächsten Tag geht es für uns weiter nach Borgholm. Anfangs war es nicht voll, füllte sich aber zusehens bis auf den letzten Platz. Mächtig Partystimmung – schon etwas zu viel für uns alten Säcke. Aber der Fischladen Nisse entschädigt mit leckerem Fisch. Wir braten den Rödning auf der Haut, so dass er oben noch etwas roh ist. So lieben wir es.

Natürlich besuchen wir die Sommerresidenz der Königsfamilie. Diesmal sind wohl alle anwesend, denn wir wurden beim Einlass in den Garten etwas durchsucht und am Schloss stand leicht versteckt ein Security-Mann.

Der Garten ist herrlich, besonders jetzt, wenn alles blüht. Einen Teil des Gartens hat ein Künstler gestaltet. Zudem gibt es jedes Jahr ein neue Ausstellung, diesmal Fotos von einem renommierten Naturfotografen, mehr dazu auf einem der Fotos. Klickt mal die Fotos durch, sie geben einen Eindruck von dem schönsten Garten, den wir kennen.

Der Wind in einem Sund folgt oft dem Wasser, also kommt der Wind meistens von vorn oder direkt von achtern. Beides ist nicht gut. So ist es auch in diesen Tagen. Wir haben Nordwind, erstmal gut für alle, die in den Süden wollen und schlecht für alle, die am Anfang der Ferien Richtung Stockholm oder Alands wollen. Einige geben das Vorhaben auch auf.

Wir mühen uns unter Segeln und Motor nach Kalmar und dann nach Sandham, der letzte Hafen vor der „Ostsee-Biskaya“ = der Hanö-Bucht.

Kristianopel – Kalmar – Borgholm -Byxelkrok

Karlskrona liegt in der Hanö-Bucht. Unser heutiges Ziel ist Kristianopel. Wir mussten anfänglich gegen den geringen Wind kreuzen, nach dem Einstieg in den Kalmar-Sund geht es langsam weiter, zusammen 37 NM, strahlender Sonnenschein, wenig Wind – aber die ganze Strecke gesegelt.

Kristianopel ist von sehr schöner Natur umgeben und wir sind in dem netten Gasthaus Essen gegangen, einfach – aber gut. Am nächsten Tag geht es unter Segeln nach Kalmar, guter Wind mit 5-8 m/s, nach gut 3 Stunden lassen wir die 18 NM hinter uns.

Kalmar ist praktisch. Supermarkt und ein gut ausgestatteter Marineshop sind gleich an der Marina. Letzteren brauchen wir, denn es gibt für die Männer etwas zu tun.

Die Backbord Genua Winsch macht ganz komische Geräusche. Wir haben die Befürchtung, dass sie kaputt ist, und bauen sie auseinander. Gott sei Dank ist sie nur ziemlich verdreckt. Dreck und überflüssige alte Schmiere werden entfernt und mit Petroleum gereinigt. Danach neu gefettet und alles läuft wie geschmiert.

Am nächsten Tag geht es zu einer unserer Lieblingsdestinationen: Borgholm. Darüber haben wir schon häufig berichtet. Es ist die Sommerresidenz der königlichen Familie mit einem herrlichen Blumengarten. Die lassen wir diesmal aus, denn wir sind fest entschlossen nach Visby auf Gotland zu segeln. Übermorgen ist dafür passendes Wetter angesagt und viel wichtiger, auch für eine Überfahrt von Visby zurück zum Festland sind die Aussichten gut.

Aber soviel Zeit muss ein, bei Nisses Fisk muss eingekauft werden, eine Meerforelle und weitere Leckerein.

Von Borgholm nach Byxelkrog, beides auf Öland, geht es wieder unter Segeln. Es sind immerhin 31 NM, bei guten Bedingungen schaffen wir das in 5h. In Byxelkrog pulst das Leben nur in der kurzen Sommersaison und die hat gerade begonnen. Um es vorsichtig auszudrücken, es ist nicht viel los. Dafür umso mehr bei uns.

Irgendwas ist immer!

Schon seit einigen Tagen merken wir, dass sich das Großsegel nur sehr schwer und am Ende nur mit der Winsch hochziehen lässt. Gunnar lässt sich nicht davon abbringen sich auch bei viel Wind und wankendem Mast ganz nach oben, immerhin fast 20 Meter über dem Meeresspiegel, ziehen zu lassen.

Diagnose – die Umlenkrolle für das Fall ist komplett zerstört. Die gute Nachricht, daneben ist im Mast noch eine zweite, sie ist unversehrt. Wir überlegen, wie wir das zweite Fall auf die andere Rolle bekommen. Einfach rüber legen geht nicht. Die Idee: wir fädeln mit Hilfe einer dünnen Hilfsleine das Fall neu ein.

Das ist leichter gesagt als getan. Gunnar bindet zwei Schraubenschlüssel an das Bändsel und Marcus versucht sie unten am Mast in Empfang zu nehmen. Es dauert eine Weile und viele Versuche, bis wir es endlich geschafft haben.

Der Rest ist einfach: Großfall rausziehen und an die Hilfsleine binden und zurück über die neue Rolle ziehen. Alles klappt wie geplant. Am nächsten Morgen freuen wir uns, wie einfach sich das Großsegel wieder setzen lässt. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man so ein nicht einfaches Problem gemeinsam gelöst hat. Darauf wurde ein Bier getrunken.

P.S: Das Anheuern von Gunnar hat sich schon bezahlt gemacht. Und es kommt noch mehr.

5. – 8. Tag, sonnig, moderate südliche Winde

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